Monat: Juni 2016

„wir spielen auf zeit“ – Ludwig Lahers Lyrik

Der Roman-Schriftsteller und Lyriker LUDWIG LAHER ist gemeinsam mit Friederike Kretzen und Julia Schoch heuer als Tutor beim 20. Literaturkurs Klagenfurt vom 26. bis 29. Juni im Vorfeld des 40. Bachmann Wettbewerbs tätig.

http://www.musilmuseum.at/index.php?p=klagenfurter-literaturkurs

Als Germanist beschäftigt er sich intensiv mit der Sprachform, was er als Lyriker unter Beweis stellt. In seinem neuen Gedichtband WAS HÄLT MICH, 2015 im Wallsteinverlag erschienen, gibt er auf 80 Seiten Einblick in sein lyrisches Werk.
Seine insgesamt 67 Gedichte sind kurz und prägnant und Ergebnis eines Abstraktionsprozesses mit einem gewissen Hang zur Askese in der Wortwahl. Die einzelnen Gedichte sind reduziert, verdichtet und formal sehr streng ausgebildet. Es bleibt aber genug Interpretationsspielraum. Aufschreie, Bitten, schwebende Assoziationen, Liebesgedichte und auch Politisches. Weitere Themen sind Selbstreflexion, Sprache und Schreiben, Gesellschaft und Natur.
Bei seiner Lesung im Mai aus diesem bibliophil gestalteten Bändchen im Musilhaus Klagenfurt wurden die Gedichte parallel zum Vortrag an der Wand projiziert, um damit auch die grafische Qualität erfassbar zu machen. Eine sehr gute Unterstützung optisch der Lyrik zu folgen und die strenge Formalität gleichzeitig zu sehen und zu hören.

Laher ist hauptsächlich als Autor dokumentarisch-kritischer Romane in sozialpolitisch engagierter Form aufgetreten. So schrieb er in seinem Roman „Bitter“ (2014) über einen NS-Massenmörder. Politisches fehlt auch in seiner Lyrik nicht, steht aber in diesem Band nicht im Vordergrund. Klare Botschaften begleiten den Leser bei den Gedichten Lahers.

Im Klappentext heißt es: „Neben seinen Romanen hat Ludwig Laher immer Gedichte geschrieben; vielleicht als eine Art Gegengewicht zum strengen, oft dem Dokumentarischen nahen Erzählen. In seinen Gedichten nimmt er die Sprache beim Wort und ihre Bestandteile auseinander, dreht sie und verdreht sie und macht so immer neue unerwartete Sinnschichten sichtbar. Kurz und konzentriert sind die meisten Gedichte, (Selbst-)Vergewisserungen, (Selbst-)Infragestellungen, Einladungen zu gemeinsamem Nachdenken und Nachspüren.“

wir spielen auf zeit
lösen probleme auf
geduldigem papier
wo ein schlagwort
wie geschmiert das
andere gibt und
die rechnungen
auf den wirt gehen
oder aufgehen
ohne den wirt


wegen nichts
auf der flucht
vor niemanden

und trotzdem
auf der flucht
nirgendwohin

(© Ludwig Laher)
Frauke Kühn (Beirat des Literatur Netzwerks Vorarlberg) klassifiziert sein lyrisches Werk so: “Ludwig Lahers Gedichte offenbaren sprachspielerische Spannungsfelder, von denen Impulse des Widerspruchs, der Überraschung und Bedeutungsvielfalt ausgehen.“

Ludwig Laher wurde 1955 geboren und studierte in Salzburg Germanistik, Anglistik und klassische Philologie. Ab 1979 arbeitete er als Lehrer, Übersetzer und Autor von Romanen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Hörspielen, Drehbüchern.
Seit 1998 ist er hauptberuflich als freier Schriftsteller tätig und lebt in St. Pantaleon im Grenzbereich Salzburg/Bayern/ Oberösterreich und in Wien. Übersetzungen seiner Bücher erschienen auf Englisch, Französisch, Japanisch Kroatisch und Spanisch.
Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und Stipendien. 2011 wurde er für den deutschen Buchpreis nominiert. 2016 Empfehlungsliste für den Evangelischen Buchpreis.
Laher ist Vorstandsmitglied der IG- Autorinnen Autoren in Wien und Tutor beim Literaturkurs Klagenfurt 2016.

