Kategorie: Berichte

Ein Fest der DichterInnen auf dem Prešernov trg in Ljublijana – die dritte Dichterfahrt aus Klagenfurt feiert mit den Nachbarn den Welttag der Poesie

Mit der Kraft der Schreibfeder jedes Einzelnen der (bisher) drei Dutzend Künstler, die mit Ljubljana in Dialog treten wollen, sollen die auftürmenden Barrieren zwischen den beiden Städten endlich abgebaut werden. Die Künstler, die sich KAUS/a; Kärntner Autoren Solidarität in Aktion nennen, wollen auf ihre Art eine Partnerschaft zwischen Kärnten und Slowenien herbei schreiben.

Am Welttag der Poesie machte sich wieder eine Dichterinnen- und Dichtergruppe auf, um in Ljubljana gemeinsam mit den slowenischsprachigen KünstlerkollegInnen zu feiern.

Weltenwandern (Auszug) ( von © Monika Grill)
Und die Reise geht weiter. Worte verknüpfen sich, ziehen mich vorwärts, in die Zukunft, ziehen mich rückwärts, in die Vergangenheit. Beschreiben eine Welt, die es nicht mehr gibt, die aber noch immer in mir lebt. Beschreiben ein Ich, das ich nicht mehr bin und das doch in mir zuhause ist. Sie halten sich nicht an die Gesetzmäßigkeiten der Zeit, meine Worte.
Buchstabe reiht sich an Buchstabe, eine Tintenschlange, die sich in den Schwanz beisst und den Kreis der Undendlichkeit formt. The circle of infinity. Der Lebenskreis, der Ewigkeitskreis.
 
Ein Blumenkranz aus Worten, aus Maiglöckchen, Margeriten, Veilchen, Flieder, zusammengebunden, aufs Haar gelegt, in die Stirn gedrückt.
Ich rieche Sommer, Frühling. Summer. Spring. Autumn.
Der Herbst kommt, die Blüten verwelken, fallen zu Boden, verwehen im Wind.
 
Ich suche nach den verlorenen Worten, hier, in der Ewigkeitsgasse, unter dem ehemaligen Klopfsteinpflaster, im Wasser des Alserbaches, der in Betonröhren gezwängt vom Wienerwald träumt, und von den unzähligen Fischen, die sich einst unter dem Wiener Nachthimmel tummelten, der schwarz sein sollte, sternenbesät. Aber es nicht mehr ist.
 
Ich schau hinauf.  Erinnere mich.
Sky sage ich, und der Himmel öffnet sich und wird eins mit dem Weltraum.  Ich sage heaven, und wir sitzen unter einer Kuppel aus Blau, von der die Gestirne wie Lampen hängen und die Welt beleuchten, die eine Scheibe ist. Ich gehe an die Grenzen, überschreite limits, stoße an borders. Ich bin 32, thirty two, ich fliege nach Mexiko, um nach einem Österreichbesuch über Tijuana einreißen zu können. Illegal. Illegal immigrant. (© Monika Grill)

Ljubljana (von © Karin Prucha)

Die drei Wege führen nicht zum See, sondern über den Fluss, der der Stadt den Namen gab. Ljubljanica, der heilige Fluss der sieben Namen, unterirdisch kommend aus dem Karst, fließt er glänzend grün durch Ljubljana.

Das prägt die Stadt, was für eine fließende Stadt, in jedem Sinne, die ich mit meinen dichtenden KollegInnen am Tag der Poesie am 21. März besuche. Wir kommen mit dem Dichterbus, und erobern uns die Stadt zu Fuß. Ich kenne Ljubljana schon über 30 Jahre, welche Veränderung zum Lebendigen, zur Farbe, zum Genießen zu spüren ist. Über dem Marktplatz neben dem Fluss liegt der Duft von gebratenem Fisch, dem wir nicht widerstehen können. Die Buntheit von Obst und Gemüse lockt direkt daneben, die vielen Menschen, die Heiterkeit. Wir flanieren durch die Altstadt, zur Gänze autofrei und Fußgängerzone. Elektrische kleine Busse bringen einen weiter, wenn die Füße nicht mehr wollen. Die Architektur der alten Gebäude beeindruckt wie die vielen großzügigen Plätze und Parks, die ein Gefühl von Freiheit vermitteln.
2016 wurde Ljubljana als grüne Hauptstadt Europas ausgezeichnet, und das bestätigt den eigenen Eindruck, die vielen Bäume, in den letzten Jahren tausende neu gesetzte, lassen durchatmen. Die Stadt ist in Bewegung, auch kulturell, an der glitzernden Ljubljanica entlangschlendern, von einem Lokal zum andern, von einer Galerie zur anderen, die schon zartgrünen Frühlingsäste wehen im Wind, der grüne Drache begrüßt uns auf unserem Weg. Das Wappentier ein Drache wie in Klagenfurt, im Moor um Ljubljana lebend.

Der Sage nach wurde Ljubljana vom griechischen Argonautenhelden Jason gegründet, auf der Flucht mit dem geraubten Goldenen Vlies verirrt von der Ljubljanica mitgenommen und beim Drachen gelandet.

Wir landen wieder an der Tromostovje, den Drei Brücken, vor Jahrhunderten war dies eine der wichtigsten Wegkreuzungen in Europa, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Der slowenische Architekt Jože Plečnik hat die Brücke vor 85 Jahren um die zwei kleineren Fußgängerbrücken erweitert und die Pappeln anpflanzen lassen, es ist derselbe, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zahlreiche Bauten und Plätze mitgestaltet hat. Die Drei Brücken führen direkt zum Prešernov trg, dem Platz des slowenischen Nationaldichters France Prešeren. Vor 185 Jahren lebte er eine Zeitlang in Klagenfurt, nachdem er in Wien studiert hatte. Unsere Region ist miteinander verbunden, durch die Geschichte, durch die Gegenwart, durch die Menschen.

Nun wird es Zeit für unsere Lesung, aber wir müssen uns gedulden, heute, am Tag der Poesie, lesen hier auch junge slowenische LyrikerInnen. Auf dem Denkmal sitzend, lauschen wir ihnen. Das Lauschen in Ljubljana, wie viel man hört, wahrnimmt, sieht, wenn man diese Stadt durchquert. Geliebte Stadt, die andere Erklärung für den Namen Ljubljana, wie stimmig. Bald sollten weitere Begegnungen folgen mit unseren slowenisch dichtenden KollegInnen, aus Kärnten/ Koroška, und aus Ljubljana.

Die Verbindung zwischen Klagenfurt/ Celovec und Ljubljana/ Laibach mit dem Alpen-Adria-Bus sollte nicht abreißen, es sind unsere Nachbarn, sie sprechen dieselbe Sprache wie wir, wie die slowenischen Landsleute in Kärnten, Landessprache. Schön wäre, die kulturelle Vielfalt am Abend erleben zu können, die letzte Busrückfahrt um 17 Uhr ist einfach viel zu früh. Wer weiß, was aus unseren Dichterfahrten noch alles entstehen wird! (© Karin Prucha)

https://www.visitljubljana.com/en/visitors/stories/how-architect-joze-plecnik-shaped-ljubljana-to-become-the-city-with-a-green-soul/?utm_source=FB&utm_campaign=blog&utm_content=plecnik

Vom Gedichtaufsagen und anderen Gerüchen (von © Marlies Karner-Taxer)
 
Schon von klein an hatte ich das besondere Talent, Gedichte rasch zu lernen und auch gut aufsagen zu können. So verschaffte mir mein Vater die ersten Auftritte, um die ich nie gebeten hatte und die ich dennoch in meiner verehrenden Liebe zu ihm ohne Murren absolvierte. Ich war etwa elf, zwölf Jahre alt. Ob Muttertagsfeier, Altenfahrt oder Frühlingsfest für Senioren – mir wurde in der Früh der Zettel mit dem Gedicht in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, es bis mittags oder nachmittags zu können.
  
Am schlimmsten war für mich der Gang durch den Saal. Beim auf-die-Bühne-gehen blieb ich noch relativ verschont, aber der Weg zurück war jedes Mal eine Tortur. So schön aufgesagt, riefen die alten Frauen, zogen mich beim Vorbeigehen an sich, drückten mich an ihren Busen und ein Busserl auf meine Wange.
 
Eine nach der anderen ließ es sich nicht entgehen, ein junges, zartes Körperchen an sich zu drücken und endlich wieder einmal zu einer Umarmung, einer Berührung mit einem warmen Körper zu kommen.
 
Jedes Mal dachte ich, an der aufgestauten Liebe und dem intensiven Geruch nach Urin zu ersticken. (© Marlies Karner-Taxer)

Ein Fest für die Poesie ( von Willi Wolschner)

Am Welttag der Poesie, 21.März 2017, kommen wir zum Denkmal von France Prešeren und Hunderte Menschen bevölkern den Platz. Der Slowenische Rundfunk und das lokale Fernsehen mit einer Reporterin und einem Kameramann sind vor Ort und nehmen eine Literatur-Veranstaltung auf.

Es wird eine öffentliche Lyrik-Lesung abgehalten, deren Teilnehmer ganz junge Dichterinnen und Dichter sind. Sie stehen vor dem Denkmal, vor dem Microfonständer und vor ihnen eine Menge Interessierte.

Einer der lesenden jungen Dichter liest seinen Text von seinem I-phone, was wirklich sehr lustig aussieht.

Leider verstehe ich die Texte nicht, aber ich nehme mir vor die wichtigsten Vokabel vom Slowenischen zu lernen. Viele der vorlesenden Dichterinnen sind auf Fotos festgehalten (Es sind tatsächlich zu 90 % junge Frauen). Eine haben wir vor der Lesung kennengelernt: Ana Makuc mit ihrem Lyrikband „Ljubica Rolanda Barthesa“ (2015) mit Gedichten zu großen historischen Frauengestalten. Sie freut sich ebenso wie wir „Gleichgesinnte“ zu treffen. Und es sind wirklich viele….. (© Willi Wolschner)

https://www.dnevnik.si/1042750422/kultura/knjiga/intervju-z-veronikino-nagrajenko-pesnico-ano-makuc-v-moji-poeziji-ima-zenska-lastno-zeljo

Die Sonne der Nacht (von © Del Vede)

Legen sich die Menschen zum Schlafen nieder,
geschieht etwas mit ihnen.
Manche sind so still und ruhig,
jetzt sind sie Bäume und erinnern sich ihrer Wurzeln.
Andere erstarren zu Stein.
Wieder andere erinnern sich,
einmal ganz bestimmt,
eine Quelle gewesen zu sein,
und sie kehren zurück.
Manche singen wie ein Büschel Gras im Nachtwind,
und es mangelt an nichts.
Andere treibt es ins Wasser fort und fort,
und sie halten niemals mehr inne.
Wieder andere breiten die Arme aus,
um die Erde zu umarmen.
Es liegt niemand an ihrer Seite.

