„Die Wege des Bären sind unergründlich“ – Gerhard Benigni mit seinem Buch auf dem Weg zum Südpol

Auf geht es zur Südpolexpedition! Wir folgen gespannt dem Autor GERHARD BENIGNI auf seinen verschlungenen wortkünstlerischen Umwegen und pointierten Kurzgeschichten auf den putzigen Fußstapfen des USAMBARAVEILCHENSTREICHLERS. Ein süßes, „bäriges“ Geschöpf, als illustres Zeichenwesen, erschaffen von der Kärntner Künstlerin und Designerin LILY PRIL, selbstverständlich in Lila, wie eben echte Usambaraveilchenstreichler aussehen müssen.
Das vorbildgebende Usambaraveilchen stammt aus den Usambara-Bergen in Tansania und ist giftig und lila (in mehreren Schattierungen). „Wussten Sie, dass Usambaraveilchen sehr viel Zuwendung brauchen? Gelegentliche Ansprache. Hie und da einen Drink spendieren. Regelmäßige Streicheleinheiten. Sonst entblättern sie sich.“

So bereitet der Villacher Autor Gerhard Benigni sein Publikum auf sein soeben erschienenes (zweites) Kurzgeschichten-Buch „Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol“ (Verlag SchriftStella – Karin Gilmore, Villach 2016) vor – Streicheleinheiten inbegriffen und alles auf eine phantasievolle Expedition auf den Südpol ausgerichtet. Nach seinem Kurzgeschichten-Erstlingswerk „Fertigteilparkettboden. Im Niedrigenergiehaus“ (Malandro-Verlag, 2015 Klagenfurt) setzt nun der Wortjongleur zur Reise ans Ende der Welt mit einem charmanten Streichelwesen.

Aber die große Benigni-Fangemeinde braucht keine Schmeichler oder Streichler, sie will Benigni live, cool, lustig. Wer also auch noch nie am Südpol war, für den wird es höchste Zeit. Der kann sich nun mit BENIGNI auf den Weg machen.

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26 Kurzgeschichten sind in seinem Band versammelt. Zur Erstpräsentation des Buches gab BENIGNI einige Geschichten zum Besten. Im randvoll gefüllten Kulturhofkeller in Villach wurde die Lesung zum wahren Expeditionsereignis. Die Stimmung war im Vorhinein so gut, dass es der assoziativen Lilaeffekte, originalen Usambaraveilchen und lebensgroßen Stoffeisbären in Wahrheit gar nicht bedurfte.

BENIGNI ist ein Autor, der „Zwetschkenröster“ in wenigen Worten als Beruf (ung) beschreiben kann ohne mit der Wimper zu zucken, aber mit einem Augenzwinkern. „Überhaupt sind Zwetschkenröster schnell gekränkt, wenn ihnen die Kernkompetenz abgesprochen wird“ (S 33).
Seine Wortspiele, Assoziationen und Doppeldeutigkeiten beinhalten kabarettistische Qualitäten, die das Publikum sehr schätzt und in Erwartung dessen, was da kommen mag, schon vor dem ersten gesprochen Satz lacht. Das macht es dem Schriftsteller nicht immer leicht bei der Sache zu bleiben.
Titel wie „Der Unmut zur Gedächtnislücke oder was ich noch schnell wollte, bevor ich“ (S 27) oder „Die Trauer von Welsbach oder keine Hochzeit und ein Todesfall“ (S 87) leiten den Leser oder Zuhörer in Geschichten voller unerwarteter Wendungen und alltäglicher Unauffälligkeiten, die zum Staunen verleiten und natürlich zum Lachen. Zumindest ein Schmunzeln ist dem Autor sicher und so gewollt. Es gibt keine Benigni-geschichte ohne Pointe oder gleich mehrere Pointen. Seine todernste Miene und das Bemühen nicht lustig zu sein heizen die Stimmung bei seinen Lesungen an, die eigentlich Performances im besten Sinne sind.
Musikalisch begleitet von dem bekannten Musiker und „Kulturarbeiter“ Christian Lehner (Gitarre), der sich als Austro-Pop-Interpret, einen Namen gemacht hat, ergibt der Vortrag der „kurz-aber-heftig“-Geschichten ein rundes Bild vom (imaginären) Südpol, der uns allesamt umschließt, und sämtlichen eingeplanten und unvorhersehbaren Eventualitäten, die einem so begegnen könnten auf dem Weg dorthin.

Christian Lehner
Christian Lehner

„Fahren Sie nicht über Pritschitz. Und ziehen Sie sich warm an. Oder machen Sie es sich kuschelig.“ Lautet die Devise zur BENIGNI-Buchbenützung. Kurz gesagt: die Gebrauchsanleitung zum Lesen. Geschichten wie „Alles Müller, oder was?“ (S 67) oder „Der Selbstfindungstrip des Herrn Gruber“ ( S 73) ziehen alle Register des mittlerweilen wohlbekannten und vertrauten Benigni-Œuvres. Kurze Sätze, Pointen, Wortspiele. Seine Protagonisten sind streichelweiche Antihelden, geschundene Alltagsritter, sympathische Verlierer, verwirrte Suchende. Nichts ist ihm heilig (?), vor keinem sprachlichen Tabu macht BENIGNI halt – auf seine eigene, charmante Art, die zum Markenzeichen avanciert ist.

„ES IST EIN ROSS ENTSCHWUNDEN. Bethlehem anno null. Wir schreiben den 23. Dezember. Josef ist Zimmermann. Maria hochprägnant. Nicht von Josef. Der nagelt nur Dachschindeln. In Bethlehem steht das Event des Jahres vor der Tür. Die Uraufführung von „Jesus Christ Superstar“. Natürlich in der Originalbesetzung….“ (S 199).

Zum Verinnerlichen gibt es bei BENIGNI eben nicht nur den vermeintlichen – daher auch innen angebrachten – Klappentext, sondern wie schon erwähnt, insgesamt 26 Geschichten auf dem Weg zum Südpol. Wir hoffen, Ihr Usambaraveilchen, das Sie sich nun sicher zulegen werden, hält die Reise durch!

http://www.gerhardbenignialleineistdochvielzukurzalshomepagename.at/

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Gerhard Benigni
Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol
Illustration: Lily Pril
Grafik: Christina Taupe
Verlag: SchriftStella – Karin Gilmore
Taschenbuch 204 Seiten
ISBN: 978-3-9504167-0-1
14,90 €

Erhältlich direkt bei SchriftStella unter:
stella@schriftstella.at

Alle Fotos © SchriftStella

Ich danke Gerhard Benigni und Karin Gilmore für das Rezensionsexemplar.

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