Was ein Augenblick vermag…

Eindrücke vom 27. Junior-Bachmann-Literaturwettbewerb

„Nur ein einziger Augenblick vermag oftmals unsere Welt, Werte und Haltungen blitzartig zu verändern. Hervorragende Erzählungen, großartige Texte, beeindruckende Gegenüberstellungen, einzigartige poetische Bearbeitungen – so ließe sich die Bandbreite der eingereichten Werke beim Junior Bachmann Literaturwettbewerb durch das Ingeborg-Bachmann- Gymnasium Klagenfurt stilistisch zusammenfassen…“ (aus dem Vorwort von Robert Klinglmaier, Bildungsdirektor, Land Kärnten).

Bildungsdirektor Dr. Robert Klinglmaier

Aus der Vielzahl der Einsendungen aus Schulen von ganz Österreich und Deutschland wurden durch eine breit aufgestellte Jury in 3 Kategorien (Altersgruppen) jeweils 3 Preise nominiert. Organisiert und Begleitet vom Team des Ingeborg Bachmann-Gymnasium unter Direktor MMMag. Dr. Markus Krainz. Im Ambiente der großen Bachmann-Wettlesen im ORF Theater Klagenfurt werden seit 27 Jahren im selben Setting im Anschluss an den ersten Lesetag die „Kleinen Bachmannpreise“ ins Licht gerückt.

die Preisträgerinnen aller Altersstufen mit dem Dir. MMMag Dr. Markus Krainz

Raphaela Edelbauer, die Bachmann-Publikumspreisträgerin 2019, gab in Ihrer Rede den jungen Autorinnen mittels Anekdoten aus ihrem eigenen Leben einen Rat mit auf die literarische Reise : Unmögliches immer zu versuchen und sich nicht von der Familie oder anderen Personen davon abhalten lassen, Schriftsteller zu werden.

Raphaela Edelbauer

Laudatiotexte für die 16 – bis 18 Jährigen

Platz 1: Mavie Anna Maria Michelitsch (Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse)

Die Jury hat diesen Text eindeutig und einstimmig zum Siegertext bestimmt. Er beginnt äußerst suggestiv und schlägt uns sofort in seinen Bann: Wer wird hier so gehasst? Es sind wider Erwarten keine Personen, sondern die Buchstaben des Alphabets. Der Kampf mit ihnen, die Verzweiflung des Ich werden sprachlich äußerst souverän und einprägsam gestaltet, ja mit selbstironischen Tupfern versehen. Noch dazu geht er das Thema „Augenblicke“ sehr eigenständig an – nämlich als plötzlichen Umschlagpunkt von Hass zu Liebe, von Krieg zu Frieden mit den Buchstaben, mit der Sprache. Schlicht großartig!

Platz 2: Liv Lauren Spitzer (Dr. Ute Liepold)

Der vorliegende Text zeugt vom Selbstbewusstsein junger Frauen heute, ist sehr pointiert und hebt sich durch die Reihung, ein gängiges Stilmittel politisch motivierter Texte, stark von den anderen Texten ab. Durch das Stilmittel der Montage schließt sich dieser Text mit wichtigen, ungelösten Fragen unserer gesellschaftlichen Gegenwart kurz und vermittelt so eine besondere Dichte der kritischen zeitgenössischen Auseinandersetzung.

Platz 3: Leonie Katz (Mag. Gabriele Russwurm-Biró) (C 61)

Dieser Text beeindruckt durch seine suggestive Kraft. Er zeigt eine Gegenüberstellung, die zum Nachdenken veranlasst. Im ersten Absatz geht es um eine unbekannte „Sie“, im zweiten Absatz um einen ebenso fremden „Ihn“ und so fort … Die Gegensätze zwischen Mann und Frau, Gewinner und Verliererin, zwischen „weiß“ und „schwarz“, letztendlich zwischen Täter und Opfer werden präzise vor Augen geführt. Kurze Sätze schildern Konflikte von politischer Dimension, ohne dabei moralisierend zu werden. Diesem Text liegt ein besonderes Stilmuster – wie eine Komposition – zugrunde: ein mutiger „Gegenschnitt“. Beeindruckend deshalb, weil der Handlungsverlauf nicht gestört wird, sondern sich zum Ende hin aufbaut.

alle Fotos © Junior Bachmannpreis/Bachmanngymnasium

Die Siegertexte samt Biografien, Jurybewertungen und ausgewählte Texte aus der Longlist sind in einer Bröschüre zum Junior Bachmann Literaturwettbewerb 2019 nachzulesen.

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