Lob auf Antonio Fian – Laudatio zur Verleihung des Würdigungspreises Literatur des Landes Kärnten 2016 von Elmar Lenhart

„Es freut mich mit Antonio Fian einen Autor ausgezeichnet zu sehen, der sowohl ein vielseitiges Werk vorzuweisen hat, wie auch einen unverkennbaren Stil, der in sehr verschiedenen Gattungen und Genres zur Anwendung kommt. Hier ist ein Versuch einer sehr kurzen Charakterisierung seines Oeuvres:

Seine Literatur ist geprägt von der Lust am Wort- und Sprachspiel, von der Variation des Tons und der Sprechweisen. Seine Literatur ist außerdem extrovertiert, wendet sich direkt an den Lesenden und enthält auch in der Prosa immer eine Spur von einem dialogischen Prinzip, das Kontakt hält mit den Lesenden und deren Lebenswelt.
Die häufigsten Themen sind denn auch Reaktionen auf aktuelle Geschehnisse, das Soziale und das Politische, eine Art von Auseinandersetzung, die nicht im Elfenbeinturm stattfindet und die – das finde ich bei den gegenwärtigen Trends bemerkenswert, – nicht den Autor selbst und seine Befindlichkeit zum vorzüglichen Thema seiner Literatur macht, sondern den Blick nach außen richtet und der Bewertung einer eigenen Wahrnehmung vertraut. Und deshalb mag für Antonio Fian das gelten, was Benjamin über Kraus geschrieben hat: „der Gegenstand wuchs ihm unter den Händen“. Die Assoziation kommt, denke ich, nicht von ungefähr, denn vieles aus Fians Werk steht in der Österreichischen, Krausschen Tradition der Ironie.
Antonio Fian kennt man als Autor, der schon einmal als streitbar und doch auch als still bezeichnet wurde, als einen, dessen Kritik nuanciert, meist in Literatur und Metapher verpackt daherkommt, der Stellung bezieht, ohne zu polemisieren und lieber Umwege geht als unzulässig zu vereinfachen.
Vor allem ist er ein Meister der kurzen Formen, die in wenigen Sätzen viel sagen. In den Erzählungen sind mitunter kafkaeske Angst und Horror-Szenarien verhandelt, Einsamkeit und Entsetzen. Der Blick für das Wesentliche ist dabei ein hilfreiches Scharnier um vertraute Wunschvorstellungen auszuhebeln. Zu meinen Lieblingserzählbänden gehört deshalb der Band Einöde. Draußen, Tag.
Seine Gedichte sind mir ebenso lieb. Sie behandeln deutlicher als die anderen Texte die Bereiche des Privaten. Und auch hier trifft man auf Formenreichtum. Vom Sonett bis zum Laut- und dem graphischen Gedicht reicht das Repertoire. Im Gegensatz dazu stehen die Hörspiele, insbesondere die, die er zusammen mit Werner Kofler verfasst hat, im Zeichen des lauten Zynismus. Es dominiert das Sprachspiel, das Autoreferentielle, das „bis zur Kenntlichkeit verzerren“. Verbrechen, Psychiatrie und Rassismus sind hier die großen Themen die in ihrem metadiskursiven Rahmen keine Fluchtmöglichkeit in falsche Verklärung gewähren.

