ANTONIO FIAN – Meister des Dramoletts feiert seinen 60. Geburtstag

Das Musil-Institut der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt veranstaltete eine Feier zum 60. Geburtstag des in Kärnten geborenen Literaten Antonio Fian. Es war nicht nur eine Lesung aus dem soeben neu erschienen Dramolettenband Fians „Schwimmunterricht“ (Droschl, 2016), sondern auch eine amikale Laudatio von Gustav Ernst, langjährigem Freund, Autor und KOLIG-Literaturzeitschrift-Herausgeber – selbst ein Meister der feinen Klinge der Zwischentöne.

„Lieber Toni! Ich bin der Einzige, der dich so nennt!“, beginnt Gustav Ernst seine Laudatio. Mit der liebevollen Kurzform „Toni“ wurde Antonio Fian, als er 1976 als junger Mann nach Wien kam, kurzerhand von Gustav Ernst „eingewienert“. In diesen frühen Jahren traf sich der damalige „Wespennest-Herausgeber“ mit vielen jungen Autoren. Im Café Hummel in der Josefstädter Straße im 8. Bezirk wurden die Nächte lang. „Wir blödelten und zogen alles und jeden durch den Kakao, exzessiv mit Verschmähungen und Verunglimpfungen. Wir hatten es sehr lustig. Fian schrieb damals Gedichte“ , berichtet sein Wegbegleiter und Mentor Gustav Ernst.

Die Lust am Komischen hätten sie gemeinsam, Gustav Ernst und Antonio Fian, ebenso „die Lust an Kitsch und am Tiefsinn, die sich gegen Dummheit und Ignoranz richten“. Das Bloßstellen und Abreagieren hätten sie auch in der Praxis fleißig geübt.
„Es wäre schlimm,“ schreibt Walter Fanta bereits im Jahr 2007 zu den Dramoletten Fians, „würde Fian aufhören, uns Österreicher und unser österreichisches Leben mit seinen Dramoletten zu begleiten.“ Fian selbst sieht in seinen Minidramen, die er als gleichberechtigt mit Gedichten und Erzählungen sieht, nicht bloß einen witzigen Kommentar oder eine Glosse zur Tagespolitik, er sieht sich in der Tradition der Satiren eines Karl Kraus und eines absurden Theaters von Samuel Beckett.

In den Erzählungen Fians spielen Komik und Leichtigkeit eine große Rolle. Seine Dramolette zur Lage der Nation sind zahlreich in den Medien (Der Standard) erschienen.
http://derstandard.at/r5244/Antonio-Fian-Dramolette

Jetzt ist ein neuer Band (VI) bei Droschl herausgekommen, aus dem Antonio Fian einige seiner Milieustudien und Familienaufstellungen vorträgt. Wie alle 5 Dramolette-Bände davor, sind sie das Ergebnis privater und öffentlicher Ereignisse. Gustav Ernst charakterisiert das so: „Zwielichtiges neu erzählt von gemeinen und gefinkelten Querulanten. Unverschämt wird die Wirklichkeit offenlegt und dem Leser rücksichtslos aufs Auge gedrückt.“ Denn: „Das Erkenntnislachen ist das schönste Lachen“, betont der Laudator.

Fians virtuose Komik entstehe, „durch den Einsatz von Kontrasten, eine Art Direktmontage, durch das Wichtignehmen einer offensichtlichen Nebensache, durch die Technik der Wiederholung, wörtliches Zitieren in einer Mundart, durch die Technik der Verkürzung und nicht zuletzt der Übertreibung“.
Kann Antonio Fian nach vielen Dramoletten, die er seit ungefähr 25 Jahren in verlässlicher Regelmäßigkeit in Zeitschriften und Büchern veröffentlicht, noch immer überraschen?
Je länger wir Fians Minidramen folgen, desto genauer hören wir, wie man in Österreich spricht: in Wien, in Kärnten…. (der Ur-Wiener, der Ur-Kärntner…..).
Die einen reden viel zu viel – die anderen wiederum fast gar nichts; und in allen Fällen wird durch die Kunst des Autors hörbar, was offenbar nicht gesagt werden kann oder darf.

„Möge dir dein aufsässiger Witz auch in den nächsten 60 Jahren nicht abhanden kommen!“ meinte abschließend Gustav Ernst und das hoffen wir selbstverständlich alle mit ihm.

Blog-Fian-Porträt-groß

Antonio Fian, geboren 1956 in Klagenfurt, lebt seit 1976 in Wien. Er ist Autor von Romanen, Erzählungen, Essays und den sog. Dramoletten, Minidramen, mit denen er in unregelmäßigen Abständen überwiegend in der Tageszeitung »Der Standard« das österreichische Kultur- und Geistesleben kommentiert.
Für sein Werk wurde ihm 1990 der österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik, außerdem u. a. der Johann-Beer-Literaturpreis (2009) und der Humbert-Fink-Literaturpreis (2014) in Klagenfurt verliehen. Mit seinem Roman „Das Polykrates-Syndrom“ (Droschl, 2014) war er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Antonio Fians Texte von der durch ihn erst definierten Gattung »Dramolett« leben im ständigen Spannungsverhältnis zwischen Literatur und Wirklichkeit. Seine Prosa bemächtigt sich in realistischer Manier der ganz konkreten Ereignisse, um sie unversehens zu Versatzstücken seiner literarisch-satirischen Absichten zu machen.

http://www.droschl.com/buch/schwimmunterricht/

Gustav Ernst, geboren 1944 in Wien, lebt als Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor ebendort. Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik. Seit 1997 Herausgeber der Literaturzeitschrift „kolik“ (gem. mit Karin Fleischanderl). Als Autor zuletzt ausgezeichnet mit dem Preis der Stadt Wien für Literatur (2013).

Alle Fotos © Gabriele Russwurm-Biro

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