Kategorie: Berichte

Spiegelungen, Reflexionen, Schatten – open windows im Künstlerhaus

Zum 3. Literaturfrühstück trafen einander AutorInnen und bildende KünstlerInnen in der Ausstellung „open windows“ im Künstlerhaus Klagenfurt. Bezugnehmend auf die ausgestellten Werke von Gertrud Weiss-Richter, Melitta Moschik und Hanno Kautz reflektierten die vom Kärntner SchriftstellerInnenverband eingeladenen LiteratInnen das Thema Licht, Schatten, Aus- und Durchblick. Das Fenster steht als große Metapher in den verschieden Künsten – als Symbol für Zukünftiges, Transparentes. Das Künstlerhaus Klagenfurt präsentiert sich als transparent. Gezeigt werden Werke, die sich an den Themen Licht und Schatten, Fenster und visuellen Botschaften orientieren.

Eva Possnig, Annelies Merkac-Hauser, Marlies Karner-Taxer, Karin Prucha, Maria Alraune Hoppe, Edgar Hättich, Johannes Tosin und Gabriele Russwurm-Biro präsentierten ihre, eigens für diesen Kulturdialog verfassten Prosatexte, Gedichte und Wortmeldungen vor. Die visuelle Botschaft ist auch eine literarische. Die abstrakt-lyrische Malerei hält sich – wie die Dichtkunst – an einen strengen Rhythmus.

Werke von Gertrud WEiss-Richter „open windows“ im Künstlerhaus Klagenfurt 2017

Die Malerin und Fotografin Gertrud Weiss-Richter, „bei der erscheint, dass immer auch so etwas wie ein Hauch von Emotion, ein Gefühl, ein Sentiment, ins Werk kommt“ (Zit. Christine Wetzlinger-Grundnig, Arbeiten 2012 -2017, Katalog 2017) nahm Stellung zum Thema und sprach zu ihren Werken und Intentionen. Sie betonte, dass in es in all ihren Arbeiten immer um Existentielles gehe.
Der gebürtige Kärnten Künstler und Fotograf Armin Bardel stelle sein langjähriges Kunstprojekt „open windows“ vor, das er in den Fensterflächen in Wien öffentlich macht und mit Wortspielen Aufmerksamkeit erregt.

In der Ausstellung wird das Thema FENSTER als Kommunikationsoberfläche und Synonym für die Weltbeobachtung aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Medien reflektiert – in den Medien Malerei, Objekt und Installation. Das Künstlerhaus Klagenfurt präsentiert sich daher im Ganzen und spartenübergreifend als transparent.

Beiträge:
Johannes Tosin

Light-Lab von Hanno Kautz

Im Light-Lab von Hanno Kautz tut sich etwas.
Die Farben verändern sich, ein Teelicht flackert,
eine überdimensionale CD schwebt mittels Nylonfäden über einem Lichtgeber.
Man fühlt sich wohl, wenn man die Farben betrachtet.
Was der Künstler damit ausdrücken will?
Keine Ahnung. Will er etwas ausdrücken?
Man kann alles über diese Installation sagen, wenn man möchte.
Im Gasometer in Wien gibt es eine Bar,
die an einen Konzertsaal anschließt,
wo auch Lichter changieren.
Genau dasselbe Konzept wie im Light-Lab, auch gleich ausgeführt.
In der Bar ist es Teil des Lokalambientes.

Hanno Kautz – Installation open windows Künstlerhaus Kärnten 2017

Fenstertechnik

Ein offenes Fenster ist ein bekanntes Symbol.
Durch ein geschlossenes Fenster kann man sehen,
da es aus Glas ist.
Durch ein offenes Fenster kann man auch Dinge reichen.
Als Mensch ist man von alters her wohl das Licht
der Sonne gewöhnt,
also Weiß, Gelb, Orange und Rot.
Und man kennt die Schwärze,
die das Fehlen von Licht ist.
Als Besonderheit haben die damaligen Menschen
wahrscheinlich den Regenbogen betrachtet,
in dem sich das Licht auffächert.
Es entspricht der menschlichen Natur,
alles zu erklären.
Wirklich alles kann man entschlüsseln,
es ist gar nicht so schwer.

Farbenlehre

Siehst du, was ich sehe,
Tetrachromat,
grünäugige Frau, Goldfisch, Spinne?
Ist nicht dein Gelb zweischichtig
oder Violett deine vierte Farbe,
wie die Wissenschaft vermutet,
dank Forschen, Messen, Vergleichen?

Lichtweiß wird auf meiner Netzhaut
zu Blau, Gelb und Rot
und allen Nuancen dazwischen
innerhalb eines Spektrums von einigen wenigen Nanometern.
Explosionen sind dies von Farben, Kaskaden,
schwebende, spannend die dynamisch wechselnden, beruhigend die statischen.
Blau ist das Meer.
Gelb ist der Löwenzahn.
Rot ist der Fehler.

Doch durch dich, Vier-Farben-Wesen,
weiß ich, es gibt noch mehr.
Drum bitte ich dich:
Erkläre mir deine Sicht, mach sie mich begreifen,
leihe mir deine Augen, nur für ein Dutzend Bilder,
dann geb ich sie dir gern wieder zurück.

© Johannes Tosin

Anneliese Merkac-Hauser

Außen

Ein Schatten
Sucht
Unter dem Licht
Straßenhell
Vergebens

Die schmutzige Scheibe
Verwischt
Den Weg
Hin zur Rinne
Regennass voll

Innen

Leise
Zittert der Stoff
Dicht gewebt
Verschließt mir
Den Blick
Bebende Fäden
Künden von Flucht
Blaue Striemen
Leuchten
Im grellen Licht

© Annelies Merkac-Hauser

Melitta Moschik, open windows

Karin Prucha

zu Melitta Moschik

die wirklichkeit und ihre spiegelungen in den fenstern der um-fassenden räume

das flugzeug rast hinein das bild ein raster
voll löcher
je kleiner das loch desto schwärzer die fläche
gnadenlos führt die nähe ins schwarze
die entfernung löst den albtraum
die wirklichkeit berührt nur am smarten phone
netzwerklos öffnen sich die fenster
zu starren trauerrahmen
je näher ich dem schwarz entkomme
desto näher komme ich mir und meiner verkehrung
desto mehr reflektiert der äußere raum
durchbricht spiegelverkehrt die wirklichkeit
mein fenster in das ich schaue
was sehe ich wirklich ?

Gertrud Weiss-Richter , open windows, Künstlerhaus Klagenfurt 2017

zu Gertrud Weiss-Richter

die geometrie des offenen blicks

den linien entlang hinaus in die freiheit
der geschlossenen fenster
die stiege hinauf oder hinunter
warten die möglickeiten der öffnung
wenn mein blick es will
hinter vorhängen
werfen die schatten von sonne und mond
lange lichtkegel in die richtung
die mein blick ersehnt

wenn ich will bin ich frei

zu Hanno Kautz

deine spiegel sind nicht meine

deine spiegel sind nicht meine
dein spiegelbild ändert nichts daran

im außen leuchtet das innen
voll mystischer farben
tiefbewegt

du schaust in das gesicht
im spiegel
seitenverkehrt
hat dein mund eine fremde linienführung

im innen färbt das außen ab
mit tönen so anders
als dein mund sie sonst spricht
in augen voll seide und warmem regenschauer

aus: © karin prucha „ in tiefen landen“ lyrik & fotografien
der wolf verlag 2017

Angelika Peaston
Zum Oeuvre von Gertrud Weiss-Richter – Open Windows

Ad No. 19 oder
Anklänge an Plato

Die Öffnung
Das Fenster. Nicht als Ebenbild.

Und hinter dem Vorhang?
Das Licht? Der Schatten?

Fenster trennen
Das Drinnen vom Draußen.

Fenster öffnen
Das Draußen zum Drinnen her.

Sie tun dies zu gleichen Teilen aus beiden Richtungen:
Lassen das Innen hinaus/ Holen das Außen herein.

Mensch oder Schattenbild?
Scherenschnitt der Welt?

Was ist wirklich?
Was künstlich?

Wie wirklich ist Wirklichkeit?

Urbild. Abbild. Nachbild.

Gertrud Weiss-Richter, open windows, Künstlerhaus Klagenfurt 2017

Zum Oeuvre von Gertrud Weiss-Richter – Open Windows

Das Fenster – Reflexion und Reflexionen

Das Fenster:
Einladung
Auseinandersetzung
Transparenz
Durchsichtigkeit
Sich dem Außen öffnen
Die äußere Welt hereinbitten

Offensein
Openness

Innen
Das Innerste nach außen kehren

Der Vorhang.
Ausladung. Trennung.
Verschleierung.
Sich dem Draußen verschließen. Shelter. Protection.
Die äußere Welt wegsperren, aussperren. Nicht teilhaben lassen.
Verweigerung.
Der Nässe, dem Wind und der Kälte trotzen.
Drinnen.

Open windows:
Geöffnete Wahrnehmung
Die Sonne durchdringt mit Hell und Wärme den Raum

Das künstliche Licht verspiegelt.
Versiegelt den Blick nach draußen, setzt eine Grenze.
Wirft den Raum zurück.
Auf uns.

Drawn curtains.
Closed perception.
Eng wird die Außenwelt.

Open windows!
Geöffnete Wahrnehmung?
Drawn curtains…
Closed perception?

Offen wohin?

Was ist: Innen?
Was ist: Außen?

Zum Oeuvre von Gertrud Weiss-Richter – Open Windows

INSIDE & OUTSIDE

MAY I OPEN THE WINDOW?
OPEN THE WINDOWS NOW!

OPEN UP!
INSIDE OUT

CLOSE PERCEPTION –
CLOSED PERCEPTION.

BEING OPEN
OPEN BEING

I SHALL CLOSE THE WINDOW NOW
OPENING MYSELF UP TO

WHAT
IS INSIDE

Augenstern

Schneestern
zart und weiß
und myriadenmal geästelt
verzweigt in allerkleinsten feinsten Nadeln
und myriadenmal gebrochen
zart und weiß
Dein Augenstern

Reframing III

Schatten,
Du wärst nicht ohne Sonne
Sonne,
Du bist,
und daher ist auch Schatten

©Angelika Peaston

Zum Thema open windows trug Maria Alraune Hoppe spontan eine „Sprechung“ vor, die direkt auf den geführten Dialog und die ausgestellten Kunstwerke reflektiert.
Maria Alraune Hoppe:

© Maria Alraune Hoppe


Edgar Hättich

Zeichnung

Mit feinem Stift
eine Linienstiftung
dem Sonnenlicht angeleint
fliegt sie dahin mit den Mücken
nichts Schöneres im Weltraum
als ziehende Linien
feines Liniertes
entlang dem Weltlineal
im Unendlichen die Geraden
Liniensehnsucht
Berührung im Lichtjahr
singe die Linie
spiele das Linienlied

© Edgar Hättich 2017

Gedicht von Gabriele Russwurm-Biro zu Gertrud Weiss –Richters Gemälde und Fotos in der Ausstellung open windows

das meer in zwei stunden

dunkel flimmert
der schein
verflogener tage
durchs fenster
ein ahnen
so sicher
wie das meer
in zwei stunden
die zarte seite
des kindseins
strandet
unweigerlich
und vertrocknet
haltlos
wie die mickrige
flügelschlaglänge
des welttheaters
im jetzt
wimpern zucken
verheissungsvoll
in hellen
nächten
mit einem
fremden lächeln
als hörte ich
ständig
die brandung
silberner mond
deck uns zu

© Gabriele Russwurm-Biro 2017

Armin Bardel
Open WindOw

seit etwa 1996 präsentiere ich in Wien ein projekt mit dem titel Open WindOw in den südseitigen fenstern meiner atelier-wohnung am Naschmarkt über dem renommierten Café Drechsler. sehr schön sichtbar auch von der Rechten Wienzeile. die arbeiten bzw. inhalte – in erster linie texte, aber auch photographien und graphiken – wechseln im schnitt wöchentlich.
visual poetry. worte gebildet aus einer beschränkten zahl von max. 6 buchstaben pro fenster (=1/scheibe) in 4 fenstern, also insgesamt maximal 24 buchstaben (oder bilder). statements zu privaten wie politischen themen. todernst kritisch bis scherzhaft belanglos. wortspiele entstehen durch laufende veränderung/auswechseln einzelner buchstaben zu immer neuen bedeutungen.
das projekt wurde bislang weitestgehend anonym durchgeführt, d.h. ich habe es (fast) nie offiziell angekündigt und kaum jemand weiß, wer oder was dahinter steckt. so bin auch ich selbst immer nur durch zufall auf menschen gestoßen, die es kennen. doch das scheinen sehr viele zu sein: es gibt solche, die die texte notieren, photographieren, darüber reflektieren und sich treffen um darüber zu diskutieren. Open WindOw ist thema von presseberichten, publikationen und wissenschaftlichen arbeiten, oder auch anderer kunstprojekte. eine fast vollständige dokumentation des projekts findet sich in form eines internet-blogs unter der adresse:

www.openwindowvienna.tumblr.com

sowie auf meiner website

www.arminbardel.at

wortspiele (beispiele)

nation:
stag-nation
indig-nation
deto-nation
dam-nation,
halluzi-nation
#
weil er was kann!
was kann er denn?
kann er denn was?
er kann mich mal!

gier – regung
regierung
erregung – regie!
diri-gieren, re-gieren
re-agieren, a-gieren
irren – spazieren!
#
no choice, no joy!
#
demo–crazy

no flower, no seed
no power, no greed
#
no match, no fire
no bush, no fire
#
aktuell:
kopf-los
wahl-los
wahl-krampf

Lenkfehler – ein kärntenbezug
anläßlich der landtagswahlen im Herbst 2008 in Kärnten hatte ich entsprechende kommentare im fenster. zuletzt stand dort – in anspielung auf möglicherweise mangelnde reflexion der wähler – das wort DENK-FEHLER. in der nacht auf Samstag, den 11. Oktober, gegen ca. viertel nach eins wollte ich spontan den text auf LENK-FEHLER umändern (evtl. mangelnde reflexion der regierenden). ich war jedoch zu müde und verschob mein vorhaben auf den kommenden morgen. in der früh ruft mich eine freundin an und erzählt mir was in der nacht passiert ist: Jörg Haider war aufgrund eines lenk-fehlers exact zu dem zeitpunkt verunfallt, als ich die textänderung vornehmen wollte.

