Monat: März 2017

Ein Fest der DichterInnen auf dem Prešernov trg in Ljublijana – die dritte Dichterfahrt aus Klagenfurt feiert mit den Nachbarn den Welttag der Poesie

Mit der Kraft der Schreibfeder jedes Einzelnen der (bisher) drei Dutzend Künstler, die mit Ljubljana in Dialog treten wollen, sollen die auftürmenden Barrieren zwischen den beiden Städten endlich abgebaut werden. Die Künstler, die sich KAUS/a; Kärntner Autoren Solidarität in Aktion nennen, wollen auf ihre Art eine Partnerschaft zwischen Kärnten und Slowenien herbei schreiben.

Am Welttag der Poesie machte sich wieder eine Dichterinnen- und Dichtergruppe auf, um in Ljubljana gemeinsam mit den slowenischsprachigen KünstlerkollegInnen zu feiern.

Weltenwandern (Auszug) ( von © Monika Grill)
Und die Reise geht weiter. Worte verknüpfen sich, ziehen mich vorwärts, in die Zukunft, ziehen mich rückwärts, in die Vergangenheit. Beschreiben eine Welt, die es nicht mehr gibt, die aber noch immer in mir lebt. Beschreiben ein Ich, das ich nicht mehr bin und das doch in mir zuhause ist. Sie halten sich nicht an die Gesetzmäßigkeiten der Zeit, meine Worte.
Buchstabe reiht sich an Buchstabe, eine Tintenschlange, die sich in den Schwanz beisst und den Kreis der Undendlichkeit formt. The circle of infinity. Der Lebenskreis, der Ewigkeitskreis.
 
Ein Blumenkranz aus Worten, aus Maiglöckchen, Margeriten, Veilchen, Flieder, zusammengebunden, aufs Haar gelegt, in die Stirn gedrückt.
Ich rieche Sommer, Frühling. Summer. Spring. Autumn.
Der Herbst kommt, die Blüten verwelken, fallen zu Boden, verwehen im Wind.
 
Ich suche nach den verlorenen Worten, hier, in der Ewigkeitsgasse, unter dem ehemaligen Klopfsteinpflaster, im Wasser des Alserbaches, der in Betonröhren gezwängt vom Wienerwald träumt, und von den unzähligen Fischen, die sich einst unter dem Wiener Nachthimmel tummelten, der schwarz sein sollte, sternenbesät. Aber es nicht mehr ist.
 
Ich schau hinauf.  Erinnere mich.
Sky sage ich, und der Himmel öffnet sich und wird eins mit dem Weltraum.  Ich sage heaven, und wir sitzen unter einer Kuppel aus Blau, von der die Gestirne wie Lampen hängen und die Welt beleuchten, die eine Scheibe ist. Ich gehe an die Grenzen, überschreite limits, stoße an borders. Ich bin 32, thirty two, ich fliege nach Mexiko, um nach einem Österreichbesuch über Tijuana einreißen zu können. Illegal. Illegal immigrant. (© Monika Grill)

Ljubljana (von © Karin Prucha)

Die drei Wege führen nicht zum See, sondern über den Fluss, der der Stadt den Namen gab. Ljubljanica, der heilige Fluss der sieben Namen, unterirdisch kommend aus dem Karst, fließt er glänzend grün durch Ljubljana.

Das prägt die Stadt, was für eine fließende Stadt, in jedem Sinne, die ich mit meinen dichtenden KollegInnen am Tag der Poesie am 21. März besuche. Wir kommen mit dem Dichterbus, und erobern uns die Stadt zu Fuß. Ich kenne Ljubljana schon über 30 Jahre, welche Veränderung zum Lebendigen, zur Farbe, zum Genießen zu spüren ist. Über dem Marktplatz neben dem Fluss liegt der Duft von gebratenem Fisch, dem wir nicht widerstehen können. Die Buntheit von Obst und Gemüse lockt direkt daneben, die vielen Menschen, die Heiterkeit. Wir flanieren durch die Altstadt, zur Gänze autofrei und Fußgängerzone. Elektrische kleine Busse bringen einen weiter, wenn die Füße nicht mehr wollen. Die Architektur der alten Gebäude beeindruckt wie die vielen großzügigen Plätze und Parks, die ein Gefühl von Freiheit vermitteln.
2016 wurde Ljubljana als grüne Hauptstadt Europas ausgezeichnet, und das bestätigt den eigenen Eindruck, die vielen Bäume, in den letzten Jahren tausende neu gesetzte, lassen durchatmen. Die Stadt ist in Bewegung, auch kulturell, an der glitzernden Ljubljanica entlangschlendern, von einem Lokal zum andern, von einer Galerie zur anderen, die schon zartgrünen Frühlingsäste wehen im Wind, der grüne Drache begrüßt uns auf unserem Weg. Das Wappentier ein Drache wie in Klagenfurt, im Moor um Ljubljana lebend.

Der Sage nach wurde Ljubljana vom griechischen Argonautenhelden Jason gegründet, auf der Flucht mit dem geraubten Goldenen Vlies verirrt von der Ljubljanica mitgenommen und beim Drachen gelandet.

