„Leih mir dein Ohr!“ – Veranstaltung MKT und Freunde lesen am Wörthersee

SOMMER UND ANDERE GEFÜHLE war das Motto der Veranstaltung Marlies Karner-Taxer und Freunde lesen Anfang Juni im Strandcasino Werzer am Wörthersee. Fünf Frauen dieser Literatur-Arbeitsgruppe, die sich unter der Leitung von Marlies Karner-Taxer zu einer Frühsommer-Lesung zusammengefunden hatten, gaben in ihr literarisches Schaffen Einblick. Im Mittelpunkt stand der Sommer, der Bogen spannte sich von Lyrik bis zur Prosa, von Gedichten zu Kurzgeschichten, Momentaufnahmen und Naturimpressionen. Innere Befindlichkeiten und äußere Eindrücke wurden von den Autorinnen verarbeitet und in einer literarischen Form dem Publikum zugänglich gemacht. Es stecken sehr viele tiefe Empfindungen und Lebenserfahrung in den Werken, die zum Großteil noch unveröffentlicht sind.

Helga DREXLER

Sie steht mit beiden Beinen mitten im Leben, verwurzelt durch ihre Beschäftigung in der Erwachsenenbildung, die auch ihre Berufung ist.
Das Spiel mit Worten, der achtsame Umgang mit der Sprache, die unerschöpfliche Möglichkeit, Gedankenspinnereien, die Phantasiereisen ihrer Seele mit anderen zu teilen, fasziniert und inspiriert sie seit ihrer Jugend. In emotionalen Ausnahmesituationen ist das Schreiben ihr Ventil, ihr Befreiungsschrei und gleichermaßen ihre Kraftquelle, ihre Rüstung.

Textprobe
„Leih mir dein Ohr, folge mir, lass dich entführen; verzaubern von Buchstaben, die noch in der Luft hängen, den sprunghaften Gedanken ein Bild zu geben versuchen, sich in Silben finden, auflösen, zu Worten formatieren um tänzelnde Ideen in schwingende Sätze und mitreißende Melodien zu verwandeln.
Betrachte meine Bilder und lass dich durch die Magie der Worte in dein ganz persönliches Erleben, deine Zauberwelt entführen.“ (© Helga Drexler)

Gertraud HOLZFEIND

Schon als Kind hat sie alles verschlungen, was ihr an Lesestoff unterkam: Von Reader’s Digest über Karl May, von Shakespeare bis Raimund. Mit 15 entdeckte sie Hermann Hesse, Thomas Mann und Bert Brecht – sie waren eine Offenbarung.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie an ihre erste große Liebe, fein säuberlich getippt und gebunden. Vor wenigen Jahren erfuhr sie, dass er sie immer noch hat.
Regelmäßig zu schreiben begann sie erst vor einigen Jahren, seit neben dem Beruf nicht mehr Familie und Haushalt ihr Leben bestimmen, sondern ihre Freizeit wieder zunehmend ihr gehört.

Textprobe
„Es ist ein verstörendes Gefühl, das ihr Leben beherrscht. Es stammt aus einer Zeit vor ihrer Erinnerung, bevor ihr Verstand beginnen konnte, Dingen und Ereignissen im Erinnern nach und nach ihre Schärfe zu nehmen. Sie steht in ihrem Gitterbett mit zur Tür gestreckten Armen und schluchzt und ruft nach ihrer Mutter, der Allmächtigen. Sie weiß nicht, was sie falsch gemacht hat und will nur eines, dass die Mutter wieder gut ist. Aber die ist unerreichbar und die Ohnmacht hat Zeit, sich in ihr auszubreiten und eine tiefe Spur zu hinterlassen. Dass die Mutter irgendwann wieder das Zimmer betritt und ihr Mädchen, das jetzt brav sein will, in die Arme nimmt, ist schon nicht mehr wichtig. Die Verwandlung hat stattgefunden.“
(Auszug aus einer gerade entstehenden Erzählung) (© Gertraud Holzfeind)