© Del Vede 2017

alle Fotos © russwurm-photography/ w. wolschner
Bildtitel: vor dem Prešeren-Denkmal Lesung mit: (hinten v. li.) Heide Tanzmeister, Karin Prucha, Monika Grill, (stehend) Del Vede, (vorne): Gabriele Russwurm-Biro und Marlies Karner Taxer.
Porträt: Junge slowenische Dichterin: Ana Makuc

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Zu Füßen des Dichters – Die Stadt nicht aus den Augen lassen – Marathon in der Klasse M 70 – Zweite Dichterfahrt nach Ljubljana der KAUS/A

Die Stadt nicht aus den Augen lassen war das Motto der zweiten Dichter- und Dichterinnenfahrt nach Ljubljana organisiert von der Kärntner Autorengemeinschaft KAUS/a im Rahmen des Projektes LAIBACH – WIR KOMMEN! Zur Überwindung der Grenzen zwischen Nachbarländern – Mitte März.
Wir wollen einander besser verstehen – ein wahrer Marathon nimmt da seinen Anfang. Ljubljana ist nicht weit von Klagenfurt, und es hilft wahrscheinlich wenig, immer nur von den guten – oder weniger guten – kulturellen Nachbarschaftsbeziehungen zu den Slowenen zu reden, man muss hinfahren und dort vor Ort Literatur aus Kärnten präsentieren. So möchten wir einen Dialog ins Leben rufen – ganz ohne Politik – nur auf Literatur basierend und dem Willen auf eine grenzenlose Verständigung.
Strahlendes Wetter begleitete die hoch motivierte Dichtergruppe auf ihren Wegen zur Erkundung der Metropole an den Ufern der Ljubljanica. Diesmal stand die Dichterpersönlichkeit France Prešeren im Mittelpunkt, viele Details aus seinem Leben kamen ans Licht – für einen Augenblick.
„Es ist der Beginn der Erkundung einer wunderschönen Stadt in unserer Nachbarschaft. Während man durch die Stadt wandert, erliegt man sehr schnell ihrem Charme. Das quirlige Leben, die vielen jungen Manschen, die vielen liebevoll gestalteten Läden und Cafés erfreuen das Auge. Daneben atmet auch überall die wechselvolle Geschichte dieser alten Stadt. Wie eine lebendige Ader durchzieht auch ein Fluss diese Stadt. An den Uferpromenaden unzählige volle Cafés und Gaststätten, die auf das von der Sonne glitzernde Wasser schauen. Verzaubert sitzt man bei einem Glas Wein und beobachtet die Leute…“ (Willi Wolschner)
Zu Füßen des Dichters (Christine Tidl)
„Zu Füßen des Dichters, seiner Liebe zu Lulija und den Geschichten seiner Stadt begegne ich den vielen jungen Menschen bei Sonnenschein an den Ufern der Ljubljanica. Über die Drachenbrücke hinein in die Altstadt. Strahlend blau der Himmel über barocken Fassaden. Micha, der Zeitungsverkäufer, überrascht mit Witz und spricht meine Sprache. Ein kluger Beobachter der Fremden, die, so wie ich, in dem gemütlichen Café Platz genommen haben. Buntes Treiben drüben am Markt.
Die Frau beim Gemüsestand greift in den Bottich. Eine Handvoll saurer Rüben. Kein Wort zwischen uns. Wir kennen uns nicht. Sie zeigt hin auf den Preis. Wir lächeln uns zu als wären wir alte Bekannte. „Koroška?“ die Frage an mich. In den weichen Lauten, dem Singsang der Sprache schwingt sanft die Melodie meiner Heimat. Ich nicke „Celovec!“ Da lachen wir beide. (©Christine Tidl, März 2017)
Reisen
Wollen
Köpfe
weiten
Gedanken
Können
Worte
Finden
Lieder
Öffnen
Herzen (©Christine Tidl, März 2017)

Im Augenblick (Del Vede)
Vom Kirchturm herabgesehen, auf den nie jemand aufsteigt und die Arme ausbreitet, scheinen diese Häuser ihrer Klobigkeit und ihrer Fassaden leid zu sein, und sie brechen auf – irgendwohin. Etwas Vergessenes erfasst sie von Neuem. Manchmal träumt diese Stadt und ihre Häuser summen und singen und begehren auf. Sie laufen dir über den Weg. All diese jungen Leute in Ljubljana, die hoffen, sich noch heute zu verlieben. Die durch Gassen zappeln und lärmen, dass sie nicht wahrnehmen, wann dieser Augenblick eintritt. Nur einer. Und doch der Erste von vielen. Sie sind von sich selbst und von ihrer Suche überwältigt und halten nicht inne, wenn er endlich eingetroffen ist. Sie gehorchen ihm nicht und der Augenblick streicht an ihnen vorüber. Es wirbeln und wehen so viele durch die leeren Gassen und müssen vergehen. Doch die Häuser haben ein Einsehen und kehren zurück.
Wird ein Augenblick festgehallten, folgt ihm, manchmal, ein nächster augenzwinkernd, noch einer und immer mehr. So sehr wünscht sich ein jeder von ihnen zu bleiben und gedehnt zu werden. Zu einer langen Jahreszeit. So sehr, dass er mit einem jeden vorliebnimmt. Sogar mit dir.
(Nachdem sich Koordinator und Literaturliebhaber Willi Wolschner, der nur auf See vollkommen glücklich ist, an den Häusern von Ljubljana sattgesehen hat, und an der Anmut und Schönheit der Frauen, die diese Stadt bevölkern, blickt er zur Muse des France Prešeren empor, die über dem Hauptplatz schwebt, und greift nach diesem Text. Er kniet sich auf die Stufen des Prešeren-Denkmals, liest vor und lässt die Stadt nicht aus den Augen.)
Mein Laibacher Marathon (Benno Linzer)
„Seit 55 Jahren laufe ich Wettkämpfe, davon fast 300 Marathonbewerbe. Heute dehnt sich vor mir ein Marathon, dessen Strecke ich nicht kenne. Meine Mitläufer sind Dichterinnen, Dichter und Büchernarren. Das kann nicht gut gehen. Dass mir dieser Grenzmarathon alles abverlangt, erkenne ich bereits beim Warmlaufen im Café Angelina neben der Klagenfurt Arbeiterkammer vor dem Bussteig 16 beim Alpe-Adria-Bus. Die anderen trinken Kaffee, scherzen und reden sich warm, laufen aber nicht. Im Bus werden mir plötzlich Grenzen erklärt, in deren Nähe wir gelangen oder überqueren. Die Grenzen der Stadt St. Ruprecht, die des Dorfes Otoce, dieses Inseldorfes mit 18 slowenischen und nur zwei deutschen Hausnamen, na und? das zum Stadtteil Waidmannsdorf wurde. Also daher kommt die Bezeichnung Siebenhügel, nicht von Rom. Die ehemalige Moorgrenze im Kärntner Abwehrkampf. Die Grenze, die man gegenüber Eindringlingen zog, die man vom Turm auf Strasisce, dem Wachtplatz, heute Straschitz mit drei slowenischen Hausnamen, im Blick behielt.
Und noch mehr Grenzen der Wahrnehmung gibt es bis zu den Kosute, den Hirschkühen, wie die Karawanken zuvor genannt wurden. Die letzte Kuh, die „Kosuta“, gibt es ja noch. Dagegen kann ich im Grenzbus der AlpeAdria-Linie nicht anrennen, obwohl es mich als gebürtigen Wolfsberger für 40 Jahre als Gastarbeiter nach Bayern verschlagen hat, blieb ich hier verankert. Dort wurde ich 37 Mal bayrischer Meister. Auf den Laufstrecken musste ich sogar gegen Wildschweine anrennen, während mich dieser Bus mühelos über all diese Grenzen rollt. Bei der Autobusna Postaja geht es wieder nicht los, weshalb ich meinen Mitläufern über die Sportlerehrung in Wien zum Endstand 2016 berichte. Erster Platz in der Klasse M 70 (siebzigjährige Männer). Im Wettkampf mit allen, insgesamt 11.632 Läufern, allen jüngeren eingeschlossen, erreichte ich den 47. Platz.
Auf dem Weg zum Begrüßungskaffee im Union in der Miklosiceva fordere ich die anderen heraus: 6000 Kilometer laufe ich ungefähr im Jahr – und Ihr, meine Lieben? Viermal absolvierte ich bereits 100-Kilometer-Läufe – und Ihr? Die längste Strecke lässt mich 164 Kilometer lang nicht los. Da läufst du auch nachts, und Ihr? Bei diesem Marathon laufen wir gemeinsam und sprechen mit allen, die wir treffen, bis sich alle besser verstehen. Wir wollen nicht ein jeder für sich und vor den anderen gewinnen. Wir wollen einander besser verstehen!“

Der Feuervogel / ENGELSCHREI (DEL Vede)
Ich bin das Licht, das gut ist, weil es böse ist.
Du läufst ihm davon und entkommst ihm doch nicht.
Suche nicht.
Du erblickst nur einmal: mich!
Ich entzünde, was gerade ist.
Ich verbrenne, was einmal war.
Damit alles endlich gewesen ist.
Brenne, brenne Gegenwart.
Sie ist nicht mein Ort.
Sie ist nichts.
Das gilt auch für dich.
Im Lichte meiner Aufmerksamkeit verglüht dein Licht.
Suche mich nicht.
Ich fand dich schon lange. (© Del Vede 2017)

Für diesen Text, einem Engelschrei, betätigte sich Christine Tidl als Vorleserin. Sie trug ihn als Vorschau auf ein Literaturcafé LITERANA KAVARNA in Klagenfurt und in Ljubljana vor, welches einige Dichterinnen und Dichter der KÄRNTNER AUTORENSOLIDARITÄT in Aktion KAUS/a vorbereiten und am liebsten mit Unterstützung des Kärntner Kunstvereins durchführen möchten.
Foto © Gabriele Russwurm-Biro
Bildtitel: AutorInnengruppe vor der Abfahrt in Klagenfurt /Busbahnhof: Benno Linzer, Willi Wolschner, Christine Tidl und Organisator Del Vede (v. li.)

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Frauenzimmer – Ein literarischer Reigen von IG-Autorinnen Kärnten zum Internationalen Frauentag

Zum traditionellen Literatur-Event im Klagenfurter Musilhaus lud am Internationalen Weltfrauentag (8. März 2017) die engagierte Obfrau der IG-Autorinnen Autoren Kärnten, Ilse Gerhardt, 14 Kärntner Literatinnen (IG-Autorinnen) zum Lesemarathon. Thema des Abends war selbstverständlich ein weibliches, egal in welcher Art und Weise, erlaub ist, was gefällt und den Literatinnen auf der Seele liegt. Dafür standen knappe 5 Minuten zur Verfügung. Frauen machen Frauenliteratur und Frauenthemen zum Inhalt dieses Abends.

Begonnen hat den weiblichen Literaturreigen die wohl jüngste Kärntner Autorin, die 15-jährige Irina Antesberger. Sie las einen spannenden, sehr bewegten und heiteren Ausschnitt über Eigenheiten von Primadonnen und anderen Theaterereignissen aus ihrem Debütroman „Wenn der Vorhang fällt“ (Memorien-Verlag, 2016).

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/kaerntnerdestages/5151856/Kaerntnerin-des-Tages_Irina-Maria-Antesberger_Eine-vielseitige

Ausnahmetalent Rebekka Scharf aus St. Stefan im Lavanttal trug ihren starken Text mit bedrückenden Kindheitserinnerungen sehr beeindruckend vor. „Einmal Eselsbank – immer Eselsbank“ über Ausgrenzung im Kindesalter.

Danach folgte die Geschichte über den Hirtenjungen Tajos von Autorin Christine Tidl aus Seeboden vor dem Hintergrund eines ihr besonders lieben Themas: Afrika und die Massai.
Sie ist Mitglied des Verbandes Steirischer Autoren, Mitglied der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg, und der Christine Lavant-Gesellschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen ua. der erste eigene Lyrikband „und meine Träume schreib ich in den Wind“

Gisela Unterberger aus Hermagor las Gedichte vor, die als lyrische Milieustudien eines Lebens angelegt waren. Sie ist Mitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes.

Die zweisprachige Literatin Luise Ruhdorfer aus Finkenstein veröffentlicht wissenschaftliche und literarische Texte in Deutsch und Slowenisch. Sie las aus ihrer Studienchronik über Schicksale frühverstorbener Frauen, die ihre Kinder zurücklassen haben.

Die Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin Betty Quast aus St. Veit an der Glan las aus ihrem Lyrikband „Endzeit“, der kurz vor der Veröffentlichung steht, Gedichte aus der Sammlung Marzahn (Erinnerungen aus der Hochhaussiedlung in Berlin) „vom Leben in den Wracks der Moderne“. Sie ist als Vorstandsmitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes Mitorganisatorin des Alpen-Adria-Symposiums des KSV in Gmünd, das heuer Mitte Oktober stattfinden wird, und betreut und baut die Kontakte zwischen den Literaturgesellschaften und Interessensverbänden in Tirol, Südtirol und Osttirol auf.

http://literatur.report/berichte/leih-mir-dein-ohr-lesung-der-kaerntner-schreiberlinge-am-woerthersee/

Dagmar Cechak aus Klagenfurt präsentierte ihren lyrisch gehaltenen Prosatext „Schneeblut“ mit sanften Stimmungsbildern und anschließend eine kurze kritische Darstellung über die männliche Eitelkeit, die das Publikum zum Schmunzeln brachte…

Die aktuelle Kärntner Lyrikpreisträgerin der STW-Klagenfurt, Monika Grill, aus Viktring bei Klagenfurt, trug sehr pointiert eine Hommage zum Weltfrauentag vor über die verschiedenen Tage und ihre Widmungen – Alltägliches und Besonderes – und mitreißend. Sie engagiert sich als Schriftführerin im Vorstand der IG-Autorinnen Autoren –Kärnten und verbrachte 30 Jahre in den USA (Kentucky). Seit ihrer Rückkehr 2010 widmet sie sich ganz konzentriert der Schriftstellerei.
http://kaernten.orf.at/news/stories/2810425/
http://www.monikagrill.com/v

Danach las die Klagenfurter Autorin Eva Possnig eine Erzählung vor, die ein Bestandteil ihres unveröffentlichten Romans „Sechs Farben einer Stadt“ ist. Sie hat sich überwiegend der Prosa und feinen nuancierten Erzählform verschrieben.