Wir landen wieder an der Tromostovje, den Drei Brücken, vor Jahrhunderten war dies eine der wichtigsten Wegkreuzungen in Europa, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Der slowenische Architekt Jože Plečnik hat die Brücke vor 85 Jahren um die zwei kleineren Fußgängerbrücken erweitert und die Pappeln anpflanzen lassen, es ist derselbe, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zahlreiche Bauten und Plätze mitgestaltet hat. Die Drei Brücken führen direkt zum Prešernov trg, dem Platz des slowenischen Nationaldichters France Prešeren. Vor 185 Jahren lebte er eine Zeitlang in Klagenfurt, nachdem er in Wien studiert hatte. Unsere Region ist miteinander verbunden, durch die Geschichte, durch die Gegenwart, durch die Menschen.

Nun wird es Zeit für unsere Lesung, aber wir müssen uns gedulden, heute, am Tag der Poesie, lesen hier auch junge slowenische LyrikerInnen. Auf dem Denkmal sitzend, lauschen wir ihnen. Das Lauschen in Ljubljana, wie viel man hört, wahrnimmt, sieht, wenn man diese Stadt durchquert. Geliebte Stadt, die andere Erklärung für den Namen Ljubljana, wie stimmig. Bald sollten weitere Begegnungen folgen mit unseren slowenisch dichtenden KollegInnen, aus Kärnten/ Koroška, und aus Ljubljana.

Die Verbindung zwischen Klagenfurt/ Celovec und Ljubljana/ Laibach mit dem Alpen-Adria-Bus sollte nicht abreißen, es sind unsere Nachbarn, sie sprechen dieselbe Sprache wie wir, wie die slowenischen Landsleute in Kärnten, Landessprache. Schön wäre, die kulturelle Vielfalt am Abend erleben zu können, die letzte Busrückfahrt um 17 Uhr ist einfach viel zu früh. Wer weiß, was aus unseren Dichterfahrten noch alles entstehen wird! (© Karin Prucha)

https://www.visitljubljana.com/en/visitors/stories/how-architect-joze-plecnik-shaped-ljubljana-to-become-the-city-with-a-green-soul/?utm_source=FB&utm_campaign=blog&utm_content=plecnik

Vom Gedichtaufsagen und anderen Gerüchen (von © Marlies Karner-Taxer)
 
Schon von klein an hatte ich das besondere Talent, Gedichte rasch zu lernen und auch gut aufsagen zu können. So verschaffte mir mein Vater die ersten Auftritte, um die ich nie gebeten hatte und die ich dennoch in meiner verehrenden Liebe zu ihm ohne Murren absolvierte. Ich war etwa elf, zwölf Jahre alt. Ob Muttertagsfeier, Altenfahrt oder Frühlingsfest für Senioren – mir wurde in der Früh der Zettel mit dem Gedicht in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, es bis mittags oder nachmittags zu können.
  
Am schlimmsten war für mich der Gang durch den Saal. Beim auf-die-Bühne-gehen blieb ich noch relativ verschont, aber der Weg zurück war jedes Mal eine Tortur. So schön aufgesagt, riefen die alten Frauen, zogen mich beim Vorbeigehen an sich, drückten mich an ihren Busen und ein Busserl auf meine Wange.
 
Eine nach der anderen ließ es sich nicht entgehen, ein junges, zartes Körperchen an sich zu drücken und endlich wieder einmal zu einer Umarmung, einer Berührung mit einem warmen Körper zu kommen.
 
Jedes Mal dachte ich, an der aufgestauten Liebe und dem intensiven Geruch nach Urin zu ersticken. (© Marlies Karner-Taxer)

Ein Fest für die Poesie ( von Willi Wolschner)

Am Welttag der Poesie, 21.März 2017, kommen wir zum Denkmal von France Prešeren und Hunderte Menschen bevölkern den Platz. Der Slowenische Rundfunk und das lokale Fernsehen mit einer Reporterin und einem Kameramann sind vor Ort und nehmen eine Literatur-Veranstaltung auf.

Es wird eine öffentliche Lyrik-Lesung abgehalten, deren Teilnehmer ganz junge Dichterinnen und Dichter sind. Sie stehen vor dem Denkmal, vor dem Microfonständer und vor ihnen eine Menge Interessierte.

Einer der lesenden jungen Dichter liest seinen Text von seinem I-phone, was wirklich sehr lustig aussieht.

Leider verstehe ich die Texte nicht, aber ich nehme mir vor die wichtigsten Vokabel vom Slowenischen zu lernen. Viele der vorlesenden Dichterinnen sind auf Fotos festgehalten (Es sind tatsächlich zu 90 % junge Frauen). Eine haben wir vor der Lesung kennengelernt: Ana Makuc mit ihrem Lyrikband „Ljubica Rolanda Barthesa“ (2015) mit Gedichten zu großen historischen Frauengestalten. Sie freut sich ebenso wie wir „Gleichgesinnte“ zu treffen. Und es sind wirklich viele….. (© Willi Wolschner)

https://www.dnevnik.si/1042750422/kultura/knjiga/intervju-z-veronikino-nagrajenko-pesnico-ano-makuc-v-moji-poeziji-ima-zenska-lastno-zeljo

Die Sonne der Nacht (von © Del Vede)

Legen sich die Menschen zum Schlafen nieder,
geschieht etwas mit ihnen.
Manche sind so still und ruhig,
jetzt sind sie Bäume und erinnern sich ihrer Wurzeln.
Andere erstarren zu Stein.
Wieder andere erinnern sich,
einmal ganz bestimmt,
eine Quelle gewesen zu sein,
und sie kehren zurück.
Manche singen wie ein Büschel Gras im Nachtwind,
und es mangelt an nichts.
Andere treibt es ins Wasser fort und fort,
und sie halten niemals mehr inne.
Wieder andere breiten die Arme aus,
um die Erde zu umarmen.
Es liegt niemand an ihrer Seite.