intentionen
kommentieren – anmerkungen, stellungnahmen zu aktuellen themen & ereignissen von allgemeiner oder auch ganz persönlicher natur & bedeutung
informieren – erinnern, auf dinge aufmerksam machen, die zwar möglicherweise durchaus bekannt sind, doch gerne beiseite geschoben werden
analysieren – buchstabieren, der bedeutung mancher worte auf den grund gehen: eine andere/erweiterte form von visual poetry, wo worte form annehmen und der inhalt ständig neuen sinn bekommt – manchmal auch un-sinn
irritieren – verwirren, bekannten clichées und begriffen in veränderter form & zusammenhang neue bedeutung geben, querverbindungen herstellen
amüsieren – unterhalten, nicht todernst & moralisch, sondern durchaus mit humor der übertriebenen wichtigkeit mancher dinge ihr gewicht nehmen, wie (scheinbar) unwichtigen dingen größere bedeutung verleihen
provozieren – anregen, menschen aus einer gewissen denkträgheit, bequemlichkeit & ignoranten ichbezogenheit aufwecken
inspirieren – anregen mittels irritation etc. durch nicht sofort entschlüsselbare begriffe &/oder botschaften einen denkanstoß geben oder gesprächsstoff liefern

bedeutung & wirkung
bislang wurde das projekt unter weitgehender anonymität durchgeführt. es gab mit ganz wenigen ausnahmen keine information oder werbung darüber, der autor blieb konsequenter weise ungenannt und es gab auch keinerlei finanzielle zuwendungen. nach nunmehr über 20jährigem bestehen von Open WindOw ist es aber vielleicht doch an der zeit, an die öffentlichkeit zu treten.
meine aufgrund dieser umstände nur punktuelle kenntnisnahme der wahrnehmung läßt auf einen extrem hohen bekanntheitsgrad von Open WindOw schließen. der weit überwiegende teil der personen, mit denen ich per zufall darauf zu sprechen komme, kennt das projekt nicht nur flüchtig, sondern verfolgt es bereits seit jahren mit großer aufmerksamkeit und äußert sich äußerst positiv darüber. manche berichten gar von regelrechten diskussionsrunden, die regelmäßig über die aktuellen texte philosophieren.

Biografische Daten und Werkangaben finden Sie auf der Homepage des Kärntner SchriftstellerInnen Verband/ Mitglieder
http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/

alle Fotos © russwurm-photography

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Literatur unter freiem Himmel auf der Kreuzberglwiese – Spätsommerkostproben

„Alfresco“ hieß es im heurigen Spätsommer (in den warmen Augusttagen) zum zweiten Mal für LiteratInnen aus Kärnten. Der Kärntner SchriftstellerInnen-Verband lud zu den „Spätsommer–Literatur-Kostproben“ nach Klagenfurt auf die beliebte Spiel- und Festwiese im Naherholungsgebiet Kreuzbergl. Das ungezwungene freie Zusammentreffen Gleichgesinnter vor ansprechender Naturkulisse ohne räumliche Grenzen mit mitgebrachten Köstlichkeiten ist ein bewährtes Rezept. Spätsommerliche Nachmittage eignen sich daher besonders dazu, so wurde auch diesmal – im offiziellen Jahr der Kunst im öffentlichen Raum– die Einladung zu diesem informellen Literaturtreffen gerne angenommen.
Das einmalige Naturambiente und das perfekte stabile Spätsommerwetter lockten 20 Literatinnen und Literaten aus dem Freundes- und Sympathisantenkreis des Verbandes zu einem Treffen mit vollgepackten Picknickkörben und mitgebrachten neu entstandenen Texten. Jeder/e Teilnehmer/in konnte berichten, woran er/sie gerade arbeite und eine kleine Kostprobe aus den eigenen Werken vortragen.
Mit Klappstühlen, Decken und reichlich vorzüglicher Jause ausgestattet fand sich die Gemeinschaft auf der Spielwiese zusammen. Nicht nur Klagenfurter, auch aus Villach und Seeboden waren Teilnehmerinnen gekommen.
Lyrik und Kurzprosa wurden als Kostproben dargebracht und gaben Einblick in das vielfältige Schaffen der Kärntner Kolleginnen und Kollegen.
Unter ihnen waren Johannes Tosin, Peter Kersche, Marlies Karner-Taxer, Anneliese Merkac-Hauser, Edgar Hättich mit seiner Frau Maria Alraune Hoppe, Sieglind Demus, Christine Tidl, Betty Quast, Monika Grill, Edeltraud Pirker, Karin Prucha, Angelika Peaston, Gernot Stadler, Gabriele Russwurm-Biro und Gäste.
Aus den dargebrachten Kostproben sind einige hier nachzulesen:

Peter Kersche (Klagenfurt) las ein Gedicht, das er aus dem slowenischen übersetzt hat:
Von Edvard Kocbek

Grün

Als ich stehenblieb und mich widersetzte,
und den anderen keinesfalls mehr nachrennen wollte,
und nach einiger Zeit die Augen öffnete,
und in fremd anmutende Stille blickte,
da war plötzlich alles grün,
Erde, Himmel, Luft und Ferne.
Und als ich genauer hinblickte,
war alles andere auch grün,
Straße, Bäume, Wolken und Vögel,
grün die Sonne und alle Maßstäbe.
Und als ich meine Blicke auf die Handfläche und Finger richtete,
waren diese grün. Und als ich mich in sie verbiss,
spritzte das Blut grün.
Ich schrie auf, alle Schreie grün.
Vor Wut lief ich los, die Fluchtschritte grün.
Alle Geräusche grün und die Stille grün.
Auch die Gräser grün, die Erinnerungen grün.
Helle und Dunkelheit grün.
Und mein Schluchzen grün
und die Grenzen ununterbrochen grün.
Und als ich grün zu sprechen anfing
und das Grünzeug zu verwünschen begann,
die Kräuter, Grünflächen, den immergrünen Buchsbaum,
das Grün, die Pflanzen und das Immergrün,
wusste ich, selbst die Verzweiflung ist grün.
Da erkannte ich,
die Chimäre Hoffnung ist wild
und giftig grün geworden.

Übersetzt aus dem Slowenischen Peter Kersche
Originaltitel: Zeleno In: Zbrane pesmi. 2. Bd. – Ljubljana: Cankarjeva založba 1977, S. 31

Edvard Kocbek
Geboren am 27.9.1904 in Sv. Jurij ob Ščavnici, gestorben am 3.11.1981 in Ljubljana. Schriftsteller, Übersetzer, Gymnasiallehrer, Politiker (Kulturminister). Studium der Romanistik in Ljubljana, Berlin, Lyon und Paris. Ab 1931 Gymnasiallehrer. Mitarbeit an der katholischen Zeitschrift „Dom in svet“ (Heim und Welt). Er gründete die Zeitschrift „Dejanje“ (Die Tat), schloss sich im Krieg den Partisanen an. 1951 wurde er wegen der Novellensammlung „Strah in pogum“ (Angst und Mut) Mundtot gemacht. Erst 1961 wurde das Publikationsverbot aufgehoben. Kocbek gehört zu den bedeutendsten slowenischen Autoren des 20. Jahrhunderts. WERKE: Zemlja, (Erde), Gedichte 1934; Tovarišija (Kameradschaft), Tagebücher 1949; Strah in pogum (Angst und Mut), Novellen 1951; Groza (Grauen), Gedichte 1963; Poročilo (Bericht), Gedichte 1969; Pred viharjem (Vor dem Sturm), Tagebuch 1980 u. a.
Vergleiche u. a. auch: Böll, Heinrich: Zum Fall Kocbek. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 119, v. 26.5.1975, S. 19, Abdruck in: Einmischung erwünscht. Schriften zur Zeit. Sammlung publizistischer Arbeiten. 1977; Detela, Lev: In memoriam Edvard Kocbek. In: Die Presse, 11.11.1981; Detela, Lev (Hrsg): Kocbekovo berilo =Kocbeks Lesebuch. – Klagenfurt, Ljubljana, Wien: Hermagoras 1997; Literatur und Engagement. Hrsg. v. Lev Detela und Peter Kersche. – Klagenfurt, Wien: Kitab 2004; Rakusa, Ilma: Slowenische Dissidenz. Hinweis auf Edvard Kocbek. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 42, 19.2.2005, S. 47

©Johannes Tosin (Krumpendorf) las aus den Zyklen „I AM Dead“ und „Bonus“:
I Am Dead
Download

Durch die Nabelschnur der Information verbunden.
Jeder kann sein Kind oder Mutter.
Überlandverkehr auf der Datenautobahn.
Die Zeit zerhackt in Millisekunden.
Flächendeckende Netzabdeckung.
Systemüberlastung.
Stille bis zum nächsten Ton.

„Never Hurt Me Again“
Sie war schwanger, mit siebzehn.
„Ich wünsch mir ein Mädchen“, sagte er.
„Mir wäre ein Bub lieber“, sagte sie.
„Der wird groß und stark werden,
und er wird seine Mama beschützen, vor dir.“

BONUS
Prophezeiung

Eine Prophezeiung:

Sobald der Friedhof von Nadschaf,
der der weltgrößte ist,
an die heilige Stadt Kerbala heranreicht,
wird die Welt untergehen.

Noch liegen sechzig Kilometer dazwischen,
aber die können kurz sein.

http://www.das-dosierte-leben.de/tosin.htm

Karin Prucha (Klagenfurt) aus ihrem neuen Gedichtband: „in tiefen landen“ (lyrik und fotografien/der wolf verlag 2017)

die einatmung

in niemandsaugen bist du geboren
aus fremden zimmern waren deine worte
klänge der ferne besaß dein herz
in das du keinen schauen ließest
bis auf mich
der ich manchmal darin stöbern durfte

wenn ich das schwimmen verlerne
breche ich auf zu neuen ufern
neu ordne ich die morgen
die gestern bleiben ein sprachenverhängnis

ich kann dich nicht sehen mein geliebter
ich kann dich nicht vertauen
du bist in anderen landen

ich dreh mir den strick aus der wunden seele
eingeatmet in vielen stunden
glück über herz

die haut gräbt ihre sprache aus

meine worte fließen aus meiner kehle
weich und schmeichelhaft in deine haut
zart und salzig deine lippen
folgen meinen linien
mein körper dem aufruhr
salz auf meiner haut
und in deinem mund

ich sinke in das tiefblaue meer
warme schauer über meinem rücken
die haut gräbt ihre sprache aus
von liebe und verzeihen

mein morgenmund küsst deinen schlaf
sanft hellt sie auf die nacht
legt schlafen alte trauer
in zeilen honiggold

die grenzen deiner haut werden zu meinen
dein körper über mir
sanft schaukeln uns die wellen in den tag
kühlend ist dein haar
glanzpunkte auf meinen hohen tälern

zögernd wach ich auf
du bist so warm in meinem traum

mein ein paradies

nun wo die tage kürzer werden
einen hauch schon weniger als sommer
das meer noch warm ist an den küsten
die bora von fallenden temperaturen kündet

die sonne wie immer blutend im meer versinkt
das abendblau die kühle verheißt
da sitze ich des nächtens in meinem paradies
zwischen bäumen und verwilderten rebstöcken
lausche den grillen dem warmen konzert
dem schreienden kauz kein verkünder des todes
die luft streichelt meine salzige haut
die ich nicht wässern will mit süßem
des salzes wegen das meine haare
dichter werden lässt und zarter meine haut

hier schreib ich über widerstand
den meinen und den zur rettung der welt
in meinen dichtungen rett ich sie
mit den kratzigen geräuschen der feder
mit der ich über papier rase

der rote wein schmeckt karstig und herb
und passt hierher an diesen ort
zu den felsen grillen und grünen pflanzen

ich schaue nicht aufs meer
ich weiß es glatt und sicher

©Karin Prucha

https://www.heyn.at/heyn/list?cat=&quick=Karin+Prucha

Marlies Karner-Taxer las ihren Prosa-Beitrag aus dem immerwährenden Kalender der Literaturgruppe „Kärntner Schreiberlinge“: „Ich verspreche dir und mir“ (Monat Mai)

Die Lyrikpreisträgerin 2016 des zweisprachigen Bleiburger Literaturwettbewerbs trug ein Gedicht vor
©Anneliese Merkac Hauser

Und wieder

Und wieder
Soll einer
Die Sterne grüßen
Und wieder
Heute
Nach gestern

Ein Warten
Stellt sich ein

Ich lege den Schlüssel
Nicht mehr
Aus der Hand
Der öffnet das Band
Lasse euch
Frei

©Anneliese Merkac Hauser

Über „Endzeit“ von Betty Quast:

Vor fast 20 Jahren hat Betty Quast begonnen, an „Endzeit“ zu schreiben. Die in der Sammlung „Die Hochhausstadt“ eingefügten Kindergeschichten reichen bis in die 80er Jahre zurück. Nach langem Warten, Verlagssuche, Layouten und Lektorieren ist „Endzeit“ nun endlich da und erscheint im September 2017.

Der neue Lyrikband besteht aus verschiedenen Sammlungen:

Prolog: Die Hochhausstadt
Variationen über einen Androiden
Helsingør
Marzahn – im Herzen der Brache
Moderne Zeiten
Im alten Rom
Totalitarismus – 4 Jahreszeiten
Die Wächter

https://tredition.de/autoren/betty-quast-20936/endzeit-hardcover-92762/

©Gernot Apo Stadler (Reisender, Autor und Fotograf):

Dann kann es sein, dass ein Mann einmal weint.

„Es ist Sonntag, ein strahlend blauer Tag.
Ein angekündigt, strahlend blauer Tag.
Ein strahlend blauer Sommertag.
Ein Tag, an dem man raus muss!
Ein Tag, an dem die meisten naturverbundenen Menschen einen Ausflug machen.

