Monat: November 2016

„Wie eine Blumenwiese einwirken lassen“ – Preisverleihung des KSV-Literaturwettbewerbs 2016

Die Jury hat es immer schwer. Dieses Jahr wurden 35 Texte von Kärntner Autorinnen und Autoren zu den unterschiedlichsten Themen mit unterschiedlichen Stil- und Ausdrucksformen eingereicht. Es fällt auch Literaturexperten nicht leicht, aus dieser Menge sehr guter Texte eine Longlist von 15 Beiträgen und daraus eine Shortlist von fünf besten auszuwählen.
Die jedes Mal alternierende Jury setzte sich heuer aus den Vorstandsmitgliedern Prof. Engelbert Obernosterer (Vorsitz), Dr. Reinhard Kacianka, sowie Mag. Arnulf Ploder (Vizepräsident) zusammen.

„Gerne würde man die eingesandten Texte einfach wie eine Blumenwiese auf sich wirken lassen“, erklärt Juryvorsitzender Engelbert Obernosterer in seiner Rede am Abend der Preisverleihung des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes im Musil Literaturhaus in Klagenfurt.
„… und sich daran erfreuen, dass es noch so viel Eigenständiges, Ideenreiches im Lande gibt. Weil Buchhändler und Leser aber für eine Entscheidungshilfe dankbar sind, braucht es eine Reihung, braucht es eine Hervorhebung durch Preise.“

Seit 2002 schreibt der Kärntner SchriftstellerInnen- Verband jedes zweite Jahr einen Preis für neue Literatur aus. Heuer ist das bereits die achte Ausschreibung. Dieser Preis zählt damit nach dem Ingeborg –Bachmannpreis, der sich auf deutschsprachige internationale Beiträge spezialisiert hat, und dem Kärntner STW-Lyrik-Preis, der 2008 ins Leben gerufen wurde, zu den wichtigsten und beständigsten Wettbewerben für Gegenwartsliteratur in Kärnten.

Platz 1 (mit 2000,- Euro dotiert) erging an Greta Lauer mit ihrem Beitrag:
„Das Schicksal der Schwestern“.

Greta Lauer wurde 1990 in Klagenfurt geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Wien. Theatererfahrungen sammelte sie u. a. an der Schaubühne am Lehninger Platz, am Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien und am Staatsschauspiel Stuttgart. Sie schreibt Lyrik, szenische Texte und zurzeit vor allem Prosa. Sie erhielt Reise – und Arbeitsstipendien des Bundesministeriums für Kunst und Kultur 2015. Veröffentlichungen: JENNY, manuskripte, BELLA triste , fluchtraum und erostepost. Sie lebt und arbeitet in Wien.

KSV-Lauer-Porträt-4

Begründung aus der Laudatio von Engelbert Obernosterer:

„Ein Bericht aus einer Art Unterwelt, vorgetragen in einer ungeschönten knappen, immerzu vorwärts drängenden Sprache mit kraftvollen Bildern, die der Fantasie die nötige Freiheit gewähren und trotzdem den Leser nicht aus ihrem Bann entrinnen lassen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Autorin das Auftauchen an die Realität der Oberfläche verweigert und dass sie die Mächte der Unterwelt personalisiert, um sie überhaupt fassbar zu machen. Der Text zeichnet sich im Ganzen durch markante Eigenständigkeit und stilistische Sicherheit aus.“ (© Engelbert Obernosterer)

Platz 2 (dotiert mit 1000,- Euro) ging an Angelika Stallhofer für ihren Beitrag „Fünf Dinge“.
Angelika Stallhofer wurde 1983 in Villach geboren und ist in Seeboden aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Wien. Sie verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und Hamburg und absolvierte den Lehrgang Literarisches Schreiben am Institut für Narrative Kunst. Seit 2012 veröffentlicht sie Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie erhielt 2013 den dritten Platz des Kärntner Lyrikpreises und 2014 und 2016 Startstipendien für Literatur des Bundeskanzleramtes.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/angelika-stallhofer/

Bergündung aus der Laudatio von Arnulf Ploder:

„Es hat mich als Leser erstaunt zu sehen, wie anfangs zwar von den Dingen die Rede ist, der stoffliche Charakter der Leitmotive sich aber mehr und mehr auflöst im Sphärischen eines gemischten Glücks….Wie die Autorin darüber gebietet, beeindruckt. Es ist mehrmals vom Zufall die Rede, doch im sprachlichen Ausdruck selbst scheint nichts zufällig, auch nicht überkonstruiert. Nichts dergleichen. Die Geschichte ist sehr ausbalanciert, sie spricht das Kleine und das Große an, das Alltägliche und das Erhabene, das Nichtige und das Bedeutungsvolle und erzeugt dabei eine einprägsame zauberische Schwebe.“ (©Arnulf Ploder)

Platz 3 (dotiert mit 500,- Euro) bekam Paul Auer für seinen Text: „Krimschild“ zuerkannt.

Paul Auer ist in Kärnten geboren und aufgewachsen. Er studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten. Zur Preisverleihung war er gerade in Indien. Zahlreiche Veröffentlichungen seit 2010 in Anthologien.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/paul-auer/

Begründung aus der Laudatio von Reinhard Kazianka:

„An der Schwelle zwischen Leben und Tod – so hofft der Ich-Erzähler von Paul Auer – offenbart sich Wahrheit. Dieser Wahrheit über die Weltkriegs-Vergangenheit des Großvaters nähert sich der Autor in erbarmungslos nüchterner Sprache – Prosa im wahrsten Sinn des Wortes.“ (© Reinhard Kazianka).

Der 4. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) erging an Miriam Auer (1983 geboren in Friesach, Studium der Anglistik und Germanistik in Klagenfurt; lebt in Stossau, Arnoldstein; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „Wegen Wes“.
http://www.meerauge.at/autor_inn_en/miriam-h-auer

Der 5. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) wurde Elke Laznia (1974 in Klagenfurt geboren, aufgewachsen in Feistritz an der Drau, lebt seit 1974 in Salzburg; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „bin mir schon selbst nicht mehr ähnlich“.
http://pingeb.org/91-elke-laznia-kindheitswald/

Die 15 besten von der Jury ausgewählten Beiträge, inklusive der 5 Siegertexte, werden erstmals gemeinsam mit der jeweiligen Laudatio der Jurymitglieder in einer Anthologie veröffentlicht.
Diese Anthologie wird 2017 unter dem Titel „Feinheiten“ – die besten Texte des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes voraussichtlich im Johannes Heyn-Verlag, Klagenfurt erscheinen.

Diese Publikation soll der Beginn einer Buch-Reihe darstellen, die alle 2 Jahre die besten Texte der Wettbewerbe des KSV veröffentlicht. Damit soll sich ein Gesamtbild der Kärntner Literaturszene ergeben und dokumentiert werden und die Tätigkeit der Kärntner Schriftstellerinnen und Schriftsteller gefördert werden.

Die bisherigen Preisträger und Preisrägerinnen waren:

2002 (Barbara Grascher),
2004 (Simone Schönett),
2006 (Jürgen Lagger),
2008 (Hugo Ramnek),
2010 (Christoph W. Bauer),
2012 (Harald Schwinger)
2014 (Anna Baar, 2. Miriam Auer, 3. Ursula Wiegele)

Gruppenfoto © Marlies Karner-Taxer
Porträtfoto Greta Lauer © Jonida Laçi

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Die Meriten des Südens – zweisprachiger Literaturwettbewerb Bleiburg

In den letzten Jahren avancierte der Bleiburger Literaturpreis zu einer traditionsreichen Veranstaltung im zweisprachigen Gebiet Südkärntens. Diese ambitionierte Initiative der Kulturabteilung der Gemeinde Bleiburg/Pliberk , organisiert von Arthur Ottowitz und Eva Verhnjak-Pikalo, findet großen Anklang in der Region und bis über die Grenzen nach Slowenien hinaus.
Zum siebenten Mal wurde um Einreichung von Prosatexten und Lyrikbeiträgen gebeten und jedes Jahr nehmen mehr Literaturinteressierte daran teil. 2016 waren es insgesamt 57 Beiträge, die eine ausgewählte achtköpfige Jury in deutsch und slowenisch jeweils für Prosa und Lyrik anonym zu bewerten hatte. Ilse Gerhardt , Michael Stöckl, Andrea Urban, Gabriele Russwurm-Biro, Mateja Rihter, Irena Oder, Martin Kuchling und Greta Jukič waren für die Beurteilung und Auswahl verantwortlich.

