Lyrische Sprachkonstruktionen führten zum Sieg – 9. Kärntner Lyrikpreis an Monika Grill verliehen

„Ich habe erst jetzt so richtig realisiert, dass wirklich ich diese tolle Auszeichnung erhalten
habe!“, erklärte freudig die Autorin Monika Grill, als ihr feierlich im ORF-Theater im Rahmen des Literaturfestes der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ überreicht wurde. Für die in Viktring/ Klagenfurt lebende Autorin bedeutet dieser mit 4.000 Euro dotierte Preis „einen enormen Ansporn für weitere lyrische Sprachkreationen“.
„Man muss eben ein wenig ver- rückt sein, um Schriftstellerin zu werden, abseits der üblichen
Wege und Normen.“ Die gelernte Therapeutin, die über 30 Jahre in den Vereinigten
Staaten lebte, trat dort mit der Poetryszene in regen Kontakt. Sie experimentiert daher gerne mit Wörtern und Versformen.

http://www.monikagrill.com/

Blog-Preis-Layrik-Porträt

Messerscharf
auf dem weg nach süden
immer wieder
die scharfe klinge
der züge
immer wieder
zwei fronten
in erde und staub
vernarbt
immer wieder
grünumschlungen
träume von
fischen
treibholz
segelbooten nach trieste
guiseppe zigaina
der auf alten müllhalden
die knochen
der hunde und katzen
zu brennenden buchstaben
fügt
das alphabet der lagune von grado schilfgrün
meeresblau
möwenweiß (© Monika Grill)

Über den mit 1.500 Euro dotierten zweiten Platz freute sich die in Wien und Berlin lebende Ferlacher Künstlerin Barbara Juch (Jahrgang 1988).
Der dritte Platz (800 Euro) ging an den ebenfalls in Wien beheimateten Klagenfurter Mag.
Wolfgang Oertl (Jahrgang 1962). Er unterrichtet an der Graphischen Bundeslehranstalt.
Einige seiner Schüler waren überraschend aus Wien angereist, damit sie „ihrem“
Professor vor Ort gratulieren konnten. Platz vier (500 Euro der PosterService GmbH,
PSG) ging an die Klagenfurter Marketingleiterin Mag. Sonja Steger.
Platz fünf (500 Euro der KEG) konnte die in Wien lebende Kärntner Übersetzerin Mag. Susanne Müller-Posch, Leiterin der Literaturwerkstätte für Kinder und Jugendliche in der Bundeshauptstadt, für sich entscheiden. Über Platz sechs (300 Euro) freute sich der slowenische Dichter und Redakteur Vincenc Gotthardt aus Klagenfurt. Für ihn war der Preis eine echte Überraschung. Sein jüngerer Bruder hatte heimlich für ihn die Gedichte eingesandt.
Diese sechs Preisträger trugen Gedichte aus den eingesandten Werken vor.

Anerkennungspreise erhielten: Dr. Miriam Auer aus Arnoldstein, Dr. Bianca Kos aus
Klagenfurt, die in Salzburg lebende Kärntnerin Mag. Elke Laznia, der Klagenfurter Mag.
Arnulf Ploder, der in Wien arbeitende Kärntner Mag. Dr. Walter Pobaschnig und der
ebenfalls in der Bundeshauptstadt lebende gebürtige Spittaler Musiker Walter Pucher.
Die Jury zeichnete auch zwei renommierte Kärntner Schriftsteller für ihr Lebenswerk aus:
Der renommierte Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Preis des Landes Kärnten. Brandstetter bedankte sich mit einer pointierten Rede:

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Applaus oder:
Wir leben im Zeitalter des Kritizismus
„Aus gegebenem Anlass“ einige Überlegungen zum Beifall, auf den Künstler „wie auf das tägliche Brot“ angewiesen sind. Der Beifall, die Zustimmung und der „Zuspruch“ äußern sich bei den reproduzierenden Künstlern, den Schauspielern etwa, im Applaus nach der Vorstellung, jenem Lärm, der der Etymologie des Wortes entsprechend, durch Händeklatschen erzeugt wird (lat. applaudo applausi.) Die Theaterleute zählen die sogenannten „Vorhänge“, die durch „stürmischen“, „frenetischen“ und „anhaltenden“, „nicht enden wollenden“ Applaus des Publikums erzwungen werden. „Appläuse“ heißt der entsprechende ironische Plural… Der „enden wollende Applaus“, der bezeichnender Weise auch „ Achtungsapplaus“ oder „Anstandsapplaus“ genannte Beifall, der „wohlwollende“, der „höfliche“, oder gar der gänzlich ausbleibende, schmerzt und beleidigt den Mimen, bereitet ihm Kummer. Und weil, mit Nietzsche gesprochen, alle Lust Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit will, kann als Erschwernis und besondere Bosheit des Schicksals der Komödianten gelten: „Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk. Schwer ist die Kunst, vergänglich ist ihr Preis. Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze. Drum muss er geizen…“ (Schiller, Wallensteins Lager). Schwieriger als Ruhm ist also Nachruhm zu erreichen… Jeder Beifall ebbt einmal ab und verstummt…Hinterlässt allenfalls Spuren in Zeitungarchiven…Es bleibt bestenfalls eine blasse Erinnerung an Ruhmestaten… Dem entspricht der sprichwörtlich gewordene melancholische Seufzer des Schauspielers im Altersheim: Mich hätten sie sehen sollen! Man kann davon ausgehen, daß ein Künstler, nicht nur ein Schauspieler, jeder Künstler, Maler, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher sich selbst belügt, wenn er sich als immun gegenüber Beifall behauptet. Robert Jungbluth sei applaudiert, er hat das Vorhangverbot des Burgtheaters aufgehoben…Manchen ist notfalls auch „Beifall aus der falschen Ecke“ nicht unwillkommen. Angeblich gibt es auch gedungene Claqueure…Manche haben sogar eine sogenannte Fangemeinde…Der Beifallverächter, der Anerkennungsmuffel soll bei Sigmund Freud nachlesen: Der Anerkennungstrieb ist stärker als der Geschlechtstrieb. Und der ist schon schwer genug zu unterdrücken! Wer wie weiland Klaus Kinski („Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, Erinnerungen) mit seiner Libido protzt, befriedigt, „selbstbefriedigt“ also simultan beide Triebe… Freilich, auch die Bescheidenheit ist nicht unverdächtig: Johann Wolfgang von Goethe: „Nur die Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat“ (aus einem Gedicht „Rechenschaft“)… „Erfolg ist keine Kategorie vor Gott“, heißt es bei Georges Bernanos. Das tröstet aber nur die kleine Gemeinde der Frommen. Die Frömmigkeit in der Kunst ist immer in Gefahr zu Frömmelei zu verkommen…
Die schreibende Zunft, die Schriftsteller sind erpicht auf potente Verlage, auf gute Besprechungen in renommierten Medien, auf hohe Auflagen und auf Spitzenplätze auf Bestsellerlisten, und , was uns heute zusammengeführt hat, auf Preise…Es gibt freilich unter den Schriftstellern eine merkwürdige Aversion gegen Preisverleihungsfeiern. Die Überreichung des Preises ist für Schriftsteller oft eine schwer zu nehmende Hürde…Josef Winkler wollte sich nicht vom damaligen Landeshauptmann von Kärnten dekorieren und mit ihm fotografieren lassen…Der Maler und Objektkünstler Cornelius Kolig hat den Kulturpreis des Landes Kärnten im Jahr 2006 nicht aus den Händen des Landeshauptmannes entgegennehmen wollen und einen eigens für die Verleihung konstruierten Apparat, eine Prothese oder Greifzange eingesetzt, um den 15.000-Euro-Scheck zu übernehmen… Elfriede Jelinek hat ihr Fernbleiben in Stockholm mit ihrer Neurose begründet. Gerade ist ja wieder von einem die Rede, der sich den Nobelpreis beim schwedischen König nicht abholen will… Vielleicht kommt die Aversion gegen Preisverleihungsfeiern auch daher, dass sich bei diesen Veranstaltungen die Vertreter jener Institute, die das Preisgeld stiften, und die Juroren, ausgiebig mitfeiern lassen… Nicht unterschätzen soll man auch die Missgunst und den Neid der „Mitbewerber“…Es gibt einen Text von Franz Kafka, den man allen Missgünstigen, aber auch allen stolzen Preisträgern vorlesen und unterschreiben lassen sollte: Zum Nachdenken für Herrenreiter.
Es ist im digitalen Zeitalter, in dem wir leben, so leicht geworden und man könnte auch sagen so verführerisch, Beifall oder Missfallen zu äußern. Wir leben im Zeitalter des Kritizismus. Alles wird bewertet, mit 4 oder 5 Hauben für Restaurants, Sterne für Hotels oder Plus- und Minuspunkte für Filme…Es wird weniger seriös kritisiert als oberflächlich „bekrittelt“… Die Zahlen der Aufrufe zu Beiträgen auf Youtube oder Sites werden automatisch registriert und ergeben eine Art permanenter Volksabstimmung wie auch die Quoten des Fernsehens… Es gibt einen Button LIKE, einen anderen GEFÄLLT MIR und es gibt den Smiley, der einem schmeichelt, und es gibt die leicht zu bewerkstellende Meinungskundgabe durch Postings und Kommentare. Die Hand mit dem Daumen nach unten oder oben ist ein Erbe aus der Antike. So haben die Verantwortlichen bei den Gladiatorenkämpfen im Kolosseum zum Tod verurteilt oder begnadigt…Leserbriefe sind verglichen mit den digitalen Schnellschüssen und lapidaren Invektiven im Internet dagegen geradezu eine ehrwürdige demokratische Institution. Die Leichtigkeit verführt in millionenfachen Fällen zu Leichtfertigkeit, wenn Wutbürger im anonymen Raum des Internet von ihrem gut geheizten Wohnzimmer aus hässliche und eiskalte Botschaften und Kommentare absetzen. Was wir heute erleben und vor uns sehen, hätte sich Kafka nicht träumen lassen, auch George Orwell („1984“), der Prophet der Literatur, hat das jetzt und heute Aktuelle und Mögliche, ja Praktizierte, etwa den Einsatz von Drohnen nicht prognostiziert. Es gibt die Sittenkommission der Metternich-Zeit, die in die Schlafzimmer der Bürger geschaut – und auf Ordnung gesehen hat, nicht mehr, aber die Obrigkeit und die kapitalistische Wirtschaft haben einfachere Möglichkeiten der „Einschau“ und „Überwachung“. Kafkas Parabel „In der Strafkolonie“ wird zu Recht als eine „Ansage“ und visionäre Vorwegnahme der industriellen Brutalitäten der Nazis gerühmt, aber die Grausamkeiten der Jetztzeit in vielen Teilen der Welt übertreffen alles Dagewesene noch womöglich. Apokalypse now. Abgesehen von den brachialen und martialischen Kriegen findet ein Gemetzel, ein Weltkrieg der Wörter, der „Wortgefechte“ in den elektronischen Medien statt. Shitstorms jagen wie Tornados oder Wirbelstürme durch den Äther… Kein Ende, kein Schlusspunkt, kein Friedensschluss in Sicht…“ Dankesrede von © Alois Brandstetter.