In der Woche von 11.bis 16. Juli 2016 wird Ludwig Laher täglich vor dem Morgenjournal um 6.55 Uhr in Ö1 GEDANKEN FÜR DEN TAG beisteuern. Unter dem Motto BEIM WORT GENOMMEN geht er einzelnen Begriffen auf den Grund.
http://www.ludwig-laher.com/index2.htm

Ludwig Laher
was hält mich
Gedichte
Wallstein Verlag 2015
80 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-8353-1738-3 (2015)
€ 19,50

Blog-Cover-Laher

http://www.wallstein-verlag.de/9783835317383-ludwig-laher-was-haelt-mich.html

Alle Fotos © Gabriele Russwurm-Biro

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Sternstunden beim Schwimmen und Märchenerzählen – Bernd Sibitz und Del Vede zu Gast beim Literaturmontag in Klagenfurt

Zum 24. Mal fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Literaturmontag“ von BUCH 13 unter der Leitung von Gerald Eschenauer eine Lesung mit zwei bekannten Autoren aus Kärnten in den Räumlichkeiten der Katholischen Hochschülerschaft (KHG) Klagenfurt statt. Bernd Sibitz führte das Publikum in seine gesellschaftskritische Kurzgeschichtenwelt, Del Vede in seine romantische und aufregende Kärntner Märchenwelt.

http://www.buch13.at/termine/

BERND SIBITZ

Ein scharfer Blick aufs Wesentliche charakterisiert seine pointierten Kurzgeschichten, im Mittelpunkt steht das Bürgertum, gesellschaftliche Themen , die kritisch beleuchtet werden. Geschichten wie über „A schöne Kur“ oder das Sinnieren über das Schwimmen („Bernd´s Sternstunden beim Schwimmen“) sind klassische Ingredienzien, die das Leben eines Bankers ausmachen. Aber auch „Wenn Reiche immer reicher werden“, „Italiens akademisches Proletariat“ und „Unser Bibione“ sind Themen, mit denen sich Bernd Sibitz literarisch auseinandergesetzt hat.

Dr. Bernd Sibitz wurde 1944 in Pernitz in Niederösterreich geboren und kam im zarten Alter von 14 Tagen nach Klagenfurt, wo er bis zum 21. Lebensjahr aufgewachsen ist.
Nach der HAK (Handelsakademie) arbeitete er bei der Kärntner Sparkasse, dabei „stolpert man über die Bürgerlichkeit“, erklärt Sibitz mit einem Augenzwinkern. In Wien studierte er Welthandel an der WU. Eine Zeit lang konnte er auch in Bologna an der John Hopkins Universität verbringen. Als PR-Profi wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Seine literarischen Texte erschienen ua. in der Literaturzeitschrift WESPENNEST, Fernsehspiele wurden im ORF und ein Beitrag bei den Wiener Festwochen aufgeführt („Turkey“/ Ensembletheater Wien). Seit fünf Jahren ist Bernd Sibitz wieder zurück in Klagenfurt und beschäftigt sich mit Literatur.
Zu seinem 70. Geburtstag ist 2014 ein Buch mit gesammelten Werken erschienen, eine etwas andere Biografie mit dem Titel: „Panik in St. Ruprecht und anderswo. Beobachtetes, Erlebtes, Beschriebenes von Bernd Sibitz“, Heyn Verlag Klagenfurt 2014,

Sein Freund und Klassenkamerad aus der HAK Klagenfurt, Peter Turrini, hat ihm die Beschäftigung mit der Literatur empfohlen und ihm Folgendes ans Herz gelegt:

„Ich habe vor einigen Jahrzehnten Deine literarische Arbeit kennengelernt und Dich damals ermuntert, weiterzumachen. Ich kann diese Ermunterung heute nur wiederholen, auch wenn wir beide uns inzwischen im Pensionsalter befinden. Für die Literatur gilt kein Alter, sondern nur die Bereitschaft, sich anzustrengen, ja zu quälen“ (Peter Turrini).

