„Weihnachtswunderkerzenschein“ im Schloss Krastowitz – eine kleine feine Adventlesung mit Miniaturen und Lyrik

MKT und Freunde luden zur Advent- und Weihnachts-Lesung ins Schloss Krastowitz bei Klagenfurt. MKT steht für Marlies Karner-Taxer, die zusammen mit befreundeten Autoren und Autorinnen einen besinnlichen, aber auch fröhlichen Abend gestaltete.

Advent, die stillste Zeit im Jahr?
Bei dieser Lesung kam das Geruhsame, Leise und Feine zur Geltung. Aber auch das Schräge, Ungewohnte, Aufrüttelnde, Sozialkritische. Folgende Kärntner Autor*innen lasen Miniaturen und kurze Gedichte zum Thema Weihnachten:

Gerhard BENIGNI, Gertraud HOLZFEIND, Marlies KARNER-TAXER, Anna Maria LIPPITZ, Gabriele RUSSWURM-BIRÓ, Hannes WENDTLANDT. Die musikalische Umrahmung des Abends gestaltete CHL (Christian Lehner) Gesang, Gitarre – diesmal solo.

http://kultur-arbeiter.at/?page_id=8

Anna Maria Lippitz
Sie trug sensibel gestaltete Gedichte vor. Sie wurde 1969 in Griffen/Kärnten geboren und ist Absolventin der Landwirtschaftlichen Fachschule Eberndorf,
geprüfte Beraterin für Effektive Mikroorganismen. Sie absolvierte die Ausbildung in Familiensystemdiagnostik bei Annegret Braun Meera, Mentorin für Frauen, und ist Regionsbetreuerin Wolfsberg im Tauschkreis Kärnten.
Außerdem zählt sie zu den Gründungsmitgliedern der „Kärntner Schreiberlinge“ im Jahr 2013.
Sie schreibt vorwiegend Lyrik in Hochsprache und Kärntner Mundart, 2013 Besuch einer Schreibwerkstatt bei Anita Arneitz .
Erste Veröffentlichung 1986 bei der Ausstellung „Jungendliche Talente“ in Griffen . Veröffentlichung in Anthologien des Katholischen Schriftstellerverbandes und des Novum Verlages „text cocktail mix 2016“ Sommer-Anthologie, ISBN: 978-3-99048-651-1

http://www.novumverlag.com/buecher/belletristik/sonstiges-allerlei/text-cocktail-mix-2016.html


Textprobe (aus text cocktail mix 2016, Seite 236)

„Abgründe?
Irre wirre ich mich durch das Wirrwarr, das sich dennoch nach meinem Leben anfühlt. Entwirre ich es gerade oder verwirrt es mich noch mehr? Planlos lebe ich in den Tag hinein, in die Nacht. Mir im Genicke das Wissen – das GE-Wissen – das eh – schon wissen – die Probleme macht…..“ (© Anna Maria Lippitz)

Gertraud Holzfeind
Schon als Kind hat sie alles verschlungen, was ihr an Lesestoff unterkam: Von Reader’s Digest über Karl May, von Shakespeare bis Raimund. Mit 15 entdeckte sie Hermann Hesse, Thomas Mann und Bert Brecht – sie waren eine Offenbarung.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie an ihre erste große Liebe, fein säuberlich getippt und gebunden. Vor wenigen Jahren erfuhr sie, dass er sie immer noch hat.
Regelmäßig zu schreiben begann sie erst vor einigen Jahren, seit neben dem Beruf nicht mehr Familie und Haushalt ihr Leben bestimmen, sondern ihre Freizeit wieder zunehmend ihr gehört.

Marlies Karner-Taxer
Das Schreiben begleitet sie schon sehr lange durch ihr Leben. Bereits in jungen Jahren hat es ihr unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Fantasien zu Papier zu bringen. Nachdem das Schreiben bei Kärntner Printmedien zehn Jahre lang ihr Brotberuf war hatte sie begonnen, intensiv literarisch zu schreiben. Sie probiert alles aus: Von Lyrik über Krimis, von Märchen über
Weihnachtsgeschichten, vom Text für ein Kärntnerlied zu Kurzgeschichten mit Tiefgang. Heute ist sie bei pointierten und sozialkritischen Prosa- und Lyrik-Texten angelangt. Besonders humorige Beziehungsgeschichten aus Kärnten mag sie sehr. Für einen Kärntner Historienoman steckt sie mitten in den Recherchen.
An diesem Adventleseabend trug sie eine autobiografische Kurzgeschichte vor „Papas Akkordeon“ und eine Geschichte zum Schmunzeln…..

Gemeinsam mit Karin Ch. Taferner hatte sie die Idee, die Schreibgruppe der „Kärntner Schreiberlinge“ zu gründen, bei dem sich 12 Autor*innen alle 14 Tage zum aktiven Schreiben treffen und einander wertschätzendes Feedback geben.
Beim ÖBB-Schreibwettbewerb „LiteraTour am Zug 2014“ erreichte sie unter 180 Autor*innen den beachtlichen 16. Platz. Ihre humorige Kurzgeschichte über eine Zugfahrt ist in der ÖBB-Anthologie im Oktober 2014 erschienen und an jedem Bahnhof in Österreich erhältlich.
Seit 2016 ist sie Generalsekretärin des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes und organisiert Lesungen und Literaturveranstaltungen.