Stadträtin Ruth Feistritzer übergab Gerard Kanduth, ehemaliger langjähriger Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes und Autor mehrerer Lyrikbände, den Preis der Landeshauptstadt in der Höhe von 1.500 Euro.

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Preis der Stadt Klagenfurt 2016: Gerard Kanduth (Laudatio von Katharina Herzmansky)
„Der Preis der Stadt Klagenfurt wird heuer an eine Persönlichkeit verliehen, die sich im literarischen Leben in Kärnten und darüber hinaus, im Alpen-Adria-Raum, in besonderer und vielfacher Weise verdient gemacht hat. Und das in ebenso eindrücklicher und nachdrücklicher wie bescheidener Form. Ihn einen großen Stillen zu nennen, wäre allein nicht zutreffend, dazu hat er sich zu prononciert geäußert, im Gedicht, in der Erzählung, im kultur- und gesellschaftspolitischen Kommentar hat er Stellung bezogen, aber eben nicht sozusagen serienmäßig und sich bei jeder Gelegenheit in den medialen Vordergrund drängend, sondern sparsam, wohl dosiert und daher umso wirkungsvoller.

Gleichwohl er, neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, fünf Bücher veröffentlicht hat – vier Lyriksammlungen und einen Prosaband – gilt es den Autor Gerard Kanduth vielfach erst zu entdecken, ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Richter und langjährige Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes stärker wahrnehmbar. Das mag nicht zuletzt mit der Verantwortung und dem Gewicht, die solche Ämter mit sich bringen, zu tun haben.