In seinen Aufsätzen beweist Fian einen besonderen Blick für Phänomene, die von der Literaturkritik bisweilen übersehen werden. Er bringt uns zu Bewusstsein, welche Rolle der Schriftsteller im Diskurs ausübt und fügt sich gleichzeitig in diese Rolle ein. Es gibt ein Sehen nach dem Blick betitelt sich ein Aufsatzband und an dieser Maxime scheinen mir die Texte gemessen zu sein. Bezeichnenderweise ist der titelgebende Aufsatz selbst eine Überschreitung der Gattungsgrenzen, er spaziert leichtfüßig ins dramatisch-visuelle. Das ist oft zu beobachten und herausragendes Kennzeichen von Fians Literatur insbesondere der Gattung, der er zu besonderer Popularität verholfen hat.
Mit der Erfindung des Dramoletts ist ihm etwas Besonderes gelungen. Hier wandelt man zwischen den Kunstformen und fühlt sich doch nicht fremd. Das Dramolett scheint eine Brücke zu bauen zwischen dem Theater und der bildenden Kunst mit den Mitteln der Literatur. Wenn ich das kurz erklären dürfte: Auftritt und Dialog erwecken eine dynamische Erzählsituation, die sich in einem weiteren Schritt in ein Still, ein Bild verwandelt. Mit Ausnahme von Wolfgang Bauer, dessen Mikrodramen mit den Dramoletten zwar nicht vergleichbar sind aber eben doch auch zu den Minidramen gezählt werden, hat es meines Wissens niemand im deutschsprachigen Raum unternommen diese kurze Form so weit auszuarbeiten, dass sie all diese Möglichkeiten entwickelt. Lassen Sie mich als Beispiel nur eine Serie herausgreifen, die das illustriert:
Wenn die beiden in die Jahre gekommenen Nachwuchsvolleyballer, der kunstsinnige namenlose Sportler und sein Freund Imme an den Ufern des Wörtersees stehen, noch dazu am Steg des Strandbads zur Unzeit, so scheint ihr Dialog in ein Bild gegossen, das von Caspar David Friedrich stammen könnte. Man könnte den Titel „zwei Männer in Betrachtung des Wörtersees“ wählen. Wir stehen als Lesende gemeinsam mit diesen beiden ein wenig tragischen Figuren vor diesem Panorama. Das Wort „valossen“ bleibt unhörbar und steht auch nicht geschrieben. Fians Verdienst ist es hier allen Nicht-Kärntnern wie mir mit diesen Texten ein Fenster zum Mysterium der Kärntner Melancholie zu öffnen: Das Zaudern, das im Widerspruch zum Sportland steht, das Panoramatische, das vor der kleinen Tragikomödie verschwimmt, die Assoziation mit dem großen, wortreichen Immanuel und die minimalsprachliche Geste seines Kärntner Namensträgers.
Mir scheint, dass Fian in der Art wie er diese Form der Komik erzeugt dem amerikanischen Cartoonisten Gary Larson nahesteht, handelt es sich doch um eine Komik, die oft von der Setzung eines einzigen Details abhängt, davon, dass, wie im erwähnten Beispiel innerhalb einer großen Szene, die aneinander reibenden Gegensätze nur diskret angedeutet werden dürfen um Wirkung zu entfalten. Das ist eine große Kunst, wenn sie gelingt.
Wir erleben in Antonio Fians Werk die Entfaltung der Satire und des literarischen Zynismus, von dem Albert Drach bekanntlich gesagt hat, dass er ein Anwendungsfall der Ironie sei. Mit diesen Mitteln ist die Aufmerksamkeit auf das Alltägliche und das darin einbrechende Politische gerichtet, der Blick auf das Wesentliche im gesellschaftlichen und politischen Handeln. Auch wenn das dem Autor vielleicht jetzt nicht gefallen wird: Ich empfinde Antonio Fians Texte als Kommentar zur Wirklichkeit und Unterstützung bei der Wahrnehmung derselben. Er tut damit das, was von Schriftstellern oft geradezu gefordert wird und er macht es gut. Vielen Dank und herzliche Gratulation zu diesem Preis.“

© Mag. Dr. Elmar Lenhart, Kärntner Literaturarchiv am 15. Dezember 2016 in Ossiach zur Preisverleihung.

Ich danke den Autor für die Erlaubnis die Laudatio als Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen.

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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„Alles, was ich in mir vorgefunden habe…“ – Das blaue Dingsda – Literaturminiaturen von Engelbert Obernosterer

