Trümmer und Kamillentee – Ein BUCH 13-Literaturmontag mit Ilse Gerhardt und Siegfried Paul Gelhausen in Klagenfurt

Die allseits bekannte und geschätzte Kulturjournalistin und scharfe Kritikerin der Kärntner Kulturpolitik, Ilse Gerhardt, ist auch als Autorin aus der heimischen Literaturlandschaft nicht wegzudenken. „Feinzüngig und mit klaren Worten Stellung beziehend“, beschreibt Buch 13 Obmann Gerald Eschenauer seinen Gast an diesem „Literaturmontag“-Abend im Klagenfurter Eboardmuseum. Nach ihrer Pensionierung beginnt ihre literarische Tätigkeit. 2013 erscheint der erste Roman „Mischling“ im Verlag „Styria Premium“. Im April 2015 folgt der Erzählband „ Aus Trümmern zusammengewürfelt“ im Hermagoras Verlag zusammen mit ihrer Freundin Edith Darnhofer-Demár.
Geboren wurde Ilse Gerhardt am 14. April 1944 in St. Veit a. d. Glan, machte 1963 Matura am Humanistischen Gymnasium Klagenfurt, studierte 5 Jahre Medizin in Wien und schloss 1968 an der Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt ihre Ausbildung ab. Danach folgten 5 Semester Lehrtätigkeit an Pflichtschulen, dann die Flucht nach Graz, wo sie 1971 bis 1975 Geschichte und Philosophie an der Grazer Universität studierte.
Seit 1974 ist sie Journalistin, angestellt bei Kärntner Tageszeitung (1975 bis 1978) und Volkszeitung (1979 bis 1990) als Leiterin der Kulturredaktion.
20 Jahre lang arbeitet sie als Kärnten-Korrespondentin der Austria Presseagentur ( Kultur), der Wiener Zeitung, der Zeitschrift Die Furche und anderen Printmedien. Beim ORF war sie als Redakteurin seit 1990 tätig und hat zahllose Radio- und Fernsehberichte auch für andere deutschsprachige Sender verfasst. Seit 1994 war sie auch parallel Ressortleiterin Kultur für die Kärntner Woche. 1994 bis 1997 war sie Jurysprecherin zum Frauenkulturpreis der SPÖ.Frauen, in den Jahren 1998 bis 1999 engagierte sie sich als Galeristin und Inhaberin einer Künstlervermittlung. 2007 bis 2009 trat sie als Präsidentin der Österr.-Israelischen Gesellschaft im Erscheinung. Sie gestaltet Kulturevents. Derzeit (seit 2012) arbeitet sie ehrenamtlich als Obfrau der IG AutorInnen Kärnten und im Vorstand des Naziopfervereins Memorial Kärnten/Koroska. Sie spricht sieben Sprachen und hat Freude daran, stets neue Sprachen zu erlernen.
Seit ihrer Pensionierung 2004 ist sie immer noch als freie Journalistin tätig (Kärntner Woche, DIE BRÜCKE), ab 2000 Organisation und Leitung von Kulturfahrten, tritt seit 20 Jahren als Interpretin von jiddischer Liedkultur auf. Seit 2008 Jurorin beim Lyrikpreis der Klagenfurter Stadtwerke.
http://www.mohorjeva.com/knjige_buecher/autor_detail/ilse-gerhardt

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Für Gerhardt ist der derzeitige Literaturbetrieb in Kärnten „das Gegenteil von befriedigend, es gibt viele talentierte heimische AutorInnen und anstatt sie zu fördern, lässt man sie einfach brach liegen“. Ein Roman ist seit zwei Jahren fertig und wartet auf einen guten Verlag. Derzeit arbeitet sie gerade an einem weiteren Roman zum Thema Mobbing an der Kärntner Tageszeitung.
Was könnte man im Literaturgeschehen ändern? Wird Ilse Gerhardt gefragt und ihre Antwort ist: „Viele Lesungen veranstalten und man sollte einen eigenen Verlag gründen, der ausschließlich Kärntner AutorInnen verlegt, aber ich bin schon 72 Jahre alt…“

Textprobe von Ilse Gerhardt aus dem Buch: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“- Eine Kärntner Nachkriegsmischkulanz (Kurzgeschichten und Jugenderinnerungen von den beiden Kärntner Autorinnen Ilse Gerhardt und Edith Darnhofer-Demár, Hermagoras-Verlag 2015)