Die aktuelle Preisträgerin des zweisprachigen Kärntner Literaturwettbewerbes von Bleiburg „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ für Lyrik (2016), Anneliese Merkac-Hauser, las neue Gedichte und aus ihrem Lyrikband „Samt und Leinen“ (Fran-Verlag, Klagenfurt 2011). Sie ist Mitglied der Autorinnengruppe scribaria und zaubert starke Bilder mit ihrer verknappten lyrischen Sprachkunst.

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

Maria Alraune Hoppe fesselte das überwiegend weibliche und sehr aufmerksame Publikum an diesem Abend mit einem beeindruckend experimentellen Text: „Wenn Frau im Zimmer fraut… “ Ihre intellektuellen virtuosen Wortspiele mit Witz und Ironie tragen den Text über alle Gendergrenzen spielend und mit einem Augenzwinkern hinweg. Eine beachtliche und mutige Leistung! Der richtige Beitrag zum Internationalen Frauentag.

Die Lyrikerin Karin Prucha, die auch in Klagenfurt lebt, stellte Seelenbilder in den Raum, die in Traumwelten wegtriften. In den fünf Gedichten standen Frauen und ihre Gefühlswelten im Mittelpunkt. Prucha hat sich auch der Theaterwelt verschrieben und arbeitet als Regieassistentin bei verschiedensten Produktionen in Kärnten.

Als letzte Protagonistin der „Frauenzimmer“ war Elisabeth Christof auf dem Podest mit einem Prosatext “Die Entrümpelung“ und einem nachdenklich stimmenden Gedicht „Einsamkeit“ zu hören. Sie machte bei der Aktion „SchmutzkübelK… Eine Intervention I Kunst:Politik“ (Drava 2013) mit dem Gedicht „Klagenfurt“ mit. Christof schloss den literarischen Reigen der Frauenzimmer – bis nächstes Jahr.

Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger.“>Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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Wir sind grenzenlos! CEZ MEJA! LJUBLJANA, WIR KOMMEN! Wir erforschen dich! Wir sprechen mit dir! UND DU? Literatur-Aktion zur Belebung nachbarschaftlicher Beziehungen über die Grenzen hinweg

Grenzen überschreiten, literarisch einander näher kommen. Unter diesem Motto fuhr Dienstag, 7. März 2017 eine erste Gruppe von Kärntner AutorInnen und OrganisatorInnen mit dem Linienbus der „Alpeadrialine“ über den Loibl in die benachbarte Metropole Ljubljana. SchriftstellerInnen unterschiedlicher Ausrichtung und Prägung wollen mit diesem Literatur-Reise-Projekt ab März das Gemeinsame der Kulturen entdecken, erforschen, darüber sprechen und berichten.

„Wir sind ein Vorauskommando. Wir fahren wieder. Und andere werden auch fahren. Wir bringen uns selbst mit, was wir sind. Wir sprechen mit jedem in Laibach, wir streifen durch die Gassen, WIR WOLLEN ES WISSEN….
Wir sind neugierig, richtig wissbegierig, wir sind kritisch, wir beobachten, wir schreiben alles auf. Wir wollen herausfinden, was wir mit unseren südlichen Nachbarn gemeinsam haben und was uns trennt. Jeder von uns wird das naturgemäß anders sehen und anders angehen,“ betont Del Vede Projektleiter und Initiator dieser Literatur Aktion LJUBLJANA WIR KOMMEN! CEZ MEJA! UND DU?

Die von der neuen AutorInnengemeinschaft KAUS/a (Kärntner AutorInnen Solidarität/ Aktion zur Aktivierung der Literaturszene) ab März organisierten Themenfahrten vom Klagenfurter Busbahnhof aus beinhalten Lesungen, moderierte Interviews während der Fahrt und öffentliche Statements in Ljubljana auf dem zentralen Knotenpunkt, dem Prešeren-Platz mitten in der Altstadt.

Die erste Lesung – gedacht als Initialzündung für die gesamte Literatur-Aktion – wurde erfolgreich von drei Kärntner DichterInnen (Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Del Vede) auf den Stufen des Prešeren-Denkmals mitten im Getümmel der belebten historischen Altstadt Ljubljanas abgehalten und fotografisch dokumentiert.

Jeder Mitreisende ist nun aufgerufen, sein Ljubljana –Tagebuch zu schreiben: Eindrücke, Beobachtungen, Stimmungen, Erinnerungen, Gedanken, Aufrufe. LAIBACH in 300 Zeilen
„Laibach in 300 Zeilen, in 100 Zeilen oder in 13 Zeilen, das wird die Essenz sein von unserer Expedition mit Bleistift und Papier über den Loibl und auf und ab in den alten Gassen von Ljubljana“ (Del Vede)

Unsere schriftlich literarischen Eindrücke erscheinen überall, wo der Aktion Zugang ermöglicht wird und auf einem geplanten eigenen Blog. Bezwecken soll diese Literatur-Aktion ab März 2017, dass wir einen interkulturellen Dialog mit unserem südlichen Nachbarn eröffnen, um den künstlerisch literarischen Austausch zu beleben und die gegenseitige Inspiration der benachbarten Kultur-Städte anzukurbeln. Begegnung und Entdeckung stehen im Mittelpunkt.

„Deine Texte und meine Musik gehören zusammen! Davon überzeugte mich Lado Jakša, Multiinstrumentalist und Multilinguist aus Ljubljana vor zwei Jahren. Als dritte Ebene kam für uns die Fotographie dazu. Seitdem arbeiten wir mit großer Freude gemeinsam.
Selbstverständlich unterstütze ich alle Möglichkeiten von Begegnungen mit unseren slowenischen Nachbarn. Mich bereichern sie.
Längst schon sollte es diese „zwei Seiten“ nicht mehr geben. Für viele ist der Austausch so selbstverständlich, wie das Miteinander. Meinen Anteil daran möchte ich gerne beitragen.“ (©Sieglind Demus)

„In einer direkten Linie von hier nach dort. Im Bus. Über die Berge. Warum nicht? Warum nicht Laibach? Warum nicht „die dort unten“ kennenlernen? Werden uns sicherlich ähnlich sein in ihren Wünschen, ihren Ängsten, ihrer Menschlichkeit… und die Stadt…. soll ein Traum sein, ein südländischer Traum, ein europäischer Traum… warum also nicht hinfahren – schauen und spüren und darüber schreiben? Das Ticket reservieren und los geht’s…. freu mich! (Monika Grill)

„Ja, ja, ich muss nach Laibach, ich muss immer wieder nach Ljubljana, in die Großstadt näher als Wien. Dort ist ein Cousin meiner Mutter, den mein Vater vor den Nazis gerettet hat, zuhause. Dort sind die schönsten Lindwürmer zuhause! Die Lindwürmer an der Brücke, die mich ¬– anders als der Klagenfurter Lindwurm ¬– jedes Mal, immer wenn ich dort bin, auf einen Flug über diese besondere Stadt am Fluss Ljubljanica, am Laibachfluss, fortragen.“ (Edith Darnhofer-Demár)

TeilnehmerInnen der ersten Exkursion waren die Kärntner AutorInnen Sieglind Demus (Villach), Willi Wolschner (Koordinator), Gabriele Russwurm-Biro (Planung)
und Del Vede (Initiator und Projektleiter) und Heide Tanzmeister:

„Ich lasse diese fremd gebliebene, so nahe Stadt, auf mich wirken. Die Widerstände, die sich zwischen diesen beiden Städten auftürmen, werden mit Sprachfetzen, Landschaften und noch mehr Bildern fortgewischt. Also mach doch langsam, Grenze, mach langsam, Abschied. Du bist bald fort und ich bleibe auch nicht für immer – Es wird kein Wort zu viel sein, das ist mein Expeditionsziel. Sobald mein Ljubljana auf 30 starke Sätze verdichtet ist, weiß ich, dass es ein langer Tag gewesen sein muss, der nicht spurlos bleibt.“ (©Del Vede)

„Es ist jetzt an der Zeit nach Ljubljana zu fahren und sich klar darüber zu werden, dass das Zusammenwachsen beider Nachbarländer trotz vieler Widerstände auf beiden Seiten endlich in Gang kommt “ (Willi Wolschner)

Weitere organisierte Literatur-Expeditionsfahrten von Klagenfurt nach Ljubljana mit Kärntner Autorinnen und Autoren werden zu bestimmten Terminen im März folgen
(u.a. mit Univ. Prof. Dr. Heinz-Dieter Pohl – Forschungsbus, Linguistik).
Literaturfahrten: Gerhard Ruiss, Edith Darnhofer-Demár, Monika Grill, Marlies Karner-Taxer, Gernot Ragger, Ingram Hartinger, Monika Slamanig (artist in residence 2016/St. Gallen – Klagenfurt), Karin Prucha, Gerald Eschenauer u.v.a.m.

Treffpunkt: im März 2017, 9020 Klagenfurt,
AK-Portal, am Busbahnhof 9:00 Uhr
Abfahrt: 9:30 Uhr,
Rückkehr Klagenfurt BHf: 18:49 Uhr
Anmeldungen: Kärnten Bus GmbH
tel: 0463/931 800,

www.alpeadrialine.com

Fotos © Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Willi Wolschner

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„Literatur ist gefordert wie selten zuvor“ – IG- Autorinnen Autoren Generalversammlung

Die IG Autorinnen Autoren Österreich luden Ende Februar ihre Delegierten aus den Bundesländern zur Generalversammlung nach Wien. Geschäftsführer Gerhard Ruiss, Ludwig Laher und Präsidentin Renate Welsh gestalteten zwei informative Versammlungs- und Diskussionstage mit tiefgreifenden Grundsatzthemen und Anliegen für alle, die mit Literatur, Schreiben und Lesen zu tun haben.

Als Präambel zu den Beschlüssen der Generalversammlung wurde folgender Text von Renate Welsh und Ludwig Laher ausformuliert und einstimmig beschlossen:

„Wozu Literatur?
Mauern, Zäune, Abgrenzung, Nationalismus, Protektionismus – einfache Lösungen, deren Unbrauchbarkeit sich mehrfach erwiesen hat.
Eine radikal reduzierte Sprache, aggressiv, verächtlich machend, selbstherrlich, wehleidig, voll wirklicher Lügen, die sich als alternative Wahrheiten tarnen.
Das Schüren von Feindbildern und Angstmacherei verhindern konstruktive Auseinandersetzung und führen zur Akzeptanz autoritärer Strukturen.
Literatur steht für differenzierte Wahrnehmung, Abwägung und Gestaltung, für das Sichtbarwerden von Widersprüchen und Herausfordern zu eigenständigen Urteilen.
Literatur ist gefordert wie selten zuvor. Literatur ist nötig wie selten zuvor.“

Hauptthema war u.a. die Kritik an der Bildungspolitik, die in der letzten Zeit in Österreich falsch zu laufen scheint, sollen doch – um nur ein Beispiel zu nennen – laut Vorschlag von Bundeskanzler Christian Kern die Gratisschulbücher durch Laptops in den Klassen ersetzt werden. (sic!). Die Bildungspolitik gehe zu Lasten des Unterrichts, das viel gepriesene Modulsystem in den Oberstufen beschränke jede Art von Akzenten und wirke einschränkend. Immer lauter werden daher die Stimmen, die einen qualifizierten Deutschunterricht fordern. Daher wurde auch von der GV die Forderung aufgestellt, den Begriff „Deutsch“ des Lehrfaches in „Deutsch und Literatur“ umzubenennen, damit die Bedeutung des Faches von dem reinen Spracherwerb auf die Literaturgeschichte und Entwicklung ausgeweitet und festgeschrieben werde. „Lust an der Literatur“ solle auf verschiedenen Ebenen gefördert werden: Besonders wichtig sind altersgerechte Texte in Buchform, die bereits in der Volksschule gelesen und diskutiert werden sollten. Dabei sollte nicht vergessen werden, die Öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen.
Die Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Renate Welsh, bringt es exakt auf den Punkt: „Alles, was der Literatur Raum wegnimmt, ist bedenklich für die Demokratiepolitik!“.
Leben in der Sprache sei eben nicht nur die reine Verständigung, Literatur müsse daher im Angebot gehalten werden. Die Schule sollte eben nicht allein die Fähigkeiten, sondern die Bedeutung als Mensch und die Würdigung jedes Einzelnen vermitteln.