© Del Vede 2017

alle Fotos © russwurm-photography/ w. wolschner
Bildtitel: vor dem Prešeren-Denkmal Lesung mit: (hinten v. li.) Heide Tanzmeister, Karin Prucha, Monika Grill, (stehend) Del Vede, (vorne): Gabriele Russwurm-Biro und Marlies Karner Taxer.
Porträt: Junge slowenische Dichterin: Ana Makuc

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Zu Füßen des Dichters – Die Stadt nicht aus den Augen lassen – Marathon in der Klasse M 70 – Zweite Dichterfahrt nach Ljubljana der KAUS/A

Die Stadt nicht aus den Augen lassen war das Motto der zweiten Dichter- und Dichterinnenfahrt nach Ljubljana organisiert von der Kärntner Autorengemeinschaft KAUS/a im Rahmen des Projektes LAIBACH – WIR KOMMEN! Zur Überwindung der Grenzen zwischen Nachbarländern – Mitte März.
Wir wollen einander besser verstehen – ein wahrer Marathon nimmt da seinen Anfang. Ljubljana ist nicht weit von Klagenfurt, und es hilft wahrscheinlich wenig, immer nur von den guten – oder weniger guten – kulturellen Nachbarschaftsbeziehungen zu den Slowenen zu reden, man muss hinfahren und dort vor Ort Literatur aus Kärnten präsentieren. So möchten wir einen Dialog ins Leben rufen – ganz ohne Politik – nur auf Literatur basierend und dem Willen auf eine grenzenlose Verständigung.
Strahlendes Wetter begleitete die hoch motivierte Dichtergruppe auf ihren Wegen zur Erkundung der Metropole an den Ufern der Ljubljanica. Diesmal stand die Dichterpersönlichkeit France Prešeren im Mittelpunkt, viele Details aus seinem Leben kamen ans Licht – für einen Augenblick.
„Es ist der Beginn der Erkundung einer wunderschönen Stadt in unserer Nachbarschaft. Während man durch die Stadt wandert, erliegt man sehr schnell ihrem Charme. Das quirlige Leben, die vielen jungen Manschen, die vielen liebevoll gestalteten Läden und Cafés erfreuen das Auge. Daneben atmet auch überall die wechselvolle Geschichte dieser alten Stadt. Wie eine lebendige Ader durchzieht auch ein Fluss diese Stadt. An den Uferpromenaden unzählige volle Cafés und Gaststätten, die auf das von der Sonne glitzernde Wasser schauen. Verzaubert sitzt man bei einem Glas Wein und beobachtet die Leute…“ (Willi Wolschner)
Zu Füßen des Dichters (Christine Tidl)
„Zu Füßen des Dichters, seiner Liebe zu Lulija und den Geschichten seiner Stadt begegne ich den vielen jungen Menschen bei Sonnenschein an den Ufern der Ljubljanica. Über die Drachenbrücke hinein in die Altstadt. Strahlend blau der Himmel über barocken Fassaden. Micha, der Zeitungsverkäufer, überrascht mit Witz und spricht meine Sprache. Ein kluger Beobachter der Fremden, die, so wie ich, in dem gemütlichen Café Platz genommen haben. Buntes Treiben drüben am Markt.
Die Frau beim Gemüsestand greift in den Bottich. Eine Handvoll saurer Rüben. Kein Wort zwischen uns. Wir kennen uns nicht. Sie zeigt hin auf den Preis. Wir lächeln uns zu als wären wir alte Bekannte. „Koroška?“ die Frage an mich. In den weichen Lauten, dem Singsang der Sprache schwingt sanft die Melodie meiner Heimat. Ich nicke „Celovec!“ Da lachen wir beide. (©Christine Tidl, März 2017)
Reisen
Wollen
Köpfe
weiten
Gedanken
Können
Worte
Finden
Lieder
Öffnen
Herzen (©Christine Tidl, März 2017)