KONTAKTOFEN und Co
„Die Achtundsechzigerrandalen hatten sich in Berlin, Paris und Wien bereits 1965 angekündigt. In Klagenfurt machten sie sich erst 1970/71 bemerkbar.
Erst einmal traten radikale Mütter in Erscheinung. Sie schworen auf antiautoritäre Erziehung und beseitigten – nach den sittenstrengen Fünfzigerjahren – alle vorhandenen Leinen, an denen die Kinder gegängelt wurden. Dieser Laissez-faire-Stil wurde bald zur Mode. Die fortschrittlichen Mütter zogen ein in das Abbruchhaus (heute Musikschule) zwischen Stadttheater und Theatercafé, nahmen den Theaterpark ein, heute Norbert-Artner-Park, ließen ihr Kinder toben, malen und schreien und einander mit Farbe beklecksen.
Junge Intellektuelle trafen sich hier, um die Probleme der Zeit zu analysieren. Natürlich wurde nicht nur Kaffee getrunken, natürlich wurden bei dieser Gelegenheit die Diskussionen heiß und heißer. Unterdessen beschmierten die befreiten Kinder die Wände und einander und ihre latzbehosten Mütter schwärmten von freier Liebe und vom Hängendgebären…. (S 129)

Weiters las Gerhardt ihre Kindheitserinnerung eines unliebsamen Frisörbesuchs „Schönheit muss leiden“ (S 41) und die humorvolle Kategorisierung des Typus „Dame“ als Kurzgeschichte verpackt: „Nur für Damen“ (S 95).
In diesem Buch erzählen beide Autorinnen ihre Kindheitserinnerungen aus der Trümmerzeit der Vierziger- und Fünfzigerjahre in Kärnten, die von der britischen Besatzungsmacht und strengen Moralbegriffen bestimmt waren (Nachkriegsmischkulanz), und der wilden Zeit der Sechziger- und Siebzigerjahre. Amüsant und nachdenklich werden gesellschaftliche Entwicklungen in Kärnten beschrieben, die bisher literarisch und historisch noch nicht genügend aufgearbeitet wurden.

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Der zweite interessante Gast des Literaturabends von Buch 13 ist Siegfried Paul Gelhausen und ein Autor, der aus dem Kärntner Drautal stammt und völlig konträr zur kurzlebigen Autorenschaft agiert. Bei ihm darf sich sein literarischer Prozess entwickeln und wachsen.
Seit zwei Jahren arbeitet er an seinem autobiografischen Roman „DAS KAMILLENTEE-HAUS“, aus dem er auch eine unveröffentlichte Textstelle mit Erinnerungen an seinen Vater, der aus Deutschland stammte und in den Wirrnissen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zufällig in Irschen landete, vortrug. Sein literarischer Mentor, der ihm nahe steht, ist der aus dem Gailtal stammende Humbert-Fink-Preisträger 2016, Engelbert Obernosterer.
Wichtig als Vorbild ist für Gelhausen der Schriftsteller Bernhard C. Bünker. Der aus Kärnten stammende Autor hat sich vor allem in Dialekttexten kritisch mit seiner Heimat auseinandergesetzt. Peter Turini charakterisierte Gelhausens literarisches Werk: „Gelhausens Dorfbeschreibungen sind von düsterer Genauigkeit, von detaillierter Beobachtung scheinbar kleiner Vorkommnisse, aber daraus entsteht ein großes Bild“.

„Mit einem gewissen Alter rückt die Kindheit immer näher,“ erklärt Gelhausen seine Arbeit an seinem Roman. „Wenn aus meinen Aufzeichnungen ein Buch wird, dann würde es mich freuen, es ist mir wichtig, dass ich das ganze Erlebte niederschreiben kann, das ist meine Art von Psychotherapie. Mir ist dabei das Schreiben wichtig, damit verarbeite ich meine Kindheitserlebnisse. Wenn ich etwas schreibe, dann muss ich es selbst erlebt haben, kann nur schreiben, von was ich eine Ahnung habe. Mein Vater war für mich bis zu seinem Tod ein Fremder. Ich konnte erst nach dem Tod über den Vater schreiben, jetzt habe ich die richtige Distanz zu ihm. Außerdem habe ich immer das Gefühl, ich werde nicht fertig mit dem Text.“