Meist dauert es, bis meine Familie in die Gänge kommt. Doch heute ist alles anders. Frau hat am Beifahrersitz Platz genommen. Töchter sitzen erwartungsvoll auf der Rückbank. Hund, mit Kappe und Sonnenbrille ausgestattet, lugt aus dem Heckfenster. Es kann losgehen. Es ist eine Fahrt ins Blaue. Vorbei geht es auf der Südautobahn am schönen Wörthersee Richtung Villach. Die Tauernautobahn führt uns durch den Oswaldibergtunnel nach Feistritz/Drau. Hier biegen wir ab und Hinweisschilder zeigen uns den Weg nach Fresach und zum Millstättersee. Am Glanz beim Gasthof Podesser fällt die Entscheidung. Wir gehen auf den Mirnock.

In zwei kleinen Rucksäcken befinden sich Proviant, Wasser und Leckerli für
den Hund. Rocco, so heißt die Fellnase, spürt die Freude, die uns erfüllt. Er rennt geschäftig einmal nach vorne, dann wieder zurück und so legt er die Strecke in Metern gemessen wohl drei Mal zurück.

Sehr weit sind wir noch nicht gekommen, da wird von den Töchtern die erste Rast eingefordert. Auf einer Wiese finden wir einen Platz, der schöner nicht sein kann. Wir sind umgeben von einer Vielfalt von Wiesenblumen. Weidende Kühe machen mit ihren Glocken auf sich aufmerksam. Schmetterlinge schaukeln im leichten Wind und Bienen sammeln eifrig Nektar.

Und der Ausblick!

Er ist großartig, nein, er ist viel mehr als großartig!
Einzigartig, umwerfend, berührend!

Ich kann nicht anders. Die erste Träne hat einen meiner Augenwinkel verlassen.
Der See – der Millstätter See – er liegt im satten BLAU und seiner ganzen Pracht uns zu Füßen. Ringsum die Berge, einer schöner als der andere. Das Ende des Sees, das Goldeck und mir scheint, sogar der Großglockner sind zu sehen.
Mein Blick, nein, unser aller Blick, kann sich an diesen Naturschönheiten nicht satt sehen.

Das ist die Schöpfung!

See, Berge, Himmel, Wiesen, Blumen, Bäume, Menschen, Tiere – ich umarme euch.

Die einsame Träne erhält Bruder und Schwester.
(© Gernot Stadler, 2017)

http://www.lipife.at/wp/biographie-2/

Maria Alraune Hoppe lies sich 3 willkürlich gewählte Worte aus dem Publikum zurufen und entwickelte daraus drei erstaunliche und faszinierende Geschichten:

Foto© russwurm-photography

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Charakterköpfe im Künstlerhaus Klagenfurt

Als Rahmenprogramm der zurzeit im Künstlerhaus Klagenfurt präsentierten Ausstellung „AHEAD of the Game“ (bis 5. Juli 2017) trafen zum zweiten Mal Schriftsteller*innen und bildende Künstler*innen in der Großen Galerie des Kunstvereins Kärnten zum Literatur-Frühstück im Künstlerhaus zusammen.
Die Ausstellung ist Teil des kärntenweiten Kunstprojekts kopf.head.glava initiiert vom Kunstverein Kärnten. Kunstschaffende aller Sparten beschäftigen sich mit dem Thema Kopf (im weitesten und im engsten Sinne des Wortes)
https://www.kopf-head-glava.at/projekt%C3%BCbersicht/ahead-of-the-game-1/

Im Mittelpunkt des Literaturfrühstücks stehen Synergien zwischen Literatur und bildender Kunst.
Literarische Texte von Autor*innen zum Generalthema „Kopf“ und Bezüge zu den ausgestellten Exponaten wurden gemeinsam mit Statements bildender Künstler, die in dieser Ausstellung präsentiert werden, gelesen. Es entwickelte sich ein Dialog, bei dem die einzelnen künstlerischen Positionen, Ausdrucksformen und Mittel diskutiert wurden.

An diesem Samstag Vormittag im Künstlerhaus nahmen folgende Schriftsteller*innen aus Kärnten, eingeladen vom Kärntner Schriftsteller*innen-Verband teil: Sieglind Demus, Elisabeth Faller, Karin Prucha, Hannes Wendtlandt,
Betty Quast und als Moderatorin Gabriele Russwurm-Biro.


Sieglind Demus
verfasste zu diesem Anlass HAIKU und bezog sich in den ersten beiden Gedichten auf Dagmar Stelzers Arbeit: „Without Head“ – Ich habe Sehnsucht nach der, die ich sein könnte“

GEHALTEN

GEDANKE HALTLOS
DURCHBRICHT MAUERN UND ZÄUNE
IGNORIERT SCHRANKEN

GEFREIT

KOPFBEREITER SATZ
KÖRPERHAFT DAHINGEHAUCHT
SPAZIERT SORGLOS FREI

©Dagmar Stelzer

GELADEN

GESTERN IST HEUTE
DURCHGELADENES GEWEHR
IST MORGEN BESTIMMT

GESTAMPFT

CHARAKTERKOPF STAMPFT
GENERATIONENKÖPFE
CHARAKTERLOS EIN

Die beiden HAIKU „Geladen“ und „Gestampft“ von © Sieglind Demus beziehen sich auf das Gemälde von Ramona Schnekenburger „Vater mit zwei Söhnen“. Ihre großformatigen Werke zeigen feinsinnige Menschendarstellungen. Als Vorlagen verwendet die Künstlerin Fotografien, die sie auf Flohmärkten oder in Antiquariaten findet. Gelegentlich benutzt sie Teile von Bildern aus dem Internet oder selbst geschossene Aufnahmen. Nach einem langen Auswahlprozess befreit sie die Figuren aus dem Kontext und stellt sie vor das Weiß der Leinwand. So lenkt sie die Aufmerksamkeit auf den intensivgeheimnisvollen Blick ihrer seltsam entrückten Wesen. Aus der Nähe betrachtet, beginnen sich die Figuren aufzulösen. Der Künstlerin geht es nicht um die exakte physiognomische Abbildung bestimmter Personen, vielmehr sieht sie in ihren Protagonisten Personifikationen allgemeiner psychologischer Prozesse. Neben Einzelportraits entstehen auch Gruppenbildnisse, anhand derer sie zwischenmenschliche Beziehungen zu analysieren scheint. Subtil und eindringlich
zugleich macht sie Machtverhältnisse und Abhängigkeiten sichtbar. Die Aussparung der Hintergründe könnte man auch als Metapher für die Isolation des Individuums deuten. Der Blick der Künstlerin richtet sich in letzter Konsequenz nicht auf die geschaffenen Bilder oder ihre Inhalte, sondern auf den Betrachter selbst. Das Kunstwerk wird zum Spiegel. [Alexandra Kontriner]

© Ramona Schnekenburger

GELOCHT

GENAUE LINIEN
AUFGEKRATZT ÜBERSTEMPELT
GELOCHTES GESICHT

Nimmt Bezug auf das Porträt von Thomas Riess „Frank“ (lost faces) Riess zeigt in dieser Ausstellung ein Foto aus der Serie seines Projekts mit 150 x 150 cm großen Porträts obdach- und mittelloser Menschen verschiedener Metropolen der Welt. Dabei wählt er jeweils Persönlichkeiten
einer Großstadt aus, und lässt diese zu Stellvertretern einer Randgruppe marginaler gesellschaftlicher Bedeutung werden. Riess löst diese Menschen aus ihrer ursprünglichen, von uns als unschön und abstoßend empfundenen
Abseitssituation und stellt sie in einen vollkommen anderen visuellen sowie örtlichen Kontext. Durch den bewussten Verzicht einer populistisch-klischeehaften Darstellung will Riess die Persönlichkeit mehr in den Vordergrund rücken als ihre gegenwärtige Lebenssituation und sie aus dem wenig wahrgenommenen Dasein holen. Für den Betrachter mögen die Werke dadurch auf den ersten Blick vielleicht verwirrend wirken, steht er doch Porträts von interessanten, ausdruckstarken Persönlichkeiten unseres täglichen Lebens
gegenüber, die kaum vermuten lassen, dass es sich um Abbildungen von Menschen einer von der Mehrheit der urbanen Bevölkerung ungern gesehenen gesellschaftlichen Randgruppe handelt. Thomas Riess verwendet als ungewöhnliches Malmedium den Korrekturbandroller (TippEx). Er funktioniert jedoch dessen Löschfunktion ins
Gegenteilige um, indem er durch gezielt aneinandergereihtes Aufrollen des Korrekturbandes auf eine schwarzgrundierte Leinwand das Konterfei der Protagonisten entstehen lässt und so Menschen sichtbar macht, die sonst gerne aus dem makellosen Bild des urbanen Raumes „gelöscht“ werden.

©Thomas Riess

http://www.sieglinde-demus.de/sieglinde_demus.html

Auch die in Klagenfurt lebende Autorin Karin Prucha ließ sich von Dagmar Stelzers Papier-Torsi inspirieren und schrieb ihre Gedichte direkt in der Ausstellung nach der Besichtigung vor Ort.

©Karin Prucha

I
fremde federn schmücken fremde köpfe
von angesicht zu angesicht
fällt schweigen in die augen
blicke leere. nüchtern eingeholt.

kopf im kopf
stimmen. los
der argumente
fremde köpfe über dem eigenen

II
körper ohne kopf

bist du kopflos oder
kein kopf ohne körper lebst du länger

denkst du
hast du schon gelacht
gegessen
gerochen
begriffen
gehört
gesehen
gefühlt. jetzt. wo. im. kopf

masse an kopf. vertikal
rinnt dein denken länger

sprechen auch
wann. im. kopf. ensteht.
das denken
und fühlen.
wo.
im kopf. sicher

III

heimat bist du großer köpfe
vielfach doch geschieden von dem denken

kopflos spricht man nicht
das denken macht kopfschmerz

mein kopf denkt von allein
und die sammlung der headsets
macht stutzig

kopf ohne hirn
kleinste einheit. sinn. vollkopf

wonach steht dir dein kopf ?
in welche richtung schreibt die fassung

kopffassung
meiner wieder ohne fassung
mein kopf will den schmuck
die haare die haut den hut
zum köpfen besser nicht
und heimat macht kopflos manchmal

Dagmar Stelzer: „Ich habe Sehnsucht nach der, die ich sein könnte“ – Die Papierkörper sind lebensgroß, teils transparent, voll Leichtigkeit und eine Projektionsfläche für Befindlichkeiten, Wünsche und Sehnsüchte. Lebend im Spannungsfeld zwischen Sein und Wollen, Zwängen unterworfen, können die Torsi als Spiegelbild der eigenen Identität verstanden werden. Das Material Papier versinnbildlicht die Verletzlichkeit, aber auch –in vielen Lagen verbunden –Stärke und Vielschichtigkeit. Die drei Papierobjekte veranschaulichen drei Archetypen – die Kriegerin, die Kurtisane, die weibliche Gottheit – und erwecken den Wunsch deren beste Eigenschaften wie Mut, Selbstbestimmung, Spiritualität und vieles mehr, im ICH wiederzufinden.

Ende Juni erscheint der neuer Lyrikband von Karin Prucha: „in tiefen landen“ lyrik & fotografien (der wolf verlag, Wolfsberg 2017)

© Karin Prucha

©Hannes Wendtlandt (schrieb allgemein zum Thema Kopf folgenden Text nach der Besichtigung der Ausstellung)
Verkopft

„Sie sind zu verkopft für eine Therapie“, sagte der Psychiater, der vom Scheitel bis zur Sohle aus einem einzigen, riesengroßen Schädel zu bestehen schien.
„Darauf kommt es doch an, wenn man mit dem Kopf durch die Wand will“, erwiderte sein Gegenüber, stand auf und verließ kopfschüttelnd die Ordination.
Das hatte Hand und Fuß, hatte etwas von sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen.
Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen heilte sich ja auch, indem er sich selbst beim Wort nahm und seiner Welt Hand, Fuß und Kopf verdrehte und ihr gerade dadurch etwas Sinn verlieh.
Dass Sinn in einem runden Hirnkasten wohnen soll, ist ja an sich schon ein Paradoxon. Viel eher trifft es zu, dass wir unser Denken bezeichnenderweise in kleine graue Zellen sperren.
„Wenn man zu verkopft ist“, dachte er für sich, „dann wäre man also besser ein Idiot – ein im ursprünglichen Wortsinn Verweigerer.“ Ein Wissender, der sich bewusst heraushält aus dem „Hand und Fuß-Haben“. Ein heimlich Behirnter sozusagen. Ein Spürender.
Also beschloss er, fürderhin den Kopflosen zu spielen, nach außen glücklich und mit sich selbst zufrieden. Um innerlich genau zu sehen und zu wissen. Ein Diogenes ohne Fass. Ein Dionysos, der beschloss, Apoll die Stirn zu bieten.
„Die Therapie hat aber erstaunlich gut angeschlagen bei Ihnen“, zeigte sich der Psychiater beeindruckt, der nur Medikamente verschrieben hatte, die sein Patient nie einnahm.
„Ich bin auch nicht mehr verkopft“, antwortete er und lächelte selig. (© Hannes Wendtlandt)

http://www.buecher.de/shop/liebe/auf-hartem-land/wendtlandt-hannes/products_products/detail/prod_id/42328508/
http://bookview.libreka.de/preview/100010/9783734768989?session=4b59ce100e6848f3a16f08e158830619f87f57d5

Betty Quast, Literaturwissenschaftlerin, die in St. Veit mit ihrer Familie lebt, las aus ihrer Gedichtsammlung „Endzeit“, die sich in Druckvorstufe befindet, ausdrucksstarke Gedichte allgemein zum Thema „Kopf“ .
Für Quast steht die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart im Zentrum ihres literarischen Schaffens.

https://bettyquast.com/

© Betty Quast und Thomas Moritz

Zu den beeindruckenden Keramik-Objekten („Grausige Schädel“) „Lanzón“ von Martina Funder las ich drei Gedichte aus meinem neu erschienen Lyrikband „und hinter mir mein land“ (der wolf verlag / Wolfsberg 2017)

© Gabi Russwurm-Biro

http://russwurm-photo.com/index.php/profil

Lanzón heißt die wichtigste Götterstatue der alten Chavin Kultur im Hochland von Peru. Die Chavin Religion war die 1. Religion des Andenvolkes zwischen 900 – 200 v. Chr.