Marlies KARNER-TAXER

Bereits in jungen Jahren hat es ihr unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Geschichten zu Papier zu bringen. Zehn Jahre lang war das Schreiben journalistisch zu ihrem Brotberuf geworden, erst 2013 hatte sie begonnen, literarisch zu schreiben.
Kurzgeschichten, Lyrik und der Text für ein Kärntner Begräbnislied (vertont von Sabine Krammer) sind inzwischen entstanden, die sie immer wieder gerne bei Lesungen vorträgt.

Textprobe
„Stille umfängt mich. Ruhe breitet sich aus in meinem Herz.
Die Spiegelung der Sonne im Wasser erhellt noch ein wenig den nahenden Abend. Ich lächle.
Am Ufer taucht die große Trauerweide ihre Finger in den See, grad so, als wollte sie die Sonne noch eine kleine Weile aufhalten.
Wohltuende Ruhe umfängt mich. Ich atme tief ein. Und aus …“ (© Marlies Karner –Taxer)
Sie las ihre Texte zu Landschafts- und Naturfotografien von den Fotografen Pleschberger und Taxer.

Anneliese MERKAČ-HAUSER

Geboren und aufgewachsen in Wels (OÖ), Studium der Musikpädagogik und Germanistik in Salzburg. Unterrichtstätigkeit an verschiedenen Gymnasien und Musikschulen in Salzburg und seit 1982 in Klagenfurt/Viktring (Instrumentalmusik Klavier).
Ab 1993 Beginn des lyrischen Schreibens im Autorinnenverein „scribaria“.
2011 Herausgabe des Buches „Samt und Leinen“ im Fran Verlag. Veröffentlichungen in den jährlichen Anthologien von „scribaria“.

Die Autorin wünscht keine Textprobe weiter zu geben …

Karin PRUCHA

Die Autorin mit slowenischen, tschechischen und rumänischen Wurzeln ist vielseitig begabt. Neben Coaching, Moderation, unternehmerischem, politischem und journalistischem Engagement sind ihr auch der Flamenco-Tanz und die Energetik wichtig.
Der Bruch der Ehe führte 2009 zur intensiven Wiederbeschäftigung mit ihrer literarischen und künstlerischen Arbeit.
Die erste Gemeinschaftslesung war am 12.12.12 im Klagenfurter Musilhaus, veranstaltet von der Grazer AutorInnenversammlung (GAV) und der IG AutorInnen. Die erste Einzellesung erfolgte 2014 auf Einladung der Klagenfurter Gruppe. Seither nahm sie an vielen weiteren Lesungen teil und arbeitet kontinuierlich an Lyrik, Kurzgeschichten und einem Roman.

Textprobe
„Es war einmal ein kleines Mädchen, das tanzte so gern. Stundenlang übte es vor dem Spiegel, Drehungen, Armbewegungen, schnelle Schritte, tiefe Blicke, und wurde nicht müde. Die Mutter sah gern zu, sie freute sich. Der Vater schlug zu, wenn sie zu euphorisch wurde. Als das Mädchen laufen lernte, lernte sie auch das Davonlaufen. Sie lief in den Spiegel und versank in ihren eigenen Räumen. Wenn draußen der Krieg tobte um ihren Körper, saß ihre Seele geschützt zwischen den Wänden und tanzte. Ihre Bewegungen wurden immer geschmeidiger, und ihre Blicke immer stolzer. Sie drehte sich in ihrem Reich und ihr Körper wuchs mit ihren Wünschen.“ Aus: „Die Parabel vom kleinen Mädchen und den Zwischenwänden der Seele“ (© Karin Prucha)

Mit viel Einfühlungsvermögen und Hingabe umrahmten Jasmin DANIEL und Leonie FUGGER auf ihren Harfen die Texte und entführten die Zuhörer in eine Zauberwelt.

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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