„wir spielen auf zeit“ – Ludwig Lahers Lyrik

Der Roman-Schriftsteller und Lyriker LUDWIG LAHER ist gemeinsam mit Friederike Kretzen und Julia Schoch heuer als Tutor beim 20. Literaturkurs Klagenfurt vom 26. bis 29. Juni im Vorfeld des 40. Bachmann Wettbewerbs tätig.

http://www.musilmuseum.at/index.php?p=klagenfurter-literaturkurs

Als Germanist beschäftigt er sich intensiv mit der Sprachform, was er als Lyriker unter Beweis stellt. In seinem neuen Gedichtband WAS HÄLT MICH, 2015 im Wallsteinverlag erschienen, gibt er auf 80 Seiten Einblick in sein lyrisches Werk.
Seine insgesamt 67 Gedichte sind kurz und prägnant und Ergebnis eines Abstraktionsprozesses mit einem gewissen Hang zur Askese in der Wortwahl. Die einzelnen Gedichte sind reduziert, verdichtet und formal sehr streng ausgebildet. Es bleibt aber genug Interpretationsspielraum. Aufschreie, Bitten, schwebende Assoziationen, Liebesgedichte und auch Politisches. Weitere Themen sind Selbstreflexion, Sprache und Schreiben, Gesellschaft und Natur.
Bei seiner Lesung im Mai aus diesem bibliophil gestalteten Bändchen im Musilhaus Klagenfurt wurden die Gedichte parallel zum Vortrag an der Wand projiziert, um damit auch die grafische Qualität erfassbar zu machen. Eine sehr gute Unterstützung optisch der Lyrik zu folgen und die strenge Formalität gleichzeitig zu sehen und zu hören.

Laher ist hauptsächlich als Autor dokumentarisch-kritischer Romane in sozialpolitisch engagierter Form aufgetreten. So schrieb er in seinem Roman „Bitter“ (2014) über einen NS-Massenmörder. Politisches fehlt auch in seiner Lyrik nicht, steht aber in diesem Band nicht im Vordergrund. Klare Botschaften begleiten den Leser bei den Gedichten Lahers.

Im Klappentext heißt es: „Neben seinen Romanen hat Ludwig Laher immer Gedichte geschrieben; vielleicht als eine Art Gegengewicht zum strengen, oft dem Dokumentarischen nahen Erzählen. In seinen Gedichten nimmt er die Sprache beim Wort und ihre Bestandteile auseinander, dreht sie und verdreht sie und macht so immer neue unerwartete Sinnschichten sichtbar. Kurz und konzentriert sind die meisten Gedichte, (Selbst-)Vergewisserungen, (Selbst-)Infragestellungen, Einladungen zu gemeinsamem Nachdenken und Nachspüren.“

wir spielen auf zeit
lösen probleme auf
geduldigem papier
wo ein schlagwort
wie geschmiert das
andere gibt und
die rechnungen
auf den wirt gehen
oder aufgehen
ohne den wirt


wegen nichts
auf der flucht
vor niemanden

und trotzdem
auf der flucht
nirgendwohin

(© Ludwig Laher)
Frauke Kühn (Beirat des Literatur Netzwerks Vorarlberg) klassifiziert sein lyrisches Werk so: “Ludwig Lahers Gedichte offenbaren sprachspielerische Spannungsfelder, von denen Impulse des Widerspruchs, der Überraschung und Bedeutungsvielfalt ausgehen.“

Ludwig Laher wurde 1955 geboren und studierte in Salzburg Germanistik, Anglistik und klassische Philologie. Ab 1979 arbeitete er als Lehrer, Übersetzer und Autor von Romanen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Hörspielen, Drehbüchern.
Seit 1998 ist er hauptberuflich als freier Schriftsteller tätig und lebt in St. Pantaleon im Grenzbereich Salzburg/Bayern/ Oberösterreich und in Wien. Übersetzungen seiner Bücher erschienen auf Englisch, Französisch, Japanisch Kroatisch und Spanisch.
Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und Stipendien. 2011 wurde er für den deutschen Buchpreis nominiert. 2016 Empfehlungsliste für den Evangelischen Buchpreis.
Laher ist Vorstandsmitglied der IG- Autorinnen Autoren in Wien und Tutor beim Literaturkurs Klagenfurt 2016.

In der Woche von 11.bis 16. Juli 2016 wird Ludwig Laher täglich vor dem Morgenjournal um 6.55 Uhr in Ö1 GEDANKEN FÜR DEN TAG beisteuern. Unter dem Motto BEIM WORT GENOMMEN geht er einzelnen Begriffen auf den Grund.
http://www.ludwig-laher.com/index2.htm

Ludwig Laher
was hält mich
Gedichte
Wallstein Verlag 2015
80 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-8353-1738-3 (2015)
€ 19,50

Blog-Cover-Laher

http://www.wallstein-verlag.de/9783835317383-ludwig-laher-was-haelt-mich.html

Alle Fotos © Gabriele Russwurm-Biro

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