Im Augenblick (Del Vede)
Vom Kirchturm herabgesehen, auf den nie jemand aufsteigt und die Arme ausbreitet, scheinen diese Häuser ihrer Klobigkeit und ihrer Fassaden leid zu sein, und sie brechen auf – irgendwohin. Etwas Vergessenes erfasst sie von Neuem. Manchmal träumt diese Stadt und ihre Häuser summen und singen und begehren auf. Sie laufen dir über den Weg. All diese jungen Leute in Ljubljana, die hoffen, sich noch heute zu verlieben. Die durch Gassen zappeln und lärmen, dass sie nicht wahrnehmen, wann dieser Augenblick eintritt. Nur einer. Und doch der Erste von vielen. Sie sind von sich selbst und von ihrer Suche überwältigt und halten nicht inne, wenn er endlich eingetroffen ist. Sie gehorchen ihm nicht und der Augenblick streicht an ihnen vorüber. Es wirbeln und wehen so viele durch die leeren Gassen und müssen vergehen. Doch die Häuser haben ein Einsehen und kehren zurück.
Wird ein Augenblick festgehallten, folgt ihm, manchmal, ein nächster augenzwinkernd, noch einer und immer mehr. So sehr wünscht sich ein jeder von ihnen zu bleiben und gedehnt zu werden. Zu einer langen Jahreszeit. So sehr, dass er mit einem jeden vorliebnimmt. Sogar mit dir.
(Nachdem sich Koordinator und Literaturliebhaber Willi Wolschner, der nur auf See vollkommen glücklich ist, an den Häusern von Ljubljana sattgesehen hat, und an der Anmut und Schönheit der Frauen, die diese Stadt bevölkern, blickt er zur Muse des France Prešeren empor, die über dem Hauptplatz schwebt, und greift nach diesem Text. Er kniet sich auf die Stufen des Prešeren-Denkmals, liest vor und lässt die Stadt nicht aus den Augen.)
Mein Laibacher Marathon (Benno Linzer)
„Seit 55 Jahren laufe ich Wettkämpfe, davon fast 300 Marathonbewerbe. Heute dehnt sich vor mir ein Marathon, dessen Strecke ich nicht kenne. Meine Mitläufer sind Dichterinnen, Dichter und Büchernarren. Das kann nicht gut gehen. Dass mir dieser Grenzmarathon alles abverlangt, erkenne ich bereits beim Warmlaufen im Café Angelina neben der Klagenfurt Arbeiterkammer vor dem Bussteig 16 beim Alpe-Adria-Bus. Die anderen trinken Kaffee, scherzen und reden sich warm, laufen aber nicht. Im Bus werden mir plötzlich Grenzen erklärt, in deren Nähe wir gelangen oder überqueren. Die Grenzen der Stadt St. Ruprecht, die des Dorfes Otoce, dieses Inseldorfes mit 18 slowenischen und nur zwei deutschen Hausnamen, na und? das zum Stadtteil Waidmannsdorf wurde. Also daher kommt die Bezeichnung Siebenhügel, nicht von Rom. Die ehemalige Moorgrenze im Kärntner Abwehrkampf. Die Grenze, die man gegenüber Eindringlingen zog, die man vom Turm auf Strasisce, dem Wachtplatz, heute Straschitz mit drei slowenischen Hausnamen, im Blick behielt.
Und noch mehr Grenzen der Wahrnehmung gibt es bis zu den Kosute, den Hirschkühen, wie die Karawanken zuvor genannt wurden. Die letzte Kuh, die „Kosuta“, gibt es ja noch. Dagegen kann ich im Grenzbus der AlpeAdria-Linie nicht anrennen, obwohl es mich als gebürtigen Wolfsberger für 40 Jahre als Gastarbeiter nach Bayern verschlagen hat, blieb ich hier verankert. Dort wurde ich 37 Mal bayrischer Meister. Auf den Laufstrecken musste ich sogar gegen Wildschweine anrennen, während mich dieser Bus mühelos über all diese Grenzen rollt. Bei der Autobusna Postaja geht es wieder nicht los, weshalb ich meinen Mitläufern über die Sportlerehrung in Wien zum Endstand 2016 berichte. Erster Platz in der Klasse M 70 (siebzigjährige Männer). Im Wettkampf mit allen, insgesamt 11.632 Läufern, allen jüngeren eingeschlossen, erreichte ich den 47. Platz.
Auf dem Weg zum Begrüßungskaffee im Union in der Miklosiceva fordere ich die anderen heraus: 6000 Kilometer laufe ich ungefähr im Jahr – und Ihr, meine Lieben? Viermal absolvierte ich bereits 100-Kilometer-Läufe – und Ihr? Die längste Strecke lässt mich 164 Kilometer lang nicht los. Da läufst du auch nachts, und Ihr? Bei diesem Marathon laufen wir gemeinsam und sprechen mit allen, die wir treffen, bis sich alle besser verstehen. Wir wollen nicht ein jeder für sich und vor den anderen gewinnen. Wir wollen einander besser verstehen!“

Der Feuervogel / ENGELSCHREI (DEL Vede)
Ich bin das Licht, das gut ist, weil es böse ist.
Du läufst ihm davon und entkommst ihm doch nicht.
Suche nicht.
Du erblickst nur einmal: mich!
Ich entzünde, was gerade ist.
Ich verbrenne, was einmal war.
Damit alles endlich gewesen ist.
Brenne, brenne Gegenwart.
Sie ist nicht mein Ort.
Sie ist nichts.
Das gilt auch für dich.
Im Lichte meiner Aufmerksamkeit verglüht dein Licht.
Suche mich nicht.
Ich fand dich schon lange. (© Del Vede 2017)

Für diesen Text, einem Engelschrei, betätigte sich Christine Tidl als Vorleserin. Sie trug ihn als Vorschau auf ein Literaturcafé LITERANA KAVARNA in Klagenfurt und in Ljubljana vor, welches einige Dichterinnen und Dichter der KÄRNTNER AUTORENSOLIDARITÄT in Aktion KAUS/a vorbereiten und am liebsten mit Unterstützung des Kärntner Kunstvereins durchführen möchten.
Foto © Gabriele Russwurm-Biro
Bildtitel: AutorInnengruppe vor der Abfahrt in Klagenfurt /Busbahnhof: Benno Linzer, Willi Wolschner, Christine Tidl und Organisator Del Vede (v. li.)