Ende Oktober fand im Werner Berg Museum Bleiburg/ Pliberk die feierliche Preisverleihung und Lesung der Preisträger des Literaturwettbewerbs „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ statt. Unter großer Anteilnahme des Publikums wurden in den vier Kategorien (deutsch Lyrik/slowenisch Lyrik – slowenisch Prosa/ deutsch Prosa) jeweils der erste Platz ausgelobt und vorgelesen.

Jurorin Ilse Gerhardt hob den persönlichen Bezug der Lyrikpreisträgerin Anneliese Merkač-Hauser zu Bleiburg hervor und betonte „ihre poetische Kraft, die Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, was ganz essentiell für die Lyrik ist.“ Jurorin Mateja Rihter charakterisierte die Poesie in slowenischer Sprache von Verena Gotthardt so, dass sie mit einem Minimum an Wörtern das Maximum an Ausdruck erreiche und diesen „aufs Wesentliche reduziert“.

Gemeinsam mit Andrea Urban, wurden von mir die deutschen Prosatexte anonym gelesen und unabhängig von einander bewertet. Wir waren uns bei der Jurybesprechung sofort über den ersten Platz einig: Mirjam Malej (Bleiburg/Pliberk) mit ihrem Text „Auf einen Schlag … Stille“

Jurybeurteilung für den Siegertext von Mirjam Malej von Gabriele Russwurm-Biro:

„Der Text gibt auf sieben Seiten Einblick in das Leben von drei verschiedenen Personen in ihren jeweils verschiedenen Lebenssituationen. Als Leser kann man die Gedanken, Wünsche und Sorgen dieser drei Protagonisten, zweier Frauen und eines Mannes, nachverfolgen. Nach jedem Absatz wechselt die Perspektive, d.h. der Leser folgt jeweils einer anderen Person in ihrem Tun und Denken.
Allen gemeinsam ist eine belastende Situation: das Pflegeheim. Subtil, empathisch, aber nicht aufdringlich oder emotional überfrachtet charakterisiert dieser Text die Gefühlszustände der Einzelnen. Daraus entsteht ein berührendes Gesamtbild.

Kurze Sätze, prägnant, eindeutig formuliert, ziehen beim Lesen in die Geschichte hinein und lassen einen bis zum Ende nicht mehr los. Jedes Wort steht an der richtigen Stelle, keines könnte man weglassen. Nach und nach erschließt sich das Schicksal einer Frau, ihres Sohnes und einer Pflegerin und wiederum deren Lebensumstände und die ihres Sohnes. Unterschiedliche Lebenssituationen, unterschiedliche Hoffnungen, unterschiedliche Wünsche. Kleine Details, genau beobachtet und aufeinander abgestimmt, fixieren das Erzählte unaufdringlich aber wirklichkeitsnah in der Gegenwart des Pflegeheims.

In dieser Erzählung geschehen nicht die großen Wunder oder die herzzerreißenden Tragödien. Sie erzählt leise – fast wie nebenbei – von einer schwierigen Lebenssituation, von einem schweren Alltag, der selten beim Namen genannt wird. Das gewählte Thema zählt eher zu den Tabuthemen unserer Zeit. Umso mutiger, dass bei diesem Text Krankheit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit beschrieben werden.“

Nachdem bei diesem Wettbewerb nur die ersten Plätze der jeweiligen Kategorie verliehen werden, bekamen die von der Jury als zweit- oder drittbesten Gereihten eine Anerkennungsurkunde für ihre herausragenden Beiträge überreicht.

PreisträgerInnen:

• 1. Platz Lyrik Deutsch / prvo mesto lirike v nemškem jeziku:
Frau/Gospa Anneliese Merkač-Hauser
• 1. Platz Prosa Deutsch / prvo mesto proze v nemškem jeziku: Frau/Gospa Mirjam Malej
• 1. Platz Lyrik Slowenisch / prvo mesto lirike v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Verena Gotthardt
• 1. Platz Prosa Slowenisch / prvo mesto proze v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Natalija Šimunović

Herausragender Beitrag / odlično delo:

• Lyrik Deutsch / lirika v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Christine Ullreich
o Frau/Gospa Isabella Krainer
o Frau/Gospa Vera Wutti-Incko, Mag.phil.
o Frau/Gospa Waltraud Merl
o Frau/Gospa Dagmar Cechak
o Herr/Gospod Mag. Gerald Eschenauer
o Frau/Gospod Annemarie Seidl

• Prosa Deutsch / proza v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Rebekka Scharf
o Frau/Gospa Manuela Gunne
o Herr/Gospod Gerhard Benigni
o Frau/Gospa Dagmar Cechak

• Lyrik Slowenisch / lirika v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Lidija Polak
o Frau/Gospa Klavdija KIA Zbičajnik
o Herr/Gospod Mag. Ivo Ban, Prof.