Gabriele Russwurm-Biro
http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/gabriele-russwurm-biro/
Ich las eine Weihnachtsgeschichte mit Sozialkritik. Armut und Sorge in einer hellerleuchteten Weihnachtswunder-Kitsch-Welt des Konsums.
„Sorge tragen.
Mit einer kindlichen Freude verließ sie ihre Wohnung, als es am späten Vormittag zu schneien begonnen hatte – Bewegung erwärmt, durchblutet, hebt die Laune… heute ist Heiliger Abend.
Sie ging mit dem Gefühl, vielleicht nicht wieder nachhause zu kommen. Das dachte sie sich in letzter Zeit immer öfter: nicht mehr nachhause kommen. Das war ein erlösender Gedanke, der Enge zu entfliehen. Das hatte sie sich als Kind oft gewünscht, erhofft: einmal nicht mehr nachhause kommen müssen… Aber wo sollte sie Unterschlupf finden? Sie konnte nicht ständig durch die Straßen laufen. Sie war immer auf der Suche. Sie bummelte so dahin, ging von Geschäft zu Geschäft und betrachtete die luxusschweren Dekorationen, die vielen, vielen vorbereiteten Geschenke, und summte mit der Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern mit. Wie lange konnte sie so träumen? Wann sperrten die Geschäfte? Alle wollten Weihnachten feiern. Jeder strebte nachhause, nur sie nicht….“ (© Gabriele Russwurm-Biro).

Hannes Wendtlandt
Er wurde in Wels/OÖ geboren und ist in Klosterneuburg/NÖ und Wien aufgewachsen. Er lebt (mit Unterbrechungen) seit 1978 in Klagenfurt. Erste literarische Gehversuche als Gymnasiast (ua. Aufführung eines Stückes im Rahmen der Jugendtheaterwoche in Klagenfurt, Förderungspreisträger Ebentaler Literaturpreis). Er studierte Germanistik, Anglistik und PPP. Er engagiert sich als Mitglied in mehreren Bands, als Kunsthandwerker, freier Journalist, Autor, Werbetexter, Übersetzer, Songwriter und vieles mehr.
Publikationen in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften,
zwei Lyrikbände:
„Ich hab’s der Parkbank anvertraut“ (ISBN-13: 978-3735793829). Dieser Band bietet einen kleinen, bunten Querschnitt durch Hannes Wendtlandts feinfühlige Lyrik aus mehr als 30 Schaffensjahren. Die Gedichte erzählen von den Höhen und Niederungen des Lebens, sind heiter und nachdenklich. Seine Gedichte punkten durch Authentizität und Unmittelbarkeit.

https://www.amazon.de/Ich-habs-Parkbank-anvertraut-Jahrzehnten/dp/3735793827
Und: „Auf hartem Land“ (ISBN-13: 978-3734768989).
http://www.mitgiftler.at/de/publikationen/auf-hartem-land
Daraus las er bei der Weihnachtslesung im Schloss Krastowitz folgendes Gedicht:

Auf hartem Land

Ich bestelle mein Feld
Auf Boden, der nichts trägt.
Auf hartem Land.
Ich nähre mich von Hoffnung,
Sie ist das Brot des Herzens.

Ich säe mein Lächeln
Auf steinernen, kargen Grund.
Auf hartes Land.
Doch wenn es aufgeht und gedeiht,
werde ich satt ernten.

Meine Liebe ist eine reife Frucht,
Gepflückt will sie nun werden.
Bevor sie fällt
Und vergeht.
Auf hartem Land.

(© Hannes Wendtlandt)

Den humorigen Abschluss des Abends gestaltete der Villacher Autor Gerhard Benigni mit einer seiner prägnanten Weihnachtskurzgeschichten:
Gerhard Benigni
Er wurde 1973 in Villach geboren und lebt, arbeitet und schreibt auch heute noch dort. Zahlreiche seiner Texte wurden bereits in namhaften Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Seine erste Sammlung von Kurzgeschichten „Fertigteilparkettboden. Im Niedrigenergiereihenhaus.“ (Malandro-Verlag Klagenfurt) ist Anfang 2015 erschienen, sein zweites Buch „Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol“ erschien im April 2016 bei SchriftStella/ Villach. Mittlerweile verfügt Benigini über eine große Fangemeinde und tritt bei vielen Lesungen vor sein Publikum.
Zur Adventlesung las Benigni seinen prämierten Text: „Wunschzettelwirtschaft. Im Weihnachtswunderkerzenschein.“ Für diese weihnachtliche Kurzgeschichte mit vielen Pointen und Wortspielen erhielt er im September 2016 den zweiten Platz des Schreibwettbewerbs des Magazins „buchjournal.de“ (in der Ausgabe buchjournal fünf 2016 wurde der Text abgedruckt.)
Hier zum Nachlesen:
http://www.buchjournal.de/1234517/

http://www.gerhardbenignialleineistdochvielzukurzalshomepagename.at/

Gruppenfoto: von links: Gerhard Benigni, Anna Maria Lippitz, Hannes Wendtlandt, Gertraud Holzfeind, Gabriele Russwurm-Biró, CHL Christian Lehner; Marlies Karner-Taxer, vorne

Foto© Robert Madrian/KK

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