Über die IG-Projekte berichtete Gerhard Ruiss: Zu den Großprojekten zählt die Funkhaus- Anthologie der IG, zu der alle Autorinnen und Autoren in Österreich aufgerufen werden, einen halbseitigen Beitrag zu leisten, der in einem Geschenkband für Politiker veröffentlicht werden wird. Weitere Projekte sind die Teilnahme an den Buchmessen Leipzig, Frankfurt und Buch Wien mit dem Liveprogramm LITERADIO (Buch- und Themenpräsentationen). Der Vertrag mit den Bedingungen der IG- Österreich läuft bis 2018.
Herausgegeben wird 4 x im Jahr die Informationszeitschrift „Autorensolidarität“, die mit einer Übersicht von Stipendien und Preisen einen sehr guten Überblick für österreichische Ausschreibungen bietet. Zudem werden den registrierten Mitgliedern Rundmails gesendet und jährlich ein Katalog über österreichische Neuerscheinungen erstellt (DIE LITERTUR der österreichischen Kunst,- Kultur- und Autorenverlage).

Die IG organisiert Proteste und verfasst Resolutionen, um die oft aussichtslose Stellung von Kunst, Kultur und Literatur zu unterstützen. Aktuell wird ein Aufruf der IG verbreitet, der das Investorenprojekt am Wiener Heumarkt (1030 Wien) stoppen soll.:

„Das Ringstraßenareal mit seinem weltweit einzigartigen Wechsel zwischen freien Flächen und repräsentativen Bauten soll für spekulative Neubauten geöffnet werden. Im Kernbereich des Welterbes, direkt am Wiener Heumarkt, zwischen dem Wiener Konzerthaus und dem Wiener Stadtpark , soll ein Luxuswohnturm entstehen…“ Letztendlich wäre das dann ein Startsignal für einen Ausverkauf der gesamten Ringstraßenanlage und führte zu einer Aufhebung des UNECO- Welterbe-Status von ganz Wien. Für wen wird da eigentlich gebaut? Für die Wiener und Wienerinnen sicher nicht. Gefordert wird daher der sofortige Stopp des Umwidmungsverfahren, Einhaltung der UNESCO-Auflagen und die freie Zugänglichkeit um das Gelände des Wiener Eislaufvereins.

Die IG nimmt kritisch Stellung zur sogenannten „Medienförderung neu“:
„Die IG Autorinnen Autoren nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass Medienförderungen in Zukunft ohne andere „Qualitätsnachweise“ als Beschäftigungszahlen und dergleichen vorgenommen werden sollen.“ Die IG weist darauf hin, dass Qualität auch bedeuten muss, was wie in den Zeitungen steht und fordert als Mindeststandard für Förderungswürdigkeit eines Mediums nicht nur die Zweckgebundenheit der Förderung an die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze, sondern zumindest auch an die Existenz einer hauseigenen Qualitätskontrolle durch Korrektorate und Schlussredakteure.

Weiters wurde eine Stellungnahme zur geplanten Urheberrechtsnovelle verfasst, der die Generalversammlung einstimmig zugestimmt hat. Dabei geht es in erster Linie um „faire Verträge mit Urhebern und ausübenden Künstlern über die Vergütung“.

Die Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren) wurde 1971 als gemeinsame Verhandlungsdelegation österreichischer Schriftstellerverbände gegründet und 1981 als eigenständige Organisation mit derzeit rund 3.800 Mitgliedern und 70 Mitgliederverbänden neu aufgebaut.
http://www.literaturhaus.at/index.php?id=6541

Kontakt: IG Autorinnen Autoren Seidengasse 13, A-1070 Wien
Tel: +43/(0)1/526 20 44-13 (Gerhard Ruiss: DW -35)

Foto © Gabriele Russwurm-Biro, Geschäftsführer Gerhard Ruiss und Präsidentin Renate Welsh im Literaturhaus Wien auf dem Podium der GV-Tagung in Wien

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„Weihnachtswunderkerzenschein“ im Schloss Krastowitz – eine kleine feine Adventlesung mit Miniaturen und Lyrik

MKT und Freunde luden zur Advent- und Weihnachts-Lesung ins Schloss Krastowitz bei Klagenfurt. MKT steht für Marlies Karner-Taxer, die zusammen mit befreundeten Autoren und Autorinnen einen besinnlichen, aber auch fröhlichen Abend gestaltete.

Advent, die stillste Zeit im Jahr?
Bei dieser Lesung kam das Geruhsame, Leise und Feine zur Geltung. Aber auch das Schräge, Ungewohnte, Aufrüttelnde, Sozialkritische. Folgende Kärntner Autor*innen lasen Miniaturen und kurze Gedichte zum Thema Weihnachten:

Gerhard BENIGNI, Gertraud HOLZFEIND, Marlies KARNER-TAXER, Anna Maria LIPPITZ, Gabriele RUSSWURM-BIRÓ, Hannes WENDTLANDT. Die musikalische Umrahmung des Abends gestaltete CHL (Christian Lehner) Gesang, Gitarre – diesmal solo.

http://kultur-arbeiter.at/?page_id=8

Anna Maria Lippitz
Sie trug sensibel gestaltete Gedichte vor. Sie wurde 1969 in Griffen/Kärnten geboren und ist Absolventin der Landwirtschaftlichen Fachschule Eberndorf,
geprüfte Beraterin für Effektive Mikroorganismen. Sie absolvierte die Ausbildung in Familiensystemdiagnostik bei Annegret Braun Meera, Mentorin für Frauen, und ist Regionsbetreuerin Wolfsberg im Tauschkreis Kärnten.
Außerdem zählt sie zu den Gründungsmitgliedern der „Kärntner Schreiberlinge“ im Jahr 2013.
Sie schreibt vorwiegend Lyrik in Hochsprache und Kärntner Mundart, 2013 Besuch einer Schreibwerkstatt bei Anita Arneitz .
Erste Veröffentlichung 1986 bei der Ausstellung „Jungendliche Talente“ in Griffen . Veröffentlichung in Anthologien des Katholischen Schriftstellerverbandes und des Novum Verlages „text cocktail mix 2016“ Sommer-Anthologie, ISBN: 978-3-99048-651-1

http://www.novumverlag.com/buecher/belletristik/sonstiges-allerlei/text-cocktail-mix-2016.html


Textprobe (aus text cocktail mix 2016, Seite 236)

„Abgründe?
Irre wirre ich mich durch das Wirrwarr, das sich dennoch nach meinem Leben anfühlt. Entwirre ich es gerade oder verwirrt es mich noch mehr? Planlos lebe ich in den Tag hinein, in die Nacht. Mir im Genicke das Wissen – das GE-Wissen – das eh – schon wissen – die Probleme macht…..“ (© Anna Maria Lippitz)

Gertraud Holzfeind
Schon als Kind hat sie alles verschlungen, was ihr an Lesestoff unterkam: Von Reader’s Digest über Karl May, von Shakespeare bis Raimund. Mit 15 entdeckte sie Hermann Hesse, Thomas Mann und Bert Brecht – sie waren eine Offenbarung.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie an ihre erste große Liebe, fein säuberlich getippt und gebunden. Vor wenigen Jahren erfuhr sie, dass er sie immer noch hat.
Regelmäßig zu schreiben begann sie erst vor einigen Jahren, seit neben dem Beruf nicht mehr Familie und Haushalt ihr Leben bestimmen, sondern ihre Freizeit wieder zunehmend ihr gehört.

Marlies Karner-Taxer
Das Schreiben begleitet sie schon sehr lange durch ihr Leben. Bereits in jungen Jahren hat es ihr unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Fantasien zu Papier zu bringen. Nachdem das Schreiben bei Kärntner Printmedien zehn Jahre lang ihr Brotberuf war hatte sie begonnen, intensiv literarisch zu schreiben. Sie probiert alles aus: Von Lyrik über Krimis, von Märchen über
Weihnachtsgeschichten, vom Text für ein Kärntnerlied zu Kurzgeschichten mit Tiefgang. Heute ist sie bei pointierten und sozialkritischen Prosa- und Lyrik-Texten angelangt. Besonders humorige Beziehungsgeschichten aus Kärnten mag sie sehr. Für einen Kärntner Historienoman steckt sie mitten in den Recherchen.
An diesem Adventleseabend trug sie eine autobiografische Kurzgeschichte vor „Papas Akkordeon“ und eine Geschichte zum Schmunzeln…..

Gemeinsam mit Karin Ch. Taferner hatte sie die Idee, die Schreibgruppe der „Kärntner Schreiberlinge“ zu gründen, bei dem sich 12 Autor*innen alle 14 Tage zum aktiven Schreiben treffen und einander wertschätzendes Feedback geben.
Beim ÖBB-Schreibwettbewerb „LiteraTour am Zug 2014“ erreichte sie unter 180 Autor*innen den beachtlichen 16. Platz. Ihre humorige Kurzgeschichte über eine Zugfahrt ist in der ÖBB-Anthologie im Oktober 2014 erschienen und an jedem Bahnhof in Österreich erhältlich.
Seit 2016 ist sie Generalsekretärin des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes und organisiert Lesungen und Literaturveranstaltungen.

Gabriele Russwurm-Biro
http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/gabriele-russwurm-biro/
Ich las eine Weihnachtsgeschichte mit Sozialkritik. Armut und Sorge in einer hellerleuchteten Weihnachtswunder-Kitsch-Welt des Konsums.
„Sorge tragen.
Mit einer kindlichen Freude verließ sie ihre Wohnung, als es am späten Vormittag zu schneien begonnen hatte – Bewegung erwärmt, durchblutet, hebt die Laune… heute ist Heiliger Abend.
Sie ging mit dem Gefühl, vielleicht nicht wieder nachhause zu kommen. Das dachte sie sich in letzter Zeit immer öfter: nicht mehr nachhause kommen. Das war ein erlösender Gedanke, der Enge zu entfliehen. Das hatte sie sich als Kind oft gewünscht, erhofft: einmal nicht mehr nachhause kommen müssen… Aber wo sollte sie Unterschlupf finden? Sie konnte nicht ständig durch die Straßen laufen. Sie war immer auf der Suche. Sie bummelte so dahin, ging von Geschäft zu Geschäft und betrachtete die luxusschweren Dekorationen, die vielen, vielen vorbereiteten Geschenke, und summte mit der Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern mit. Wie lange konnte sie so träumen? Wann sperrten die Geschäfte? Alle wollten Weihnachten feiern. Jeder strebte nachhause, nur sie nicht….“ (© Gabriele Russwurm-Biro).

Hannes Wendtlandt
Er wurde in Wels/OÖ geboren und ist in Klosterneuburg/NÖ und Wien aufgewachsen. Er lebt (mit Unterbrechungen) seit 1978 in Klagenfurt. Erste literarische Gehversuche als Gymnasiast (ua. Aufführung eines Stückes im Rahmen der Jugendtheaterwoche in Klagenfurt, Förderungspreisträger Ebentaler Literaturpreis). Er studierte Germanistik, Anglistik und PPP. Er engagiert sich als Mitglied in mehreren Bands, als Kunsthandwerker, freier Journalist, Autor, Werbetexter, Übersetzer, Songwriter und vieles mehr.
Publikationen in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften,
zwei Lyrikbände:
„Ich hab’s der Parkbank anvertraut“ (ISBN-13: 978-3735793829). Dieser Band bietet einen kleinen, bunten Querschnitt durch Hannes Wendtlandts feinfühlige Lyrik aus mehr als 30 Schaffensjahren. Die Gedichte erzählen von den Höhen und Niederungen des Lebens, sind heiter und nachdenklich. Seine Gedichte punkten durch Authentizität und Unmittelbarkeit.

https://www.amazon.de/Ich-habs-Parkbank-anvertraut-Jahrzehnten/dp/3735793827
Und: „Auf hartem Land“ (ISBN-13: 978-3734768989).
http://www.mitgiftler.at/de/publikationen/auf-hartem-land
Daraus las er bei der Weihnachtslesung im Schloss Krastowitz folgendes Gedicht:

Auf hartem Land

Ich bestelle mein Feld
Auf Boden, der nichts trägt.
Auf hartem Land.
Ich nähre mich von Hoffnung,
Sie ist das Brot des Herzens.

Ich säe mein Lächeln
Auf steinernen, kargen Grund.
Auf hartes Land.
Doch wenn es aufgeht und gedeiht,
werde ich satt ernten.

Meine Liebe ist eine reife Frucht,
Gepflückt will sie nun werden.
Bevor sie fällt
Und vergeht.
Auf hartem Land.