14 Jahre lang, von 2002 bis zum Anfang dieses Jahres war Gerard Kanduth Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes. Das ist eine lange Zeit, und Gerard Kanduth hat, wie es seiner Wesensart entspricht, seine Energien und Kräfte in die eigentliche, in die inhaltliche und auch mitunter mühevolle, aber notwendige „zwischenmenschliche“ Vereinsarbeit investiert, gute Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewonnen und den Verband nach innen und außen geöffnet. Nicht nur die Zahl der Mitglieder insgesamt ist deutlich angewachsen, der Verein wurde zunehmend weiblicher und jünger. Mit den alternierend veranstalteten Alpen-Adria-Literatursymposium in Gmünd und dem Preis des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes für neue Literatur wurden unter der Präsidentschaft Kanduths zudem zwei Veranstaltung ins Leben gerufen, die sich fest im literarischen Leben der Region verankert haben: das Symposium in Gmünd als mehrtägiger Austausch zwischen den Literaturen der Nachbarländer Österreich, Italien und Slowenien, und der Literaturpreis, übrigens erst letzte Woche vergeben, als jenes Seismogramm, das Texte aufstrebender, ästhetisch anspruchsvoll und ernsthaft arbeitender Autorinnen und Autoren ausfindig macht und nicht selten am Beginn einer literarischen Karriere steht. Auch hier gilt: Kontinuität, Beharrlichkeit, Qualität vor Quantität und öffentlich-medialer Inszenierung.
Durch den Alltag und die Arbeit hindurch, durch deren Dickicht und Absurditäten, führt der Weg zu Gerard Kanduths eigenem Schreiben. „im hafen: worte bilden / die kette / meines ankers // ich werfe ihn aus / weil ich / hierbleiben / möchte“ (Entsprechungen, 1999). Es geht auch darum, Ausgleich, Freiraum zu schaffen, für den Blick, die Seele, den Geist und die Gedanken, um so zum Wesentlichen vorzudringen. Dieser Prozess ist spürbar und nachvollziehbar in Gerard Kanduths Texten und nimmt uns Leserinnen und Leser mit zum Kern der Dinge. Führt uns Konzentrate von Wirklichkeit vor Augen, die uns zuweilen verstören, zuweilen gehörig zum Lachen und in jedem Fall zum Nachdenken bringen. „nichts / hilft mir mehr / beim schreiben / als eine graue / wolke / voller schnee“, heißt es in dem Gedicht optimal (Der Wal auf der Festplatte, 2000), und wir spüren förmlich das Durchatmen, das Leerwerden, das notwendig ist, um für neue Gedanken und eine neue Formen Platz zu schaffen.

Bis so reduzierte Gedichte wie das eben gehörte entstehen können, ist es meist ein weiterer Weg. Mit dem Verfassen von Gedichten hat Gerard Kanduth bereits eigentlich als Volksschüler in Kötschach begonnen, als Gymnasiast am Neusprachlichen Gymnasium in Lienz erstellt er mit den ersten erlernten Englischvokabeln bereits experimentelle Texte. Als Gerard Kanduth seine ersten Kurzgeschichten in der Kärntner Volkszeitung und – nota bene – in der Presse veröffentlicht, ist er gerade einmal vierzehn, fünfzehn Jahre alt.

Mitte der 1970er-Jahre schickt er 17-jährig einen surrealistischen Text über eine am Fenster vorbeifliegende Kuh an den Literarischen Arbeitskreis, einen Zirkel, den Alois Brandstetter an der damaligen Universität für Bildungswissenschaften in Klagenfurt ins Leben gerufen hat. Der junge Autor aus dem Oberen Gailtal wird nicht nur zu einer Lesung an die Universität eingeladen, sein Text wird auch in den Schreibarbeiten, der Zeitschrift des Kreises, veröffentlicht! Lektoriert wird er, wie die erhaltene Korrespondenz zeigt, vom damals 22-jährigen Josef Winkler. Man begegnet sich im Leben immer mindestens zweimal, heißt es, schön, dass sich hier Kreise schließen bzw. Wege in dieser Form wieder kreuzen, Alois Brandstetter und Gerard Kanduth heute gemeinsam geehrt werden.

Einer Geschichte über die Militärzeit in Villach, im Vorjahr in einer Anthologie der Reihe Europa erlesen im Wieser-Verlag erschienen, ist zu entnehmen, dass Gerard Kanduth als Präsenzdiener sprachlich-literarische Ambitionen hatte; während des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien tritt die Beschäftigung mit Literatur seiner eigenen Aussage zufolge in den Hintergrund. Vordergründig in den Hintergrund, muss man wohl ergänzen, denn die Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt und Sprache des Rechts sowie die Befassung mit Fragen der Gerechtigkeit sollen für die später wieder aufgenommene literarische Tätigkeit von großer Bedeutung sein.

