Bis zu Sankt Nimmerlein …

Zum Thema Lockdownverlängerung für Kunst und Kultur

Gastbeitrag von Gerhard Ruiss

IG AutorinnenAutoren


Bis zum Tag X oder bis zu Sankt Nimmerlein

Kunst und Kultur haben seit Anfang November Pause und das bleibt vorläufig auch so. Die Kunst- und Kulturbetriebe mussten in der ersten Jahreshälfte 2020 für insgesamt 11 Wochen komplett schließen, die derzeitige Schließung des Kulturveranstaltungsbetriebs hat inkl. der nunmehr verfügten Verlängerung eine Dauer von insgesamt 14  bis 17 Wochen, 11 Wochen bis heute, von heute an noch weitere 3 bis 6 Wochen.

Das stellt alle nicht voll subventionierten Betriebe vor fast nicht mehr lösbare Probleme. Auszugehen ist davon, dass Bund und Länder ihre schon bisher finanziell getragenen Betriebe weiter finanziell tragen sowie die Verluste, die sie durch die Sperren erlitten haben, ausgleichen werden. Ganz anders sieht es bei den nicht voll subventionierten Betrieben aus, sie hängen, was ihre Zukunft betrifft, vollkommen in der Luft, das betrifft sowohl feste Häuser als auch die nirgendwo fix verankerte Freie Szene. Ein Teil von ihnen wird nach der Beendigung des Lockdowns weiterhin Subventionen erhalten, aber auf Grund der Einschränkungen den notwendigen anderen Teil zur Finanzierung nicht erwirtschaften können, und der nicht-subventionierte Kunst- und Kulturbetrieb wird nach dem Auslaufen der Unterstützungsleistungen ohne irgendeine Chance auf relevante Einnahmen überhaupt nur noch auf seinen Zusatzbelastungen und Zusatzkosten sitzen bleiben.

Bei der ersten Schließung 2020 wurde ein Betretungs- und Veranstaltungsverbot verhängt, bei der zweiten „nur noch“ ein Veranstaltungsverbot. Zudem durften zeitweilig die größtenteils dem Bund, den Ländern und Gemeinden gehörenden Museen, Ausstellungshäuser, Bibliotheken und Büchereien wieder öffnen. Das hat den Eindruck erweckt, es wäre im zweiten Lockdown zu einer geringeren Schließungsdauer in der Kunst und Kultur als im ersten Lockdown gekommen. Das ist nicht der Fall. Auch nun heisst es, die Lokdownverlängerung beträgt zwei Wochen, das stimmt wieder nur für Museen, Ausstellungshäuser, Bibliotheken und Büchereien, für den Kulturveranstaltungsbetrieb (Theater, Konzerthäuser, Literaturhäuser, Kinos usw.) ist sie mit weiteren 6 Wochen anberaumt.
Es ist vor allem die Aussicht, dass der Kunst- und Kulturbereich der letzte bleiben wird, der an irgendeinem Tag X oder auch am Sankt Nimmerleinstag wieder aufgesperrt werden darf, die die Lage für die meisten Kunst- und Kulturbetriebe schon jetzt aussichtslos erscheinen lässt. Ihr Niedergang zieht die Kunst- und Kulturschaffenden mit sich, die ihre Veranstaltungsorte, Honorare, Gagen, Gewinnbeteiligungen und Tantiemen verlieren, nicht nur für die Zeit, in der sie Überbrückungshilfen erhalten, sondern auf Dauer.
Es gibt trotz der sich zuspitzenden Situation aber keinerlei Anzeichen für Überlegungen, wie es nach der Beendigung des Lockdowns und dem Ende der Pandemie mit den Kunst- und Kulturbetrieben weitergehen soll. Wenn jedoch jetzt nicht die Zeit ist, die Arbeiten und Beratungen zur im letzten und auch im jetzigen Regierungsprogrammen angekündigten Kunst- und Kulturstrategie aufzunehmen, wann dann?

Im seit mehr als einem Jahr gültigen Regierungsprogramm 2020 ist sie als allererstes Kunst- und Kultur-Vorhaben aufgelistet und soll „in einem strukturierten Verfahren unter Einbeziehung aller Gebietskörperschaften und mit Partizipation der Kulturinitiativen, Künst­lerinnen bzw. Künstler sowie Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter ent­wickelt werden.“ Davon zu hören und zu sehen ist bis jetzt nichts.

Kunst und Kultur und ihre Notwendigkeiten wurden und werden bei den Entscheidungen der Regierung bisher vielfach ignoriert. Das liegt mit Sicherheit nicht an der zu geringen Unterstützung des Kunst- und Kulturbereichs durch das Kunst- und Kulturstaatssekretariat bzw. die Ressortverantwortliche Andrea Mayer, es liegt am zu geringen Interesse der Regierungsspitze. Die Wörter Kunst und Kultur sind bei der Pressekonferenz des Bundeskanzlers und Gesundheitsministers mit den Landeshauptleuten zur Bekanntgabe der Verschärfungen und Verlängerung des Lockdowns kein einziges Mal vorgekommen.

Daran muss sich dringend und nachhaltig etwas ändern, soll es nicht zu einer dauerhaften Beschädigung des Kunst- und Kulturbetriebes kommen, die in einer Kulturnation letztlich eine Selbstbeschädigung ist. 

Gerhard Ruiss
IG Autorinnen Autoren
Wien, 18.1.2021

.

Facebooktwittergoogle_plus