• Prosa Slowenisch / proza v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Ivana Hauser
o Frau/Gospa Simona Jerčič Pšeničnik
o Frau/Gospa Bojana Hudrap
o Frau/Gospa Maja Črepinšek
o Frau/Gospa Mag. Milojka B. Komprej

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

alle Fotos © Katja Podgornik / Stadtgemeinde Bleiburg

Gruppenbild 2, von links nach rechts:
Eva Verhnjak-Pikalo, Bürgermeister Stefan Visotschnig, Mirjam Malej, Natalija Šimunović, Annelise Merkač-Hauser, Arthur Ottowitz, Verena Gotthardt, Stadtrat Markus Trampusch

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Das unberechenbare Leben anhand zehn Erzählungen: MIRÓS MÄDCHEN von Harald Schwinger

Harald Schwingers neuer Erzählband MIRÒS MÄDCHEN (Edition Meerauge, Klagenfurt 2016) gibt einen unkonventionellen Einblick in das nicht immer planmäßig verlaufende Leben von Menschen in unserem Umfeld. Wie du und ich? fragt man sich da. Die Figuren seiner Lebensgeschichten scheinen auf den ersten Blick unauffällig, wie aus dem Leben gegriffen: Pechvögel, Einzelgänger, Burnoutkandidaten, Drogenabhängige, Beziehungsgestörte… und dann eben auch ein bisschen darüber hinaus.
Eines ist allen zehn Geschichten gemeinsam: das Unvorhersehbare, die unerwarteten Wendungen, die bizarren Situationen, die spannenden Konstellationen der einzelnen Protagonisten untereinander. Alles ist mit allem verwoben. Untrennbar, unglaublich…
In diesem Band des Kärntner Schriftstellers und Journalisten wird schonungslos freigelegt, was sich hinter den Fassaden verbirgt, da fallen Masken und jede Form von Hüllen. Es brodelt in den fein gesponnenen Erzählungen nur so vor Beziehungsproblemen, Sehnsucht, Neid, Sex, Hass, Ohnmacht und Machtgelüsten….
Die Titel der einzelnen Erzählungen lassen tief in die Abgründe der menschlichen Existenz blicken und sind präzise gewählt:
Mirós Mädchen /Wenn ich Sex will, kriege ich den/ Nackt, auf dem Bauch liegend/ Und wer beschützt unsere Frauen?/ Diktatorische Landschaft/ Wer ist wo /Vorsicht mit Namen/ Ein Freund in der Stadt/ Helps/ Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging
Das Lesen eines Schwingertextes ist wie die Berührung mit einer Brennessel: Zurerst streift man ganz sanft seine schön gebauten fast lyrisch anmutenden Anfangssätze, dann wird man immer mehr hineingezogen ins turbulente und spannende Geschehen (über sensible Charakterisierungen und skurrile oder erschütternde Beschreibungen der Umstände und Gefühlslandschaften) und am Schluss fühlt man es doch: das gewisse Nachbrennen.
Schonungslos wird die Spezies Mensch freigelegt: abgründig, vielschichtig und aufregend. Jede dargestellte und feingemeißelte Existenz bleibt fragil und unergründbar. Was bleibt sind Fragen, Ahnungen… auf jeden Fall keinerlei Langeweile.
Leseprobe (aus „Diktatorische Landschaft“):