Siegfried Paul Gelhausen wurde am 27. 5. 1950 geboren und wuchs im Wald und auf der Alm in Pflügen bei Irschen im Kärntner Drautal auf.
„Sechs Kilometer Schulweg zu Fuß täglich bei jeder Witterung haben mich die Natur erleben lassen wie sie heute kaum noch ein Kind kennt! Ich habe von früher Kindheit an die Arbeit und das Leben am Bauernhof in all seinen Facetten kennengelernt. Auf Grund der geografischen Lage des Heimatortes, hohe Berge im Norden und im Süden, entstand schon früh das Bedürfnis auszubrechen, einfach nur davon zu laufen…! Weil das aber nur schwer möglich war, suchte ich einen anderen Notausgang, begann zu malen und zu zeichnen,“ erzählt Gelhausen.

Als 18 Jähriger las er in der Zeitung von einer Ausstellung eines Prof. Theo BRAUN aus Wien in der Galerie zur Stadtmauer in Villach Es entstand eine tiefe Freundschaft . Monatelang durfte Gelhausen in seinem Atelier in Brunn am Gebirge mit ihm arbeiten und neue Techniken erlernen, unter anderem die der Eisenradierung. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in der Kellergalerie des Klagenfurter Stadthaues.
1980 begann er seine literarische Tätigkeit mit Dialekt-Texten:

1982 Erste Buchveröffentlichung mit; „WETTERLEUCHTN“ Verlag Welsermühl, Oberösterreich.
1985 „MEINE WÖRTA“ Dialekt-Lyrik im FIDIBUS.
1986 „WORTE ZU STEIN“ Künstler helfen Indien. Verlag Ueberreuter / Wien
1987 Reise nach Süd-Ostasien.
Sechsmonatiger Aufenthalt in einer Bambushütte auf der Thailändischen Insel Phuket.
1988 Reise nach Südamerika.
Dreijähriger Aufenthalt in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays als Betreiber eines Österreichischen Restaurants, einem Treffpunkt deutschsprachiger Einwanderer.
In der Zeit immer wieder Ausflüge in die Nachbarländer Argentinien und Brasilien.
1990 Rückkehr nach Kärnten.
1991 entstand die FIDIBUS Sonderausgabe; „ROTER STAUB IM LILAWOLKENLAND“. Erinnerungen an Südamerika.
1993 Literaturpreis für Dialekt-Lyrik verliehen von der
Freien Akademie Feldkirchen, Kärnten.

1994 Arbeitsstipendium vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst.
Der Dialekt-Lyrikband; „MEI LONGE WONDASCHOFT ZUR SUNN“ erscheint im Verlag Carinthia, Klagenfurt.

1996 Der Komponist Dr. Günther ANTESBERGER vertont meine Dialektlyrik-Texte. Diese werden beim „Carintischen Sommer“ in Stift Ossiach uraufgeführt.

2002 Erscheint bei FIDIBUS die Sonderausgabe; „IM SCHATTEN DES MANGOBAUMES“. Ein Tagebuch über die Suche und Rückholung meiner 6 jährigen Tochter aus Paraguay, Südamerika.

2003 Ein Lyrik-Text von mir in der Buchausgabe; „KÄRNTEN LITERARISCH“ Herausgeber Klaus Amann, Verlag Drava.

2007 Fünf neue Werke meiner Lyrik-Texte, vertont von Dr. Günther ANTESBERGER werden im Wappensaal Klagenfurt vom Kammerchor Klagenfurt-Wörthersee uraufgeführt.

2012 „DAS DORF“, hochsprachliche Lyrik-Texte mit einer Rezension von Peter TURRINI.

2014 Kulturpreis der Stadt Klagenfurt im Rahmen des STW Lyrikpreises.

http://gelhausen-siegfried.page4.com/

Danke Ilse Gerhardt für das persönlich gewidmete Rezensionsexemplar des Erzählbandes: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“ (I. Gerhardt/ E. Darnhofer-Demár), Hermagoras 2015

Alle Fotos © BUCH13 I Eschenauer

Gruppenfoto: v.li.: Siegfried Paul Gelhausen, Buch 13-Obmann Gerald Eschenauer, GAV- Kärnten Obmann Josef K. Uhl, IG-Autorinnen Autoren-Obfrau Kärnten Ilse Gerhardt

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