(© Hannes Wendtlandt)

Den humorigen Abschluss des Abends gestaltete der Villacher Autor Gerhard Benigni mit einer seiner prägnanten Weihnachtskurzgeschichten:
Gerhard Benigni
Er wurde 1973 in Villach geboren und lebt, arbeitet und schreibt auch heute noch dort. Zahlreiche seiner Texte wurden bereits in namhaften Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Seine erste Sammlung von Kurzgeschichten „Fertigteilparkettboden. Im Niedrigenergiereihenhaus.“ (Malandro-Verlag Klagenfurt) ist Anfang 2015 erschienen, sein zweites Buch „Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol“ erschien im April 2016 bei SchriftStella/ Villach. Mittlerweile verfügt Benigini über eine große Fangemeinde und tritt bei vielen Lesungen vor sein Publikum.
Zur Adventlesung las Benigni seinen prämierten Text: „Wunschzettelwirtschaft. Im Weihnachtswunderkerzenschein.“ Für diese weihnachtliche Kurzgeschichte mit vielen Pointen und Wortspielen erhielt er im September 2016 den zweiten Platz des Schreibwettbewerbs des Magazins „buchjournal.de“ (in der Ausgabe buchjournal fünf 2016 wurde der Text abgedruckt.)
Hier zum Nachlesen:
http://www.buchjournal.de/1234517/

http://www.gerhardbenignialleineistdochvielzukurzalshomepagename.at/

Gruppenfoto: von links: Gerhard Benigni, Anna Maria Lippitz, Hannes Wendtlandt, Gertraud Holzfeind, Gabriele Russwurm-Biró, CHL Christian Lehner; Marlies Karner-Taxer, vorne

Foto© Robert Madrian/KK

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Lyrische Sprachkonstruktionen führten zum Sieg – 9. Kärntner Lyrikpreis an Monika Grill verliehen

„Ich habe erst jetzt so richtig realisiert, dass wirklich ich diese tolle Auszeichnung erhalten
habe!“, erklärte freudig die Autorin Monika Grill, als ihr feierlich im ORF-Theater im Rahmen des Literaturfestes der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ überreicht wurde. Für die in Viktring/ Klagenfurt lebende Autorin bedeutet dieser mit 4.000 Euro dotierte Preis „einen enormen Ansporn für weitere lyrische Sprachkreationen“.
„Man muss eben ein wenig ver- rückt sein, um Schriftstellerin zu werden, abseits der üblichen
Wege und Normen.“ Die gelernte Therapeutin, die über 30 Jahre in den Vereinigten
Staaten lebte, trat dort mit der Poetryszene in regen Kontakt. Sie experimentiert daher gerne mit Wörtern und Versformen.

http://www.monikagrill.com/

Blog-Preis-Layrik-Porträt

Messerscharf
auf dem weg nach süden
immer wieder
die scharfe klinge
der züge
immer wieder
zwei fronten
in erde und staub
vernarbt
immer wieder
grünumschlungen
träume von
fischen
treibholz
segelbooten nach trieste
guiseppe zigaina
der auf alten müllhalden
die knochen
der hunde und katzen
zu brennenden buchstaben
fügt
das alphabet der lagune von grado schilfgrün
meeresblau
möwenweiß (© Monika Grill)

Über den mit 1.500 Euro dotierten zweiten Platz freute sich die in Wien und Berlin lebende Ferlacher Künstlerin Barbara Juch (Jahrgang 1988).
Der dritte Platz (800 Euro) ging an den ebenfalls in Wien beheimateten Klagenfurter Mag.
Wolfgang Oertl (Jahrgang 1962). Er unterrichtet an der Graphischen Bundeslehranstalt.
Einige seiner Schüler waren überraschend aus Wien angereist, damit sie „ihrem“
Professor vor Ort gratulieren konnten. Platz vier (500 Euro der PosterService GmbH,
PSG) ging an die Klagenfurter Marketingleiterin Mag. Sonja Steger.
Platz fünf (500 Euro der KEG) konnte die in Wien lebende Kärntner Übersetzerin Mag. Susanne Müller-Posch, Leiterin der Literaturwerkstätte für Kinder und Jugendliche in der Bundeshauptstadt, für sich entscheiden. Über Platz sechs (300 Euro) freute sich der slowenische Dichter und Redakteur Vincenc Gotthardt aus Klagenfurt. Für ihn war der Preis eine echte Überraschung. Sein jüngerer Bruder hatte heimlich für ihn die Gedichte eingesandt.
Diese sechs Preisträger trugen Gedichte aus den eingesandten Werken vor.

Anerkennungspreise erhielten: Dr. Miriam Auer aus Arnoldstein, Dr. Bianca Kos aus
Klagenfurt, die in Salzburg lebende Kärntnerin Mag. Elke Laznia, der Klagenfurter Mag.
Arnulf Ploder, der in Wien arbeitende Kärntner Mag. Dr. Walter Pobaschnig und der
ebenfalls in der Bundeshauptstadt lebende gebürtige Spittaler Musiker Walter Pucher.
Die Jury zeichnete auch zwei renommierte Kärntner Schriftsteller für ihr Lebenswerk aus:
Der renommierte Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Preis des Landes Kärnten. Brandstetter bedankte sich mit einer pointierten Rede:

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Applaus oder:
Wir leben im Zeitalter des Kritizismus
„Aus gegebenem Anlass“ einige Überlegungen zum Beifall, auf den Künstler „wie auf das tägliche Brot“ angewiesen sind. Der Beifall, die Zustimmung und der „Zuspruch“ äußern sich bei den reproduzierenden Künstlern, den Schauspielern etwa, im Applaus nach der Vorstellung, jenem Lärm, der der Etymologie des Wortes entsprechend, durch Händeklatschen erzeugt wird (lat. applaudo applausi.) Die Theaterleute zählen die sogenannten „Vorhänge“, die durch „stürmischen“, „frenetischen“ und „anhaltenden“, „nicht enden wollenden“ Applaus des Publikums erzwungen werden. „Appläuse“ heißt der entsprechende ironische Plural… Der „enden wollende Applaus“, der bezeichnender Weise auch „ Achtungsapplaus“ oder „Anstandsapplaus“ genannte Beifall, der „wohlwollende“, der „höfliche“, oder gar der gänzlich ausbleibende, schmerzt und beleidigt den Mimen, bereitet ihm Kummer. Und weil, mit Nietzsche gesprochen, alle Lust Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit will, kann als Erschwernis und besondere Bosheit des Schicksals der Komödianten gelten: „Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk. Schwer ist die Kunst, vergänglich ist ihr Preis. Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze. Drum muss er geizen…“ (Schiller, Wallensteins Lager). Schwieriger als Ruhm ist also Nachruhm zu erreichen… Jeder Beifall ebbt einmal ab und verstummt…Hinterlässt allenfalls Spuren in Zeitungarchiven…Es bleibt bestenfalls eine blasse Erinnerung an Ruhmestaten… Dem entspricht der sprichwörtlich gewordene melancholische Seufzer des Schauspielers im Altersheim: Mich hätten sie sehen sollen! Man kann davon ausgehen, daß ein Künstler, nicht nur ein Schauspieler, jeder Künstler, Maler, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher sich selbst belügt, wenn er sich als immun gegenüber Beifall behauptet. Robert Jungbluth sei applaudiert, er hat das Vorhangverbot des Burgtheaters aufgehoben…Manchen ist notfalls auch „Beifall aus der falschen Ecke“ nicht unwillkommen. Angeblich gibt es auch gedungene Claqueure…Manche haben sogar eine sogenannte Fangemeinde…Der Beifallverächter, der Anerkennungsmuffel soll bei Sigmund Freud nachlesen: Der Anerkennungstrieb ist stärker als der Geschlechtstrieb. Und der ist schon schwer genug zu unterdrücken! Wer wie weiland Klaus Kinski („Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, Erinnerungen) mit seiner Libido protzt, befriedigt, „selbstbefriedigt“ also simultan beide Triebe… Freilich, auch die Bescheidenheit ist nicht unverdächtig: Johann Wolfgang von Goethe: „Nur die Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat“ (aus einem Gedicht „Rechenschaft“)… „Erfolg ist keine Kategorie vor Gott“, heißt es bei Georges Bernanos. Das tröstet aber nur die kleine Gemeinde der Frommen. Die Frömmigkeit in der Kunst ist immer in Gefahr zu Frömmelei zu verkommen…
Die schreibende Zunft, die Schriftsteller sind erpicht auf potente Verlage, auf gute Besprechungen in renommierten Medien, auf hohe Auflagen und auf Spitzenplätze auf Bestsellerlisten, und , was uns heute zusammengeführt hat, auf Preise…Es gibt freilich unter den Schriftstellern eine merkwürdige Aversion gegen Preisverleihungsfeiern. Die Überreichung des Preises ist für Schriftsteller oft eine schwer zu nehmende Hürde…Josef Winkler wollte sich nicht vom damaligen Landeshauptmann von Kärnten dekorieren und mit ihm fotografieren lassen…Der Maler und Objektkünstler Cornelius Kolig hat den Kulturpreis des Landes Kärnten im Jahr 2006 nicht aus den Händen des Landeshauptmannes entgegennehmen wollen und einen eigens für die Verleihung konstruierten Apparat, eine Prothese oder Greifzange eingesetzt, um den 15.000-Euro-Scheck zu übernehmen… Elfriede Jelinek hat ihr Fernbleiben in Stockholm mit ihrer Neurose begründet. Gerade ist ja wieder von einem die Rede, der sich den Nobelpreis beim schwedischen König nicht abholen will… Vielleicht kommt die Aversion gegen Preisverleihungsfeiern auch daher, dass sich bei diesen Veranstaltungen die Vertreter jener Institute, die das Preisgeld stiften, und die Juroren, ausgiebig mitfeiern lassen… Nicht unterschätzen soll man auch die Missgunst und den Neid der „Mitbewerber“…Es gibt einen Text von Franz Kafka, den man allen Missgünstigen, aber auch allen stolzen Preisträgern vorlesen und unterschreiben lassen sollte: Zum Nachdenken für Herrenreiter.
Es ist im digitalen Zeitalter, in dem wir leben, so leicht geworden und man könnte auch sagen so verführerisch, Beifall oder Missfallen zu äußern. Wir leben im Zeitalter des Kritizismus. Alles wird bewertet, mit 4 oder 5 Hauben für Restaurants, Sterne für Hotels oder Plus- und Minuspunkte für Filme…Es wird weniger seriös kritisiert als oberflächlich „bekrittelt“… Die Zahlen der Aufrufe zu Beiträgen auf Youtube oder Sites werden automatisch registriert und ergeben eine Art permanenter Volksabstimmung wie auch die Quoten des Fernsehens… Es gibt einen Button LIKE, einen anderen GEFÄLLT MIR und es gibt den Smiley, der einem schmeichelt, und es gibt die leicht zu bewerkstellende Meinungskundgabe durch Postings und Kommentare. Die Hand mit dem Daumen nach unten oder oben ist ein Erbe aus der Antike. So haben die Verantwortlichen bei den Gladiatorenkämpfen im Kolosseum zum Tod verurteilt oder begnadigt…Leserbriefe sind verglichen mit den digitalen Schnellschüssen und lapidaren Invektiven im Internet dagegen geradezu eine ehrwürdige demokratische Institution. Die Leichtigkeit verführt in millionenfachen Fällen zu Leichtfertigkeit, wenn Wutbürger im anonymen Raum des Internet von ihrem gut geheizten Wohnzimmer aus hässliche und eiskalte Botschaften und Kommentare absetzen. Was wir heute erleben und vor uns sehen, hätte sich Kafka nicht träumen lassen, auch George Orwell („1984“), der Prophet der Literatur, hat das jetzt und heute Aktuelle und Mögliche, ja Praktizierte, etwa den Einsatz von Drohnen nicht prognostiziert. Es gibt die Sittenkommission der Metternich-Zeit, die in die Schlafzimmer der Bürger geschaut – und auf Ordnung gesehen hat, nicht mehr, aber die Obrigkeit und die kapitalistische Wirtschaft haben einfachere Möglichkeiten der „Einschau“ und „Überwachung“. Kafkas Parabel „In der Strafkolonie“ wird zu Recht als eine „Ansage“ und visionäre Vorwegnahme der industriellen Brutalitäten der Nazis gerühmt, aber die Grausamkeiten der Jetztzeit in vielen Teilen der Welt übertreffen alles Dagewesene noch womöglich. Apokalypse now. Abgesehen von den brachialen und martialischen Kriegen findet ein Gemetzel, ein Weltkrieg der Wörter, der „Wortgefechte“ in den elektronischen Medien statt. Shitstorms jagen wie Tornados oder Wirbelstürme durch den Äther… Kein Ende, kein Schlusspunkt, kein Friedensschluss in Sicht…“ Dankesrede von © Alois Brandstetter.