Martina Funder: „Als ich Ausgrabungsstätte während einer Trekkingtour 2014 besuchte, entdeckte ich diese Skulptur hell erleuchtet am Ende eines dunklen Tunnels in einem tiefen Raum. Sie versetzte mich in Schrecken. Ich musste an meine 3 keramischen „Grausige Schädel“ denken, die ich nach dem Tod meiner Mutter geformt hatte.“

© Martina Funder

Weiter Gesprächs- und Leserunden zum Thema der jeweiligen Ausstellungen im Künstlerhaus in Kooperation mit dem Kärntner SchriftstellerInnen-Verband sind in Vorbereitung.

Danke für das Gruppen-Foto © Sieglind Demus
Das Copyright der Fotos von den Kunstobjekten der Ausstellung AHEAD of the Game liegt bei den jeweiligen angeführten Künstlern.
© Dagmar Stelzer, Ramona Schnekenburger, Thomas Riess und Martina Funder

siehe auch https://www.kopf-head-glava.at/projekt%C3%BCbersicht/ahead-of-the-game-1/

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„Schau so!“ – eine WortKlang-Matinee mit Sieglind Demus und Charlie Leschanz im Pankratium Gmünd

Im Haus des Staunens kam letzten Sonntag ein literaturinteressiertes Publikum zusammen und ließ sich von den Erzählungen und improvisierten Klängen auf einem (ehemals bereits ausrangierten und nun wieder restaurierten) Harmonium bezaubern.

Die in Villach ansässige Schriftstellerin Sieglind Demus brachte mit ihren Erzählungen aus verschiedensten Teilen der Welt die Zuhörer zum Staunen. Sie versetzt sich dabei in Kinder und schildert die Geschehnisse durch deren Augen gesehen, durch ihre jeweils spezifisch eigene Sprache in feinfühliger, verletzlicher Weise, zum Ausdruck gebracht:

„Die Texte Ich bin ein Artist, Fata Morgana und Schau, so! sind Puzzleteile einer Serie. In dieser Serie gebe ich Kindern eine Stimme. Die Texte zeigen jeweils einen kleinen Ausschnitt ihres Aufwachsens. Was daran besonders ist? Diese Geschichten spielen weltweit solitär, sind stark verortet und doch greifen sie auf subtile Art und Weise ineinander und fügen sich zu einem globalen Gesellschaftsbild. 
Ganz bewusst verzichte ich auf Historie, auf das, was vorher war – und auch auf das was nachher sein wird. 
Beides, das Vorangegangene und das Fortgesetzte schreiben unser Wissen, unsere Erfahrung, unser Hinschauen, genauso wie unser Wegschauen. In meinen Texten sind meine Protagonisten keine realen, aber gut recherchierte Figuren, Kinder, die in der Ichform in unterschiedlichem Duktus zu berichten wissen“, erklärt Sieglind Demus.

Ihre Texte „Ich bin ein Artist“ / „Schau, so!“/“Fata Morgana“/“Die neuesten Nachrichten“ und „I feel blue“ wirkten stark berührend auf das Publikum. Jazzpianist Charlie Leschanz ließ sich von den Texten inspirieren. Seine Kompositionen entführten ebenfalls in imaginäre Welten. Dazu bediente er sich der Klangfarben eines besonderen Instrumentes – des Harmoniums und verstand es gleichzeitig auf einzigartige Weise die Klangfülle zu zähmen. 

Gemeinsam ergab diese Martinee im Haus des Staunens eine literarisch-musikalische Bereicherung und eine Reise in ferne Welten, die, wenn man die Einzelschicksale der Kinder in den Demus-Erzählungen betrachtet, eigentlich nicht fern von uns sind. Hoffentlich finden die Kurzgeschichten bald in Form eines Buches den Weg in die Öffentlichkeit.

Die Künstlerstadt Gmünd hat wieder bewiesen, dass sie auf hohe Qualität und besonders herausragende Künstlerpersönlichkeiten setzt – mit Erfolg.

Foto © Mag. Werner Ruppnig


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Literaturfrühstück im Künstlerhaus „Bring Your Text“ zur Weiblichkeit – Eine Nachlese

Zusammen mit der Künstlerin Ina Loitzl lasen am letzten Öffnungstag der Ausstellung im Künstlerhaus Klagenfurt, am 22. April 2017, zum Ausstellungsthema BLUTROT Kärntner Autorinnen kurze Prosatexte und Lyrik zur Weiblichkeit:

Als Literaturfrühstück in einem besonderen Rahmen (großer Ausstellungssaal des Kunstverein Kärntens) folgten der Einladung der Künstlerin und Kuratorin Ina Loitzl mit Unterstützung des Kärntner SchriftstellerInnen-Verband folgende Autorinnen: Miriam Auer, Betty Quast, Monika Grill, Dagmar Cechak, Karin Prucha, Eva Possnig, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Ilse Gerhardt, Elisabeth Hafner, Elisabeth Schwendner und Gabriele Russwurm-Biro

Die große Begeisterung und Anteilnahme und die hervorragenden Beiträge der eingeladenen Autorinnen zeigen, dass das Thema Weiblichleit und Frausein nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch in der Literatur mehr Platz und Aufmerksamkeit benötigt.

Monika Grill

Während in Lilli Rundungen Form annahmen, zeigten sich unter Alberts schwammiger Haut die Umrisse von Ecken und Kanten. Knochen, die in den Wogen seiner Üppigkeit untergegangen waren, trieben an die Oberfläche und begannen, die Umrisse eines Mannes zu formen, der alles andere als weich ist. Es war, als ob sie verbundene Gefäße waren, Lilli und Albert, und ein Ausgleich stattfand, in dem jeder von den beiden etwas in sich entdeckte, das ihm bisher fremd gewesen war. Sie Weichheit, er Kanten.
Mit der zunehmenden Weichheit verlor Lilli etwas von ihrer Zielsicherheit. Als ob die fehlende Spannung es dem Bogen ihres Willens unmöglich machte, ins Schwarze zu treffen. Auch ihre Vorstellungen und Wünsche begannen, eine wässrige Gestalt anzunehmen, die ein Handeln zunehmend erschwerte.
Lilli wurde träge. Sie entwickelte eine tiefe, sinnliche Trägheit, die sich von Albert tragen ließ. Und Albert mit seinen neu gewonnenen Kanten spürte in sich das zunehmende Bedürfnis, ein richtiger Mann zu sein. Seine Finger begannen, ihren Nacken mit etwas mehr Druck zu massieren. Wenn er sie in die Arme nahm und küsste, fühlte er den Wunsch, sie zu besitzen und zu verschlingen, ein raues und unberechenbares Verlangen, das sich über die Monate in eine Notwendigkeit verwandelte
Und eines Tages lag Lilli in seinen Armen, weich, nachgiebig, rund, und der neue Mann in Albert sah sie an und wollte sie nicht mehr. Nicht diese Frau. Er wollte eine, die seiner Schärfe entsprach, eine, an der sich seine neugewonnene Härte reiben konnte. Nicht dieses weiche und nachgiebige Ding, dessen Knochen unter dem schwellenden Fleisch nicht mehr spürbar waren.

Aber ich sehe Eis, Eis und Schnee, und höre eine unwiderrufliche Stille, die mich bis ins Hier, ins Heute, in den heutigen Abend zu verfolgen scheint. „Was, wenn“, denke ich und sehe meine Maria, meine dickköpfige, wissbegierige Maria, wie sie die Wohnung eines Fremden betritt, nur um herauszufinden wie, warum, wieso. Ich sehe ihre dünnen, weißen, langen Beine mit aufgerollten Kniestrümpfen und darauf eine fleischige Männerhand, die sich langsam ihre Schenkel hinaufschiebt. Ich sehe, ich sehe voraus, ich ahne, ich fürchte, und wie jede Mutter bin ich mir nicht sicher, ob ich ihr trauen soll, meiner Ahnung, meiner Vorstellung davon, wer meine Tochter ist und was kommen könnte. Und wie jede Mutter weiß ich, dass es nichts nützt, Nein zu sagen. Nein, tu das nicht. Nein, sei vernünftig. Bitte, bitte, nein.
Denn auch sie wird sich bemühen, ihre Mutter Lügen zu strafen, als eine besorgte, ängstliche, unsichere Frau, die nicht weiß, was wahre Freiheit ist. „Sie ist so verklemmt“, wird Maria sagen. „Ich mag sie, meine Mama, aber was weiß die schon vom Leben.“ © Monika Grill

Blutmoos von Dagmar Cechak zum Gemälde von Theres Cassini in der Ausstellung BLUTROT
Ich sehe dich an und du schüttelst den Kopf, ich will leben und sein und tanzen und lachen. Will Farbe bekennen, doch du kannst es nicht ertragen. Blutrot ist das Weiße in deinen Augen, kohlschwarz deine Wut.
„Bedeutungslos bist du!“ schreist du mich an und streckst mich nieder auf den Grund, den harten Grund voll Blut von so vielen anderen, die vor mir schon da lagen und fährst als Ausdruck deiner Macht mit querender Spur über mich hinweg und übersiehst dabei, dass nun aus der verkapselten Demut und Resignation mein Widerstand aufgebrochen ist unter deinen schweren Rädern.
Ein Widerstand von dem ich gar nicht mehr wusste, dass er in mir war, er befeuchtet meine matten Glieder, lässt, leise erst und fast unsichtbar, mich ausbreiten, über den Grund, lässt mich entdecken und fühlen, lasst mich bedecken den harten dunklen Boden mit weichem Moos.
Und ich strecke meine Fühler aus, nehme auf das Blut aus dem Boden und sauge es ein, bis alle Farbe und alles Leben in mir ist und alles Blut gelöscht. Weiß bleibt der Grund zurück und bleich.
Pulsierend streckt sich mein roter Leib, schreit: „Hier bin ich!“ und beginnt unübersehbar seinen rotglühenden Tanz in die Freiheit.
© Dagmar Cechak

Gedichte von Betty Quast (aus dem in der Druckvorstufe befindlichen „Endzeit“-Manuskript)

die neueste Mode (aus der Sammlung „Im alten Rom“)

na, wie gefällt dir dein Fleischkleid?
dein Blutkleid
süchtig nach… was mir gefällt
Schweinehälften von der Stange
– der Schocker –
geheimste Wünsche
erfüllen
einfach chic
Chemie-Kittel-Anilin-Farben
Blut, das aus den Schuhen trieft
Menschendreck
ständig was Neues
nie das Richtige zum Anziehen

Bei Oma (aus der Sammlung „Marzahn – im Herzen der Brache“)

Es gibt Hagebuttentee
sauer
das Testbild steht
im Funkloch
ein Spaziergang
am Staudamm
Medikamente
hinterm Sofa
Häkeldeckchen
das alte Transistorradio
erzählt was vom Krieg

© Betty Quast

Marlies Karner Taxer „Alternde Weiblichkeit“ zu den Exponaten von Ina Loitzl und Theres Cassini mit dem Thema Alter in der Ausstellung BLUTROT

die einstige Göttin nimmt Abschied vom kraftvollen Leben, das prall,
saftig und lustvoll die Hormone steuerte
morphiert zu silbergrau, dann weiß
das Rot der Blutung ist schon lang versiegt
das achte Lebensjahrzehnt hat seinen Preis
die Muskel schwächeln, verkommen
eingekochte Lebensmittel – gestrichen, das Unvermögen, den Glasverschluss aufzudrehen schmerzt
die Lebenserfahrung steigt wie die Zahl der Altersflecken an den Händen
das Erinnern nimmt mehr Raum ein als das Erleben
der Körper verweigert sich dem Wollen
sich bücken, etwas aufheben – ein Problem
die Verwendung des Rollators wird nur langsam akzeptiert, weit nach Brille und Gebiss
Inkontinenz macht grantig, Lachen wird, so wie das Husten, zu einer Entscheidung

mkt2017 © Marlies Karner –Taxer

Christine Tidl (zum Thema Blutrot)

Von hinter der Schirmakazie, die sich dornenbewehrt, dunkel und stumm über dem gelbroten Himmel verzweigt, zieht ein letztes Aufleuchten durch die rahmenlose Öffnung, gleitet über festgetretenes Erdreich, kriecht hoch an graubraunen Wänden aus Lehm zum fein gesponnenen Netz in der Ecke des Raumes. Dort lauert die Spinne auf eine der Fliegen, die über die Glasscherben tanzen am Ende des Tisches.
Schwach, aus stimmloser Kehle, das Wimmern. Schweiß zwischen eng geflochtenen Zopfbahnen. Kaltbetropft die Stirn über schreckweiten Augen, weiß wie Akazienblüten, die der Wüstenwind aus der Blattnarbe löst. Sie haben es wieder getan. Das Lager mit Tüchern bedeckt, das Festkleid über den reglosen Körper gezogen. Das Rot und Gold heben sich kaum ab vom Blut, das unter den dicht verschnürten Beinen hervorquillt. Die Schnitte werden heilen, sagen sie. Doch von den Narbenwülsten der Seele sprechen sie nicht.
Draußen rhythmisches Trommeln, Lachen der Frauen, zufriedene Stimmen der Männer am züngelnden Feuer.
2017 © Christine Tidl für Blutrot

Elisabeth Hafner – Gedicht zur Weiblichkeit

Häute

Keimblatt
milchig und jungfräulich
wächst zu
Netzhaut und Vorhaut und Hirnhaut.
Zu Gänsehaut, Hornhaut und Narbengewebe.
Zu Mückenfell und Fledermausleder.
Zu Elefantenhaut und Mäusepelzchen.
Sie sind weich,
die Häute,
und werden hart,
sie sind dünn und wachsen ledrig,
Unter Ober Lebenshaut.
Zarte Herzhäute
verwachsen zu faltiger Wundenhaut.
Mir wächst ein granatroter Herzhautmantel.