Es war wiederum Alois Brandstetter, der in einer Besprechung von Gerard Kanduths erstem, 1999 erschienenen Lyrikband Entsprechungen auf den epigrammatischen Charakter der Gedichte hingewiesen hat, auf ihre Nähe zum Sinn- und Spruchgedicht, aber auch zum Haiku. Und Alois Brandstetter hat auch die soziale und humanistische Grundhaltung herausgestrichen. „lass ihn / liegen / sagte sie // vielleicht / hat er / aids“, heißt es in dem Gedicht passanten in Kanduths zweitem Gedichtband Der Wal auf der Festplatte (2000). Knapper und eindrücklicher kann man Stigmatisierung und Ausgrenzung kaum formulieren.

Es wäre schön, an dieser Stelle eine Reihe von Gedichten des Autors zu hören; ich hoffe, Sie haben auch anhand der wenigen Beispiele einen Eindruck gewonnen. Einen Eindruck von der Reduziertheit der Sprache, von der Verbindung von Natur und Geist, von Stadt und Land, wenn man auch will, auch von der eigentümlichen Balance von Schwere und Leichtigkeit, von Behutsamkeit, Sensibilität und Wucht, die diese Texte ausmachen.

Und von dem offenen Ausklang, der mich besonders für die Gedichte einnimmt. Obwohl, wie bereits ausgeführt wurde, die Nähe zum Epigramm, zum Aphorismus – Fabjan Hafner verweist in seinem Vorwort zum Band Vice Versa (2012) darauf – und auch zur Sentenz gegeben ist, bleibt das Urteil letztlich offen, wird die Entscheidung nicht gefällt, führt die Sprache Gerard Kanduths in jene Zwischenräume des menschlichen Lebens, die weder durch Paragraphen noch durch künstliche Intelligenz erfasst und reglementiert werden können.

computerfrage: „soll dieses / schöne gedicht / wirklich / in den papierkorb / verschoben / werden // ja“
word fragt nochmals: „soll dieser gelungene text wirklich / gelöscht werden // ich weiß nicht“

Lieber Gerard, diese Entscheidung sei dir abgenommen und sie lautet eindeutig: Nein! Nicht löschen! Herzliche Gratulation!“ (© Katharina Herzmansky)

Insgesamt wurden Preisgelder in der Höhe von über 12.000 Euro vergeben.
Für die beachtliche musikalische Begleitung sorgte der Klagenfurter Perkussionist und Klangkünstler Klaus Lippitsch.
www.klauslippitsch.com

STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer zeigte sich erfreut, dass auch
heuer wieder über 240 Autorinnen und Autoren in deutscher oder slowenischer Sprache
am Literaturwettbewerb teilgenommen hätten. STW-Vorstand Mag. Clemens
Aigner sprach von „gesellschaftlichen Verpflichtungen der Stadtwerke“, zu denen auch der
„Kärntner Lyrikpreis“ zählt.
Dieser gilt bereits als Fixstern im österreichischen Kulturgeschehen und wurde selbst schon dreimal ausgezeichnet – mit dem Maecenas in Wien und Ossiach. Nächstes Jahr feiert der Preis sein 10-Jahr-Jubiläum.

Die unabhängige Jury bestehend aus: Vorsitzender Dr. Günter Schmidauer, Büchnerpeisträger
Dr. h. c. Josef Winkler, Mag. Katharina Herzmansky, Ilse Gerhardt, Mag. Dr. Richard Götz und STW-Unternehmenssprecher Harald Raffer (ohne Stimmrecht).

Bildtexte:

Gruppenbild mit Siegern (v. l.): Moderator STW-Unternehmenssprecher Dr. Harald Raffer, STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer, Mag. Wolfgang Oertl (3. Platz), die glückliche Siegerin Monika Grill mit ihrer Glas-Trophäe, Barbara Juch (2. Platz) und STW-Vorstand Mag. Clemens Aigner. Der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ wurde heuer bereits zum neunten Mal verliehen.

Bild 2: Ehrung für sein Lebenswerk: Der Landtagsabgeordnete Mag. Markus Malle (li) überreichte dem Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter den Ehrenpreis des Landes.

Bild 3: Die Klagenfurter Stadträtin Ruth Feistritzer übergab dem Klagenfurter Dr. Gerard Kanduth (ehemaliger Präsident des Kärntner Schriftstellerverbandes) den Preis der Landeshauptstadt

Fotos © Konitsch/STW KLAGENFURT/ KK
Porträtfoto (c) Hannes Pacheiner/KK

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