Sibitz sagt im Vorwort seines Buches: “Literatur ist ein ständiger Begleiter und eine Kraft, die Mut macht, stolz zu sein auf das, was man schon alles erreicht, überstanden, durchgemacht hat. Sie verlangt nach mehr, nach neuen Taten, Worten, Eindrücken nach NAHRUNG, nach zu Wort gebrachten neuen Erlebnissen.“

http://pingeb.org/82-bernd-sibitz-panik-in-st-ruprecht-und-anderswo/

Aus seinem Buch las er den Beitrag:
SPORT REGIERT DIE WELT von Bernd Sibitz

Früher hieß es GELD REGIERT DIE WELT. Diese alte Binsenweisheit verliert zunehmend an Bedeutung und ist auf dem besten Wege, ganz in Vergessenheit zu geraten.
Sport regiert die Welt! Ja, da stecken Dynamik, Energie und Lebensfreude drin! Ich meine hier nicht die täglichen Sportübertragungen in öffentlichen und privaten Fernseh- und Radioanstalten, sondern das immer stärker werdende, den Alltag unterwandernde Phänomen: BEWEGUNG HEISST LEBEN, wirbt ein Fitnesscenter: MEHR BEWEGUNG HEISST GESUNDES LEBEN, propagiert eine Vital-Lebensmittellinie, und ich sage: SICH SCHNELL BEWEGEN HEISST TURBO-MEGA-GEILES LEBEN!
Sie müssen sich morgens nur in einer U-Bahnstation gegen den Strom der sich bewegenden Menschenmassen bewegen, und schon spüren Sie geballte sportliche Energie. Jeder ist von seinem privaten Personal-Trainer (ob live aus dem Fitnesscenter kommend, auf DVD oder via Radio oder TV, ganz egal) optimal auf den Gegner, Mitspieler, Kontrahenten – kurz: jene Person, die gerade im Weg steht – eingestellt. Hoch motiviert wird hier um jeden Zentimeter gekämpft (gedribbelt), freie Räume genützt („das Spiel gelesen“), die Pässe kommen natürlich an, soll heißen hier geht es um Zeitgutschriften, Straßenbahn-, U-Bahnverbindungen, die noch erreicht werden wollen – Coffee to go wird noch ergattert und das Briochekipferl (mit oder ohne Marmelade) ist endlich an der Reihe eingepackt zu werden (den Verkäuferinnen sollte man wieder Kopfrechnen beibringen), zum Wechselgeld nachzählen hat man keine Zeit mehr.

Die Industrie hat die Zeichen der Zeit natürlich längst erkannt und dementsprechend reagiert: Nicht mehr der Business-Look-Anzug, das weiße Hemd, Manschettenknöpfe, Krawatte und handgenähte Maßschuhe trägt der Mann von Welt/ die Frau mit Karriere, sondern sportliches Outfit ist in …….

(aus: Panik in St. Ruprecht und anderswo. Beobachtetes, Erlebtes, Beschriebenes von Bernd Sibitz, Heyn Verlag Klagenfurt 2014, Seite 186)

DEL VEDE

Er führt seinen Geburtsnamen VEDERNJAK auf einen Bewohner der „Bezirkshauptmannschaft“ VIRUNUM, den etruskischen Eingeweidebeschauer AVLE (latinisiert AULUS) VEDERNA zurück. In den 70ern und 80ern organisierte er mit wenigen Mitstreitern einen literarischen Aufbruch in Kärnten mit der Förderung von schreibenden Schülern wie Alfred Goubran, Janko Ferk, Maja Haderlap, Fabjan Hafner, der Mitarbeit von Autoren wie Ernst Alexander Rauter, Valentin Polansek, Florjan Lipuš, Erich Fried, Elfriede Jelinek, Alfred Kolleritsch, Wolfgang Bauer, Kurt Falk). Zum Start gründete er den Kulturstammtisch beim Scanzoni, der sich an Humbert Fink und den Kärntner Literaturverhältnissen rieb, brachte bei Mladje den Lyrikband „Meine Beschäftigung mit dem weichen Kärntner Unterleib“ heraus.

