„Lyrik boomt“ – Verleihung des 8. Kärntner Lyrikpreises

Die kleine Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt kann seit einigen Jahren gleich mit zwei Literatur-Fixsternen pro Jahr auftrumpfen: Beide Veranstaltungen zählen zu den „Highlights“ der Kultur in Kärnten in Bezug auf Geschriebenes. Im Juli finden seit 1977 die Tage der deutschsprachigen Literatur im ORF-Theater statt – der international beachtete und renommierte „Bachmannpreis“ zu Ehren der großen Dichterin Ingeborg Bachmann. Jeweils Anfang Dezember wird seit acht Jahren auch die Gattung Lyrik preisgekrönt und mittels einer anonymen sechsköpfigen Jury bewertet. 2015 befanden sich unter den 170 Teilnehmern und Teilnehmerinnen (gebürtig aus Kärnten) auch viele, die in Übersee und außerhalb Kärntens leben.

Am 3. Dezember 2015 erfolgte die feierliche Übergabe des „8. Kärntner Lyrikpreises der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ im Klagenfurter ORF-Theater an die Autorin, Journalistin und Fotografin Gabriele Russwurm-Biro. „Gerade in schwierigen Zeiten mit drückenden Schulden und harten Sparmaßnahmen in Kärnten darf man nicht überall den Rotstift ansetzen – etwa bei der Kultur! Deshalb bauen wir weiterhin auf gefühlvolle Literatur, kritische Verse und die Macht der Wörter!“, erklärte Stadtwerke-Vorstand und Rilke-Fan Romed Karré am Abend der Preisverleihung in der Kärntner Landeshauptstadt. Karré bezeichnete den Lyrikpreis für deutsche und slowenische Autoren als „erfolgreichen kleinen Bruder des Bachmann-Wettbewerbs“.
Gastgeberin ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard verwies auf Kultur-Aktivitäten des Kärntner Landesstudios und bundesweit ausgestrahlte Beiträge „in Sachen Kultur“.

Jury-Vorsitzender Manfred Posch dankte den Klagenfurter Stadtwerken für ihr vorbildliches Engagement für eine ganz besondere Literaturgattung mit folgenden Worten:

„Lyrik boomt: Die Poetry-Slam-Welle beispielsweise schwappt von Kontinent zu Kontinent, wogt erfrischend schäumend auch in Kärnten. Vor wenigen Jahren ging der Literatur-Nobelpreis an einen Lyriker. Lyrik findet sich im Alltag und längst auch in der Werbung. Schauen Sie sich beispielsweise das Projekt Babelsprech an, eine Vernetzung junger Lyriker aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Unter dieser Adresse präsentieren poetisierende Autoren erstaunliche lyrische Vielfalt und Qualität.

Die renommierte Wochenzeitschrift „Die Zeit“ hat den Babelsprech-Poeten unlängst wohlmeinende Beachtung geschenkt, sich mit dem Verzicht der Autoren auf „feste und vorgegebene Strukturen“ beschäftigt. Und erlauben Sie, dass ich jetzt die aktuelle „Kärntner Lyrikpreis-Siegerin“, Gabriele Russwurm-Biró, erwähne: Auch sie folgt diesem Verzichts- und Brechungstrend, dieser Absage ans Formale, legt wunderbar poetische Gebilde vor. Ich gratuliere dir, liebe Gabriele, als Vorsitzender der Jury herzlichst zum 1. Preis. Verdient hast du ihn NICHT! Verdienste erwirbt man, was irgendwie mit Profanem, mit Diesseitigem zusammenhängt. Du hast dir diesen Preis, diese Seelen-, diese Herzensergießung ERDICHTET.“

Und weiter: „Die Jury hatte auch diesmal viel zu tun. Es galt, 170 Einsendung zu sichten, zu beurteilen, zu prüfen, zu gewichten. Sie müssen wissen, dass der Jury keine Namen, keine Autorenidentitäten vorliegen. Wir, also die Juroren, müssen sich mit den Nummern der Einsendungen begnügen. Nachdem nun aber längst alles geklärt ist, wir zur Preisüberreichung schreiten, darf ich verraten, dass die Nummer 110, also Gabriele Russwurm-Biros Geheimsignatur, vier von sechs Jurymitglidern schon beim ersten Durchgang vorne hatten. Ich danke den Jurymitgliedern für deren verantwortungsvolles und kenntnisreiches Wirken.“

Der Anerkennungspreis für sein Lebenswerk gestiftet von der Kulturabteilung des Landes Kärnten ging an den Klagenfurter Autor Alexander Widner. Jurymitglied Ilse Gerhardt hob in der Laudatio die lesenswerten Werke des Geehrten hervor. Ebenfalls für seine umfangreichen Leistungen „in Sachen Literatur“ wurde der Klagenfurter „Kulturarbeiter“ Josef K. Uhl geehrt. Er erhielt von Kulturreferentin Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz den Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt. Manfred Posch wies dabei auf die zahlreichen Kulturveranstaltungen hin, die UNKE-Gründer Josef K. Uhl in den letzten Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat und auf seinen Gedichtband Rock`n Roll des Herzens.

Alexander Widner
Alexander Widner
Josef K. Uhl
Josef K. Uhl

Die sechs ersten Plätze des Lyrikwettbewerbes gingen an folgende Lyrikerinnen:

1. Gabriele Russwurm-Biro aus Klagenfurt: Autorin, Journalistin und Fotografin: studierte Kunstgeschichte und veröffentlichte bereits zwei Kinderbücher und drei themenbezogene Anthologien (Literatur-Fotobände) mit Kärntner Schriftstellern.
2. Elisabeth Hafner, Lehrerin an der Schule für Sozialberufe 2 in Klagenfurt
3. Waltraud More, Lehrerin aus Seeboden
4. Barbara Juch, in Wien lebende Regieassistentin (Preis der PosterService GmbH)
5. Miriam H. Auer, Lektorin am Institut für Anglistik Universität Klagenfurt, aus Arnoldstein (Preis der Kraftwerkserrichtungs- und Betriebsgesellschaft)
6. Susanne Axmann, Trainerin aus St. Donat (Sternenpreis des Planetariums)

Die weiteren Anerkennungspreise gingen an Erik Adam aus Klagenfurt, Verena Gotthard aus Klagenfurt, Vera Wutti-Incko aus Ferlach, Rebekka Scharf aus Klagenfurt, Angelika Stallhofer aus Seeboden und Christine Tidl aus Seeboden.
Insgesamt wurden Geldpreise im Gesamtwert von 12.000,- € vergeben.

Die Lyrikpreis-Jury: Vorsitzender Prof. Manfred Posch, Schriftsteller und Büchnerpreisträger Dr. h.c. Josef Winkler, Mag. Katharina Herzmansky, Ilse Gerhardt, Dr. Richard Götz, Dr. Günter Schmidauer und Dr. Harald Raffer (ohne Stimmrecht). Der „Kärntner Lyrikpreis der STW Gruppe“ wurde selbst bereits drei Mal mit dem Maecenas ausgezeichnet.

Fotos (c) Gabriele Russwurm-Biro

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