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Frauenzimmer – Ein literarischer Reigen von IG-Autorinnen Kärnten zum Internationalen Frauentag

Zum traditionellen Literatur-Event im Klagenfurter Musilhaus lud am Internationalen Weltfrauentag (8. März 2017) die engagierte Obfrau der IG-Autorinnen Autoren Kärnten, Ilse Gerhardt, 14 Kärntner Literatinnen (IG-Autorinnen) zum Lesemarathon. Thema des Abends war selbstverständlich ein weibliches, egal in welcher Art und Weise, erlaub ist, was gefällt und den Literatinnen auf der Seele liegt. Dafür standen knappe 5 Minuten zur Verfügung. Frauen machen Frauenliteratur und Frauenthemen zum Inhalt dieses Abends.

Begonnen hat den weiblichen Literaturreigen die wohl jüngste Kärntner Autorin, die 15-jährige Irina Antesberger. Sie las einen spannenden, sehr bewegten und heiteren Ausschnitt über Eigenheiten von Primadonnen und anderen Theaterereignissen aus ihrem Debütroman „Wenn der Vorhang fällt“ (Memorien-Verlag, 2016).

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/kaerntnerdestages/5151856/Kaerntnerin-des-Tages_Irina-Maria-Antesberger_Eine-vielseitige

Ausnahmetalent Rebekka Scharf aus St. Stefan im Lavanttal trug ihren starken Text mit bedrückenden Kindheitserinnerungen sehr beeindruckend vor. „Einmal Eselsbank – immer Eselsbank“ über Ausgrenzung im Kindesalter.

Danach folgte die Geschichte über den Hirtenjungen Tajos von Autorin Christine Tidl aus Seeboden vor dem Hintergrund eines ihr besonders lieben Themas: Afrika und die Massai.
Sie ist Mitglied des Verbandes Steirischer Autoren, Mitglied der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg, und der Christine Lavant-Gesellschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen ua. der erste eigene Lyrikband „und meine Träume schreib ich in den Wind“

Gisela Unterberger aus Hermagor las Gedichte vor, die als lyrische Milieustudien eines Lebens angelegt waren. Sie ist Mitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes.

Die zweisprachige Literatin Luise Ruhdorfer aus Finkenstein veröffentlicht wissenschaftliche und literarische Texte in Deutsch und Slowenisch. Sie las aus ihrer Studienchronik über Schicksale frühverstorbener Frauen, die ihre Kinder zurücklassen haben.

Die Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin Betty Quast aus St. Veit an der Glan las aus ihrem Lyrikband „Endzeit“, der kurz vor der Veröffentlichung steht, Gedichte aus der Sammlung Marzahn (Erinnerungen aus der Hochhaussiedlung in Berlin) „vom Leben in den Wracks der Moderne“. Sie ist als Vorstandsmitglied des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes Mitorganisatorin des Alpen-Adria-Symposiums des KSV in Gmünd, das heuer Mitte Oktober stattfinden wird, und betreut und baut die Kontakte zwischen den Literaturgesellschaften und Interessensverbänden in Tirol, Südtirol und Osttirol auf.

http://literatur.report/berichte/leih-mir-dein-ohr-lesung-der-kaerntner-schreiberlinge-am-woerthersee/

Dagmar Cechak aus Klagenfurt präsentierte ihren lyrisch gehaltenen Prosatext „Schneeblut“ mit sanften Stimmungsbildern und anschließend eine kurze kritische Darstellung über die männliche Eitelkeit, die das Publikum zum Schmunzeln brachte…

Die aktuelle Kärntner Lyrikpreisträgerin der STW-Klagenfurt, Monika Grill, aus Viktring bei Klagenfurt, trug sehr pointiert eine Hommage zum Weltfrauentag vor über die verschiedenen Tage und ihre Widmungen – Alltägliches und Besonderes – und mitreißend. Sie engagiert sich als Schriftführerin im Vorstand der IG-Autorinnen Autoren –Kärnten und verbrachte 30 Jahre in den USA (Kentucky). Seit ihrer Rückkehr 2010 widmet sie sich ganz konzentriert der Schriftstellerei.
http://kaernten.orf.at/news/stories/2810425/
http://www.monikagrill.com/v

Danach las die Klagenfurter Autorin Eva Possnig eine Erzählung vor, die ein Bestandteil ihres unveröffentlichten Romans „Sechs Farben einer Stadt“ ist. Sie hat sich überwiegend der Prosa und feinen nuancierten Erzählform verschrieben.

Die aktuelle Preisträgerin des zweisprachigen Kärntner Literaturwettbewerbes von Bleiburg „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ für Lyrik (2016), Anneliese Merkac-Hauser, las neue Gedichte und aus ihrem Lyrikband „Samt und Leinen“ (Fran-Verlag, Klagenfurt 2011). Sie ist Mitglied der Autorinnengruppe scribaria und zaubert starke Bilder mit ihrer verknappten lyrischen Sprachkunst.

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

Maria Alraune Hoppe fesselte das überwiegend weibliche und sehr aufmerksame Publikum an diesem Abend mit einem beeindruckend experimentellen Text: „Wenn Frau im Zimmer fraut… “ Ihre intellektuellen virtuosen Wortspiele mit Witz und Ironie tragen den Text über alle Gendergrenzen spielend und mit einem Augenzwinkern hinweg. Eine beachtliche und mutige Leistung! Der richtige Beitrag zum Internationalen Frauentag.