Er musste als Verfemter den Start des legendären Literaturkaffees mit der Österreichischen Hochschülerschaft, dem Herausgeber der UNKE Josef K. Uhl und Peter Rauter breit aufstellen, was ein Glück war und zu großer Lebendigkeit führte. Beinahe plötzlich gab es in Kärnten 13 literarische Zeitschriften, Literatursymposien und herzhaften literarischen Aktivismus der damals jungen Autoren. Die Rettung der Stadtimmobilie Reitschulgasse 4 (dem späteren Europahaus) vor dem Abriss, die zu einer Klagenfurter Variante des Forum Stadtpark in Graz führen sollte, hatte die Stilllegung des Literaturkaffees als Voraussetzung, begann er mit den Mitstreitern Peter Rauter und Hans Triebnig, dauerte 9 Monate und war die größte Kärntner Hausbesetzung (60 Aktivisten, darunter Gert Jonke und Peter Turrini) vom 23. Juni 1979 bis zum 21. März 1980. Aus den 60 von ihm organisierten Veranstaltungen am Lagerfeuer, dem „Vorfrühling“, formte er als Geschäftsführer das „festival der österreichischen Literatur – kärntner frühling/ koroska vigred“, dem die Literaturwissenschaft (Klaus Amann u.a.) Gleichrangigkeit mit dem Bachmann-Bewerb zuschrieb. Partnerschaftliche Auftritte von Größen und unbekannten Talenten, Projektförderungen statt Preisgerangel. Legendär wurden Auftritte etwa von Elfriede Jelinek, die ihr Honorar für Talente weitergab und 1984 vom Magistrat konfiszierte Plakatständer wie alle anderen Teilnehmer als Demo zum Neuen Platz trug. Für die IG Autoren/Innen redigierte Del Vede eine Literaturbeilage für Kärntner Autoren in der Kärntner Landeszeitung. Aus dem Literaturkaffee wurde ein Institut zur Förderung von Literatur und Kommunikation. In „Die Brücke“, „Salz“, „Sterz“, „Die Unke“, „Mladje“, u.a. publizierte er Prosa und Lyrik. Ihm wurde der Theodor-Körner-Förderpreis, das Österreichische Staatsstipendium für Literatur, ein Fernsehspielpreis u.a. Auszeichnungen zugesprochen.

Nach journalistischer Tätigkeit in der KTZ und in der VZ trat Del Vede als Märchenerzähler auf und erfand und leitete neben Aufführungen in vielen Schulen große Aktionen wie den Zauberwald am Rauschelesee, den „Klagenfurter Sagenzauber“ im Auftrag des Stadtmarketings oder Stückaufführungen der Pegasusreiter in der Klagenfurter Messehalle (2500 Zuschauer) und in der Steiermark. . .


DIE GROSSE SCHLANGE
Auszug aus einem Kapitel einer Saga von Del Vede

„Was läuft bei dir“ fragt Justinian, der zur Zeit nicht Nek genannt werden will. Er nimmt Anlauf und springt im fahlen Licht unterhalb von Mlince über den Mühlbach auf mich zu. Im Flug in den Pedalen stehend streckt er eine Hand weit aus und sieht mit blitzenden Zähnen an sich herab. Erst als er mit dem Fahrrad krachend aufsetzt, hält er die Lenkstange mit beiden Fäusten fest.
„Gut, oder? Ich bin auf dem Rad der Beste von uns und am Ball auch. Und ich bin immer noch der Beste und der Schönste in unserer Klasse. Er schrammt dicht an mir vorbei, um mich rückwärts zu zwingen, ich gebe nicht nach. Er erwischt mich am Oberarm, dass es uns beinahe beide umwirft. Mich durch-zuckt ein Brennen. Ihm verreißt es das Lenkrad. Er drückt es gerade noch zurecht.
„Und stärker als Du bin ich auch. Er schaut verlegen an mir vorbei. Und dann lacht er. Ich auch. Mit diesem Grinsen kriegt er jeden wohin er will. Er weiß das.
„Doch du bist mein Freund, Kleiner. Vergessen?“
„Und ich bin der Anführer. Vergessen?“
„Ich bin von Zuhause weg, das kennt man ja. Aber du auch. Was läuft bei dir schief? Hast du was zu futtern mit?“
Justinian greift nach meiner Jause. „Du glaubst es nicht, wenn ich an Abenden wie heute zuhause bleibe, kenne ich mich selbst nicht mehr. Ich kann keinen Gedanken festhalten. Aus jedem wird eine Bewegung, ein Schlag mit meinen Krallen, obwohl die noch nicht zu sehen sind, ein Zubeißen. Etwas geschieht mit mir. Die anderen dürften mich so nicht sehen. Also haue ich mich gerade noch rechtzeitig über die Häuser. Mein Kopf dehnt sich und schwillt an. Mein ganzer Körper streckt sich. Das tut weh, sag ich dir. Gleich schaue ich, der Schönste in der Klasse, zum Fürchten aus. Ich kann mich nicht aufrecht halten und falle auf alle Viere. Mühselig lerne ich dahin zu kriechen. Ich stinke wie ein Furz und bekomme keine Türe auf und all das. Ich muss alles niederreißen. Das mag der neue Freund meiner Mutter aber gar nicht, obwohl er ganz nett sein kann. Ich bin etwas anderes, etwas, wovor ich mich selbst fürchte. Ich muss mich verstecken, verkriechen und verhungern oder nachts mit knurrendem Magen durch unsere Glina schwimmen und nach lebenden Fröschen, Fischen und sowas schnappen und fressen. Stell dir vor, ich, der beste Sportler, muss mit diesem Körper das Schwimmen und Zuschnappen üben. Ich bin so unbeholfen, dass ich fast nichts erwische…..

