„Wie eine Blumenwiese einwirken lassen“ – Preisverleihung des KSV-Literaturwettbewerbs 2016

Die Jury hat es immer schwer. Dieses Jahr wurden 35 Texte von Kärntner Autorinnen und Autoren zu den unterschiedlichsten Themen mit unterschiedlichen Stil- und Ausdrucksformen eingereicht. Es fällt auch Literaturexperten nicht leicht, aus dieser Menge sehr guter Texte eine Longlist von 15 Beiträgen und daraus eine Shortlist von fünf besten auszuwählen.
Die jedes Mal alternierende Jury setzte sich heuer aus den Vorstandsmitgliedern Prof. Engelbert Obernosterer (Vorsitz), Dr. Reinhard Kacianka, sowie Mag. Arnulf Ploder (Vizepräsident) zusammen.

„Gerne würde man die eingesandten Texte einfach wie eine Blumenwiese auf sich wirken lassen“, erklärt Juryvorsitzender Engelbert Obernosterer in seiner Rede am Abend der Preisverleihung des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes im Musil Literaturhaus in Klagenfurt.
„… und sich daran erfreuen, dass es noch so viel Eigenständiges, Ideenreiches im Lande gibt. Weil Buchhändler und Leser aber für eine Entscheidungshilfe dankbar sind, braucht es eine Reihung, braucht es eine Hervorhebung durch Preise.“

Seit 2002 schreibt der Kärntner SchriftstellerInnen- Verband jedes zweite Jahr einen Preis für neue Literatur aus. Heuer ist das bereits die achte Ausschreibung. Dieser Preis zählt damit nach dem Ingeborg –Bachmannpreis, der sich auf deutschsprachige internationale Beiträge spezialisiert hat, und dem Kärntner STW-Lyrik-Preis, der 2008 ins Leben gerufen wurde, zu den wichtigsten und beständigsten Wettbewerben für Gegenwartsliteratur in Kärnten.

Platz 1 (mit 2000,- Euro dotiert) erging an Greta Lauer mit ihrem Beitrag:
„Das Schicksal der Schwestern“.

Greta Lauer wurde 1990 in Klagenfurt geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Wien. Theatererfahrungen sammelte sie u. a. an der Schaubühne am Lehninger Platz, am Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien und am Staatsschauspiel Stuttgart. Sie schreibt Lyrik, szenische Texte und zurzeit vor allem Prosa. Sie erhielt Reise – und Arbeitsstipendien des Bundesministeriums für Kunst und Kultur 2015. Veröffentlichungen: JENNY, manuskripte, BELLA triste , fluchtraum und erostepost. Sie lebt und arbeitet in Wien.

KSV-Lauer-Porträt-4

Begründung aus der Laudatio von Engelbert Obernosterer:

„Ein Bericht aus einer Art Unterwelt, vorgetragen in einer ungeschönten knappen, immerzu vorwärts drängenden Sprache mit kraftvollen Bildern, die der Fantasie die nötige Freiheit gewähren und trotzdem den Leser nicht aus ihrem Bann entrinnen lassen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Autorin das Auftauchen an die Realität der Oberfläche verweigert und dass sie die Mächte der Unterwelt personalisiert, um sie überhaupt fassbar zu machen. Der Text zeichnet sich im Ganzen durch markante Eigenständigkeit und stilistische Sicherheit aus.“ (© Engelbert Obernosterer)

Platz 2 (dotiert mit 1000,- Euro) ging an Angelika Stallhofer für ihren Beitrag „Fünf Dinge“.
Angelika Stallhofer wurde 1983 in Villach geboren und ist in Seeboden aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Wien. Sie verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und Hamburg und absolvierte den Lehrgang Literarisches Schreiben am Institut für Narrative Kunst. Seit 2012 veröffentlicht sie Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie erhielt 2013 den dritten Platz des Kärntner Lyrikpreises und 2014 und 2016 Startstipendien für Literatur des Bundeskanzleramtes.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/angelika-stallhofer/

Bergündung aus der Laudatio von Arnulf Ploder:

„Es hat mich als Leser erstaunt zu sehen, wie anfangs zwar von den Dingen die Rede ist, der stoffliche Charakter der Leitmotive sich aber mehr und mehr auflöst im Sphärischen eines gemischten Glücks….Wie die Autorin darüber gebietet, beeindruckt. Es ist mehrmals vom Zufall die Rede, doch im sprachlichen Ausdruck selbst scheint nichts zufällig, auch nicht überkonstruiert. Nichts dergleichen. Die Geschichte ist sehr ausbalanciert, sie spricht das Kleine und das Große an, das Alltägliche und das Erhabene, das Nichtige und das Bedeutungsvolle und erzeugt dabei eine einprägsame zauberische Schwebe.“ (©Arnulf Ploder)

Platz 3 (dotiert mit 500,- Euro) bekam Paul Auer für seinen Text: „Krimschild“ zuerkannt.

Paul Auer ist in Kärnten geboren und aufgewachsen. Er studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten. Zur Preisverleihung war er gerade in Indien. Zahlreiche Veröffentlichungen seit 2010 in Anthologien.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/paul-auer/

Begründung aus der Laudatio von Reinhard Kazianka:

„An der Schwelle zwischen Leben und Tod – so hofft der Ich-Erzähler von Paul Auer – offenbart sich Wahrheit. Dieser Wahrheit über die Weltkriegs-Vergangenheit des Großvaters nähert sich der Autor in erbarmungslos nüchterner Sprache – Prosa im wahrsten Sinn des Wortes.“ (© Reinhard Kazianka).

Der 4. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) erging an Miriam Auer (1983 geboren in Friesach, Studium der Anglistik und Germanistik in Klagenfurt; lebt in Stossau, Arnoldstein; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „Wegen Wes“.
http://www.meerauge.at/autor_inn_en/miriam-h-auer

Der 5. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) wurde Elke Laznia (1974 in Klagenfurt geboren, aufgewachsen in Feistritz an der Drau, lebt seit 1974 in Salzburg; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „bin mir schon selbst nicht mehr ähnlich“.
http://pingeb.org/91-elke-laznia-kindheitswald/

Die 15 besten von der Jury ausgewählten Beiträge, inklusive der 5 Siegertexte, werden erstmals gemeinsam mit der jeweiligen Laudatio der Jurymitglieder in einer Anthologie veröffentlicht.
Diese Anthologie wird 2017 unter dem Titel „Feinheiten“ – die besten Texte des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes voraussichtlich im Johannes Heyn-Verlag, Klagenfurt erscheinen.

Diese Publikation soll der Beginn einer Buch-Reihe darstellen, die alle 2 Jahre die besten Texte der Wettbewerbe des KSV veröffentlicht. Damit soll sich ein Gesamtbild der Kärntner Literaturszene ergeben und dokumentiert werden und die Tätigkeit der Kärntner Schriftstellerinnen und Schriftsteller gefördert werden.

Die bisherigen Preisträger und Preisrägerinnen waren:

2002 (Barbara Grascher),
2004 (Simone Schönett),
2006 (Jürgen Lagger),
2008 (Hugo Ramnek),
2010 (Christoph W. Bauer),
2012 (Harald Schwinger)
2014 (Anna Baar, 2. Miriam Auer, 3. Ursula Wiegele)

Gruppenfoto © Marlies Karner-Taxer
Porträtfoto Greta Lauer © Jonida Laçi

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