Mit den Leuten ins Gespräch kommen

Die Schriftstellerin und Kärntner Lyrikpreisträgerin Monika Grill widmet sich seit Oktober 2017 einer neuen Passion – dem Radiomachen. Ihre Sendung “Sprache. Wurzeln. Sterne –Gespräche und Begegnungen“ ist auf RADIO AGORA 105,5 sowie livestream auf radioagora.at am ersten Sonntag des Monats um 18 Uhr zuhören.

Wie kommt man als Schriftstellerin dazu, eine Radiosendung zu produzieren und zu moderieren?

Im September 2017 postete Hemma Schliefnig auf Facebook eine Anfrage bezüglich einer Koproduzentin für ihre Sendung “Sprachwurzelgeschichten“. In diesem Format hatte sich die Unterkärntner Autorin und Landwirtin zwei Jahre lang mit der Zweisprachigkeit in Kärnten auseinandergesetzt und, wie sie sagte, Menschen eine Stunde lang zugehört, wie sie über ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Thema plauderten. Nun stellte sie sich die Frage, ob sie die Sendereihe beenden oder sie mit jemandem als Koproduzenten fortsetzen wollte. Ich fand den Begriff Sprachwurzeln spannend und wie es meine Art ist, entwickelten sich in meinem Kopf sofort Assoziationsketten, die auf unendlich viele Möglichkeiten hinwiesen, mit diesem Thema umzugehen.
Hemma fand meinen Ansatz interessant und lud mich ein, die Sendung abwechselnd mit ihr zu gestalten. In der Folge produzierte ich zwei Sendungen im Rahmen der Sprachwurzelgeschichten. Ende 2017 stellte Hemma fest, dass sie alles gesagt hatte, was sie sagen wollte, und dass es für sie an der Zeit war, die bereits geführten Gespräche in Buchform unter die Menschen zu bringen. So beschloss ich, das Thema der Kommunikation weiter zu spinnen und im Rahmen meiner eigenen Sendereihe zu erweitern und zu vertiefen.

Schriftsteller und Autoren gelten als eher introvertiert. Wie war es für Sie, in diese neue Rolle zu schlüpfen?

Mit Leuten ins Gespräch zu kommen, sich über interessante Themen auszutauschen und nachzufragen, was im persönlichen Leben so alles passiert, ist grundsätzlich nichts Neues für mich. Meine Lebensgeschichte hat mich zu einem offenen, neugierigen Menschen gemacht, für den es selbstverständlich ist, über alles ehrlich zu sprechen. Aus meinem früheren Beruf bin ich es gewohnt, Vorträge zu halten und auf verschiedensten Ebenen zu kommunizieren. Viele Autoren schreiben, um sich auszudrücken, sich selbst kennen zu lernen und ihre Gedanken und Erfahrungen zu ordnen. Sie sind glücklich mit dem Blatt Papier, das vor ihnen liegt und dem sie alles mitteilen können. In meinen jungen Jahren teilte ich diese Ansicht. Jetzt aber geht es mir um den Austausch, der in Lesungen und Veranstaltungen stattfindet. Ich bin am glücklichsten, wenn das gesprochene Wort Raum einnimmt und ich sehen und spüren kann, was es in meinen Zuhörern bewirkt. So gesehen ist das Radiomachen einfach eine weitere Form dieser Begegnung auf menschlicher Ebene.

“Sprache. Wurzeln. Sterne“ ist eine sehr lyrische und weitgreifende Beschreibung für eine Radiosendung. Worum geht es Ihnen eigentlich?