(© Del Vede 2016)

Alle Fotos © BUCH13 I Eschenauer

http://www.verlagheyn.at

Ich danke Bernd Sibitz für das Rezensionsexemlar seiner Biografie
„Panik in St. Ruprecht und anderswo“
Verlag Heyn Klagenfurt 2014
ISBN 978-3-7084-0543-8
208 Seiten

Ich danke ebenso dem Märchenerzähler Del Vede für die Erlaubnis einen Auszug aus seiner bisher unveröffentlichten Saga zu veröffentlichen.

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„Leih mir dein Ohr!“ – Veranstaltung MKT und Freunde lesen am Wörthersee

SOMMER UND ANDERE GEFÜHLE war das Motto der Veranstaltung Marlies Karner-Taxer und Freunde lesen Anfang Juni im Strandcasino Werzer am Wörthersee. Fünf Frauen dieser Literatur-Arbeitsgruppe, die sich unter der Leitung von Marlies Karner-Taxer zu einer Frühsommer-Lesung zusammengefunden hatten, gaben in ihr literarisches Schaffen Einblick. Im Mittelpunkt stand der Sommer, der Bogen spannte sich von Lyrik bis zur Prosa, von Gedichten zu Kurzgeschichten, Momentaufnahmen und Naturimpressionen. Innere Befindlichkeiten und äußere Eindrücke wurden von den Autorinnen verarbeitet und in einer literarischen Form dem Publikum zugänglich gemacht. Es stecken sehr viele tiefe Empfindungen und Lebenserfahrung in den Werken, die zum Großteil noch unveröffentlicht sind.

Helga DREXLER

Sie steht mit beiden Beinen mitten im Leben, verwurzelt durch ihre Beschäftigung in der Erwachsenenbildung, die auch ihre Berufung ist.
Das Spiel mit Worten, der achtsame Umgang mit der Sprache, die unerschöpfliche Möglichkeit, Gedankenspinnereien, die Phantasiereisen ihrer Seele mit anderen zu teilen, fasziniert und inspiriert sie seit ihrer Jugend. In emotionalen Ausnahmesituationen ist das Schreiben ihr Ventil, ihr Befreiungsschrei und gleichermaßen ihre Kraftquelle, ihre Rüstung.

Textprobe
„Leih mir dein Ohr, folge mir, lass dich entführen; verzaubern von Buchstaben, die noch in der Luft hängen, den sprunghaften Gedanken ein Bild zu geben versuchen, sich in Silben finden, auflösen, zu Worten formatieren um tänzelnde Ideen in schwingende Sätze und mitreißende Melodien zu verwandeln.
Betrachte meine Bilder und lass dich durch die Magie der Worte in dein ganz persönliches Erleben, deine Zauberwelt entführen.“ (© Helga Drexler)

Gertraud HOLZFEIND

Schon als Kind hat sie alles verschlungen, was ihr an Lesestoff unterkam: Von Reader’s Digest über Karl May, von Shakespeare bis Raimund. Mit 15 entdeckte sie Hermann Hesse, Thomas Mann und Bert Brecht – sie waren eine Offenbarung.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie an ihre erste große Liebe, fein säuberlich getippt und gebunden. Vor wenigen Jahren erfuhr sie, dass er sie immer noch hat.
Regelmäßig zu schreiben begann sie erst vor einigen Jahren, seit neben dem Beruf nicht mehr Familie und Haushalt ihr Leben bestimmen, sondern ihre Freizeit wieder zunehmend ihr gehört.

