Literarische Kostproben „alfresco“ – ein Picknick auf der Kreuzberglwiese in Klagenfurt

Die Tradition im Freien – alfresco – zu speisen reicht bis in die Antike zurück. Das ungezwungene freie Zusammentreffen Gleichgesinnter vor ansprechender Naturkulisse ohne räumliche Grenzen mit mitgebrachten Köstlichkeiten ist ein altes, bewährtes Erfolgsrezept. Spätsommerliche Nachmittage eignen sich daher besonders dazu.
Der Kärntner SchriftstellerInnenverband lud spontan Autoren und Autorinnen zu einer Literaturveranstaltung unter dem Motto SPÄTSOMMER-LITERATUR-KOSTPROBEN auf die beliebte Kreuzberglwiese in Klagenfurt. Das einmalige Naturambiente und das perfekte stabile Spätsommerwetter lockten 18 Literatinnen und Literaten aus dem Freundes- und Sympathisantenkreis des Verbandes zu einem ungezwungenen Treffen mit vollgepackten Picknickkörben und mitgebrachten neuen Texten. Die Begeisterung war groß für so ein informelles Treffen im nahezu veranstaltungsfreien Sommerloch, bei dem sich jeder Teilnehmer kurz vorstellen konnte, berichtete, woran er/sie gerade arbeite und eine kleine Kostprobe aus dem eigenen Schaffen geben konnte.

Mit Klappstühlen, Decken und reichlich vorzüglicher Jause ausgestattet fand sich die illustre Gemeinschaft auf der Spielwiese am Kreuzbergl in Klagenfurt zusammen. Nicht nur Klagenfurter, auch aus Villach waren Teilnehmer gekommen und ein Stipendiatsgast aus St. Gallen in der Schweiz, die weltreisende Schriftstellerin Monika Slamanig, die ihre Suche nach den eigenen Kärntner Wurzeln ein halbes Jahr nach Klagenfurt verschlagen hat.

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Lyrik, Kurzprosa und Märchen wurden als Kostproben dargebracht und gaben Einblick in das vielfältige Schaffen der Kärntner Kolleginnen und Kollegen.
Unter ihnen waren Arnulf Ploder, Hubert Maria Moran, Josef K. Uhl, Gerald Eschenauer, Edgar Hättich mit seiner Frau Maria Alraune Hoppe, Marlies Karner-Taxer, Sieglind Demus, Martina Kircher, Anneliese Merkac-Hauser, Dagmar Cechak, Edeltraud Pirker, Karin Prucha und Gernot Orasche.
Monika Slamanig trug ein humorvolles Gedicht zu einem roten Plastikstuhl (Eames plastic armchair – mit Rollen) vor. Mit diesem Beitrag gewann sie beim Literaturwettbewerb „Absolutely:Things – Lobreden auf Dinge“ im Rahmen des Feldkircher Lyrikpreis 2015 eine Platzierung.
Hier ein Zitat aus der Laudatio für ihr Gedicht: „Was brauchst du?“ fragt Friederike Mayröcker in ihrem Gedicht und antwortet einige Zeilen später: „…du brauchst ein Haus / keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach / zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen …“. Um aber zu sitzen, benötigen wir einen Stuhl, einen bequemen Stuhl, und wollen wir denken und träumen, schreiben und schweigen, kann dies nicht irgendein Stuhl sein. Dann muss der Plastikstuhl her, der mit seinen sanften Rundungen einlädt, sich hinein fallen zu lassen, der die Gedanken grell-lichtrot umgarnt und so enthebt aus der Normalität der Welt. Tief liegtsitzt man in diesem Stuhl, ist fast eingewoben in seiner hohlen Beuge, ja es besteht sogar die Gefahr, in dieser lustvollen Lustbarkeit des Stuhlgenusses regelrecht zu ersaufen. Der Stuhl wird zum Objekt der erotischen Begierde, das ganze Sehnen richtet sich auf ihn, den einzigen, der die Lust bis zum Übermaß steigern kann: Die Rollen versetzen sogar die schwergewichtigste Person in einen Schwebezustand, der Körper wirbelt, schwebt frei, ebenso das Denken. Sie benötigen nichts – einen roten Plastikstuhl benötigt jeder zum Leben.

http://saumarkt.at/lyrikpreis/jugendwettbewerb/preistr%C3%A4gerinnen-absolutely-things-lobreden-auf-dinge

Josef K. Uhl, Vorsitzende der GAV-Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Kärnten stellte seine Pläne für die nächste Nummer (achzehn) der Kärntner Literaturzeitschrift UNKE (2017) vor und Gerald Eschenauer seinen Verein zur Förderung der Gegenwartsliteratur BUCH 13.
Viele Gespräche ließen dieses Literaturpicknick zu einem kleinen, aber sehr angenehmen Ereignis werden, auf dessen Wiederholung im nächsten Sommer alle jetzt schon sehnlichst warten…

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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