Schlaglöcher und Krimis müssen sein! – Ein Buch 13-Leseabend mit Franz Supersberger und Alexandra Bleyer

Heimische Autorinnen und Autoren werden von Buch 13 gefördert und bekommen Gelegenheit in verschiedenen Leseräumen in Kärnten ihre Werke zu präsentieren. Gerald Eschenauer, dem Obmann von Buch 13, liegt es am Herzen, Verständnis für heimische Gegenwartsliteratur zu schaffen und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. „Literatur ist wichtig!“ betont Eschenauer. Er setzt sich für die Schaffung von neuen Literaturräumen in Kärnten ein, um so auf die aktive Literaturszene aufmerksam zu machen.

An diesem Leseabend wurden Franz Supersberger und Alexandra Bleyer beim Literaturverein Buch 13 in der Katholischen Hochschülerschaft in Klagenfurt vorgestellt.

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Franz Supersberger, 1951 in Ferndorf geboren, hat als Jugendlicher mit dem Schreiben begonnen. Seine erste Veröffentlichung: „Die Brille“, eine Kurzgeschichte, in der „Volkszeitung“ im Jahre 1969. Nach der Ausbildung zum Buchhändler war er selbstständiger Kaufmann in Arnoldstein. Heute lebt er als pensionierter Buchhändler in Villach. Er verfasst seit 2003 Onlinetagebücher auf seinem eigenen Blog www.schlagloch.at und stellt dort seine Sprachexperimente gerne zur Diskussion. Sein literarisches Schaffen wurde im Hörfunk und in Literaturzeitschriften, sowie in mehreren Büchern veröffentlicht, zuletzt

Bruchstellen – Sätze vom Tag (2015),
ISBN: 978-3-734741555,
220 Seiten
€ 12.80

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Sein Blog wird vom Deutschen Literaturarchiv Marbach langzeitarchiviert.

http://www.dla-marbach.de/index.php?id=448&ADISDB=AK&WEB=JA&ADISOI=1241896

„Einem Schlagloch kann man ausweichen, darüber fahren oder davor stehen bleiben. Es gibt große und kleine Schlaglöcher. Von einem Schlagloch kann man wach-gerüttelt werden. Gibt es Schlaglöcher nur auf der Straße? Ich sage, das Alltagsleben ist ein Fahren auf einer Schlaglochstraße. Einmal gelingt uns die Lebens-Fahrt besser, ein andermal nicht so gut.“ So beginnt Supersberger seinen Blog mit der einleuchtenden Erklärung der Bezeichnung im April 2003. Zu seinen Blogtexten können sich auch Leser in der Kommentarfunktion einbringen, die Gastkommentare werden gerne veröffentlicht.
An diesem Abend las er Geschichten aus dem Gailtal inklusive Gastkommentare. „Schon in der Jugend habe ich geschrieben bis zum 30. Lebensjahr, dann bin ich selbständig geworden, mit 50 ist die Krise gekommen und dann habe ich wieder zu schreiben angefangen. Zuerst habe ich kurze Texte zu schreiben begonnen, Kurzgeschichten, auf meinem Schlagloch-Blog. Seit 2003 kann man alle Beiträge im Blog-Archiv abrufen, das sind ca. 2000 kurze Texte, einige Bücher sind daraus entstanden“.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/2015/03/10/am-fusse-des-dobratsch/