Textprobe
„Es ist ein verstörendes Gefühl, das ihr Leben beherrscht. Es stammt aus einer Zeit vor ihrer Erinnerung, bevor ihr Verstand beginnen konnte, Dingen und Ereignissen im Erinnern nach und nach ihre Schärfe zu nehmen. Sie steht in ihrem Gitterbett mit zur Tür gestreckten Armen und schluchzt und ruft nach ihrer Mutter, der Allmächtigen. Sie weiß nicht, was sie falsch gemacht hat und will nur eines, dass die Mutter wieder gut ist. Aber die ist unerreichbar und die Ohnmacht hat Zeit, sich in ihr auszubreiten und eine tiefe Spur zu hinterlassen. Dass die Mutter irgendwann wieder das Zimmer betritt und ihr Mädchen, das jetzt brav sein will, in die Arme nimmt, ist schon nicht mehr wichtig. Die Verwandlung hat stattgefunden.“
(Auszug aus einer gerade entstehenden Erzählung) (© Gertraud Holzfeind)

Marlies KARNER-TAXER

Bereits in jungen Jahren hat es ihr unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Geschichten zu Papier zu bringen. Zehn Jahre lang war das Schreiben journalistisch zu ihrem Brotberuf geworden, erst 2013 hatte sie begonnen, literarisch zu schreiben.
Kurzgeschichten, Lyrik und der Text für ein Kärntner Begräbnislied (vertont von Sabine Krammer) sind inzwischen entstanden, die sie immer wieder gerne bei Lesungen vorträgt.

Textprobe
„Stille umfängt mich. Ruhe breitet sich aus in meinem Herz.
Die Spiegelung der Sonne im Wasser erhellt noch ein wenig den nahenden Abend. Ich lächle.
Am Ufer taucht die große Trauerweide ihre Finger in den See, grad so, als wollte sie die Sonne noch eine kleine Weile aufhalten.
Wohltuende Ruhe umfängt mich. Ich atme tief ein. Und aus …“ (© Marlies Karner –Taxer)
Sie las ihre Texte zu Landschafts- und Naturfotografien von den Fotografen Pleschberger und Taxer.

Anneliese MERKAČ-HAUSER

Geboren und aufgewachsen in Wels (OÖ), Studium der Musikpädagogik und Germanistik in Salzburg. Unterrichtstätigkeit an verschiedenen Gymnasien und Musikschulen in Salzburg und seit 1982 in Klagenfurt/Viktring (Instrumentalmusik Klavier).
Ab 1993 Beginn des lyrischen Schreibens im Autorinnenverein „scribaria“.
2011 Herausgabe des Buches „Samt und Leinen“ im Fran Verlag. Veröffentlichungen in den jährlichen Anthologien von „scribaria“.

Die Autorin wünscht keine Textprobe weiter zu geben …

Karin PRUCHA

Die Autorin mit slowenischen, tschechischen und rumänischen Wurzeln ist vielseitig begabt. Neben Coaching, Moderation, unternehmerischem, politischem und journalistischem Engagement sind ihr auch der Flamenco-Tanz und die Energetik wichtig.
Der Bruch der Ehe führte 2009 zur intensiven Wiederbeschäftigung mit ihrer literarischen und künstlerischen Arbeit.
Die erste Gemeinschaftslesung war am 12.12.12 im Klagenfurter Musilhaus, veranstaltet von der Grazer AutorInnenversammlung (GAV) und der IG AutorInnen. Die erste Einzellesung erfolgte 2014 auf Einladung der Klagenfurter Gruppe. Seither nahm sie an vielen weiteren Lesungen teil und arbeitet kontinuierlich an Lyrik, Kurzgeschichten und einem Roman.

Textprobe
„Es war einmal ein kleines Mädchen, das tanzte so gern. Stundenlang übte es vor dem Spiegel, Drehungen, Armbewegungen, schnelle Schritte, tiefe Blicke, und wurde nicht müde. Die Mutter sah gern zu, sie freute sich. Der Vater schlug zu, wenn sie zu euphorisch wurde. Als das Mädchen laufen lernte, lernte sie auch das Davonlaufen. Sie lief in den Spiegel und versank in ihren eigenen Räumen. Wenn draußen der Krieg tobte um ihren Körper, saß ihre Seele geschützt zwischen den Wänden und tanzte. Ihre Bewegungen wurden immer geschmeidiger, und ihre Blicke immer stolzer. Sie drehte sich in ihrem Reich und ihr Körper wuchs mit ihren Wünschen.“ Aus: „Die Parabel vom kleinen Mädchen und den Zwischenwänden der Seele“ (© Karin Prucha)

Mit viel Einfühlungsvermögen und Hingabe umrahmten Jasmin DANIEL und Leonie FUGGER auf ihren Harfen die Texte und entführten die Zuhörer in eine Zauberwelt.

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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