„In dieses Buch habe ich alles hineingerettet, was ich an Einsichten, Ehrlichkeit, Gründlichkeit und Unerschrockenheit in mir vorgefunden habe. Nun ist das Projekt abgeschlossen und liegt in Form von bedrucktem Papier ruhig auf dem Tisch. Schon deswegen, weil, was einmal unfassbar war, hier fassbar geworden ist, ist es ein gutes Buch. Darüber hinaus verdient es auch deswegen gut genannt zu werden, weil das in Auflösung Begriffene hier noch einmal zum Stillstand gezwungen ist.“ Mit diesen seinen eigenen (Schluss)Worten begründet der Kärntner Schriftsteller Engelbert Obernosterer den neu vorgelegten Band mit Miniaturen DAS BLAUE DINGSDA (2016 Kitab-Verlag Klagenfurt).
Auf 153 Seiten führt uns Obernosterer, der Ende Dezember seinen 80. Geburtstag feiert, in vielen kleinen Episoden in das Reich seiner Erzählkunst und lässt den Leser an seiner Gailtaler Welt teilhaben. Zwei Jahre hat er an diesem Manuskript gearbeitet und meint resümierend zu seinem Werk: „Wohl kaum zu erwarten, dass in Hinkunft noch einmal etwas Neues in mich eindringen wird. Von den häuslichen Obliegenheiten nach ihren Erfordernissen von einem Gegenstand zum anderen geschoben, spüre ich: Es ist nichts als nackte Zeit, was da an die Stelle des Schreibens tritt, nichts als Sekunden und Minuten!“ (S 151)
Der Leserschaft treten kurze Texte, Einfälle, Gedanken, Anmerkungen, Kurzgeschichten, Anekdoten in diesem Buch entgegen, lebhaft und mit viel Humor beschrieben. Die kleinen Dinge des Lebens sind da im „blauen Dingsda“ verewigt, die sich still verhalten und kaum zu bewegen scheinen, die aber genaue Beobachtungen und Regungen der Mitmenschen, der Umgebung, des Alltäglichen, Gedanken aus der Kindheit widerspiegeln. Einmal aus der Perspektive des Ich-Erzählers, einmal aus der Sicht des beobachtenden Allwissenden. Das Dörfliche, die Gegensätze der Charaktere, unvermutete Wendungen und die Liebe zum Unaufgeregten machen diese Erzählungen interessant.
„Hier, wo früher einmal der Dorfbrunnen gestanden ist und daneben ein paar Sitzgelegenheiten aus ungefügen Lärchenstämmen vor sich hingemodert haben, hätte laut einem Wahlversprechen der stimmenstärksten Partei eine neue Sitzgruppe aus massiven Lärchenholz aufgestellt werden sollen, natürlich nur für den Fall, dass sie den Bürgermeistersessel erringt….“ (S 37)
Die Lebensformen aus der unmittelbaren Umgebung des Schriftstellers im Gailtal werden reflektiert und zu literarischen Betrachtungen verarbeitet. Nicht zum ersten Mal setzt Obernosterer so seiner Heimat ein Denkmal, macht nachdenklich, neugierig und lässt oft ein Schmunzeln aufsteigen.
„Bei meiner Ankunft auf der Welt in einer vor Aufregung überhitzen Bauernstube, wie ich mir vorstelle, sträubte ich mich gegen alles, was da war. Ungut fühlte es sich an, rau, einmal zu heiß, dann wieder zu kalt. Ich plärrte aus vollem Hals. Die Welt entsprach nicht meinen Bedürfnissen. Ich wollte sie anders haben, freundlicher, mir gänzlich zugetan….“ (S 35)

Der Schriftsteller selbst betrachtet diesen Band als sein letztes Werk: „Das Ordnen gelingt mir nicht mehr wie früher; einzelne Texte wollen sich nicht fügen, machen Anstalten, ihrer eigenen Wege zu gehen, reißen aus, verabschieden sich und das ohne jede Manier! Das hätten sie früher nicht gewagt! Die letzten rufen mir zurück: War nett, Sie kennengelernt zu haben, Herr Obernosterer! Dann höre ich nur noch ihr sarkastisches Gelächter im Wald. „ (S 5)

Und wahrlich: nach dem Lesen der Lektüre hat man das Gefühl, Engelbert Obernosterer ein Stückchen näher kennengelernt zu haben! Mit seiner Akribie, Detailverliebtheit, mit seinem Humor und seiner Ironie. Ein Stückchen Gailtal, ein Abbild Kärntens an den steilen Berghängen gelegen. Wir sind für die Einblicke in seine Erinnerungen und die Schilderung seiner Umgebung sehr dankbar, weil es uns so vorkommt, als könnten wir so ein Stückchen Weg gemeinsam gehen!

Prof. h.c. Engelbert Obernosterer
Er wurde am 28.12. 1936 als jüngstes von sieben Kindern eines Bergbauern in Sankt Lorenzen im Lesachtal in Kärnten geboren. Er besuchte das konfessionelle Gymnasium Tanzenberg bei Klagenfurt (Internat). Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Wien arbeitete er ab 1965 als Volks- und Hauptschullehrer, ab 1975 AHS-Kunsterzieher in Hermagor im Gailtal.
1974 erhielt er den Förderungspreis des Landes Kärnten für Literatur, 1977 das österreichische Staatsstipendium für Literatur.
1975 erschien sein Heimatroman „Ortsbestimmung“ (Wien-München), 1980 die Kurzgeschichten „Der senkrechte Kilometer“ enthalten „Studien zum Landleben“ – die sich kritisch mit den Begleiterscheinungen des Fremdenverkehrs auseinandersetzen und auch in Filmszenen umgesetzt wurden -, 1988 „Am Zaun der Welt“, 1990 der Roman „Die Bewirtschaftung des Herrn R.“ und 1993 der Roman „Verlandungen“.
In die Kategorie der satirisch-kritischen Heimatliteratur fällt auch das Buch „Vom Ende der Steinhocker“ (1998) sowie „Grün. Eine Verstrickung“ (2001).
Die Werk-Ausgabe im kitab-Verlag in Klagenfurt begann mit der Miniaturensammlung „Die Mäher und die Grasausreißer“ (2002) und „Bodenproben“ (2003). 2004 veröffentlichte er das Theaterstück „Paolo Santonino“, das in Dellach im Gailtal uraufgeführt wurde. 2005 setzte er seiner Heimat in seinem Buch „Mythos Lesachtal“ ein Denkmal. Danach folgten noch viele Werke im kitab-Verlag.
Zuletzt: 2015 „Der Kampf der Engel“ und „Das grüne Brett vor meinem Kopf“