Die Lyrikerin Karin Prucha, die auch in Klagenfurt lebt, stellte Seelenbilder in den Raum, die in Traumwelten wegtriften. In den fünf Gedichten standen Frauen und ihre Gefühlswelten im Mittelpunkt. Prucha hat sich auch der Theaterwelt verschrieben und arbeitet als Regieassistentin bei verschiedensten Produktionen in Kärnten.

Als letzte Protagonistin der „Frauenzimmer“ war Elisabeth Christof auf dem Podest mit einem Prosatext “Die Entrümpelung“ und einem nachdenklich stimmenden Gedicht „Einsamkeit“ zu hören. Sie machte bei der Aktion „SchmutzkübelK… Eine Intervention I Kunst:Politik“ (Drava 2013) mit dem Gedicht „Klagenfurt“ mit. Christof schloss den literarischen Reigen der Frauenzimmer – bis nächstes Jahr.

Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger.“>Gruppenbild mit Damen: Von links, vorne sitzend, die Autorinnen Karin Prucha, Eva Possnig, Betty Quast mit Junior und Maria Alraune Hoppe. Hinten stehend: Elisabeth Christof, Monika Grill, Irina Antesberger, Luise Ruhdorfer, Marlies Karner-Taxer, Christine Tidl, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Ilse Gerhardt ( IG-Obfrau), Rebekka Scharf und Gisela Unterberger

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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Wir sind grenzenlos! CEZ MEJA! LJUBLJANA, WIR KOMMEN! Wir erforschen dich! Wir sprechen mit dir! UND DU? Literatur-Aktion zur Belebung nachbarschaftlicher Beziehungen über die Grenzen hinweg

Grenzen überschreiten, literarisch einander näher kommen. Unter diesem Motto fuhr Dienstag, 7. März 2017 eine erste Gruppe von Kärntner AutorInnen und OrganisatorInnen mit dem Linienbus der „Alpeadrialine“ über den Loibl in die benachbarte Metropole Ljubljana. SchriftstellerInnen unterschiedlicher Ausrichtung und Prägung wollen mit diesem Literatur-Reise-Projekt ab März das Gemeinsame der Kulturen entdecken, erforschen, darüber sprechen und berichten.

„Wir sind ein Vorauskommando. Wir fahren wieder. Und andere werden auch fahren. Wir bringen uns selbst mit, was wir sind. Wir sprechen mit jedem in Laibach, wir streifen durch die Gassen, WIR WOLLEN ES WISSEN….
Wir sind neugierig, richtig wissbegierig, wir sind kritisch, wir beobachten, wir schreiben alles auf. Wir wollen herausfinden, was wir mit unseren südlichen Nachbarn gemeinsam haben und was uns trennt. Jeder von uns wird das naturgemäß anders sehen und anders angehen,“ betont Del Vede Projektleiter und Initiator dieser Literatur Aktion LJUBLJANA WIR KOMMEN! CEZ MEJA! UND DU?

Die von der neuen AutorInnengemeinschaft KAUS/a (Kärntner AutorInnen Solidarität/ Aktion zur Aktivierung der Literaturszene) ab März organisierten Themenfahrten vom Klagenfurter Busbahnhof aus beinhalten Lesungen, moderierte Interviews während der Fahrt und öffentliche Statements in Ljubljana auf dem zentralen Knotenpunkt, dem Prešeren-Platz mitten in der Altstadt.

Die erste Lesung – gedacht als Initialzündung für die gesamte Literatur-Aktion – wurde erfolgreich von drei Kärntner DichterInnen (Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Del Vede) auf den Stufen des Prešeren-Denkmals mitten im Getümmel der belebten historischen Altstadt Ljubljanas abgehalten und fotografisch dokumentiert.

Jeder Mitreisende ist nun aufgerufen, sein Ljubljana –Tagebuch zu schreiben: Eindrücke, Beobachtungen, Stimmungen, Erinnerungen, Gedanken, Aufrufe. LAIBACH in 300 Zeilen
„Laibach in 300 Zeilen, in 100 Zeilen oder in 13 Zeilen, das wird die Essenz sein von unserer Expedition mit Bleistift und Papier über den Loibl und auf und ab in den alten Gassen von Ljubljana“ (Del Vede)

Unsere schriftlich literarischen Eindrücke erscheinen überall, wo der Aktion Zugang ermöglicht wird und auf einem geplanten eigenen Blog. Bezwecken soll diese Literatur-Aktion ab März 2017, dass wir einen interkulturellen Dialog mit unserem südlichen Nachbarn eröffnen, um den künstlerisch literarischen Austausch zu beleben und die gegenseitige Inspiration der benachbarten Kultur-Städte anzukurbeln. Begegnung und Entdeckung stehen im Mittelpunkt.