Das Leitmotiv der Sendereihe sind Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die sich aufgrund ihrer Interessen und Fähigkeiten mit diversen Kommunikationsformen beschäftigen (Kunst, Musik, Literatur, Architektur) oder die in einer besonderen Art der Kommunikation mit ihrem Umfeld, der Welt und dem Kosmos stehen. Einbezogen in das Thema Sprache sind unter anderem auch Tiere, Pflanzen, Landschaften, Städte.
Mein Ansatz ist es, dass sich in einem lockeren Austausch um ein Thema herum ein roter Faden entwickelt, der in unerwartete Bereiche führt und den Zuhörern neue Blickwinkeln öffnet. Wesentlich für mich ist eine entspannte Atmosphäre, in der sehr persönliche und tiefgreifende Fragen möglich sind.
Mein Wunsch ist es, dass sich die Zuhörer als Teil eines interessanten und ehrlichen Gespräches erleben, dessen Bogen sich vom Kleinen zum Großen, vom Regionalen zum Globalen, von der Vergangenheit in die Zukunft erstreckt. Das Ziel− Geist und Herz für das Andere und Unbekannte zu öffnen und dem Vertrauten auf eine neue Weise zu begegnen.
Auch das Ansprechen von schwierigen Thematiken und von Sachverhalten, die unser persönliches und soziales Leben prägen, gehört dazu.

In den USA sind Sie viele Jahre im Bereich der Alternativen Heilkunst tätig gewesen und haben diese Arbeit als Berufung erlebt. Ich nehme an, dass man die Tätigkeiten und Gedankenansätze eines halben Lebens nicht einfach beiseitelegen kann. Wie zeigt sich Ihre Vergangenheit in dem, was Sie jetzt tun?

In meiner Rolle als Heilpraktikerin und Hypnosetherapeutin ist es für mich in der Vergangenheit selbstverständlich gewesen, mit meinen Klienten das Wesentliche in deren Leben zu besprechen und freizulegen. In meiner Rolle als Schriftstellerin und Lyrikerin spinne ich jetzt diesen Faden weiter und erzähle Geschichten über das Menschsein in all seinen Facetten. Mit dieser Radioproduktion möchte ich diesen Ansatz weiter verfolgen.

Ihre erste Sendung “Mit Tieren sprechen“ wurde am 5. Jänner ausgestrahlt. Worum ging es?

Ich bin eine überzeugte Tierschützerin und stehe mit der natürlichen Welt in einer innigen Verbindung. Deshalb ist es für mich eine Herzenssache, den Menschen das Wesen der Tiere näher zu bringen und für ein besseres Zusammenleben zu plädieren.
Im Gespräch mit der Tierkommunikatorin Evelin Illitsch stelle ich unseren Umgang mit Tieren in Frage und möchte wissen, was Tiere brauchen und sich von uns wünschen. Erzählt wird unter anderem von kleinen Wundern und schmerzhaften Realitäten, von Respekt, einem würdigen Tod und der Sprache des Herzens.

Mit Tieren sprechen : https://cba.fro.at/357489

Sie haben über 30 Jahre in den USA gelebt, den Großteil davon in Kalifornien. Wie wirken sich ihre Erfahrungen auf die Gestaltung dieser Sendung aus?

Natürlich bin ich stark von meinem Leben in Kalifornien geprägt ist. In der Metropole Los Angeles zu leben bedeutet, allen Kulturen der Welt im täglichen Leben zu begegnen und die ethnische, spirituelle und sprachliche Vielfalt als selbstverständlich zu erleben. Dazu kommen die klimabedingte extrovertierte Lebensweise, die Freude am Experimentieren und der typisch amerikanische Pragmatismus. In der Folge neige ich zu einer weltoffenen Perspektive, die im Lokalen und Regionalen verankert ist. Mehrsprachigkeit, kulturelle Vielfalt und Offenheit für Neues sind für mich in diesem Zusammenhang selbstverständlich. Mich interessieren weitläufige Zusammenhänge, Verbindendes und Grenzüberschreitendes. Das Menschliche steht im Mittelpunkt, denn es erlaubt die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen auf Augenhöhe und ohne Polemik. In meiner Sprache bin ich direkt und kenne keine Hemmschwellen oder Tabuthemen.

In Ihrer Biografie sprechen Sie von Ihrer Zusammenarbeit mit Musikern. Was ist Ihnen daran wichtig und wie wird diese Vorliebe in Ihre Sendung einfließen?