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Engelbert Obernosterer
Das blaue Dingsda
Miniaturen
Cover: Mag. Herbert Brunner
155 Seiten
kitab-Verlag Klagenfurt-Wien 2016
ISBN 978-3-902878-75-5

http://www.kitab-verlag.com/webshop/pg3.html

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=108373436

Ich danke Engelbert Obernosterer für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.

Alle Fotos © Gabriele Russwurm-Biro

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„Weihnachtswunderkerzenschein“ im Schloss Krastowitz – eine kleine feine Adventlesung mit Miniaturen und Lyrik

MKT und Freunde luden zur Advent- und Weihnachts-Lesung ins Schloss Krastowitz bei Klagenfurt. MKT steht für Marlies Karner-Taxer, die zusammen mit befreundeten Autoren und Autorinnen einen besinnlichen, aber auch fröhlichen Abend gestaltete.

Advent, die stillste Zeit im Jahr?
Bei dieser Lesung kam das Geruhsame, Leise und Feine zur Geltung. Aber auch das Schräge, Ungewohnte, Aufrüttelnde, Sozialkritische. Folgende Kärntner Autor*innen lasen Miniaturen und kurze Gedichte zum Thema Weihnachten:

Gerhard BENIGNI, Gertraud HOLZFEIND, Marlies KARNER-TAXER, Anna Maria LIPPITZ, Gabriele RUSSWURM-BIRÓ, Hannes WENDTLANDT. Die musikalische Umrahmung des Abends gestaltete CHL (Christian Lehner) Gesang, Gitarre – diesmal solo.

http://kultur-arbeiter.at/?page_id=8

Anna Maria Lippitz
Sie trug sensibel gestaltete Gedichte vor. Sie wurde 1969 in Griffen/Kärnten geboren und ist Absolventin der Landwirtschaftlichen Fachschule Eberndorf,
geprüfte Beraterin für Effektive Mikroorganismen. Sie absolvierte die Ausbildung in Familiensystemdiagnostik bei Annegret Braun Meera, Mentorin für Frauen, und ist Regionsbetreuerin Wolfsberg im Tauschkreis Kärnten.
Außerdem zählt sie zu den Gründungsmitgliedern der „Kärntner Schreiberlinge“ im Jahr 2013.
Sie schreibt vorwiegend Lyrik in Hochsprache und Kärntner Mundart, 2013 Besuch einer Schreibwerkstatt bei Anita Arneitz .
Erste Veröffentlichung 1986 bei der Ausstellung „Jungendliche Talente“ in Griffen . Veröffentlichung in Anthologien des Katholischen Schriftstellerverbandes und des Novum Verlages „text cocktail mix 2016“ Sommer-Anthologie, ISBN: 978-3-99048-651-1

http://www.novumverlag.com/buecher/belletristik/sonstiges-allerlei/text-cocktail-mix-2016.html


Textprobe (aus text cocktail mix 2016, Seite 236)

„Abgründe?
Irre wirre ich mich durch das Wirrwarr, das sich dennoch nach meinem Leben anfühlt. Entwirre ich es gerade oder verwirrt es mich noch mehr? Planlos lebe ich in den Tag hinein, in die Nacht. Mir im Genicke das Wissen – das GE-Wissen – das eh – schon wissen – die Probleme macht…..“ (© Anna Maria Lippitz)

Gertraud Holzfeind
Schon als Kind hat sie alles verschlungen, was ihr an Lesestoff unterkam: Von Reader’s Digest über Karl May, von Shakespeare bis Raimund. Mit 15 entdeckte sie Hermann Hesse, Thomas Mann und Bert Brecht – sie waren eine Offenbarung.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie an ihre erste große Liebe, fein säuberlich getippt und gebunden. Vor wenigen Jahren erfuhr sie, dass er sie immer noch hat.
Regelmäßig zu schreiben begann sie erst vor einigen Jahren, seit neben dem Beruf nicht mehr Familie und Haushalt ihr Leben bestimmen, sondern ihre Freizeit wieder zunehmend ihr gehört.