„Deine Texte und meine Musik gehören zusammen! Davon überzeugte mich Lado Jakša, Multiinstrumentalist und Multilinguist aus Ljubljana vor zwei Jahren. Als dritte Ebene kam für uns die Fotographie dazu. Seitdem arbeiten wir mit großer Freude gemeinsam.
Selbstverständlich unterstütze ich alle Möglichkeiten von Begegnungen mit unseren slowenischen Nachbarn. Mich bereichern sie.
Längst schon sollte es diese „zwei Seiten“ nicht mehr geben. Für viele ist der Austausch so selbstverständlich, wie das Miteinander. Meinen Anteil daran möchte ich gerne beitragen.“ (©Sieglind Demus)

„In einer direkten Linie von hier nach dort. Im Bus. Über die Berge. Warum nicht? Warum nicht Laibach? Warum nicht „die dort unten“ kennenlernen? Werden uns sicherlich ähnlich sein in ihren Wünschen, ihren Ängsten, ihrer Menschlichkeit… und die Stadt…. soll ein Traum sein, ein südländischer Traum, ein europäischer Traum… warum also nicht hinfahren – schauen und spüren und darüber schreiben? Das Ticket reservieren und los geht’s…. freu mich! (Monika Grill)

„Ja, ja, ich muss nach Laibach, ich muss immer wieder nach Ljubljana, in die Großstadt näher als Wien. Dort ist ein Cousin meiner Mutter, den mein Vater vor den Nazis gerettet hat, zuhause. Dort sind die schönsten Lindwürmer zuhause! Die Lindwürmer an der Brücke, die mich ¬– anders als der Klagenfurter Lindwurm ¬– jedes Mal, immer wenn ich dort bin, auf einen Flug über diese besondere Stadt am Fluss Ljubljanica, am Laibachfluss, fortragen.“ (Edith Darnhofer-Demár)

TeilnehmerInnen der ersten Exkursion waren die Kärntner AutorInnen Sieglind Demus (Villach), Willi Wolschner (Koordinator), Gabriele Russwurm-Biro (Planung)
und Del Vede (Initiator und Projektleiter) und Heide Tanzmeister:

„Ich lasse diese fremd gebliebene, so nahe Stadt, auf mich wirken. Die Widerstände, die sich zwischen diesen beiden Städten auftürmen, werden mit Sprachfetzen, Landschaften und noch mehr Bildern fortgewischt. Also mach doch langsam, Grenze, mach langsam, Abschied. Du bist bald fort und ich bleibe auch nicht für immer – Es wird kein Wort zu viel sein, das ist mein Expeditionsziel. Sobald mein Ljubljana auf 30 starke Sätze verdichtet ist, weiß ich, dass es ein langer Tag gewesen sein muss, der nicht spurlos bleibt.“ (©Del Vede)

„Es ist jetzt an der Zeit nach Ljubljana zu fahren und sich klar darüber zu werden, dass das Zusammenwachsen beider Nachbarländer trotz vieler Widerstände auf beiden Seiten endlich in Gang kommt “ (Willi Wolschner)

Weitere organisierte Literatur-Expeditionsfahrten von Klagenfurt nach Ljubljana mit Kärntner Autorinnen und Autoren werden zu bestimmten Terminen im März folgen
(u.a. mit Univ. Prof. Dr. Heinz-Dieter Pohl – Forschungsbus, Linguistik).
Literaturfahrten: Gerhard Ruiss, Edith Darnhofer-Demár, Monika Grill, Marlies Karner-Taxer, Gernot Ragger, Ingram Hartinger, Monika Slamanig (artist in residence 2016/St. Gallen – Klagenfurt), Karin Prucha, Gerald Eschenauer u.v.a.m.

Treffpunkt: im März 2017, 9020 Klagenfurt,
AK-Portal, am Busbahnhof 9:00 Uhr
Abfahrt: 9:30 Uhr,
Rückkehr Klagenfurt BHf: 18:49 Uhr
Anmeldungen: Kärnten Bus GmbH
tel: 0463/931 800,

www.alpeadrialine.com

Fotos © Sieglind Demus, Gabriele Russwurm-Biro und Willi Wolschner

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„Literatur ist gefordert wie selten zuvor“ – IG- Autorinnen Autoren Generalversammlung

Die IG Autorinnen Autoren Österreich luden Ende Februar ihre Delegierten aus den Bundesländern zur Generalversammlung nach Wien. Geschäftsführer Gerhard Ruiss, Ludwig Laher und Präsidentin Renate Welsh gestalteten zwei informative Versammlungs- und Diskussionstage mit tiefgreifenden Grundsatzthemen und Anliegen für alle, die mit Literatur, Schreiben und Lesen zu tun haben.

Als Präambel zu den Beschlüssen der Generalversammlung wurde folgender Text von Renate Welsh und Ludwig Laher ausformuliert und einstimmig beschlossen:

„Wozu Literatur?
Mauern, Zäune, Abgrenzung, Nationalismus, Protektionismus – einfache Lösungen, deren Unbrauchbarkeit sich mehrfach erwiesen hat.
Eine radikal reduzierte Sprache, aggressiv, verächtlich machend, selbstherrlich, wehleidig, voll wirklicher Lügen, die sich als alternative Wahrheiten tarnen.
Das Schüren von Feindbildern und Angstmacherei verhindern konstruktive Auseinandersetzung und führen zur Akzeptanz autoritärer Strukturen.
Literatur steht für differenzierte Wahrnehmung, Abwägung und Gestaltung, für das Sichtbarwerden von Widersprüchen und Herausfordern zu eigenständigen Urteilen.
Literatur ist gefordert wie selten zuvor. Literatur ist nötig wie selten zuvor.“

