Erstaunliche Bilder mit Sprache gemalt

Tinte im Weißwein lautet der geheimnisvolle Titel des neuen Erzählbandes von Maria Alraune Hoppe. Die Kärntner Autorin entführt die Lesenden mit unkonventionellen Wort- und Szenenkombinationen in eine Welt voll Überraschungen.
Maria Alraune Hoppe ist eine außergewöhnliche in Kärnten lebende Künstlerpersönlichkeit. Näheres über ihre biografischen Daten und ihren beruflichen Werdegang brauchen hier nicht angeführt werden, das finden Sie in ihrem neuen Buch alles aufgelistet. Sie ist eine starke Frau und beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 mit Kunstprojekten aller Art. Das ist nicht nur die Literatur und der pointierte Einsatz der Sprache, das ist auch die Musikimprovisation.
„Tinte im Weißwein“, 2017 erschienen im „der wolf verlag“ heißt ihr neues Werk. Die 47 Erzählungen in diesem Band sind wie ein Beitrag zur Verbesserung der Welt, aber nicht in einem kitschigen, allgemein üblichen, sondern in einem sehr tiefsinnigen Sinne.

Hoppe stellt diesem Buch ein Zitat von Albert Einstein voran: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle“. Und genau dieser Satz sollte den Lesenden das ganze Buch hindurch begleiten, weil es ebenso geheimnisvoll ist, was Maria Alraune Hoppe hier beschreibt, und den Leser mit auf eine Reise nimmt, wirklich mitnimmt ins Geheimnisvolle. Sogar das Coverfoto Hoppes entführt in entrückte Welten.

Es gibt überraschende, unerwartete Wendungen. Sie schafft es, erstaunliche Bilder mit Sprache zu malen. Man kommt im Grunde bei diesen kurzen Erzählungen und kurzen Geschichten kaum aus dem Staunen heraus.
Ich möchte das mit ein paar Beispielen untermauern: ein Satz hat mir besonders gut gefallen, weil er in sich geschlossen und sehr poetisch ist, poetischer und lyrischer, als man für eine Erzählung annimmt: „Und der Pinsel sang mit dem Papier sein Lied“.

Das könnte auch eine Gedichtzeile sein. Oder: „Die Dunkelheit scheint jetzt noch dunkler, als wäre es jenes Schwarz, das samtig weich und liebevoll alles verschlingt, was ein Eigenleben zu haben glaubte“. Wenn man über diese Sätze nachdenkt – und man kann nicht einfach nur so drüber lesen – das sind sehr tiefgründige Feststellungen und auch Erfahrungen. Mir ist auch aufgefallen, dass es Wortschöpfungen gibt, die sehr treffend bei Maria Alraune Hoppe sind, wie zum Beispiel: „Die Mit-mir-nicht-Seite“, die sollten wir alle auch immer gestärkt vor uns hertragen.
Und besonders beachtlich ist auch ihre Aussage, dass „Farben einnehmen einen stärken“ könnten. Und da sind wir schon beim Titel: Farben einnehmen, das heißt: Tinte im Weißwein. Also nicht Tintenfisch an Weißwein, wie man vielleicht mutmaßen könnte, sondern die Farbe Tinte im Weißwein, und wenn man die dann schluckt, dann ist man gestärkt, aber mehr verrate ich nicht.

Ich wollte Sie auf ganz beachtenswerte Überschriften hinweisen, die Sie hier in diesem Buch finden können: „Der Irrwitz des Tages“, „Das Türritzenamt“, „Geflimmertes Getuscheltier“.
Gestalten tauchen auf wie: „Der Geheimgangwärter“, „Der dünne Stimmchenpiepser“´, auch „Das Begierdengetier“. Wir kennen das Gemeinte alle sehr gut, aber richtig benannt – mit einem Augenzwinckern – hat es Maria Alraune Hoppe. Solche Wortschöpfungen machen neugierig und führen in eine empathisch subtile Poesiewelt.

https://www.heyn.at/list?cat=&quick=Maria+Alraune+Hoppe

Zur Person: http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/maria-alraune-hoppe/

Maria Alraune Hoppe
TINTE IM WEISSWEIN
47 Erzählungen, 1000 Facetten von Leben

der wolf verlag | wolfsberg 2017
13 x 21 cm
160 Seiten
Pappband mit Schutzumschlag

ISBN 978-3-902608-79-6
 
21,80 €

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Foto © russwurm-photography

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