Marlies Karner-Taxer
Das Schreiben begleitet sie schon sehr lange durch ihr Leben. Bereits in jungen Jahren hat es ihr unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Fantasien zu Papier zu bringen. Nachdem das Schreiben bei Kärntner Printmedien zehn Jahre lang ihr Brotberuf war hatte sie begonnen, intensiv literarisch zu schreiben. Sie probiert alles aus: Von Lyrik über Krimis, von Märchen über
Weihnachtsgeschichten, vom Text für ein Kärntnerlied zu Kurzgeschichten mit Tiefgang. Heute ist sie bei pointierten und sozialkritischen Prosa- und Lyrik-Texten angelangt. Besonders humorige Beziehungsgeschichten aus Kärnten mag sie sehr. Für einen Kärntner Historienoman steckt sie mitten in den Recherchen.
An diesem Adventleseabend trug sie eine autobiografische Kurzgeschichte vor „Papas Akkordeon“ und eine Geschichte zum Schmunzeln…..

Gemeinsam mit Karin Ch. Taferner hatte sie die Idee, die Schreibgruppe der „Kärntner Schreiberlinge“ zu gründen, bei dem sich 12 Autor*innen alle 14 Tage zum aktiven Schreiben treffen und einander wertschätzendes Feedback geben.
Beim ÖBB-Schreibwettbewerb „LiteraTour am Zug 2014“ erreichte sie unter 180 Autor*innen den beachtlichen 16. Platz. Ihre humorige Kurzgeschichte über eine Zugfahrt ist in der ÖBB-Anthologie im Oktober 2014 erschienen und an jedem Bahnhof in Österreich erhältlich.
Seit 2016 ist sie Generalsekretärin des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes und organisiert Lesungen und Literaturveranstaltungen.

Gabriele Russwurm-Biro
http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/gabriele-russwurm-biro/
Ich las eine Weihnachtsgeschichte mit Sozialkritik. Armut und Sorge in einer hellerleuchteten Weihnachtswunder-Kitsch-Welt des Konsums.
„Sorge tragen.
Mit einer kindlichen Freude verließ sie ihre Wohnung, als es am späten Vormittag zu schneien begonnen hatte – Bewegung erwärmt, durchblutet, hebt die Laune… heute ist Heiliger Abend.
Sie ging mit dem Gefühl, vielleicht nicht wieder nachhause zu kommen. Das dachte sie sich in letzter Zeit immer öfter: nicht mehr nachhause kommen. Das war ein erlösender Gedanke, der Enge zu entfliehen. Das hatte sie sich als Kind oft gewünscht, erhofft: einmal nicht mehr nachhause kommen müssen… Aber wo sollte sie Unterschlupf finden? Sie konnte nicht ständig durch die Straßen laufen. Sie war immer auf der Suche. Sie bummelte so dahin, ging von Geschäft zu Geschäft und betrachtete die luxusschweren Dekorationen, die vielen, vielen vorbereiteten Geschenke, und summte mit der Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern mit. Wie lange konnte sie so träumen? Wann sperrten die Geschäfte? Alle wollten Weihnachten feiern. Jeder strebte nachhause, nur sie nicht….“ (© Gabriele Russwurm-Biro).

Hannes Wendtlandt
Er wurde in Wels/OÖ geboren und ist in Klosterneuburg/NÖ und Wien aufgewachsen. Er lebt (mit Unterbrechungen) seit 1978 in Klagenfurt. Erste literarische Gehversuche als Gymnasiast (ua. Aufführung eines Stückes im Rahmen der Jugendtheaterwoche in Klagenfurt, Förderungspreisträger Ebentaler Literaturpreis). Er studierte Germanistik, Anglistik und PPP. Er engagiert sich als Mitglied in mehreren Bands, als Kunsthandwerker, freier Journalist, Autor, Werbetexter, Übersetzer, Songwriter und vieles mehr.
Publikationen in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften,
zwei Lyrikbände:
„Ich hab’s der Parkbank anvertraut“ (ISBN-13: 978-3735793829). Dieser Band bietet einen kleinen, bunten Querschnitt durch Hannes Wendtlandts feinfühlige Lyrik aus mehr als 30 Schaffensjahren. Die Gedichte erzählen von den Höhen und Niederungen des Lebens, sind heiter und nachdenklich. Seine Gedichte punkten durch Authentizität und Unmittelbarkeit.

https://www.amazon.de/Ich-habs-Parkbank-anvertraut-Jahrzehnten/dp/3735793827
Und: „Auf hartem Land“ (ISBN-13: 978-3734768989).
http://www.mitgiftler.at/de/publikationen/auf-hartem-land
Daraus las er bei der Weihnachtslesung im Schloss Krastowitz folgendes Gedicht:

Auf hartem Land

Ich bestelle mein Feld
Auf Boden, der nichts trägt.
Auf hartem Land.
Ich nähre mich von Hoffnung,
Sie ist das Brot des Herzens.