Hauptthema war u.a. die Kritik an der Bildungspolitik, die in der letzten Zeit in Österreich falsch zu laufen scheint, sollen doch – um nur ein Beispiel zu nennen – laut Vorschlag von Bundeskanzler Christian Kern die Gratisschulbücher durch Laptops in den Klassen ersetzt werden. (sic!). Die Bildungspolitik gehe zu Lasten des Unterrichts, das viel gepriesene Modulsystem in den Oberstufen beschränke jede Art von Akzenten und wirke einschränkend. Immer lauter werden daher die Stimmen, die einen qualifizierten Deutschunterricht fordern. Daher wurde auch von der GV die Forderung aufgestellt, den Begriff „Deutsch“ des Lehrfaches in „Deutsch und Literatur“ umzubenennen, damit die Bedeutung des Faches von dem reinen Spracherwerb auf die Literaturgeschichte und Entwicklung ausgeweitet und festgeschrieben werde. „Lust an der Literatur“ solle auf verschiedenen Ebenen gefördert werden: Besonders wichtig sind altersgerechte Texte in Buchform, die bereits in der Volksschule gelesen und diskutiert werden sollten. Dabei sollte nicht vergessen werden, die Öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen.
Die Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Renate Welsh, bringt es exakt auf den Punkt: „Alles, was der Literatur Raum wegnimmt, ist bedenklich für die Demokratiepolitik!“.
Leben in der Sprache sei eben nicht nur die reine Verständigung, Literatur müsse daher im Angebot gehalten werden. Die Schule sollte eben nicht allein die Fähigkeiten, sondern die Bedeutung als Mensch und die Würdigung jedes Einzelnen vermitteln.

Über die IG-Projekte berichtete Gerhard Ruiss: Zu den Großprojekten zählt die Funkhaus- Anthologie der IG, zu der alle Autorinnen und Autoren in Österreich aufgerufen werden, einen halbseitigen Beitrag zu leisten, der in einem Geschenkband für Politiker veröffentlicht werden wird. Weitere Projekte sind die Teilnahme an den Buchmessen Leipzig, Frankfurt und Buch Wien mit dem Liveprogramm LITERADIO (Buch- und Themenpräsentationen). Der Vertrag mit den Bedingungen der IG- Österreich läuft bis 2018.
Herausgegeben wird 4 x im Jahr die Informationszeitschrift „Autorensolidarität“, die mit einer Übersicht von Stipendien und Preisen einen sehr guten Überblick für österreichische Ausschreibungen bietet. Zudem werden den registrierten Mitgliedern Rundmails gesendet und jährlich ein Katalog über österreichische Neuerscheinungen erstellt (DIE LITERTUR der österreichischen Kunst,- Kultur- und Autorenverlage).

Die IG organisiert Proteste und verfasst Resolutionen, um die oft aussichtslose Stellung von Kunst, Kultur und Literatur zu unterstützen. Aktuell wird ein Aufruf der IG verbreitet, der das Investorenprojekt am Wiener Heumarkt (1030 Wien) stoppen soll.:

„Das Ringstraßenareal mit seinem weltweit einzigartigen Wechsel zwischen freien Flächen und repräsentativen Bauten soll für spekulative Neubauten geöffnet werden. Im Kernbereich des Welterbes, direkt am Wiener Heumarkt, zwischen dem Wiener Konzerthaus und dem Wiener Stadtpark , soll ein Luxuswohnturm entstehen…“ Letztendlich wäre das dann ein Startsignal für einen Ausverkauf der gesamten Ringstraßenanlage und führte zu einer Aufhebung des UNECO- Welterbe-Status von ganz Wien. Für wen wird da eigentlich gebaut? Für die Wiener und Wienerinnen sicher nicht. Gefordert wird daher der sofortige Stopp des Umwidmungsverfahren, Einhaltung der UNESCO-Auflagen und die freie Zugänglichkeit um das Gelände des Wiener Eislaufvereins.

Die IG nimmt kritisch Stellung zur sogenannten „Medienförderung neu“:
„Die IG Autorinnen Autoren nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass Medienförderungen in Zukunft ohne andere „Qualitätsnachweise“ als Beschäftigungszahlen und dergleichen vorgenommen werden sollen.“ Die IG weist darauf hin, dass Qualität auch bedeuten muss, was wie in den Zeitungen steht und fordert als Mindeststandard für Förderungswürdigkeit eines Mediums nicht nur die Zweckgebundenheit der Förderung an die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze, sondern zumindest auch an die Existenz einer hauseigenen Qualitätskontrolle durch Korrektorate und Schlussredakteure.

Weiters wurde eine Stellungnahme zur geplanten Urheberrechtsnovelle verfasst, der die Generalversammlung einstimmig zugestimmt hat. Dabei geht es in erster Linie um „faire Verträge mit Urhebern und ausübenden Künstlern über die Vergütung“.

Die Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren) wurde 1971 als gemeinsame Verhandlungsdelegation österreichischer Schriftstellerverbände gegründet und 1981 als eigenständige Organisation mit derzeit rund 3.800 Mitgliedern und 70 Mitgliederverbänden neu aufgebaut.
http://www.literaturhaus.at/index.php?id=6541

Kontakt: IG Autorinnen Autoren Seidengasse 13, A-1070 Wien
Tel: +43/(0)1/526 20 44-13 (Gerhard Ruiss: DW -35)

Foto © Gabriele Russwurm-Biro, Geschäftsführer Gerhard Ruiss und Präsidentin Renate Welsh im Literaturhaus Wien auf dem Podium der GV-Tagung in Wien

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