„Ich stehe am Hotelzimmer. Lehne mich nach vor, eiskalter Wind fährt mir ins Gesicht. Es riecht nach Achselschweiß. Oder nach Fußschweiß. Oder nach beidem. Und der Geruch geht nicht von mir aus. Er geht von der Landschaft aus. Es ist nicht meine, so viel ist sicher. Noch weiß ich nicht, wie oder ob ich wieder zurückfinde. Fünfter Stock. Immerhin. Das würde reichen, auf alle Fälle. Ich habe mich überschätzt. Vielleicht hat mich die Unzufriedenheit leichtsinnig gemacht, überheblich. War ich unzufrieden? Ich weiß nicht mehr. Was es auch war, es hat mich dazu verleitet, meine inneren Grenzen verschieben zu wollen. Überrascht mich das wirklich? Meine Selbstüberschätzung? Nein.“
(S 55)
Seine letzte Erzählung in diesem Prosaband „Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging“ (S 145) wurde im Jahr 2012 vom Kärntner SchriftstellerInnenverband mit dem 1. Platz beim KSV- Literaturwettbewerb für neue Literatur in Kärnten ausgezeichnet.
Der Juryvorsitzende Engelbert Obernosterer meinte dazu in seiner Laudatio:
„Seine (Schwingers) Kurzgeschichte besticht durch die Direktheit, mit der er den Leser ab dem ersten Satz packt und gnadenlos in eine tödliche Drift hinein zieht. Die Gegenkräfte, die gut gemeinten Worte, die da Brücken über das Abgründige hin zu bauen versuchen, tragen nicht recht. Hohl klingt es unter der Oberfläche der Worte und am Ende stirbt von zwei Freunden der zuerst, der gerade dabei war, eine Grabrede für seinen todkranken Freund zu konzipieren. Im Ganzen führt der Text vor, wie jäh das Unberechenbare in unsere durchgerechnete Welt einbrechen und den aus den Geleisen werfen kann, der meinte, das Steuer des Handelns fest in der Hand zu halten.“

Harald Schwinger wurde 1964 geboren, es folgte ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Medienkommunikation. Nun lebt er als freischaffender Journalist und Schriftsteller mit Frau und Tochter in Wernberg bei Villach und schreibt vorzugsweise Prosa, aber auch dramatische Texte und Lyrik sowie neuerdings auch Kinderliteratur (Der Schnarchesel / Osel smrčač, Drava 2016).
Schwinger ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) und Mitbegründer des Kunstkollektivs WORT-WERK, das den experimentellen Literaturwettbewerb Die Nacht der schlechten Texte veranstaltet und u. a. die Anthologie „Best of worst“ (Edition Meerauge 2010) herausgegeben hat.
Diverse Veröffentlichungen von Kurzprosa und Lyrik in Zeitschriften und Anthologien (u.a. in Territorien des Selbst, Anja Bohnhof/Johannes Puch, Heyn 2015, literatur trifft fokus sammlung 04: TIERE, Museum Moderner Kunst Kärnten 2013; Salz, Zeitschrift für Literatur Nr. 140, Salzburg 2010)
Prosa:
Mirós Mädchen. Erzählungen, Edition Meerauge 2016
Die Farbe des Schmerzes. Roman, Edition Meerauge 2013
Zuggeflüster. Erzählungen, Edition Meerauge 2011
Das dritte Moor. Roman, Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2006
Theaterstücke/Drehbücher (Auswahl):
ZALA, Drama in sieben Bildern / Drama v sedmih slikah, Edition Meerauge 2011 (gemeinsame Autorenschaft mit Simone Schönett, Auftragswerk für das zweisprachige teatr trotamora unter der Regie von Marjan Štikar)
Innere Liebe, Drehbuch (gemeinsame Autorenschaft mit Simone Schönett)
Auszeichnungen (Auswahl):
2016: Projektstipendium des Österreichischen Bundeskanzleramts Abteilung Kunst und Kultur
2014: Zweiter Platz beim Kärntner Lyrikpreis der STW Klagenfurt Gruppe
2012: Preis des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes für die Erzählung „Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging“

Blog-Cover-Schwinger_Miros Maedchen_

Harald Schwinger
Mirós Mädchen
Erzählungen
152 Seiten,
bibliophiles Lesebändchen
Edition Meerauge,
Johannes Heyn-Verlag
Klagenfurt/Celovec 2016,
ISBN 978-3-7084-0577-3,
€ 21,90

www.meerauge.at

http://www.meerauge.at/assets/files/Leseproben%20PDF/Harald%20Schwinger_Miros%20Maedchen_Leseprobe.pdf

Ich danke der Edition Meerauge für das Rezensionsexemplar.

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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