Ich säe mein Lächeln
Auf steinernen, kargen Grund.
Auf hartes Land.
Doch wenn es aufgeht und gedeiht,
werde ich satt ernten.

Meine Liebe ist eine reife Frucht,
Gepflückt will sie nun werden.
Bevor sie fällt
Und vergeht.
Auf hartem Land.

(© Hannes Wendtlandt)

Den humorigen Abschluss des Abends gestaltete der Villacher Autor Gerhard Benigni mit einer seiner prägnanten Weihnachtskurzgeschichten:
Gerhard Benigni
Er wurde 1973 in Villach geboren und lebt, arbeitet und schreibt auch heute noch dort. Zahlreiche seiner Texte wurden bereits in namhaften Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Seine erste Sammlung von Kurzgeschichten „Fertigteilparkettboden. Im Niedrigenergiereihenhaus.“ (Malandro-Verlag Klagenfurt) ist Anfang 2015 erschienen, sein zweites Buch „Der Usambaraveilchenstreichler auf dem Weg zum Südpol“ erschien im April 2016 bei SchriftStella/ Villach. Mittlerweile verfügt Benigini über eine große Fangemeinde und tritt bei vielen Lesungen vor sein Publikum.
Zur Adventlesung las Benigni seinen prämierten Text: „Wunschzettelwirtschaft. Im Weihnachtswunderkerzenschein.“ Für diese weihnachtliche Kurzgeschichte mit vielen Pointen und Wortspielen erhielt er im September 2016 den zweiten Platz des Schreibwettbewerbs des Magazins „buchjournal.de“ (in der Ausgabe buchjournal fünf 2016 wurde der Text abgedruckt.)
Hier zum Nachlesen:
http://www.buchjournal.de/1234517/

http://www.gerhardbenignialleineistdochvielzukurzalshomepagename.at/

Gruppenfoto: von links: Gerhard Benigni, Anna Maria Lippitz, Hannes Wendtlandt, Gertraud Holzfeind, Gabriele Russwurm-Biró, CHL Christian Lehner; Marlies Karner-Taxer, vorne

Foto© Robert Madrian/KK

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Lyrische Sprachkonstruktionen führten zum Sieg – 9. Kärntner Lyrikpreis an Monika Grill verliehen

„Ich habe erst jetzt so richtig realisiert, dass wirklich ich diese tolle Auszeichnung erhalten
habe!“, erklärte freudig die Autorin Monika Grill, als ihr feierlich im ORF-Theater im Rahmen des Literaturfestes der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ überreicht wurde. Für die in Viktring/ Klagenfurt lebende Autorin bedeutet dieser mit 4.000 Euro dotierte Preis „einen enormen Ansporn für weitere lyrische Sprachkreationen“.
„Man muss eben ein wenig ver- rückt sein, um Schriftstellerin zu werden, abseits der üblichen
Wege und Normen.“ Die gelernte Therapeutin, die über 30 Jahre in den Vereinigten
Staaten lebte, trat dort mit der Poetryszene in regen Kontakt. Sie experimentiert daher gerne mit Wörtern und Versformen.

http://www.monikagrill.com/

Blog-Preis-Layrik-Porträt

Messerscharf
auf dem weg nach süden
immer wieder
die scharfe klinge
der züge
immer wieder
zwei fronten
in erde und staub
vernarbt
immer wieder
grünumschlungen
träume von
fischen
treibholz
segelbooten nach trieste
guiseppe zigaina
der auf alten müllhalden
die knochen
der hunde und katzen
zu brennenden buchstaben
fügt
das alphabet der lagune von grado schilfgrün
meeresblau
möwenweiß (© Monika Grill)

Über den mit 1.500 Euro dotierten zweiten Platz freute sich die in Wien und Berlin lebende Ferlacher Künstlerin Barbara Juch (Jahrgang 1988).
Der dritte Platz (800 Euro) ging an den ebenfalls in Wien beheimateten Klagenfurter Mag.
Wolfgang Oertl (Jahrgang 1962). Er unterrichtet an der Graphischen Bundeslehranstalt.
Einige seiner Schüler waren überraschend aus Wien angereist, damit sie „ihrem“
Professor vor Ort gratulieren konnten. Platz vier (500 Euro der PosterService GmbH,
PSG) ging an die Klagenfurter Marketingleiterin Mag. Sonja Steger.
Platz fünf (500 Euro der KEG) konnte die in Wien lebende Kärntner Übersetzerin Mag. Susanne Müller-Posch, Leiterin der Literaturwerkstätte für Kinder und Jugendliche in der Bundeshauptstadt, für sich entscheiden. Über Platz sechs (300 Euro) freute sich der slowenische Dichter und Redakteur Vincenc Gotthardt aus Klagenfurt. Für ihn war der Preis eine echte Überraschung. Sein jüngerer Bruder hatte heimlich für ihn die Gedichte eingesandt.
Diese sechs Preisträger trugen Gedichte aus den eingesandten Werken vor.