Die Autorin Alexandra Bleyer ist mit ihrem Kärntner Kriminalroman „Waidmannsdank“, erschienen
2016 im Emons-Verlag, auf den Bestsellerlisten gelandet. Sie hat als Historikerin, selbst
ernannte Büchernärrin, Journalistin, Schreibtrainerin ihren Traumberuf als Autorin gefunden.
„Neben dem Studium sammelte ich als Online- und Printjournalistin Erfahrungen in verschiedenen
Textsorten, von der PR bis zum Lokaljournalismus, bevor ich mich als freie Kulturjournalistin
für überregionale österreichische Tages- und Wochenzeitungen auf historische Themen
spezialisierte. Seit Oktober 2013 schreibe ich eine regelmäßige Kolumne für die
Wochenendbeilage der „Salzburger Nachrichten“; Anfang desselben Jahres erschien
mein erstes Sachbuch >Auf gegen Napoleon! Mythos Volkskriege<“. Ihr Ziel ist es, Geschichte unterhaltsam und anschaulich aufzubereiten, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen und dabei auf ein gewisses Augenzwinkern nicht zu verzichten. Ein weiteres Buch ist in Arbeit. Die 1974 in Klagenfurt geborene Autorin hat an der Universität Klagenfurt studiert, schreibt Sachbücher und Kriminalromane aus dem Jägermilieu. „Krimis müssen einfach sein“, sagt die Autorin. Ich bin ein Stadtmensch und habe einen Jägermensch (meinen Mann) kennengelernt, das war ein Kulturschock! Nun lebt sie am Millstätter See. „Mein Mann hat versucht, mir das Jagern beizubringen...“ Dabei konnte sie viele Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln. „Literatur sollte nicht immer todernst sein, bei allem Respekt vor den Toten bei einem Krimi... im Mölltal ticken die Uhren eben anders...“ Nur soviel sei zum Inhalt verraten: Freiwillig ins Mölltal zurückzukehren wäre dem Polizisten Martin Schober nie in den Sinn gekommen. Zu viele schwierige Gestalten warten dort auf ihn. Als jedoch zur Jagdsaison nicht nur Vierbeiner ihr Leben lassen, muss er gemeinsam mit dem kauzigen Aufsichtsjäger Sepp Flattacher ermitteln, der für seine höchst eigenwilligen Methoden bekannt ist. Das ungleiche Duo wird in ein mörderisches Wettrennen verwickelt – doch wer ist hier Jäger und wer Gejagter? „Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er den Hasen erwischt.“ So lautet die Einleitung zum Roman. Die Sprache ist kräftig, direkt und umgangssprachlich authentisch gehalten, passend zu den Charakteren des Jägermilieus im Kärntner Mölltal. Dass man die Sprache auch außerhalb Kärntens verstehen kann, dafür sorgt ein Glossar, das sehr hilfreich für alle Nichteinheimischen und des Kärntner Dialekts nicht mächtigen ist. So verstehen auch Hamburger und Rheinländer die Dialektausdrücke, da sie ins Hochdeutsch übersetzt wurden. »Deeskalation war eindeutig angesagt. Martin rief sich die Atemtechniken ins Gedächtnis, die er bei diesem stinklangweiligen Seminar noch in Wien hatte üben müssen. Damals war er sich völlig bescheuert vorgekommen, aber jetzt halfen sie dabei, den Ärger aus seiner Stimme zu verbannen und verständnisvoll zu klingen.
»Herr Pichler war nur wenige Meter hinter seinem Hund, wie er gesagt hat. Sie müssen ihn vom Hochsitz aus doch auch gesehen haben. Warum haben Sie ihn nicht einfach darauf aufmerksam gemacht, dass er ihn anleinen muss?«
»In der Brut- und Setzzeit des Wildes gilt für Hunde außerhalb des bebauten Gebietes Leinenpflicht. Für alle Hunde! Das ist auch groß in der Amtlichen Mitteilung der Marktgemeinde gestanden. Lesen wirst ja wohl können, Pichler, oder bist in die Baumschule gegangen?«, knurrte Flattacher.
»Du hast meinen Hund ermordet!«
»Hättest du Todl ihn halt angeleint.«
Pichlers Gesicht lief rot an, und er ballte die Hände zu Fäusten.
»Flattacher, du Arsch, dafür bring i di um!«
Vorsichtshalber machte Martin einen Schritt nach vorne, um sich zwischen den beiden Konfliktparteien zu positionieren. Kerstin hielt Pichler zwar am Arm gepackt, aber mit ihrem Fliegengewicht würde sie den molligen Hundebesitzer kaum zurückhalten können. Noch ein falsches Wort mehr, und sie könnten den Pfefferspray zücken.
»War das denn echt nötig, den Hund zu erschießen?«, stellte Martin Flattacher zur Rede.
»Er hätte ein Jungwild reißen können.«
Martin ließ seinen Blick zwischen dem Jäger und seinem am Forstweg hingestreckten Opfer hin- und hergleiten und zog die Brauen hoch. Keine noch so wissenschaftlich fundierte Atemtechnik konnte helfen, seine Ungläubigkeit zu verbergen.
»Ein Chihuahua?« (Weidmannsdank, Prolog, Seite 11 )

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http://www.emons-verlag.de/media/files/leseproben/Bleyer_Waidmannsheil.pdf
Alexandra Bleyer
Waidmannsdank
Kriminalroman
Emons-Verlag 2016
ca. 224 Seiten

ISBN 978-3-95451-792-3

http://www.emons-verlag.de/programm/waidmannsdank

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www.alexandrableyer.at

Alle Fotos © BUCH 13/ Eschenauer

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