© Elisabeth Hafner

Ina Loitzl (bildende Künstlerin, Kuratorin der Ausstellung BLUTROT):

FRAUSEIN

Die Kindheit ohne Penisneid
Ja lieber Dr. Freud!
Trotz doofer Witze:
Uns fehlt wirklich nichts in der Körpermitte
Oh nein, ich war auf keinem Trip!
Gefühlt als Mensch mit Mädchennamen
Die erste Regel mit Sekt zu Hause gefeiert
Ein großes DANKE an die starken Frauen in meiner Familie
Ich hab’s einfach gut erwischt: Die Zeit, den Ort,….
Viele haben das nicht
Wo das Kreuz im Geburtsschein kompromisslos bedeutet:
Nicht zu wählen, nicht Auto zu fahren,
nach der Scheidung zu leben wie eine Witwe,
als Letzte am Tisch das Essen zu bekommen
Eiskalt wird mir da gleich und die Gänsehaut steigt in mir hoch
Daher mache ich mich als Künstlerin stark – für das Weibliche
Noch immer als „schmutzig“ und mit Scham betitelt
Es fehlen….. die 1000 schönen Worte
Gedanklich überschreibe ich heute noch
die vielen „FUT“s, die mir als Mädchen
auf Straßenwänden entgegenkamen
fett mit einem dicken Edding zu „AUTO“
Doch ach – da sind sie wieder:
Halbnackte Frauen mit Schaum und Schwämmen
waschen sie diese schnellen männlichen Prestigeobjekte sauber …
Revanche? Nein, auch keine Gleichberechtigung,
keine Zwangsquoten, einfach das Menschsein
als das Ganze aller Dinge zu sehen
und erkennen, wie schön es ist
Weib bleibt Weib Frau bleibt Frau
Nicht mehr und nicht weniger
Aber für mich ein Geschenk

© Ina Loitzl, zur Ausstellung „Weibsbilder – Ženske“ 2014

Karin Prucha

imraumstille

vorsichtig sodass sie sich nicht stösst
in dem raum in der stille
steigt sie als kleines kind in die fußstapfen
auf den nächsten hohen berg
fährt auf dem fluss im grünen kanu
die stromschnellen auf und ab
bis der weiße wasserschaum sie hebt
klettert die bäume in den himmel bis zum mond
trägt die sehnsüchte wie verborgene früchte

sie läuft als junges mädchen
barfuß durch schulgesetze und new yorker parks
drückt ihre fußspur in den weichen untergrund der sandbänke
läßt sich auf den warmen felsen
der zukunftslabyrinthe nieder
verweilt im dichten weben der windnetze

begehrt störrisch die berechtigung ihres geschlechts
stöckelt als junge frau in den kindheitstraum
der ewigen liebe
vergißt sich verwirrt sich verläßt sich
begibt sich auf die zeit
die ungeheuer der vergangenheit im weg
in die weggebrochene luft
starrt stumm die stille

sie riecht den duft von frischgebackenem brot
das alte wird neu verwandelt
das gesetz gebrochen die erde befühlt
das atmen aufgetaut und im raum stille

© Karin Prucha 2017

Miriam Auer Didgeridoolittle

Du spielst the fairest Lady hier von allen, der Bass,
dein Stimmband, der lose Strumpf. Terra Australis Incognita.
Dich kennen sie genauso wenig, von deiner neuen Vulva da
erzählst du kaum. Die Perücke, das Nylon deiner Frisur,
wenn du wohin musst, entschuldigst du dich
mit den Augen, Mascara macht sie dir
etwas zu schwer.
»Hier können Sie als Frau durchgehen«
Doch da ist nirgends so ein Schild.
Komm heim, zu dir.
Bei meinem letzten Besuch hast du mir ein Bärtchen zeigen
müssen, das du dir in einem Weckglas ziehst, wie Kefir
Hefepilz ganz hübsch sogar, ein Bart ohne Mensch daran.
Von Wissenschaft versteh ich wenig, du sagst, im Glas
überlebt ein Relikt. Ich gebe mir deine Hand zur Ruhe,
und wünsche mir das gültige Ja-Wort von uns.
Man mag dir den Mund verboten haben,
aber deines Namens unbekanntes Lied:
ich singe dich ganz.

Heute ist morgen lange gestern, wir lernen einander auswendig, eher körperlich
peripher ein kleines Feuer, nagelunter, French Nails brennend, so to speak.
Man sprang dir ins Gesicht, dein Glück,
dass du es noch nicht verloren hattest,
man konnte so nicht in dich gehen,
eiserne Maske, c’est la vie.
Letztgestern hast du dann deinen Kopf vergessen, ich rannte
und brachte ihn dir nach, weil du doch sonst
nichts essen kannst.
Wir teilen uns Früchte der Arbeit des Baumes und Erdäpfel haben wir
gemeinsam, egal von wo wir sind, wir zwei verschlingen nichts,
das fühlt, beide wissen wir wie es ist, nicht
zu atmen.
Morsch werden die Bissen noch etwas bleiben, trocken
der Schwamm, die Psychologin, l‘amour fou.
Wir lassen die Tauben los, ohne zu zaubern
in Kriegen, die so anders toben als Kinder …
Da, die Majolaschlange. Du sagst mir die Wolken ein ohne heimlich zu tun, alles
Wahre steht auf deiner Haut, wo du gegangen bist, gekrochen auch,
hat der Boden nicht aufgehört sich an dich zu erinnern, jeder
Kiesel lässt sich stoßen von den Schuhen, die du warst, pars
pro toto.
Du weißt, was das heißt, deine Schule im Kopf, die echte in Trümmern,
Stein auf Stein, dein Name jetzt ein neuer, du stehst auf Rosanna
von Toto, kleine Rockerin, so be it.
Beim Headbangen das Kopftuch leicht wie ein
Schleier aus Löwenzahnsamen, an ihnen
festhalten, wegfliegen, oben sein bei
Nacht
Mama
Stoner-Rock im CD-Player, hast den erst für Kriegsgerät gehalten, Eintopf
am Fenster, zwei Mal zu kühl, aber dort wo du herkommst
war alles nur lau, meet you all the way, Rosanna …

Am Stockbett oben ist es mondleer geworden.
No woman, no cry …

© Miriam H. Auer

Eva Possnig – Wandlungen (zur Ausstellung Blutrot)
„Wenn ich so zurückdenke, war es vor allem die Kunst, die mein Leben beeinflusst hat“, beginnt Tina, als sie nach der Aufführung in einem Lokal sitzen.
„Schon als Kind hab ich Bücher geliebt. Einige hab ich immer wieder gelesen. Tom Sawyer und Huckleberry Finn zum Beispiel. Oder Rascal, der Waschbär, an diesen Roman denk ich fast wehmütig zurück“.
„Weil dem Schlingel nach den Jahren, in denen er von einem Kind aufgezogen wird, ein Leben in der Wildnis geschenkt wird?“
„Ja, stimmt. Das ist ein Aspekt. Wer die Nachtigall stört von Harper Lee hat mich aus der Naivität der Kindheit herausgeführt. In der Menschlichkeit des Atticus, der seine Kinder alleine aufzieht und sich unter schwierigen Bedingungen für Toleranz und Gerechtigkeit stark macht, hab ich meinen Großvater wieder erkannt. Ich war dreizehn, als er gestorben ist. Im Buch bin ich ihm wieder begegnet. Beglückend war das und gleichzeitig sehr traurig“.
„Für mich war „Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse wichtig. Mein Gott, diese Passagen über Erotik und Begehren! So ganz ohne moralischen Zeigefinger! Endlich hat es für uns Jugendliche eine wundervolle Sprache für alles Prickelnde, Verwirrende gegeben! Eine echte Alternative zur Zeitschrift Bravo!“
„Wie eine Therapie“, meint Tina und knabbert an einem Thunfisch-Sandwich.“ „Simone de Beauvoir hab ich ähnlich erlebt. Sie kam und blieb war befreiend für mich. Und dann hat mich natürlich Violette Leducs Roman Die Bastardin verführt. Meine Mutter war entsetzt, als sie es in meinem Zimmer gefunden und den Klappentext gelesen hat. Hat sich wohl gedacht, dass gewisse Erziehungsmaßnahmen bei mir völlig für die Hennen gewesen sind“. Die Freundinnen lachen.
„Die siebziger Jahre in Österreich waren für Frauen kein Honiglecken. Eine Ausbildung durften wir machen, ja. Aber eine selbstbestimmte Sexualität? Wie geht das denn zusammen mit einer traditionellen Familie?“ Sie zwinkert Carla zu. „Aber ich erinnere mich, dass immerhin der Status des Vaters als Oberhaupt der Familie abgeschafft worden ist. 1974 glaub ich, ist das gewesen. Jedenfalls, als Kreisky Kanzler war. Mutter brauchte meinen Vater damals nicht mehr um Erlaubnis zu fragen, als sie eine Stelle als Sekretärin angenommen hat. Aber trotz alledem: wir Töchter sollten brav und bürgerlich sein. Das war der Fokus, auf den alles gerichtet war in der Provinz. Und bloß nicht zufriedener werden wollen als die Mutter! Ich jedenfalls hab‘ mich Jahre später mit der Malerei befreit!“, ruft Vera aus.
Sie fasst ihre Haare im Nacken zusammen und bindet sie geschickt zu einem Knoten.
„Ich denk‘, ich war sechzehn, als mich Der Fall Franza aufgewühlt hat. Die Sprache Ingeborg Bachmanns. So wahr! Der Mensch ist dem Menschen Wolf. Tagelang bin ich im Zimmer gehockt und hab über ihre Sätze nachgedacht. Und unterstrichen, was für mich bedeutsam war. Für Unverständliches hat sie mir eine Sprache gegeben und mir geholfen, klarer zu sehen. Auch manche Filme haben mir Wege aufgezeigt. Die zwei Gesichter einer Frau mit Romy Schneider beispielsweise. Unvergesslich ist für mich auch Die Frau nebenan mit Fanny Ardant. Die erotische Autonomie, die sie da entwickelt, hat mich fasziniert. Ich war ja als junges Ding geradezu gehemmt. So was von brav und angepasst. Immerzu bemüht, es allen recht zu machen. Meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Es war die Kunst, die mir geholfen hat, meinen eigenen Weg zu finden. Plötzlich hab‘ ich gewusst, dass ich mit meinem damaligen Freund im falschen Leben steck und hab mich dann von ihm getrennt.

© Eva Possnig 2017

Elisabeth Schwendner

10 Gebote

©Elisabeth Schwendner 2017

Gabriele Russwurm-Biro – Gedicht zur Ausstellung Blutrot

alles aus allem
kommt seidenrot
ans licht
das, was gedanken
gebären
bleibt
voller wunder
das, was verschlossen
dahinsiecht
versinkt
folge dem blick
nach innen
und lass die welten
ziehen
geht etwas verloren
bleibt die lücke
und warm
der atem
bis er bricht

© Gabriele Russwurm-Biro 2017

Ina Loitzl las einen Auszug aus dem Text TOD (ohne Titel) Kapitel 4/ der Schriftstellerin
Nadine Kegele (Du sollst nicht so große Füße haben….).
Sie war 2014 Stadtschreiberin in Klagenfurt (Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2013).

„Du sollst nicht so große Füße haben. Du sollst keine zu langen Arme haben. Du sollst keine dicke Nase haben. Du sollst keine Hände haben wie ein Mann. Du sollst keinen schlechten Teint haben. Du sollst keine fettigen Haare haben.

Du sollst täglich duschen und Unterwäsche tragen, in der du schwitzt. Du sollst ihm nachlaufen wie ein Hund. Du sollst dich domestizieren und dressieren lassen. Du sollst lieblich sein. Du sollst dir nicht die Freiheit nehmen, nein zu sagen.

Du sollst heiraten wollen für Strümpfe und Konservendosen. Du sollst ja sagen, wenn er dich fragt. Du sollst yes, Sir sagen, wenn er was sagt. Du sollst aufpassen müssen, was du sagst. Du sollst nicht aus dem Zimmer gehen, wenn er redet mit dir. Du sollst jeden Morgen in diese Rolle schlüpfen. Du sollst ihm eine bildschöne Schauspielerin sein. Du sollst seine Muse, seine Trophäe sein. Du sollst ihn zum Lächeln bringen. Du sollst lächeln. Du sollst nicht selbständig sein.

Du sollst ihn lieben in Ewigkeit. Du sollst krank sein vor Liebe. Du sollst dich hassen lassen. Du sollst dich interpretieren lassen. Du sollst ihn nicht erniedrigen mit Vielwisserei.

Du sollst kleiner sein als er. Du sollst bloß stotternd sprechen. Du sollst dein Bücherregal abreißen lassen. Du sollst dich nicht schützend vor deine Bücher stellen. Du sollst die Philosophie gegen ein Kochbuch tauschen. Du sollst dich fein ausführen lassen von ihm.

Du sollst schick ins Theater gehen mit ihm. Du sollst nicht reisen ohne ihn. Du sollst nicht nach Nürnberg sehen. Du sollst nach Zürich, nach Paris und nach Japan schauen. Du sollst dich von ihm umarmen lassen. Du sollst dir von ihm ein Kind machen lassen. Du sollst seine Kinder großziehen.

Du sollst ihn bei Krankheit pflegen. Du sollst ihm eine fürsorgliche Ehefrau sein. Du sollst dich keiner Hysterie bedienen. Du sollst nicht Emanzipation kennen. Du sollst kein eigenes Gesetz begehren. Du sollst unter dem seinen stehen. Du sollst genügsam sein. Du sollst naiv sein. Du sollst kein anderes Losungswort kennen als ihn.

Du sollst nicht aufsteigen. Du sollst am Fuße der Pyramide warten. Du sollst dich von ihm vergewaltigen lassen. Du sollst auf deinen Schädel fallen. Du sollst im erstickenden Sand versinken. Du sollst dich Hilfe rufend zu Tode erschrecken. Du sollst die anderen Toten liegen lassen.

Du sollst einem Hai vom Boot vor die Schnauze schwimmen, wenn er sagt, spring. Du sollst dich auch beim Schwimmen schminken. Du sollst dich nicht schminken, als gingest du auf den Strich. Du sollst ihm nicht peinlich sein. Du sollst ihm Notiz um Notiz für seine Anekdoten sein.