Stadträtin Ruth Feistritzer übergab Gerard Kanduth, ehemaliger langjähriger Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes und Autor mehrerer Lyrikbände, den Preis der Landeshauptstadt in der Höhe von 1.500 Euro.

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Preis der Stadt Klagenfurt 2016: Gerard Kanduth (Laudatio von Katharina Herzmansky)
„Der Preis der Stadt Klagenfurt wird heuer an eine Persönlichkeit verliehen, die sich im literarischen Leben in Kärnten und darüber hinaus, im Alpen-Adria-Raum, in besonderer und vielfacher Weise verdient gemacht hat. Und das in ebenso eindrücklicher und nachdrücklicher wie bescheidener Form. Ihn einen großen Stillen zu nennen, wäre allein nicht zutreffend, dazu hat er sich zu prononciert geäußert, im Gedicht, in der Erzählung, im kultur- und gesellschaftspolitischen Kommentar hat er Stellung bezogen, aber eben nicht sozusagen serienmäßig und sich bei jeder Gelegenheit in den medialen Vordergrund drängend, sondern sparsam, wohl dosiert und daher umso wirkungsvoller.

Gleichwohl er, neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, fünf Bücher veröffentlicht hat – vier Lyriksammlungen und einen Prosaband – gilt es den Autor Gerard Kanduth vielfach erst zu entdecken, ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Richter und langjährige Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes stärker wahrnehmbar. Das mag nicht zuletzt mit der Verantwortung und dem Gewicht, die solche Ämter mit sich bringen, zu tun haben.

14 Jahre lang, von 2002 bis zum Anfang dieses Jahres war Gerard Kanduth Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes. Das ist eine lange Zeit, und Gerard Kanduth hat, wie es seiner Wesensart entspricht, seine Energien und Kräfte in die eigentliche, in die inhaltliche und auch mitunter mühevolle, aber notwendige „zwischenmenschliche“ Vereinsarbeit investiert, gute Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewonnen und den Verband nach innen und außen geöffnet. Nicht nur die Zahl der Mitglieder insgesamt ist deutlich angewachsen, der Verein wurde zunehmend weiblicher und jünger. Mit den alternierend veranstalteten Alpen-Adria-Literatursymposium in Gmünd und dem Preis des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes für neue Literatur wurden unter der Präsidentschaft Kanduths zudem zwei Veranstaltung ins Leben gerufen, die sich fest im literarischen Leben der Region verankert haben: das Symposium in Gmünd als mehrtägiger Austausch zwischen den Literaturen der Nachbarländer Österreich, Italien und Slowenien, und der Literaturpreis, übrigens erst letzte Woche vergeben, als jenes Seismogramm, das Texte aufstrebender, ästhetisch anspruchsvoll und ernsthaft arbeitender Autorinnen und Autoren ausfindig macht und nicht selten am Beginn einer literarischen Karriere steht. Auch hier gilt: Kontinuität, Beharrlichkeit, Qualität vor Quantität und öffentlich-medialer Inszenierung.
Durch den Alltag und die Arbeit hindurch, durch deren Dickicht und Absurditäten, führt der Weg zu Gerard Kanduths eigenem Schreiben. „im hafen: worte bilden / die kette / meines ankers // ich werfe ihn aus / weil ich / hierbleiben / möchte“ (Entsprechungen, 1999). Es geht auch darum, Ausgleich, Freiraum zu schaffen, für den Blick, die Seele, den Geist und die Gedanken, um so zum Wesentlichen vorzudringen. Dieser Prozess ist spürbar und nachvollziehbar in Gerard Kanduths Texten und nimmt uns Leserinnen und Leser mit zum Kern der Dinge. Führt uns Konzentrate von Wirklichkeit vor Augen, die uns zuweilen verstören, zuweilen gehörig zum Lachen und in jedem Fall zum Nachdenken bringen. „nichts / hilft mir mehr / beim schreiben / als eine graue / wolke / voller schnee“, heißt es in dem Gedicht optimal (Der Wal auf der Festplatte, 2000), und wir spüren förmlich das Durchatmen, das Leerwerden, das notwendig ist, um für neue Gedanken und eine neue Formen Platz zu schaffen.

Bis so reduzierte Gedichte wie das eben gehörte entstehen können, ist es meist ein weiterer Weg. Mit dem Verfassen von Gedichten hat Gerard Kanduth bereits eigentlich als Volksschüler in Kötschach begonnen, als Gymnasiast am Neusprachlichen Gymnasium in Lienz erstellt er mit den ersten erlernten Englischvokabeln bereits experimentelle Texte. Als Gerard Kanduth seine ersten Kurzgeschichten in der Kärntner Volkszeitung und – nota bene – in der Presse veröffentlicht, ist er gerade einmal vierzehn, fünfzehn Jahre alt.

Mitte der 1970er-Jahre schickt er 17-jährig einen surrealistischen Text über eine am Fenster vorbeifliegende Kuh an den Literarischen Arbeitskreis, einen Zirkel, den Alois Brandstetter an der damaligen Universität für Bildungswissenschaften in Klagenfurt ins Leben gerufen hat. Der junge Autor aus dem Oberen Gailtal wird nicht nur zu einer Lesung an die Universität eingeladen, sein Text wird auch in den Schreibarbeiten, der Zeitschrift des Kreises, veröffentlicht! Lektoriert wird er, wie die erhaltene Korrespondenz zeigt, vom damals 22-jährigen Josef Winkler. Man begegnet sich im Leben immer mindestens zweimal, heißt es, schön, dass sich hier Kreise schließen bzw. Wege in dieser Form wieder kreuzen, Alois Brandstetter und Gerard Kanduth heute gemeinsam geehrt werden.

Einer Geschichte über die Militärzeit in Villach, im Vorjahr in einer Anthologie der Reihe Europa erlesen im Wieser-Verlag erschienen, ist zu entnehmen, dass Gerard Kanduth als Präsenzdiener sprachlich-literarische Ambitionen hatte; während des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien tritt die Beschäftigung mit Literatur seiner eigenen Aussage zufolge in den Hintergrund. Vordergründig in den Hintergrund, muss man wohl ergänzen, denn die Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt und Sprache des Rechts sowie die Befassung mit Fragen der Gerechtigkeit sollen für die später wieder aufgenommene literarische Tätigkeit von großer Bedeutung sein.

Es war wiederum Alois Brandstetter, der in einer Besprechung von Gerard Kanduths erstem, 1999 erschienenen Lyrikband Entsprechungen auf den epigrammatischen Charakter der Gedichte hingewiesen hat, auf ihre Nähe zum Sinn- und Spruchgedicht, aber auch zum Haiku. Und Alois Brandstetter hat auch die soziale und humanistische Grundhaltung herausgestrichen. „lass ihn / liegen / sagte sie // vielleicht / hat er / aids“, heißt es in dem Gedicht passanten in Kanduths zweitem Gedichtband Der Wal auf der Festplatte (2000). Knapper und eindrücklicher kann man Stigmatisierung und Ausgrenzung kaum formulieren.

Es wäre schön, an dieser Stelle eine Reihe von Gedichten des Autors zu hören; ich hoffe, Sie haben auch anhand der wenigen Beispiele einen Eindruck gewonnen. Einen Eindruck von der Reduziertheit der Sprache, von der Verbindung von Natur und Geist, von Stadt und Land, wenn man auch will, auch von der eigentümlichen Balance von Schwere und Leichtigkeit, von Behutsamkeit, Sensibilität und Wucht, die diese Texte ausmachen.

Und von dem offenen Ausklang, der mich besonders für die Gedichte einnimmt. Obwohl, wie bereits ausgeführt wurde, die Nähe zum Epigramm, zum Aphorismus – Fabjan Hafner verweist in seinem Vorwort zum Band Vice Versa (2012) darauf – und auch zur Sentenz gegeben ist, bleibt das Urteil letztlich offen, wird die Entscheidung nicht gefällt, führt die Sprache Gerard Kanduths in jene Zwischenräume des menschlichen Lebens, die weder durch Paragraphen noch durch künstliche Intelligenz erfasst und reglementiert werden können.

computerfrage: „soll dieses / schöne gedicht / wirklich / in den papierkorb / verschoben / werden // ja“
word fragt nochmals: „soll dieser gelungene text wirklich / gelöscht werden // ich weiß nicht“

Lieber Gerard, diese Entscheidung sei dir abgenommen und sie lautet eindeutig: Nein! Nicht löschen! Herzliche Gratulation!“ (© Katharina Herzmansky)

Insgesamt wurden Preisgelder in der Höhe von über 12.000 Euro vergeben.
Für die beachtliche musikalische Begleitung sorgte der Klagenfurter Perkussionist und Klangkünstler Klaus Lippitsch.
www.klauslippitsch.com

STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer zeigte sich erfreut, dass auch
heuer wieder über 240 Autorinnen und Autoren in deutscher oder slowenischer Sprache
am Literaturwettbewerb teilgenommen hätten. STW-Vorstand Mag. Clemens
Aigner sprach von „gesellschaftlichen Verpflichtungen der Stadtwerke“, zu denen auch der
„Kärntner Lyrikpreis“ zählt.
Dieser gilt bereits als Fixstern im österreichischen Kulturgeschehen und wurde selbst schon dreimal ausgezeichnet – mit dem Maecenas in Wien und Ossiach. Nächstes Jahr feiert der Preis sein 10-Jahr-Jubiläum.

Die unabhängige Jury bestehend aus: Vorsitzender Dr. Günter Schmidauer, Büchnerpeisträger
Dr. h. c. Josef Winkler, Mag. Katharina Herzmansky, Ilse Gerhardt, Mag. Dr. Richard Götz und STW-Unternehmenssprecher Harald Raffer (ohne Stimmrecht).

Bildtexte:

Gruppenbild mit Siegern (v. l.): Moderator STW-Unternehmenssprecher Dr. Harald Raffer, STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer, Mag. Wolfgang Oertl (3. Platz), die glückliche Siegerin Monika Grill mit ihrer Glas-Trophäe, Barbara Juch (2. Platz) und STW-Vorstand Mag. Clemens Aigner. Der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ wurde heuer bereits zum neunten Mal verliehen.

Bild 2: Ehrung für sein Lebenswerk: Der Landtagsabgeordnete Mag. Markus Malle (li) überreichte dem Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter den Ehrenpreis des Landes.

Bild 3: Die Klagenfurter Stadträtin Ruth Feistritzer übergab dem Klagenfurter Dr. Gerard Kanduth (ehemaliger Präsident des Kärntner Schriftstellerverbandes) den Preis der Landeshauptstadt

Fotos © Konitsch/STW KLAGENFURT/ KK
Porträtfoto (c) Hannes Pacheiner/KK

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„Wie eine Blumenwiese einwirken lassen“ – Preisverleihung des KSV-Literaturwettbewerbs 2016

Die Jury hat es immer schwer. Dieses Jahr wurden 35 Texte von Kärntner Autorinnen und Autoren zu den unterschiedlichsten Themen mit unterschiedlichen Stil- und Ausdrucksformen eingereicht. Es fällt auch Literaturexperten nicht leicht, aus dieser Menge sehr guter Texte eine Longlist von 15 Beiträgen und daraus eine Shortlist von fünf besten auszuwählen.
Die jedes Mal alternierende Jury setzte sich heuer aus den Vorstandsmitgliedern Prof. Engelbert Obernosterer (Vorsitz), Dr. Reinhard Kacianka, sowie Mag. Arnulf Ploder (Vizepräsident) zusammen.

„Gerne würde man die eingesandten Texte einfach wie eine Blumenwiese auf sich wirken lassen“, erklärt Juryvorsitzender Engelbert Obernosterer in seiner Rede am Abend der Preisverleihung des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes im Musil Literaturhaus in Klagenfurt.
„… und sich daran erfreuen, dass es noch so viel Eigenständiges, Ideenreiches im Lande gibt. Weil Buchhändler und Leser aber für eine Entscheidungshilfe dankbar sind, braucht es eine Reihung, braucht es eine Hervorhebung durch Preise.“

Seit 2002 schreibt der Kärntner SchriftstellerInnen- Verband jedes zweite Jahr einen Preis für neue Literatur aus. Heuer ist das bereits die achte Ausschreibung. Dieser Preis zählt damit nach dem Ingeborg –Bachmannpreis, der sich auf deutschsprachige internationale Beiträge spezialisiert hat, und dem Kärntner STW-Lyrik-Preis, der 2008 ins Leben gerufen wurde, zu den wichtigsten und beständigsten Wettbewerben für Gegenwartsliteratur in Kärnten.