Anerkennungspreise erhielten: Dr. Miriam Auer aus Arnoldstein, Dr. Bianca Kos aus
Klagenfurt, die in Salzburg lebende Kärntnerin Mag. Elke Laznia, der Klagenfurter Mag.
Arnulf Ploder, der in Wien arbeitende Kärntner Mag. Dr. Walter Pobaschnig und der
ebenfalls in der Bundeshauptstadt lebende gebürtige Spittaler Musiker Walter Pucher.
Die Jury zeichnete auch zwei renommierte Kärntner Schriftsteller für ihr Lebenswerk aus:
Der renommierte Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Preis des Landes Kärnten. Brandstetter bedankte sich mit einer pointierten Rede:

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Applaus oder:
Wir leben im Zeitalter des Kritizismus
„Aus gegebenem Anlass“ einige Überlegungen zum Beifall, auf den Künstler „wie auf das tägliche Brot“ angewiesen sind. Der Beifall, die Zustimmung und der „Zuspruch“ äußern sich bei den reproduzierenden Künstlern, den Schauspielern etwa, im Applaus nach der Vorstellung, jenem Lärm, der der Etymologie des Wortes entsprechend, durch Händeklatschen erzeugt wird (lat. applaudo applausi.) Die Theaterleute zählen die sogenannten „Vorhänge“, die durch „stürmischen“, „frenetischen“ und „anhaltenden“, „nicht enden wollenden“ Applaus des Publikums erzwungen werden. „Appläuse“ heißt der entsprechende ironische Plural… Der „enden wollende Applaus“, der bezeichnender Weise auch „ Achtungsapplaus“ oder „Anstandsapplaus“ genannte Beifall, der „wohlwollende“, der „höfliche“, oder gar der gänzlich ausbleibende, schmerzt und beleidigt den Mimen, bereitet ihm Kummer. Und weil, mit Nietzsche gesprochen, alle Lust Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit will, kann als Erschwernis und besondere Bosheit des Schicksals der Komödianten gelten: „Und ihren Ruhm bewahrt kein dauernd Werk. Schwer ist die Kunst, vergänglich ist ihr Preis. Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze. Drum muss er geizen…“ (Schiller, Wallensteins Lager). Schwieriger als Ruhm ist also Nachruhm zu erreichen… Jeder Beifall ebbt einmal ab und verstummt…Hinterlässt allenfalls Spuren in Zeitungarchiven…Es bleibt bestenfalls eine blasse Erinnerung an Ruhmestaten… Dem entspricht der sprichwörtlich gewordene melancholische Seufzer des Schauspielers im Altersheim: Mich hätten sie sehen sollen! Man kann davon ausgehen, daß ein Künstler, nicht nur ein Schauspieler, jeder Künstler, Maler, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher sich selbst belügt, wenn er sich als immun gegenüber Beifall behauptet. Robert Jungbluth sei applaudiert, er hat das Vorhangverbot des Burgtheaters aufgehoben…Manchen ist notfalls auch „Beifall aus der falschen Ecke“ nicht unwillkommen. Angeblich gibt es auch gedungene Claqueure…Manche haben sogar eine sogenannte Fangemeinde…Der Beifallverächter, der Anerkennungsmuffel soll bei Sigmund Freud nachlesen: Der Anerkennungstrieb ist stärker als der Geschlechtstrieb. Und der ist schon schwer genug zu unterdrücken! Wer wie weiland Klaus Kinski („Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, Erinnerungen) mit seiner Libido protzt, befriedigt, „selbstbefriedigt“ also simultan beide Triebe… Freilich, auch die Bescheidenheit ist nicht unverdächtig: Johann Wolfgang von Goethe: „Nur die Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat“ (aus einem Gedicht „Rechenschaft“)… „Erfolg ist keine Kategorie vor Gott“, heißt es bei Georges Bernanos. Das tröstet aber nur die kleine Gemeinde der Frommen. Die Frömmigkeit in der Kunst ist immer in Gefahr zu Frömmelei zu verkommen…