Du sollst dich von ihm bannen und lähmen lassen. Du sollst über gelähmten Beinen kurze Röcke tragen. Du sollst keine zu kurzen Röcke tragen. Du sollst die Röcke nicht für dich tragen, sondern einzig für ihn. Du sollst den Trauerflor nie mehr ablegen, wenn er nicht mehr ist. Du sollst ihm ein Stück Holz und seine Hindin sein. Und Civetta Sôva sagt, ich kann es von hier oben sehen, es brennen immer bloß: die Röcke der Frauen.“
© Nadine Kegele

Foto © Willi Wolschner
Bildtitel: Gabriele Russwurm-Biro, Marlies Karner-Taxer, Karin Prucha, Ina Loitzl, Betty Quast (mit Leopold) und Monika Grill (von li.)

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Ein Fest der DichterInnen auf dem Prešernov trg in Ljublijana – die dritte Dichterfahrt aus Klagenfurt feiert mit den Nachbarn den Welttag der Poesie

Mit der Kraft der Schreibfeder jedes Einzelnen der (bisher) drei Dutzend Künstler, die mit Ljubljana in Dialog treten wollen, sollen die auftürmenden Barrieren zwischen den beiden Städten endlich abgebaut werden. Die Künstler, die sich KAUS/a; Kärntner Autoren Solidarität in Aktion nennen, wollen auf ihre Art eine Partnerschaft zwischen Kärnten und Slowenien herbei schreiben.

Am Welttag der Poesie machte sich wieder eine Dichterinnen- und Dichtergruppe auf, um in Ljubljana gemeinsam mit den slowenischsprachigen KünstlerkollegInnen zu feiern.

Weltenwandern (Auszug) ( von © Monika Grill)
Und die Reise geht weiter. Worte verknüpfen sich, ziehen mich vorwärts, in die Zukunft, ziehen mich rückwärts, in die Vergangenheit. Beschreiben eine Welt, die es nicht mehr gibt, die aber noch immer in mir lebt. Beschreiben ein Ich, das ich nicht mehr bin und das doch in mir zuhause ist. Sie halten sich nicht an die Gesetzmäßigkeiten der Zeit, meine Worte.
Buchstabe reiht sich an Buchstabe, eine Tintenschlange, die sich in den Schwanz beisst und den Kreis der Undendlichkeit formt. The circle of infinity. Der Lebenskreis, der Ewigkeitskreis.
 
Ein Blumenkranz aus Worten, aus Maiglöckchen, Margeriten, Veilchen, Flieder, zusammengebunden, aufs Haar gelegt, in die Stirn gedrückt.
Ich rieche Sommer, Frühling. Summer. Spring. Autumn.
Der Herbst kommt, die Blüten verwelken, fallen zu Boden, verwehen im Wind.
 
Ich suche nach den verlorenen Worten, hier, in der Ewigkeitsgasse, unter dem ehemaligen Klopfsteinpflaster, im Wasser des Alserbaches, der in Betonröhren gezwängt vom Wienerwald träumt, und von den unzähligen Fischen, die sich einst unter dem Wiener Nachthimmel tummelten, der schwarz sein sollte, sternenbesät. Aber es nicht mehr ist.
 
Ich schau hinauf.  Erinnere mich.
Sky sage ich, und der Himmel öffnet sich und wird eins mit dem Weltraum.  Ich sage heaven, und wir sitzen unter einer Kuppel aus Blau, von der die Gestirne wie Lampen hängen und die Welt beleuchten, die eine Scheibe ist. Ich gehe an die Grenzen, überschreite limits, stoße an borders. Ich bin 32, thirty two, ich fliege nach Mexiko, um nach einem Österreichbesuch über Tijuana einreißen zu können. Illegal. Illegal immigrant. (© Monika Grill)

Ljubljana (von © Karin Prucha)

Die drei Wege führen nicht zum See, sondern über den Fluss, der der Stadt den Namen gab. Ljubljanica, der heilige Fluss der sieben Namen, unterirdisch kommend aus dem Karst, fließt er glänzend grün durch Ljubljana.

Das prägt die Stadt, was für eine fließende Stadt, in jedem Sinne, die ich mit meinen dichtenden KollegInnen am Tag der Poesie am 21. März besuche. Wir kommen mit dem Dichterbus, und erobern uns die Stadt zu Fuß. Ich kenne Ljubljana schon über 30 Jahre, welche Veränderung zum Lebendigen, zur Farbe, zum Genießen zu spüren ist. Über dem Marktplatz neben dem Fluss liegt der Duft von gebratenem Fisch, dem wir nicht widerstehen können. Die Buntheit von Obst und Gemüse lockt direkt daneben, die vielen Menschen, die Heiterkeit. Wir flanieren durch die Altstadt, zur Gänze autofrei und Fußgängerzone. Elektrische kleine Busse bringen einen weiter, wenn die Füße nicht mehr wollen. Die Architektur der alten Gebäude beeindruckt wie die vielen großzügigen Plätze und Parks, die ein Gefühl von Freiheit vermitteln.
2016 wurde Ljubljana als grüne Hauptstadt Europas ausgezeichnet, und das bestätigt den eigenen Eindruck, die vielen Bäume, in den letzten Jahren tausende neu gesetzte, lassen durchatmen. Die Stadt ist in Bewegung, auch kulturell, an der glitzernden Ljubljanica entlangschlendern, von einem Lokal zum andern, von einer Galerie zur anderen, die schon zartgrünen Frühlingsäste wehen im Wind, der grüne Drache begrüßt uns auf unserem Weg. Das Wappentier ein Drache wie in Klagenfurt, im Moor um Ljubljana lebend.

Der Sage nach wurde Ljubljana vom griechischen Argonautenhelden Jason gegründet, auf der Flucht mit dem geraubten Goldenen Vlies verirrt von der Ljubljanica mitgenommen und beim Drachen gelandet.

Wir landen wieder an der Tromostovje, den Drei Brücken, vor Jahrhunderten war dies eine der wichtigsten Wegkreuzungen in Europa, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Der slowenische Architekt Jože Plečnik hat die Brücke vor 85 Jahren um die zwei kleineren Fußgängerbrücken erweitert und die Pappeln anpflanzen lassen, es ist derselbe, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zahlreiche Bauten und Plätze mitgestaltet hat. Die Drei Brücken führen direkt zum Prešernov trg, dem Platz des slowenischen Nationaldichters France Prešeren. Vor 185 Jahren lebte er eine Zeitlang in Klagenfurt, nachdem er in Wien studiert hatte. Unsere Region ist miteinander verbunden, durch die Geschichte, durch die Gegenwart, durch die Menschen.

Nun wird es Zeit für unsere Lesung, aber wir müssen uns gedulden, heute, am Tag der Poesie, lesen hier auch junge slowenische LyrikerInnen. Auf dem Denkmal sitzend, lauschen wir ihnen. Das Lauschen in Ljubljana, wie viel man hört, wahrnimmt, sieht, wenn man diese Stadt durchquert. Geliebte Stadt, die andere Erklärung für den Namen Ljubljana, wie stimmig. Bald sollten weitere Begegnungen folgen mit unseren slowenisch dichtenden KollegInnen, aus Kärnten/ Koroška, und aus Ljubljana.

Die Verbindung zwischen Klagenfurt/ Celovec und Ljubljana/ Laibach mit dem Alpen-Adria-Bus sollte nicht abreißen, es sind unsere Nachbarn, sie sprechen dieselbe Sprache wie wir, wie die slowenischen Landsleute in Kärnten, Landessprache. Schön wäre, die kulturelle Vielfalt am Abend erleben zu können, die letzte Busrückfahrt um 17 Uhr ist einfach viel zu früh. Wer weiß, was aus unseren Dichterfahrten noch alles entstehen wird! (© Karin Prucha)

https://www.visitljubljana.com/en/visitors/stories/how-architect-joze-plecnik-shaped-ljubljana-to-become-the-city-with-a-green-soul/?utm_source=FB&utm_campaign=blog&utm_content=plecnik

Vom Gedichtaufsagen und anderen Gerüchen (von © Marlies Karner-Taxer)
 
Schon von klein an hatte ich das besondere Talent, Gedichte rasch zu lernen und auch gut aufsagen zu können. So verschaffte mir mein Vater die ersten Auftritte, um die ich nie gebeten hatte und die ich dennoch in meiner verehrenden Liebe zu ihm ohne Murren absolvierte. Ich war etwa elf, zwölf Jahre alt. Ob Muttertagsfeier, Altenfahrt oder Frühlingsfest für Senioren – mir wurde in der Früh der Zettel mit dem Gedicht in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, es bis mittags oder nachmittags zu können.
  
Am schlimmsten war für mich der Gang durch den Saal. Beim auf-die-Bühne-gehen blieb ich noch relativ verschont, aber der Weg zurück war jedes Mal eine Tortur. So schön aufgesagt, riefen die alten Frauen, zogen mich beim Vorbeigehen an sich, drückten mich an ihren Busen und ein Busserl auf meine Wange.
 
Eine nach der anderen ließ es sich nicht entgehen, ein junges, zartes Körperchen an sich zu drücken und endlich wieder einmal zu einer Umarmung, einer Berührung mit einem warmen Körper zu kommen.
 
Jedes Mal dachte ich, an der aufgestauten Liebe und dem intensiven Geruch nach Urin zu ersticken. (© Marlies Karner-Taxer)

Ein Fest für die Poesie ( von Willi Wolschner)

Am Welttag der Poesie, 21.März 2017, kommen wir zum Denkmal von France Prešeren und Hunderte Menschen bevölkern den Platz. Der Slowenische Rundfunk und das lokale Fernsehen mit einer Reporterin und einem Kameramann sind vor Ort und nehmen eine Literatur-Veranstaltung auf.

Es wird eine öffentliche Lyrik-Lesung abgehalten, deren Teilnehmer ganz junge Dichterinnen und Dichter sind. Sie stehen vor dem Denkmal, vor dem Microfonständer und vor ihnen eine Menge Interessierte.

Einer der lesenden jungen Dichter liest seinen Text von seinem I-phone, was wirklich sehr lustig aussieht.

Leider verstehe ich die Texte nicht, aber ich nehme mir vor die wichtigsten Vokabel vom Slowenischen zu lernen. Viele der vorlesenden Dichterinnen sind auf Fotos festgehalten (Es sind tatsächlich zu 90 % junge Frauen). Eine haben wir vor der Lesung kennengelernt: Ana Makuc mit ihrem Lyrikband „Ljubica Rolanda Barthesa“ (2015) mit Gedichten zu großen historischen Frauengestalten. Sie freut sich ebenso wie wir „Gleichgesinnte“ zu treffen. Und es sind wirklich viele….. (© Willi Wolschner)

https://www.dnevnik.si/1042750422/kultura/knjiga/intervju-z-veronikino-nagrajenko-pesnico-ano-makuc-v-moji-poeziji-ima-zenska-lastno-zeljo

Die Sonne der Nacht (von © Del Vede)

Legen sich die Menschen zum Schlafen nieder,
geschieht etwas mit ihnen.
Manche sind so still und ruhig,
jetzt sind sie Bäume und erinnern sich ihrer Wurzeln.
Andere erstarren zu Stein.
Wieder andere erinnern sich,
einmal ganz bestimmt,
eine Quelle gewesen zu sein,
und sie kehren zurück.
Manche singen wie ein Büschel Gras im Nachtwind,
und es mangelt an nichts.
Andere treibt es ins Wasser fort und fort,
und sie halten niemals mehr inne.
Wieder andere breiten die Arme aus,
um die Erde zu umarmen.
Es liegt niemand an ihrer Seite.

© Del Vede 2017

alle Fotos © russwurm-photography/ w. wolschner
Bildtitel: vor dem Prešeren-Denkmal Lesung mit: (hinten v. li.) Heide Tanzmeister, Karin Prucha, Monika Grill, (stehend) Del Vede, (vorne): Gabriele Russwurm-Biro und Marlies Karner Taxer.
Porträt: Junge slowenische Dichterin: Ana Makuc

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Zu Füßen des Dichters – Die Stadt nicht aus den Augen lassen – Marathon in der Klasse M 70 – Zweite Dichterfahrt nach Ljubljana der KAUS/A

Die Stadt nicht aus den Augen lassen war das Motto der zweiten Dichter- und Dichterinnenfahrt nach Ljubljana organisiert von der Kärntner Autorengemeinschaft KAUS/a im Rahmen des Projektes LAIBACH – WIR KOMMEN! Zur Überwindung der Grenzen zwischen Nachbarländern – Mitte März.
Wir wollen einander besser verstehen – ein wahrer Marathon nimmt da seinen Anfang. Ljubljana ist nicht weit von Klagenfurt, und es hilft wahrscheinlich wenig, immer nur von den guten – oder weniger guten – kulturellen Nachbarschaftsbeziehungen zu den Slowenen zu reden, man muss hinfahren und dort vor Ort Literatur aus Kärnten präsentieren. So möchten wir einen Dialog ins Leben rufen – ganz ohne Politik – nur auf Literatur basierend und dem Willen auf eine grenzenlose Verständigung.
Strahlendes Wetter begleitete die hoch motivierte Dichtergruppe auf ihren Wegen zur Erkundung der Metropole an den Ufern der Ljubljanica. Diesmal stand die Dichterpersönlichkeit France Prešeren im Mittelpunkt, viele Details aus seinem Leben kamen ans Licht – für einen Augenblick.
„Es ist der Beginn der Erkundung einer wunderschönen Stadt in unserer Nachbarschaft. Während man durch die Stadt wandert, erliegt man sehr schnell ihrem Charme. Das quirlige Leben, die vielen jungen Manschen, die vielen liebevoll gestalteten Läden und Cafés erfreuen das Auge. Daneben atmet auch überall die wechselvolle Geschichte dieser alten Stadt. Wie eine lebendige Ader durchzieht auch ein Fluss diese Stadt. An den Uferpromenaden unzählige volle Cafés und Gaststätten, die auf das von der Sonne glitzernde Wasser schauen. Verzaubert sitzt man bei einem Glas Wein und beobachtet die Leute…“ (Willi Wolschner)
Zu Füßen des Dichters (Christine Tidl)
„Zu Füßen des Dichters, seiner Liebe zu Lulija und den Geschichten seiner Stadt begegne ich den vielen jungen Menschen bei Sonnenschein an den Ufern der Ljubljanica. Über die Drachenbrücke hinein in die Altstadt. Strahlend blau der Himmel über barocken Fassaden. Micha, der Zeitungsverkäufer, überrascht mit Witz und spricht meine Sprache. Ein kluger Beobachter der Fremden, die, so wie ich, in dem gemütlichen Café Platz genommen haben. Buntes Treiben drüben am Markt.
Die Frau beim Gemüsestand greift in den Bottich. Eine Handvoll saurer Rüben. Kein Wort zwischen uns. Wir kennen uns nicht. Sie zeigt hin auf den Preis. Wir lächeln uns zu als wären wir alte Bekannte. „Koroška?“ die Frage an mich. In den weichen Lauten, dem Singsang der Sprache schwingt sanft die Melodie meiner Heimat. Ich nicke „Celovec!“ Da lachen wir beide. (©Christine Tidl, März 2017)
Reisen
Wollen
Köpfe
weiten
Gedanken
Können
Worte
Finden
Lieder
Öffnen
Herzen (©Christine Tidl, März 2017)