Ich bin mit Musik aus dem Radio aufgewachsen. Mein Vater war ein wunderbarer lyrischer Tenor, der im Singen auflebte. Wie meine beiden Schwestern spielte ich Klavier und erhielt über 8 Jahre Musikstunden am Konservatorium Klagenfurt. Die Liedermacher meiner Jugend haben in mir die Freude an der Poesie geweckt und mir die Musikalität der Sprache ans Herz gelegt. Musik und Stimme berühren auf tiefster Ebene und erzeugen eine Verbindung unabhängig vom Inhalt. Ich denke, dass aus diesem Grund das Lyrische eine große Rolle in meinem eigenen literarischen Schaffen spielt und sich auch in meinem Sprachmustern zeigt.
Ich habe auch festgestellt, dass Menschen eine Lesung viel mehr genießen, wenn sie von Musik umrahmt oder begleitet wird. Die musikalische „Pause“ ermöglicht es, Worte und Informationen zu „verdauen“ und einsinken zu lassen. Für meine Sendungen bemühe ich mich um musikalische Einlagen, die das Thema ergänzen und die Zuhörer berühren.

Eine Sendung, die der Welt des Klanges gewidmet ist, können sie hier nachhören.

Die Welt klingt https://cba.fro.at/357495

Sie nehmen auch immer wieder am Literaturfrühstück im Künstlerhaus Klagenfurt (in Kooperation mit dem Kärntner SchriftstellerInneverband, dessen Mitglied Sie auch sind) teil, für das Autoren und Autorinnen Texte verfassen, die von den ausgestellten Werken inspiriert sind. Was mögen Sie an der bildenden Kunst, und wie findet sich diese Vorliebe in ihrer Sendung wieder?

Bilder, Skulpturen, Installationen – sie machen Freude, überraschen und eröffnen gedanklich und emotionell neue Dimensionen. Ich mag Kunst die klug ist, mich überrascht und spielerische Komponenten zeigt. Auch Mut, gutes Handwerk und Menschlichkeit sind mir wichtig. Persönlich liebe ich Farbe und verweigere ein Leben in weißgestrichenen Räumen.
Ich bin ein Mensch, dessen Geist sehr wendig ist und der Assoziationen liebt. Wenn der Moment stimmt, lösen Worte oder visuelle Elemente in mir Gedankenkaskaden aus, die sich zu Bildern formieren. Und wenn ich auf Kunst treffe, die eine Geschichte erzählt, freue ich mich und erlaube es mir, davon angeregt zu werden.
Während mir als jungem Menschen die atmosphärische Literatur und Andeutungen gefallen haben, ist mir mit zunehmendem Alter eine klare und direkte Sprache wichtig geworden. Dazu gehören Wortkonstruktionen, die im Kopf Bildabläufe erzeugen. Für mich ist das ein Merkmal guter und effektiver Kommunikation – dass der Leser/Zuhörer sieht was ich sehe, und damit die Zusammenhänge versteht und der Geschichte folgen kann.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/monika-grill/

Welche Themen und Sendungen können wir für das Jahr 2018 erwarten?

Am 4. Februar wird mein Gespräch mit dem international bekannten Mode- und Werbefotografen Jens August ausgestrahlt. Seit einem Jahr betreibt er die Galerie August in der Künstlerstadt Gmünd und hat sich mit seiner Frau Tatjana auf einer Almhütte im Maltatal niedergelassen. Wir plaudern über seine Entwicklung als Künstler und Mensch, und wie es ist, angekommen zu sein.

Weiteres wünsche ich mir Gespräche über Spiritualität in einer scheinbar gottlosen Welt, Begegnungen mit slowenisch sprechenden Künstlern und Literaten, einen Besuch im Zitrusgarten am Faakersee, und Einblick in das Leben von Menschen, die den Anforderungen der Zeit konstruktiv, gütig und mutig begegnen.

http://agora.at/Sendungen/Sprache-Wurzeln-Sterne

https://www.facebook.com/moderationgrill/

http://monikagrill.com/

Fotocredit © Hannes Pacheiner, Villach

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