Licht fällt ein – blutrot

Axel Karner, in adern dünn brach licht.

Gedichtband, erschienen im Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2020

Rezension von Alfred Woschitz

Licht fällt ein blutrot“. Diese Verszeile aus dem Poem „Tapferkeit“ der bedeutendsten russischen Lyrikerin Anna Achmatova (1889-1966), Worte frei von imposanter Rhetorik, sind der natürliche Brückenschlag zu Axel Karners neuem Lyrikband „in adern dünn brach licht“ erschienen 2020 im Wieser Verlag.

Lyrik, die aus der Stille wächst, bis man zu hören glaubt, wie die Zeit vergeht. Doch mit dem „Zurückgehen hinter die Zeit“ wird Ende zum Anfang, wird Mündung zur Quelle, wird Zeit zum lautlosen Wandel von Jugend zum Alter, von Empathie zur Vergeltung. Beobachtet und gedrängt vom inneren Richter verweist uns der Autor auf die Toten, die nimmer stillhalten und entlarvt den Ruhm, der keine Toten kennt. Folgen wir Axel Karners poetischem Echo der Zeit flussaufwärts an jenen Ort, an dem im Wahn der Schuld selbst die Identität zu einem fragwürdigen Begriff, und vom Menschen Aufrichtigkeit eingefordert werden wird. Das gilt auch für den Autor, dem stillen Täter der Worte.

ISBN: 978-3-99029-428-4

Axel Karner: Geboren 1955 in Zlan. Arbeitete als Lehrer für evangelische Religion, darstellendes Spiel und soziales Lernen in Wien. In der Bibliothek der Provinz erschienen: „Kreuz“. Gedichte. Mit Scherenschnitten von Joseph Kühn (2003); „Schottntreiba“. Gedichte. Mit Illustrationen von Ingeborg Kofler (2004); „Vom ersten Durchblick des Gewebes am zehnten November und danach“. Kriminalgeschichten (2007). Im Wieser Verlag: Die Stacheln des Rosenkranzes. Lissabonner Gedichte (2007); Chanson Grillée. Gedichte. Illustriert von Anne Seifert (2010); Der rosarote Balkon (2012); Der weiße Zorn (2015); Die Zunge getrocknet / Jezik posušen. Fünf Gedichte in vier Sprachen und eine Nulllinie. Mit Zeichnungen von Wilhelm Dabringer. Slowenisch von Ivana Kampuš (2019).

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