Im Augenblick (Del Vede)
Vom Kirchturm herabgesehen, auf den nie jemand aufsteigt und die Arme ausbreitet, scheinen diese Häuser ihrer Klobigkeit und ihrer Fassaden leid zu sein, und sie brechen auf – irgendwohin. Etwas Vergessenes erfasst sie von Neuem. Manchmal träumt diese Stadt und ihre Häuser summen und singen und begehren auf. Sie laufen dir über den Weg. All diese jungen Leute in Ljubljana, die hoffen, sich noch heute zu verlieben. Die durch Gassen zappeln und lärmen, dass sie nicht wahrnehmen, wann dieser Augenblick eintritt. Nur einer. Und doch der Erste von vielen. Sie sind von sich selbst und von ihrer Suche überwältigt und halten nicht inne, wenn er endlich eingetroffen ist. Sie gehorchen ihm nicht und der Augenblick streicht an ihnen vorüber. Es wirbeln und wehen so viele durch die leeren Gassen und müssen vergehen. Doch die Häuser haben ein Einsehen und kehren zurück.
Wird ein Augenblick festgehallten, folgt ihm, manchmal, ein nächster augenzwinkernd, noch einer und immer mehr. So sehr wünscht sich ein jeder von ihnen zu bleiben und gedehnt zu werden. Zu einer langen Jahreszeit. So sehr, dass er mit einem jeden vorliebnimmt. Sogar mit dir.
(Nachdem sich Koordinator und Literaturliebhaber Willi Wolschner, der nur auf See vollkommen glücklich ist, an den Häusern von Ljubljana sattgesehen hat, und an der Anmut und Schönheit der Frauen, die diese Stadt bevölkern, blickt er zur Muse des France Prešeren empor, die über dem Hauptplatz schwebt, und greift nach diesem Text. Er kniet sich auf die Stufen des Prešeren-Denkmals, liest vor und lässt die Stadt nicht aus den Augen.)
Mein Laibacher Marathon (Benno Linzer)
„Seit 55 Jahren laufe ich Wettkämpfe, davon fast 300 Marathonbewerbe. Heute dehnt sich vor mir ein Marathon, dessen Strecke ich nicht kenne. Meine Mitläufer sind Dichterinnen, Dichter und Büchernarren. Das kann nicht gut gehen. Dass mir dieser Grenzmarathon alles abverlangt, erkenne ich bereits beim Warmlaufen im Café Angelina neben der Klagenfurt Arbeiterkammer vor dem Bussteig 16 beim Alpe-Adria-Bus. Die anderen trinken Kaffee, scherzen und reden sich warm, laufen aber nicht. Im Bus werden mir plötzlich Grenzen erklärt, in deren Nähe wir gelangen oder überqueren. Die Grenzen der Stadt St. Ruprecht, die des Dorfes Otoce, dieses Inseldorfes mit 18 slowenischen und nur zwei deutschen Hausnamen, na und? das zum Stadtteil Waidmannsdorf wurde. Also daher kommt die Bezeichnung Siebenhügel, nicht von Rom. Die ehemalige Moorgrenze im Kärntner Abwehrkampf. Die Grenze, die man gegenüber Eindringlingen zog, die man vom Turm auf Strasisce, dem Wachtplatz, heute Straschitz mit drei slowenischen Hausnamen, im Blick behielt.
Und noch mehr Grenzen der Wahrnehmung gibt es bis zu den Kosute, den Hirschkühen, wie die Karawanken zuvor genannt wurden. Die letzte Kuh, die „Kosuta“, gibt es ja noch. Dagegen kann ich im Grenzbus der AlpeAdria-Linie nicht anrennen, obwohl es mich als gebürtigen Wolfsberger für 40 Jahre als Gastarbeiter nach Bayern verschlagen hat, blieb ich hier verankert. Dort wurde ich 37 Mal bayrischer Meister. Auf den Laufstrecken musste ich sogar gegen Wildschweine anrennen, während mich dieser Bus mühelos über all diese Grenzen rollt. Bei der Autobusna Postaja geht es wieder nicht los, weshalb ich meinen Mitläufern über die Sportlerehrung in Wien zum Endstand 2016 berichte. Erster Platz in der Klasse M 70 (siebzigjährige Männer). Im Wettkampf mit allen, insgesamt 11.632 Läufern, allen jüngeren eingeschlossen, erreichte ich den 47. Platz.
Auf dem Weg zum Begrüßungskaffee im Union in der Miklosiceva fordere ich die anderen heraus: 6000 Kilometer laufe ich ungefähr im Jahr – und Ihr, meine Lieben? Viermal absolvierte ich bereits 100-Kilometer-Läufe – und Ihr? Die längste Strecke lässt mich 164 Kilometer lang nicht los. Da läufst du auch nachts, und Ihr? Bei diesem Marathon laufen wir gemeinsam und sprechen mit allen, die wir treffen, bis sich alle besser verstehen. Wir wollen nicht ein jeder für sich und vor den anderen gewinnen. Wir wollen einander besser verstehen!“

Der Feuervogel / ENGELSCHREI (DEL Vede)
Ich bin das Licht, das gut ist, weil es böse ist.
Du läufst ihm davon und entkommst ihm doch nicht.
Suche nicht.
Du erblickst nur einmal: mich!
Ich entzünde, was gerade ist.
Ich verbrenne, was einmal war.
Damit alles endlich gewesen ist.
Brenne, brenne Gegenwart.
Sie ist nicht mein Ort.
Sie ist nichts.
Das gilt auch für dich.
Im Lichte meiner Aufmerksamkeit verglüht dein Licht.
Suche mich nicht.
Ich fand dich schon lange. (© Del Vede 2017)

Für diesen Text, einem Engelschrei, betätigte sich Christine Tidl als Vorleserin. Sie trug ihn als Vorschau auf ein Literaturcafé LITERANA KAVARNA in Klagenfurt und in Ljubljana vor, welches einige Dichterinnen und Dichter der KÄRNTNER AUTORENSOLIDARITÄT in Aktion KAUS/a vorbereiten und am liebsten mit Unterstützung des Kärntner Kunstvereins durchführen möchten.
Foto © Gabriele Russwurm-Biro
Bildtitel: AutorInnengruppe vor der Abfahrt in Klagenfurt /Busbahnhof: Benno Linzer, Willi Wolschner, Christine Tidl und Organisator Del Vede (v. li.)

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Frauenzimmer – Ein literarischer Reigen von IG-Autorinnen Kärnten zum Internationalen Frauentag

Zum traditionellen Literatur-Event im Klagenfurter Musilhaus lud am Internationalen Weltfrauentag (8. März 2017) die engagierte Obfrau der IG-Autorinnen Autoren Kärnten, Ilse Gerhardt, 14 Kärntner Literatinnen (IG-Autorinnen) zum Lesemarathon. Thema des Abends war selbstverständlich ein weibliches, egal in welcher Art und Weise, erlaub ist, was gefällt und den Literatinnen auf der Seele liegt. Dafür standen knappe 5 Minuten zur Verfügung. Frauen machen Frauenliteratur und Frauenthemen zum Inhalt dieses Abends.

Begonnen hat den weiblichen Literaturreigen die wohl jüngste Kärntner Autorin, die 15-jährige Irina Antesberger. Sie las einen spannenden, sehr bewegten und heiteren Ausschnitt über Eigenheiten von Primadonnen und anderen Theaterereignissen aus ihrem Debütroman „Wenn der Vorhang fällt“ (Memorien-Verlag, 2016).

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/kaerntnerdestages/5151856/Kaerntnerin-des-Tages_Irina-Maria-Antesberger_Eine-vielseitige

Ausnahmetalent Rebekka Scharf aus St. Stefan im Lavanttal trug ihren starken Text mit bedrückenden Kindheitserinnerungen sehr beeindruckend vor. „Einmal Eselsbank – immer Eselsbank“ über Ausgrenzung im Kindesalter.

Danach folgte die Geschichte über den Hirtenjungen Tajos von Autorin Christine Tidl aus Seeboden vor dem Hintergrund eines ihr besonders lieben Themas: Afrika und die Massai.
Sie ist Mitglied des Verbandes Steirischer Autoren, Mitglied der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg, und der Christine Lavant-Gesellschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen ua. der erste eigene Lyrikband „und meine Träume schreib ich in den Wind“

Gisela Unterberger aus Hermagor las Gedichte vor, die als lyrische Milieustudien eines Lebens angelegt waren. Sie ist Mitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes.

Die zweisprachige Literatin Luise Ruhdorfer aus Finkenstein veröffentlicht wissenschaftliche und literarische Texte in Deutsch und Slowenisch. Sie las aus ihrer Studienchronik über Schicksale frühverstorbener Frauen, die ihre Kinder zurücklassen haben.

Die Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin Betty Quast aus St. Veit an der Glan las aus ihrem Lyrikband „Endzeit“, der kurz vor der Veröffentlichung steht, Gedichte aus der Sammlung Marzahn (Erinnerungen aus der Hochhaussiedlung in Berlin) „vom Leben in den Wracks der Moderne“. Sie ist als Vorstandsmitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes Mitorganisatorin des Alpen-Adria-Symposiums des KSV in Gmünd, das heuer Mitte Oktober stattfinden wird, und betreut und baut die Kontakte zwischen den Literaturgesellschaften und Interessensverbänden in Tirol, Südtirol und Osttirol auf.

http://literatur.report/berichte/leih-mir-dein-ohr-lesung-der-kaerntner-schreiberlinge-am-woerthersee/

Dagmar Cechak aus Klagenfurt präsentierte ihren lyrisch gehaltenen Prosatext „Schneeblut“ mit sanften Stimmungsbildern und anschließend eine kurze kritische Darstellung über die männliche Eitelkeit, die das Publikum zum Schmunzeln brachte…

Die aktuelle Kärntner Lyrikpreisträgerin der STW-Klagenfurt, Monika Grill, aus Viktring bei Klagenfurt, trug sehr pointiert eine Hommage zum Weltfrauentag vor über die verschiedenen Tage und ihre Widmungen – Alltägliches und Besonderes – und mitreißend. Sie engagiert sich als Schriftführerin im Vorstand der IG-Autorinnen Autoren –Kärnten und verbrachte 30 Jahre in den USA (Kentucky). Seit ihrer Rückkehr 2010 widmet sie sich ganz konzentriert der Schriftstellerei.
http://kaernten.orf.at/news/stories/2810425/
http://www.monikagrill.com/v

Danach las die Klagenfurter Autorin Eva Possnig eine Erzählung vor, die ein Bestandteil ihres unveröffentlichten Romans „Sechs Farben einer Stadt“ ist. Sie hat sich überwiegend der Prosa und feinen nuancierten Erzählform verschrieben.

Die aktuelle Preisträgerin des zweisprachigen Kärntner Literaturwettbewerbes von Bleiburg „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ für Lyrik (2016), Anneliese Merkac-Hauser, las neue Gedichte und aus ihrem Lyrikband „Samt und Leinen“ (Fran-Verlag, Klagenfurt 2011). Sie ist Mitglied der Autorinnengruppe scribaria und zaubert starke Bilder mit ihrer verknappten lyrischen Sprachkunst.

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

Maria Alraune Hoppe fesselte das überwiegend weibliche und sehr aufmerksame Publikum an diesem Abend mit einem beeindruckend experimentellen Text: „Wenn Frau im Zimmer fraut… “ Ihre intellektuellen virtuosen Wortspiele mit Witz und Ironie tragen den Text über alle Gendergrenzen spielend und mit einem Augenzwinkern hinweg. Eine beachtliche und mutige Leistung! Der richtige Beitrag zum Internationalen Frauentag.

Die Lyrikerin Karin Prucha, die auch in Klagenfurt lebt, stellte Seelenbilder in den Raum, die in Traumwelten wegtriften. In den fünf Gedichten standen Frauen und ihre Gefühlswelten im Mittelpunkt. Prucha hat sich auch der Theaterwelt verschrieben und arbeitet als Regieassistentin bei verschiedensten Produktionen in Kärnten.

Als letzte Protagonistin der „Frauenzimmer“ war Elisabeth Christof auf dem Podest mit einem Prosatext “Die Entrümpelung“ und einem nachdenklich stimmenden Gedicht „Einsamkeit“ zu hören. Sie machte bei der Aktion „SchmutzkübelK… Eine Intervention I Kunst:Politik“ (Drava 2013) mit dem Gedicht „Klagenfurt“ mit. Christof schloss den literarischen Reigen der Frauenzimmer – bis nächstes Jahr.

Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger.“>Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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Wir sind grenzenlos! CEZ MEJA! LJUBLJANA, WIR KOMMEN! Wir erforschen dich! Wir sprechen mit dir! UND DU? Literatur-Aktion zur Belebung nachbarschaftlicher Beziehungen über die Grenzen hinweg

Grenzen überschreiten, literarisch einander näher kommen. Unter diesem Motto fuhr Dienstag, 7. März 2017 eine erste Gruppe von Kärntner AutorInnen und OrganisatorInnen mit dem Linienbus der „Alpeadrialine“ über den Loibl in die benachbarte Metropole Ljubljana. SchriftstellerInnen unterschiedlicher Ausrichtung und Prägung wollen mit diesem Literatur-Reise-Projekt ab März das Gemeinsame der Kulturen entdecken, erforschen, darüber sprechen und berichten.

„Wir sind ein Vorauskommando. Wir fahren wieder. Und andere werden auch fahren. Wir bringen uns selbst mit, was wir sind. Wir sprechen mit jedem in Laibach, wir streifen durch die Gassen, WIR WOLLEN ES WISSEN….
Wir sind neugierig, richtig wissbegierig, wir sind kritisch, wir beobachten, wir schreiben alles auf. Wir wollen herausfinden, was wir mit unseren südlichen Nachbarn gemeinsam haben und was uns trennt. Jeder von uns wird das naturgemäß anders sehen und anders angehen,“ betont Del Vede Projektleiter und Initiator dieser Literatur Aktion LJUBLJANA WIR KOMMEN! CEZ MEJA! UND DU?

Die von der neuen AutorInnengemeinschaft KAUS/a (Kärntner AutorInnen Solidarität/ Aktion zur Aktivierung der Literaturszene) ab März organisierten Themenfahrten vom Klagenfurter Busbahnhof aus beinhalten Lesungen, moderierte Interviews während der Fahrt und öffentliche Statements in Ljubljana auf dem zentralen Knotenpunkt, dem Prešeren-Platz mitten in der Altstadt.

Die erste Lesung – gedacht als Initialzündung für die gesamte Literatur-Aktion – wurde erfolgreich von drei Kärntner DichterInnen (Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Del Vede) auf den Stufen des Prešeren-Denkmals mitten im Getümmel der belebten historischen Altstadt Ljubljanas abgehalten und fotografisch dokumentiert.

Jeder Mitreisende ist nun aufgerufen, sein Ljubljana –Tagebuch zu schreiben: Eindrücke, Beobachtungen, Stimmungen, Erinnerungen, Gedanken, Aufrufe. LAIBACH in 300 Zeilen
„Laibach in 300 Zeilen, in 100 Zeilen oder in 13 Zeilen, das wird die Essenz sein von unserer Expedition mit Bleistift und Papier über den Loibl und auf und ab in den alten Gassen von Ljubljana“ (Del Vede)

Unsere schriftlich literarischen Eindrücke erscheinen überall, wo der Aktion Zugang ermöglicht wird und auf einem geplanten eigenen Blog. Bezwecken soll diese Literatur-Aktion ab März 2017, dass wir einen interkulturellen Dialog mit unserem südlichen Nachbarn eröffnen, um den künstlerisch literarischen Austausch zu beleben und die gegenseitige Inspiration der benachbarten Kultur-Städte anzukurbeln. Begegnung und Entdeckung stehen im Mittelpunkt.

„Deine Texte und meine Musik gehören zusammen! Davon überzeugte mich Lado Jakša, Multiinstrumentalist und Multilinguist aus Ljubljana vor zwei Jahren. Als dritte Ebene kam für uns die Fotographie dazu. Seitdem arbeiten wir mit großer Freude gemeinsam.
Selbstverständlich unterstütze ich alle Möglichkeiten von Begegnungen mit unseren slowenischen Nachbarn. Mich bereichern sie.
Längst schon sollte es diese „zwei Seiten“ nicht mehr geben. Für viele ist der Austausch so selbstverständlich, wie das Miteinander. Meinen Anteil daran möchte ich gerne beitragen.“ (©Sieglind Demus)

„In einer direkten Linie von hier nach dort. Im Bus. Über die Berge. Warum nicht? Warum nicht Laibach? Warum nicht „die dort unten“ kennenlernen? Werden uns sicherlich ähnlich sein in ihren Wünschen, ihren Ängsten, ihrer Menschlichkeit… und die Stadt…. soll ein Traum sein, ein südländischer Traum, ein europäischer Traum… warum also nicht hinfahren – schauen und spüren und darüber schreiben? Das Ticket reservieren und los geht’s…. freu mich! (Monika Grill)

„Ja, ja, ich muss nach Laibach, ich muss immer wieder nach Ljubljana, in die Großstadt näher als Wien. Dort ist ein Cousin meiner Mutter, den mein Vater vor den Nazis gerettet hat, zuhause. Dort sind die schönsten Lindwürmer zuhause! Die Lindwürmer an der Brücke, die mich ¬– anders als der Klagenfurter Lindwurm ¬– jedes Mal, immer wenn ich dort bin, auf einen Flug über diese besondere Stadt am Fluss Ljubljanica, am Laibachfluss, fortragen.“ (Edith Darnhofer-Demár)

TeilnehmerInnen der ersten Exkursion waren die Kärntner AutorInnen Sieglind Demus (Villach), Willi Wolschner (Koordinator), Gabriele Russwurm-Biro (Planung)
und Del Vede (Initiator und Projektleiter) und Heide Tanzmeister:

„Ich lasse diese fremd gebliebene, so nahe Stadt, auf mich wirken. Die Widerstände, die sich zwischen diesen beiden Städten auftürmen, werden mit Sprachfetzen, Landschaften und noch mehr Bildern fortgewischt. Also mach doch langsam, Grenze, mach langsam, Abschied. Du bist bald fort und ich bleibe auch nicht für immer – Es wird kein Wort zu viel sein, das ist mein Expeditionsziel. Sobald mein Ljubljana auf 30 starke Sätze verdichtet ist, weiß ich, dass es ein langer Tag gewesen sein muss, der nicht spurlos bleibt.“ (©Del Vede)

„Es ist jetzt an der Zeit nach Ljubljana zu fahren und sich klar darüber zu werden, dass das Zusammenwachsen beider Nachbarländer trotz vieler Widerstände auf beiden Seiten endlich in Gang kommt “ (Willi Wolschner)

Weitere organisierte Literatur-Expeditionsfahrten von Klagenfurt nach Ljubljana mit Kärntner Autorinnen und Autoren werden zu bestimmten Terminen im März folgen
(u.a. mit Univ. Prof. Dr. Heinz-Dieter Pohl – Forschungsbus, Linguistik).
Literaturfahrten: Gerhard Ruiss, Edith Darnhofer-Demár, Monika Grill, Marlies Karner-Taxer, Gernot Ragger, Ingram Hartinger, Monika Slamanig (artist in residence 2016/St. Gallen – Klagenfurt), Karin Prucha, Gerald Eschenauer u.v.a.m.

Treffpunkt: im März 2017, 9020 Klagenfurt,
AK-Portal, am Busbahnhof 9:00 Uhr
Abfahrt: 9:30 Uhr,
Rückkehr Klagenfurt BHf: 18:49 Uhr
Anmeldungen: Kärnten Bus GmbH
tel: 0463/931 800,

www.alpeadrialine.com

Fotos © Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Willi Wolschner

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„Literatur ist gefordert wie selten zuvor“ – IG- Autorinnen Autoren Generalversammlung

Die IG Autorinnen Autoren Österreich luden Ende Februar ihre Delegierten aus den Bundesländern zur Generalversammlung nach Wien. Geschäftsführer Gerhard Ruiss, Ludwig Laher und Präsidentin Renate Welsh gestalteten zwei informative Versammlungs- und Diskussionstage mit tiefgreifenden Grundsatzthemen und Anliegen für alle, die mit Literatur, Schreiben und Lesen zu tun haben.

Als Präambel zu den Beschlüssen der Generalversammlung wurde folgender Text von Renate Welsh und Ludwig Laher ausformuliert und einstimmig beschlossen:

„Wozu Literatur?
Mauern, Zäune, Abgrenzung, Nationalismus, Protektionismus – einfache Lösungen, deren Unbrauchbarkeit sich mehrfach erwiesen hat.
Eine radikal reduzierte Sprache, aggressiv, verächtlich machend, selbstherrlich, wehleidig, voll wirklicher Lügen, die sich als alternative Wahrheiten tarnen.
Das Schüren von Feindbildern und Angstmacherei verhindern konstruktive Auseinandersetzung und führen zur Akzeptanz autoritärer Strukturen.
Literatur steht für differenzierte Wahrnehmung, Abwägung und Gestaltung, für das Sichtbarwerden von Widersprüchen und Herausfordern zu eigenständigen Urteilen.
Literatur ist gefordert wie selten zuvor. Literatur ist nötig wie selten zuvor.“

Hauptthema war u.a. die Kritik an der Bildungspolitik, die in der letzten Zeit in Österreich falsch zu laufen scheint, sollen doch – um nur ein Beispiel zu nennen – laut Vorschlag von Bundeskanzler Christian Kern die Gratisschulbücher durch Laptops in den Klassen ersetzt werden. (sic!). Die Bildungspolitik gehe zu Lasten des Unterrichts, das viel gepriesene Modulsystem in den Oberstufen beschränke jede Art von Akzenten und wirke einschränkend. Immer lauter werden daher die Stimmen, die einen qualifizierten Deutschunterricht fordern. Daher wurde auch von der GV die Forderung aufgestellt, den Begriff „Deutsch“ des Lehrfaches in „Deutsch und Literatur“ umzubenennen, damit die Bedeutung des Faches von dem reinen Spracherwerb auf die Literaturgeschichte und Entwicklung ausgeweitet und festgeschrieben werde. „Lust an der Literatur“ solle auf verschiedenen Ebenen gefördert werden: Besonders wichtig sind altersgerechte Texte in Buchform, die bereits in der Volksschule gelesen und diskutiert werden sollten. Dabei sollte nicht vergessen werden, die Öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen.
Die Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Renate Welsh, bringt es exakt auf den Punkt: „Alles, was der Literatur Raum wegnimmt, ist bedenklich für die Demokratiepolitik!“.
Leben in der Sprache sei eben nicht nur die reine Verständigung, Literatur müsse daher im Angebot gehalten werden. Die Schule sollte eben nicht allein die Fähigkeiten, sondern die Bedeutung als Mensch und die Würdigung jedes Einzelnen vermitteln.

Über die IG-Projekte berichtete Gerhard Ruiss: Zu den Großprojekten zählt die Funkhaus- Anthologie der IG, zu der alle Autorinnen und Autoren in Österreich aufgerufen werden, einen halbseitigen Beitrag zu leisten, der in einem Geschenkband für Politiker veröffentlicht werden wird. Weitere Projekte sind die Teilnahme an den Buchmessen Leipzig, Frankfurt und Buch Wien mit dem Liveprogramm LITERADIO (Buch- und Themenpräsentationen). Der Vertrag mit den Bedingungen der IG- Österreich läuft bis 2018.
Herausgegeben wird 4 x im Jahr die Informationszeitschrift „Autorensolidarität“, die mit einer Übersicht von Stipendien und Preisen einen sehr guten Überblick für österreichische Ausschreibungen bietet. Zudem werden den registrierten Mitgliedern Rundmails gesendet und jährlich ein Katalog über österreichische Neuerscheinungen erstellt (DIE LITERTUR der österreichischen Kunst,- Kultur- und Autorenverlage).

Die IG organisiert Proteste und verfasst Resolutionen, um die oft aussichtslose Stellung von Kunst, Kultur und Literatur zu unterstützen. Aktuell wird ein Aufruf der IG verbreitet, der das Investorenprojekt am Wiener Heumarkt (1030 Wien) stoppen soll.:

„Das Ringstraßenareal mit seinem weltweit einzigartigen Wechsel zwischen freien Flächen und repräsentativen Bauten soll für spekulative Neubauten geöffnet werden. Im Kernbereich des Welterbes, direkt am Wiener Heumarkt, zwischen dem Wiener Konzerthaus und dem Wiener Stadtpark , soll ein Luxuswohnturm entstehen…“ Letztendlich wäre das dann ein Startsignal für einen Ausverkauf der gesamten Ringstraßenanlage und führte zu einer Aufhebung des UNECO- Welterbe-Status von ganz Wien. Für wen wird da eigentlich gebaut? Für die Wiener und Wienerinnen sicher nicht. Gefordert wird daher der sofortige Stopp des Umwidmungsverfahren, Einhaltung der UNESCO-Auflagen und die freie Zugänglichkeit um das Gelände des Wiener Eislaufvereins.

Die IG nimmt kritisch Stellung zur sogenannten „Medienförderung neu“:
„Die IG Autorinnen Autoren nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass Medienförderungen in Zukunft ohne andere „Qualitätsnachweise“ als Beschäftigungszahlen und dergleichen vorgenommen werden sollen.“ Die IG weist darauf hin, dass Qualität auch bedeuten muss, was wie in den Zeitungen steht und fordert als Mindeststandard für Förderungswürdigkeit eines Mediums nicht nur die Zweckgebundenheit der Förderung an die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze, sondern zumindest auch an die Existenz einer hauseigenen Qualitätskontrolle durch Korrektorate und Schlussredakteure.

Weiters wurde eine Stellungnahme zur geplanten Urheberrechtsnovelle verfasst, der die Generalversammlung einstimmig zugestimmt hat. Dabei geht es in erster Linie um „faire Verträge mit Urhebern und ausübenden Künstlern über die Vergütung“.

Die Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren) wurde 1971 als gemeinsame Verhandlungsdelegation österreichischer Schriftstellerverbände gegründet und 1981 als eigenständige Organisation mit derzeit rund 3.800 Mitgliedern und 70 Mitgliederverbänden neu aufgebaut.
http://www.literaturhaus.at/index.php?id=6541

Kontakt: IG Autorinnen Autoren Seidengasse 13, A-1070 Wien
Tel: +43/(0)1/526 20 44-13 (Gerhard Ruiss: DW -35)

Foto © Gabriele Russwurm-Biro, Geschäftsführer Gerhard Ruiss und Präsidentin Renate Welsh im Literaturhaus Wien auf dem Podium der GV-Tagung in Wien

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