Platz 1 (mit 2000,- Euro dotiert) erging an Greta Lauer mit ihrem Beitrag:
„Das Schicksal der Schwestern“.

Greta Lauer wurde 1990 in Klagenfurt geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Wien. Theatererfahrungen sammelte sie u. a. an der Schaubühne am Lehninger Platz, am Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien und am Staatsschauspiel Stuttgart. Sie schreibt Lyrik, szenische Texte und zurzeit vor allem Prosa. Sie erhielt Reise – und Arbeitsstipendien des Bundesministeriums für Kunst und Kultur 2015. Veröffentlichungen: JENNY, manuskripte, BELLA triste , fluchtraum und erostepost. Sie lebt und arbeitet in Wien.

KSV-Lauer-Porträt-4

Begründung aus der Laudatio von Engelbert Obernosterer:

„Ein Bericht aus einer Art Unterwelt, vorgetragen in einer ungeschönten knappen, immerzu vorwärts drängenden Sprache mit kraftvollen Bildern, die der Fantasie die nötige Freiheit gewähren und trotzdem den Leser nicht aus ihrem Bann entrinnen lassen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Autorin das Auftauchen an die Realität der Oberfläche verweigert und dass sie die Mächte der Unterwelt personalisiert, um sie überhaupt fassbar zu machen. Der Text zeichnet sich im Ganzen durch markante Eigenständigkeit und stilistische Sicherheit aus.“ (© Engelbert Obernosterer)

Platz 2 (dotiert mit 1000,- Euro) ging an Angelika Stallhofer für ihren Beitrag „Fünf Dinge“.
Angelika Stallhofer wurde 1983 in Villach geboren und ist in Seeboden aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Wien. Sie verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und Hamburg und absolvierte den Lehrgang Literarisches Schreiben am Institut für Narrative Kunst. Seit 2012 veröffentlicht sie Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie erhielt 2013 den dritten Platz des Kärntner Lyrikpreises und 2014 und 2016 Startstipendien für Literatur des Bundeskanzleramtes.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/angelika-stallhofer/

Bergündung aus der Laudatio von Arnulf Ploder:

„Es hat mich als Leser erstaunt zu sehen, wie anfangs zwar von den Dingen die Rede ist, der stoffliche Charakter der Leitmotive sich aber mehr und mehr auflöst im Sphärischen eines gemischten Glücks….Wie die Autorin darüber gebietet, beeindruckt. Es ist mehrmals vom Zufall die Rede, doch im sprachlichen Ausdruck selbst scheint nichts zufällig, auch nicht überkonstruiert. Nichts dergleichen. Die Geschichte ist sehr ausbalanciert, sie spricht das Kleine und das Große an, das Alltägliche und das Erhabene, das Nichtige und das Bedeutungsvolle und erzeugt dabei eine einprägsame zauberische Schwebe.“ (©Arnulf Ploder)

Platz 3 (dotiert mit 500,- Euro) bekam Paul Auer für seinen Text: „Krimschild“ zuerkannt.

Paul Auer ist in Kärnten geboren und aufgewachsen. Er studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten. Zur Preisverleihung war er gerade in Indien. Zahlreiche Veröffentlichungen seit 2010 in Anthologien.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/paul-auer/

Begründung aus der Laudatio von Reinhard Kazianka:

„An der Schwelle zwischen Leben und Tod – so hofft der Ich-Erzähler von Paul Auer – offenbart sich Wahrheit. Dieser Wahrheit über die Weltkriegs-Vergangenheit des Großvaters nähert sich der Autor in erbarmungslos nüchterner Sprache – Prosa im wahrsten Sinn des Wortes.“ (© Reinhard Kazianka).

Der 4. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) erging an Miriam Auer (1983 geboren in Friesach, Studium der Anglistik und Germanistik in Klagenfurt; lebt in Stossau, Arnoldstein; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „Wegen Wes“.
http://www.meerauge.at/autor_inn_en/miriam-h-auer

Der 5. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) wurde Elke Laznia (1974 in Klagenfurt geboren, aufgewachsen in Feistritz an der Drau, lebt seit 1974 in Salzburg; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „bin mir schon selbst nicht mehr ähnlich“.
http://pingeb.org/91-elke-laznia-kindheitswald/

Die 15 besten von der Jury ausgewählten Beiträge, inklusive der 5 Siegertexte, werden erstmals gemeinsam mit der jeweiligen Laudatio der Jurymitglieder in einer Anthologie veröffentlicht.
Diese Anthologie wird 2017 unter dem Titel „Feinheiten“ – die besten Texte des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes voraussichtlich im Johannes Heyn-Verlag, Klagenfurt erscheinen.

Diese Publikation soll der Beginn einer Buch-Reihe darstellen, die alle 2 Jahre die besten Texte der Wettbewerbe des KSV veröffentlicht. Damit soll sich ein Gesamtbild der Kärntner Literaturszene ergeben und dokumentiert werden und die Tätigkeit der Kärntner Schriftstellerinnen und Schriftsteller gefördert werden.

Die bisherigen Preisträger und Preisrägerinnen waren:

2002 (Barbara Grascher),
2004 (Simone Schönett),
2006 (Jürgen Lagger),
2008 (Hugo Ramnek),
2010 (Christoph W. Bauer),
2012 (Harald Schwinger)
2014 (Anna Baar, 2. Miriam Auer, 3. Ursula Wiegele)

Gruppenfoto © Marlies Karner-Taxer
Porträtfoto Greta Lauer © Jonida Laçi

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Die Meriten des Südens – zweisprachiger Literaturwettbewerb Bleiburg

In den letzten Jahren avancierte der Bleiburger Literaturpreis zu einer traditionsreichen Veranstaltung im zweisprachigen Gebiet Südkärntens. Diese ambitionierte Initiative der Kulturabteilung der Gemeinde Bleiburg/Pliberk , organisiert von Arthur Ottowitz und Eva Verhnjak-Pikalo, findet großen Anklang in der Region und bis über die Grenzen nach Slowenien hinaus.
Zum siebenten Mal wurde um Einreichung von Prosatexten und Lyrikbeiträgen gebeten und jedes Jahr nehmen mehr Literaturinteressierte daran teil. 2016 waren es insgesamt 57 Beiträge, die eine ausgewählte achtköpfige Jury in deutsch und slowenisch jeweils für Prosa und Lyrik anonym zu bewerten hatte. Ilse Gerhardt , Michael Stöckl, Andrea Urban, Gabriele Russwurm-Biro, Mateja Rihter, Irena Oder, Martin Kuchling und Greta Jukič waren für die Beurteilung und Auswahl verantwortlich.

Ende Oktober fand im Werner Berg Museum Bleiburg/ Pliberk die feierliche Preisverleihung und Lesung der Preisträger des Literaturwettbewerbs „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ statt. Unter großer Anteilnahme des Publikums wurden in den vier Kategorien (deutsch Lyrik/slowenisch Lyrik – slowenisch Prosa/ deutsch Prosa) jeweils der erste Platz ausgelobt und vorgelesen.

Jurorin Ilse Gerhardt hob den persönlichen Bezug der Lyrikpreisträgerin Anneliese Merkač-Hauser zu Bleiburg hervor und betonte „ihre poetische Kraft, die Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, was ganz essentiell für die Lyrik ist.“ Jurorin Mateja Rihter charakterisierte die Poesie in slowenischer Sprache von Verena Gotthardt so, dass sie mit einem Minimum an Wörtern das Maximum an Ausdruck erreiche und diesen „aufs Wesentliche reduziert“.

Gemeinsam mit Andrea Urban, wurden von mir die deutschen Prosatexte anonym gelesen und unabhängig von einander bewertet. Wir waren uns bei der Jurybesprechung sofort über den ersten Platz einig: Mirjam Malej (Bleiburg/Pliberk) mit ihrem Text „Auf einen Schlag … Stille“

Jurybeurteilung für den Siegertext von Mirjam Malej von Gabriele Russwurm-Biro:

„Der Text gibt auf sieben Seiten Einblick in das Leben von drei verschiedenen Personen in ihren jeweils verschiedenen Lebenssituationen. Als Leser kann man die Gedanken, Wünsche und Sorgen dieser drei Protagonisten, zweier Frauen und eines Mannes, nachverfolgen. Nach jedem Absatz wechselt die Perspektive, d.h. der Leser folgt jeweils einer anderen Person in ihrem Tun und Denken.
Allen gemeinsam ist eine belastende Situation: das Pflegeheim. Subtil, empathisch, aber nicht aufdringlich oder emotional überfrachtet charakterisiert dieser Text die Gefühlszustände der Einzelnen. Daraus entsteht ein berührendes Gesamtbild.

Kurze Sätze, prägnant, eindeutig formuliert, ziehen beim Lesen in die Geschichte hinein und lassen einen bis zum Ende nicht mehr los. Jedes Wort steht an der richtigen Stelle, keines könnte man weglassen. Nach und nach erschließt sich das Schicksal einer Frau, ihres Sohnes und einer Pflegerin und wiederum deren Lebensumstände und die ihres Sohnes. Unterschiedliche Lebenssituationen, unterschiedliche Hoffnungen, unterschiedliche Wünsche. Kleine Details, genau beobachtet und aufeinander abgestimmt, fixieren das Erzählte unaufdringlich aber wirklichkeitsnah in der Gegenwart des Pflegeheims.

In dieser Erzählung geschehen nicht die großen Wunder oder die herzzerreißenden Tragödien. Sie erzählt leise – fast wie nebenbei – von einer schwierigen Lebenssituation, von einem schweren Alltag, der selten beim Namen genannt wird. Das gewählte Thema zählt eher zu den Tabuthemen unserer Zeit. Umso mutiger, dass bei diesem Text Krankheit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit beschrieben werden.“

Nachdem bei diesem Wettbewerb nur die ersten Plätze der jeweiligen Kategorie verliehen werden, bekamen die von der Jury als zweit- oder drittbesten Gereihten eine Anerkennungsurkunde für ihre herausragenden Beiträge überreicht.

PreisträgerInnen:

• 1. Platz Lyrik Deutsch / prvo mesto lirike v nemškem jeziku:
Frau/Gospa Anneliese Merkač-Hauser
• 1. Platz Prosa Deutsch / prvo mesto proze v nemškem jeziku: Frau/Gospa Mirjam Malej
• 1. Platz Lyrik Slowenisch / prvo mesto lirike v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Verena Gotthardt
• 1. Platz Prosa Slowenisch / prvo mesto proze v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Natalija Šimunović

Herausragender Beitrag / odlično delo:

• Lyrik Deutsch / lirika v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Christine Ullreich
o Frau/Gospa Isabella Krainer
o Frau/Gospa Vera Wutti-Incko, Mag.phil.
o Frau/Gospa Waltraud Merl
o Frau/Gospa Dagmar Cechak
o Herr/Gospod Mag. Gerald Eschenauer
o Frau/Gospod Annemarie Seidl

• Prosa Deutsch / proza v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Rebekka Scharf
o Frau/Gospa Manuela Gunne
o Herr/Gospod Gerhard Benigni
o Frau/Gospa Dagmar Cechak

• Lyrik Slowenisch / lirika v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Lidija Polak
o Frau/Gospa Klavdija KIA Zbičajnik
o Herr/Gospod Mag. Ivo Ban, Prof.

