„Literatur ist gefordert wie selten zuvor“ – IG- Autorinnen Autoren Generalversammlung

Die IG Autorinnen Autoren Österreich luden Ende Februar ihre Delegierten aus den Bundesländern zur Generalversammlung nach Wien. Geschäftsführer Gerhard Ruiss, Ludwig Laher und Präsidentin Renate Welsh gestalteten zwei informative Versammlungs- und Diskussionstage mit tiefgreifenden Grundsatzthemen und Anliegen für alle, die mit Literatur, Schreiben und Lesen zu tun haben.

Als Präambel zu den Beschlüssen der Generalversammlung wurde folgender Text von Renate Welsh und Ludwig Laher ausformuliert und einstimmig beschlossen:

„Wozu Literatur?
Mauern, Zäune, Abgrenzung, Nationalismus, Protektionismus – einfache Lösungen, deren Unbrauchbarkeit sich mehrfach erwiesen hat.
Eine radikal reduzierte Sprache, aggressiv, verächtlich machend, selbstherrlich, wehleidig, voll wirklicher Lügen, die sich als alternative Wahrheiten tarnen.
Das Schüren von Feindbildern und Angstmacherei verhindern konstruktive Auseinandersetzung und führen zur Akzeptanz autoritärer Strukturen.
Literatur steht für differenzierte Wahrnehmung, Abwägung und Gestaltung, für das Sichtbarwerden von Widersprüchen und Herausfordern zu eigenständigen Urteilen.
Literatur ist gefordert wie selten zuvor. Literatur ist nötig wie selten zuvor.“

Hauptthema war u.a. die Kritik an der Bildungspolitik, die in der letzten Zeit in Österreich falsch zu laufen scheint, sollen doch – um nur ein Beispiel zu nennen – laut Vorschlag von Bundeskanzler Christian Kern die Gratisschulbücher durch Laptops in den Klassen ersetzt werden. (sic!). Die Bildungspolitik gehe zu Lasten des Unterrichts, das viel gepriesene Modulsystem in den Oberstufen beschränke jede Art von Akzenten und wirke einschränkend. Immer lauter werden daher die Stimmen, die einen qualifizierten Deutschunterricht fordern. Daher wurde auch von der GV die Forderung aufgestellt, den Begriff „Deutsch“ des Lehrfaches in „Deutsch und Literatur“ umzubenennen, damit die Bedeutung des Faches von dem reinen Spracherwerb auf die Literaturgeschichte und Entwicklung ausgeweitet und festgeschrieben werde. „Lust an der Literatur“ solle auf verschiedenen Ebenen gefördert werden: Besonders wichtig sind altersgerechte Texte in Buchform, die bereits in der Volksschule gelesen und diskutiert werden sollten. Dabei sollte nicht vergessen werden, die Öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen.
Die Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Renate Welsh, bringt es exakt auf den Punkt: „Alles, was der Literatur Raum wegnimmt, ist bedenklich für die Demokratiepolitik!“.
Leben in der Sprache sei eben nicht nur die reine Verständigung, Literatur müsse daher im Angebot gehalten werden. Die Schule sollte eben nicht allein die Fähigkeiten, sondern die Bedeutung als Mensch und die Würdigung jedes Einzelnen vermitteln.

Über die IG-Projekte berichtete Gerhard Ruiss: Zu den Großprojekten zählt die Funkhaus- Anthologie der IG, zu der alle Autorinnen und Autoren in Österreich aufgerufen werden, einen halbseitigen Beitrag zu leisten, der in einem Geschenkband für Politiker veröffentlicht werden wird. Weitere Projekte sind die Teilnahme an den Buchmessen Leipzig, Frankfurt und Buch Wien mit dem Liveprogramm LITERADIO (Buch- und Themenpräsentationen). Der Vertrag mit den Bedingungen der IG- Österreich läuft bis 2018.
Herausgegeben wird 4 x im Jahr die Informationszeitschrift „Autorensolidarität“, die mit einer Übersicht von Stipendien und Preisen einen sehr guten Überblick für österreichische Ausschreibungen bietet. Zudem werden den registrierten Mitgliedern Rundmails gesendet und jährlich ein Katalog über österreichische Neuerscheinungen erstellt (DIE LITERTUR der österreichischen Kunst,- Kultur- und Autorenverlage).

Die IG organisiert Proteste und verfasst Resolutionen, um die oft aussichtslose Stellung von Kunst, Kultur und Literatur zu unterstützen. Aktuell wird ein Aufruf der IG verbreitet, der das Investorenprojekt am Wiener Heumarkt (1030 Wien) stoppen soll.:

„Das Ringstraßenareal mit seinem weltweit einzigartigen Wechsel zwischen freien Flächen und repräsentativen Bauten soll für spekulative Neubauten geöffnet werden. Im Kernbereich des Welterbes, direkt am Wiener Heumarkt, zwischen dem Wiener Konzerthaus und dem Wiener Stadtpark , soll ein Luxuswohnturm entstehen…“ Letztendlich wäre das dann ein Startsignal für einen Ausverkauf der gesamten Ringstraßenanlage und führte zu einer Aufhebung des UNECO- Welterbe-Status von ganz Wien. Für wen wird da eigentlich gebaut? Für die Wiener und Wienerinnen sicher nicht. Gefordert wird daher der sofortige Stopp des Umwidmungsverfahren, Einhaltung der UNESCO-Auflagen und die freie Zugänglichkeit um das Gelände des Wiener Eislaufvereins.

Die IG nimmt kritisch Stellung zur sogenannten „Medienförderung neu“:
„Die IG Autorinnen Autoren nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass Medienförderungen in Zukunft ohne andere „Qualitätsnachweise“ als Beschäftigungszahlen und dergleichen vorgenommen werden sollen.“ Die IG weist darauf hin, dass Qualität auch bedeuten muss, was wie in den Zeitungen steht und fordert als Mindeststandard für Förderungswürdigkeit eines Mediums nicht nur die Zweckgebundenheit der Förderung an die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze, sondern zumindest auch an die Existenz einer hauseigenen Qualitätskontrolle durch Korrektorate und Schlussredakteure.

Weiters wurde eine Stellungnahme zur geplanten Urheberrechtsnovelle verfasst, der die Generalversammlung einstimmig zugestimmt hat. Dabei geht es in erster Linie um „faire Verträge mit Urhebern und ausübenden Künstlern über die Vergütung“.

Die Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren) wurde 1971 als gemeinsame Verhandlungsdelegation österreichischer Schriftstellerverbände gegründet und 1981 als eigenständige Organisation mit derzeit rund 3.800 Mitgliedern und 70 Mitgliederverbänden neu aufgebaut.
http://www.literaturhaus.at/index.php?id=6541

Kontakt: IG Autorinnen Autoren Seidengasse 13, A-1070 Wien
Tel: +43/(0)1/526 20 44-13 (Gerhard Ruiss: DW -35)

Foto © Gabriele Russwurm-Biro, Geschäftsführer Gerhard Ruiss und Präsidentin Renate Welsh im Literaturhaus Wien auf dem Podium der GV-Tagung in Wien

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