• Prosa Slowenisch / proza v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Ivana Hauser
o Frau/Gospa Simona Jerčič Pšeničnik
o Frau/Gospa Bojana Hudrap
o Frau/Gospa Maja Črepinšek
o Frau/Gospa Mag. Milojka B. Komprej

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

alle Fotos © Katja Podgornik / Stadtgemeinde Bleiburg

Gruppenbild 2, von links nach rechts:
Eva Verhnjak-Pikalo, Bürgermeister Stefan Visotschnig, Mirjam Malej, Natalija Šimunović, Annelise Merkač-Hauser, Arthur Ottowitz, Verena Gotthardt, Stadtrat Markus Trampusch

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Trümmer und Kamillentee – Ein BUCH 13-Literaturmontag mit Ilse Gerhardt und Siegfried Paul Gelhausen in Klagenfurt

Die allseits bekannte und geschätzte Kulturjournalistin und scharfe Kritikerin der Kärntner Kulturpolitik, Ilse Gerhardt, ist auch als Autorin aus der heimischen Literaturlandschaft nicht wegzudenken. „Feinzüngig und mit klaren Worten Stellung beziehend“, beschreibt Buch 13 Obmann Gerald Eschenauer seinen Gast an diesem „Literaturmontag“-Abend im Klagenfurter Eboardmuseum. Nach ihrer Pensionierung beginnt ihre literarische Tätigkeit. 2013 erscheint der erste Roman „Mischling“ im Verlag „Styria Premium“. Im April 2015 folgt der Erzählband „ Aus Trümmern zusammengewürfelt“ im Hermagoras Verlag zusammen mit ihrer Freundin Edith Darnhofer-Demár.
Geboren wurde Ilse Gerhardt am 14. April 1944 in St. Veit a. d. Glan, machte 1963 Matura am Humanistischen Gymnasium Klagenfurt, studierte 5 Jahre Medizin in Wien und schloss 1968 an der Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt ihre Ausbildung ab. Danach folgten 5 Semester Lehrtätigkeit an Pflichtschulen, dann die Flucht nach Graz, wo sie 1971 bis 1975 Geschichte und Philosophie an der Grazer Universität studierte.
Seit 1974 ist sie Journalistin, angestellt bei Kärntner Tageszeitung (1975 bis 1978) und Volkszeitung (1979 bis 1990) als Leiterin der Kulturredaktion.
20 Jahre lang arbeitet sie als Kärnten-Korrespondentin der Austria Presseagentur ( Kultur), der Wiener Zeitung, der Zeitschrift Die Furche und anderen Printmedien. Beim ORF war sie als Redakteurin seit 1990 tätig und hat zahllose Radio- und Fernsehberichte auch für andere deutschsprachige Sender verfasst. Seit 1994 war sie auch parallel Ressortleiterin Kultur für die Kärntner Woche. 1994 bis 1997 war sie Jurysprecherin zum Frauenkulturpreis der SPÖ.Frauen, in den Jahren 1998 bis 1999 engagierte sie sich als Galeristin und Inhaberin einer Künstlervermittlung. 2007 bis 2009 trat sie als Präsidentin der Österr.-Israelischen Gesellschaft im Erscheinung. Sie gestaltet Kulturevents. Derzeit (seit 2012) arbeitet sie ehrenamtlich als Obfrau der IG AutorInnen Kärnten und im Vorstand des Naziopfervereins Memorial Kärnten/Koroska. Sie spricht sieben Sprachen und hat Freude daran, stets neue Sprachen zu erlernen.
Seit ihrer Pensionierung 2004 ist sie immer noch als freie Journalistin tätig (Kärntner Woche, DIE BRÜCKE), ab 2000 Organisation und Leitung von Kulturfahrten, tritt seit 20 Jahren als Interpretin von jiddischer Liedkultur auf. Seit 2008 Jurorin beim Lyrikpreis der Klagenfurter Stadtwerke.
http://www.mohorjeva.com/knjige_buecher/autor_detail/ilse-gerhardt

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Für Gerhardt ist der derzeitige Literaturbetrieb in Kärnten „das Gegenteil von befriedigend, es gibt viele talentierte heimische AutorInnen und anstatt sie zu fördern, lässt man sie einfach brach liegen“. Ein Roman ist seit zwei Jahren fertig und wartet auf einen guten Verlag. Derzeit arbeitet sie gerade an einem weiteren Roman zum Thema Mobbing an der Kärntner Tageszeitung.
Was könnte man im Literaturgeschehen ändern? Wird Ilse Gerhardt gefragt und ihre Antwort ist: „Viele Lesungen veranstalten und man sollte einen eigenen Verlag gründen, der ausschließlich Kärntner AutorInnen verlegt, aber ich bin schon 72 Jahre alt…“

Textprobe von Ilse Gerhardt aus dem Buch: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“- Eine Kärntner Nachkriegsmischkulanz (Kurzgeschichten und Jugenderinnerungen von den beiden Kärntner Autorinnen Ilse Gerhardt und Edith Darnhofer-Demár, Hermagoras-Verlag 2015)

KONTAKTOFEN und Co
„Die Achtundsechzigerrandalen hatten sich in Berlin, Paris und Wien bereits 1965 angekündigt. In Klagenfurt machten sie sich erst 1970/71 bemerkbar.
Erst einmal traten radikale Mütter in Erscheinung. Sie schworen auf antiautoritäre Erziehung und beseitigten – nach den sittenstrengen Fünfzigerjahren – alle vorhandenen Leinen, an denen die Kinder gegängelt wurden. Dieser Laissez-faire-Stil wurde bald zur Mode. Die fortschrittlichen Mütter zogen ein in das Abbruchhaus (heute Musikschule) zwischen Stadttheater und Theatercafé, nahmen den Theaterpark ein, heute Norbert-Artner-Park, ließen ihr Kinder toben, malen und schreien und einander mit Farbe beklecksen.
Junge Intellektuelle trafen sich hier, um die Probleme der Zeit zu analysieren. Natürlich wurde nicht nur Kaffee getrunken, natürlich wurden bei dieser Gelegenheit die Diskussionen heiß und heißer. Unterdessen beschmierten die befreiten Kinder die Wände und einander und ihre latzbehosten Mütter schwärmten von freier Liebe und vom Hängendgebären…. (S 129)

Weiters las Gerhardt ihre Kindheitserinnerung eines unliebsamen Frisörbesuchs „Schönheit muss leiden“ (S 41) und die humorvolle Kategorisierung des Typus „Dame“ als Kurzgeschichte verpackt: „Nur für Damen“ (S 95).
In diesem Buch erzählen beide Autorinnen ihre Kindheitserinnerungen aus der Trümmerzeit der Vierziger- und Fünfzigerjahre in Kärnten, die von der britischen Besatzungsmacht und strengen Moralbegriffen bestimmt waren (Nachkriegsmischkulanz), und der wilden Zeit der Sechziger- und Siebzigerjahre. Amüsant und nachdenklich werden gesellschaftliche Entwicklungen in Kärnten beschrieben, die bisher literarisch und historisch noch nicht genügend aufgearbeitet wurden.

http://www.mohorjeva.com/knjige_buecher/detail/aus-truemmern-zusammengewuerfelt

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Der zweite interessante Gast des Literaturabends von Buch 13 ist Siegfried Paul Gelhausen und ein Autor, der aus dem Kärntner Drautal stammt und völlig konträr zur kurzlebigen Autorenschaft agiert. Bei ihm darf sich sein literarischer Prozess entwickeln und wachsen.
Seit zwei Jahren arbeitet er an seinem autobiografischen Roman „DAS KAMILLENTEE-HAUS“, aus dem er auch eine unveröffentlichte Textstelle mit Erinnerungen an seinen Vater, der aus Deutschland stammte und in den Wirrnissen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zufällig in Irschen landete, vortrug. Sein literarischer Mentor, der ihm nahe steht, ist der aus dem Gailtal stammende Humbert-Fink-Preisträger 2016, Engelbert Obernosterer.
Wichtig als Vorbild ist für Gelhausen der Schriftsteller Bernhard C. Bünker. Der aus Kärnten stammende Autor hat sich vor allem in Dialekttexten kritisch mit seiner Heimat auseinandergesetzt. Peter Turini charakterisierte Gelhausens literarisches Werk: „Gelhausens Dorfbeschreibungen sind von düsterer Genauigkeit, von detaillierter Beobachtung scheinbar kleiner Vorkommnisse, aber daraus entsteht ein großes Bild“.

„Mit einem gewissen Alter rückt die Kindheit immer näher,“ erklärt Gelhausen seine Arbeit an seinem Roman. „Wenn aus meinen Aufzeichnungen ein Buch wird, dann würde es mich freuen, es ist mir wichtig, dass ich das ganze Erlebte niederschreiben kann, das ist meine Art von Psychotherapie. Mir ist dabei das Schreiben wichtig, damit verarbeite ich meine Kindheitserlebnisse. Wenn ich etwas schreibe, dann muss ich es selbst erlebt haben, kann nur schreiben, von was ich eine Ahnung habe. Mein Vater war für mich bis zu seinem Tod ein Fremder. Ich konnte erst nach dem Tod über den Vater schreiben, jetzt habe ich die richtige Distanz zu ihm. Außerdem habe ich immer das Gefühl, ich werde nicht fertig mit dem Text.“

Siegfried Paul Gelhausen wurde am 27. 5. 1950 geboren und wuchs im Wald und auf der Alm in Pflügen bei Irschen im Kärntner Drautal auf.
„Sechs Kilometer Schulweg zu Fuß täglich bei jeder Witterung haben mich die Natur erleben lassen wie sie heute kaum noch ein Kind kennt! Ich habe von früher Kindheit an die Arbeit und das Leben am Bauernhof in all seinen Facetten kennengelernt. Auf Grund der geografischen Lage des Heimatortes, hohe Berge im Norden und im Süden, entstand schon früh das Bedürfnis auszubrechen, einfach nur davon zu laufen…! Weil das aber nur schwer möglich war, suchte ich einen anderen Notausgang, begann zu malen und zu zeichnen,“ erzählt Gelhausen.

Als 18 Jähriger las er in der Zeitung von einer Ausstellung eines Prof. Theo BRAUN aus Wien in der Galerie zur Stadtmauer in Villach Es entstand eine tiefe Freundschaft . Monatelang durfte Gelhausen in seinem Atelier in Brunn am Gebirge mit ihm arbeiten und neue Techniken erlernen, unter anderem die der Eisenradierung. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in der Kellergalerie des Klagenfurter Stadthaues.
1980 begann er seine literarische Tätigkeit mit Dialekt-Texten:

1982 Erste Buchveröffentlichung mit; „WETTERLEUCHTN“ Verlag Welsermühl, Oberösterreich.
1985 „MEINE WÖRTA“ Dialekt-Lyrik im FIDIBUS.
1986 „WORTE ZU STEIN“ Künstler helfen Indien. Verlag Ueberreuter / Wien
1987 Reise nach Süd-Ostasien.
Sechsmonatiger Aufenthalt in einer Bambushütte auf der Thailändischen Insel Phuket.
1988 Reise nach Südamerika.
Dreijähriger Aufenthalt in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays als Betreiber eines Österreichischen Restaurants, einem Treffpunkt deutschsprachiger Einwanderer.
In der Zeit immer wieder Ausflüge in die Nachbarländer Argentinien und Brasilien.
1990 Rückkehr nach Kärnten.
1991 entstand die FIDIBUS Sonderausgabe; „ROTER STAUB IM LILAWOLKENLAND“. Erinnerungen an Südamerika.
1993 Literaturpreis für Dialekt-Lyrik verliehen von der
Freien Akademie Feldkirchen, Kärnten.

1994 Arbeitsstipendium vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst.
Der Dialekt-Lyrikband; „MEI LONGE WONDASCHOFT ZUR SUNN“ erscheint im Verlag Carinthia, Klagenfurt.

1996 Der Komponist Dr. Günther ANTESBERGER vertont meine Dialektlyrik-Texte. Diese werden beim „Carintischen Sommer“ in Stift Ossiach uraufgeführt.

2002 Erscheint bei FIDIBUS die Sonderausgabe; „IM SCHATTEN DES MANGOBAUMES“. Ein Tagebuch über die Suche und Rückholung meiner 6 jährigen Tochter aus Paraguay, Südamerika.

2003 Ein Lyrik-Text von mir in der Buchausgabe; „KÄRNTEN LITERARISCH“ Herausgeber Klaus Amann, Verlag Drava.

2007 Fünf neue Werke meiner Lyrik-Texte, vertont von Dr. Günther ANTESBERGER werden im Wappensaal Klagenfurt vom Kammerchor Klagenfurt-Wörthersee uraufgeführt.

2012 „DAS DORF“, hochsprachliche Lyrik-Texte mit einer Rezension von Peter TURRINI.

2014 Kulturpreis der Stadt Klagenfurt im Rahmen des STW Lyrikpreises.

http://gelhausen-siegfried.page4.com/

Danke Ilse Gerhardt für das persönlich gewidmete Rezensionsexemplar des Erzählbandes: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“ (I. Gerhardt/ E. Darnhofer-Demár), Hermagoras 2015

Alle Fotos © BUCH13 I Eschenauer

Gruppenfoto: v.li.: Siegfried Paul Gelhausen, Buch 13-Obmann Gerald Eschenauer, GAV- Kärnten Obmann Josef K. Uhl, IG-Autorinnen Autoren-Obfrau Kärnten Ilse Gerhardt

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