Die schreibende Zunft, die Schriftsteller sind erpicht auf potente Verlage, auf gute Besprechungen in renommierten Medien, auf hohe Auflagen und auf Spitzenplätze auf Bestsellerlisten, und , was uns heute zusammengeführt hat, auf Preise…Es gibt freilich unter den Schriftstellern eine merkwürdige Aversion gegen Preisverleihungsfeiern. Die Überreichung des Preises ist für Schriftsteller oft eine schwer zu nehmende Hürde…Josef Winkler wollte sich nicht vom damaligen Landeshauptmann von Kärnten dekorieren und mit ihm fotografieren lassen…Der Maler und Objektkünstler Cornelius Kolig hat den Kulturpreis des Landes Kärnten im Jahr 2006 nicht aus den Händen des Landeshauptmannes entgegennehmen wollen und einen eigens für die Verleihung konstruierten Apparat, eine Prothese oder Greifzange eingesetzt, um den 15.000-Euro-Scheck zu übernehmen… Elfriede Jelinek hat ihr Fernbleiben in Stockholm mit ihrer Neurose begründet. Gerade ist ja wieder von einem die Rede, der sich den Nobelpreis beim schwedischen König nicht abholen will… Vielleicht kommt die Aversion gegen Preisverleihungsfeiern auch daher, dass sich bei diesen Veranstaltungen die Vertreter jener Institute, die das Preisgeld stiften, und die Juroren, ausgiebig mitfeiern lassen… Nicht unterschätzen soll man auch die Missgunst und den Neid der „Mitbewerber“…Es gibt einen Text von Franz Kafka, den man allen Missgünstigen, aber auch allen stolzen Preisträgern vorlesen und unterschreiben lassen sollte: Zum Nachdenken für Herrenreiter.
Es ist im digitalen Zeitalter, in dem wir leben, so leicht geworden und man könnte auch sagen so verführerisch, Beifall oder Missfallen zu äußern. Wir leben im Zeitalter des Kritizismus. Alles wird bewertet, mit 4 oder 5 Hauben für Restaurants, Sterne für Hotels oder Plus- und Minuspunkte für Filme…Es wird weniger seriös kritisiert als oberflächlich „bekrittelt“… Die Zahlen der Aufrufe zu Beiträgen auf Youtube oder Sites werden automatisch registriert und ergeben eine Art permanenter Volksabstimmung wie auch die Quoten des Fernsehens… Es gibt einen Button LIKE, einen anderen GEFÄLLT MIR und es gibt den Smiley, der einem schmeichelt, und es gibt die leicht zu bewerkstellende Meinungskundgabe durch Postings und Kommentare. Die Hand mit dem Daumen nach unten oder oben ist ein Erbe aus der Antike. So haben die Verantwortlichen bei den Gladiatorenkämpfen im Kolosseum zum Tod verurteilt oder begnadigt…Leserbriefe sind verglichen mit den digitalen Schnellschüssen und lapidaren Invektiven im Internet dagegen geradezu eine ehrwürdige demokratische Institution. Die Leichtigkeit verführt in millionenfachen Fällen zu Leichtfertigkeit, wenn Wutbürger im anonymen Raum des Internet von ihrem gut geheizten Wohnzimmer aus hässliche und eiskalte Botschaften und Kommentare absetzen. Was wir heute erleben und vor uns sehen, hätte sich Kafka nicht träumen lassen, auch George Orwell („1984“), der Prophet der Literatur, hat das jetzt und heute Aktuelle und Mögliche, ja Praktizierte, etwa den Einsatz von Drohnen nicht prognostiziert. Es gibt die Sittenkommission der Metternich-Zeit, die in die Schlafzimmer der Bürger geschaut – und auf Ordnung gesehen hat, nicht mehr, aber die Obrigkeit und die kapitalistische Wirtschaft haben einfachere Möglichkeiten der „Einschau“ und „Überwachung“. Kafkas Parabel „In der Strafkolonie“ wird zu Recht als eine „Ansage“ und visionäre Vorwegnahme der industriellen Brutalitäten der Nazis gerühmt, aber die Grausamkeiten der Jetztzeit in vielen Teilen der Welt übertreffen alles Dagewesene noch womöglich. Apokalypse now. Abgesehen von den brachialen und martialischen Kriegen findet ein Gemetzel, ein Weltkrieg der Wörter, der „Wortgefechte“ in den elektronischen Medien statt. Shitstorms jagen wie Tornados oder Wirbelstürme durch den Äther… Kein Ende, kein Schlusspunkt, kein Friedensschluss in Sicht…“ Dankesrede von © Alois Brandstetter.

Stadträtin Ruth Feistritzer übergab Gerard Kanduth, ehemaliger langjähriger Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes und Autor mehrerer Lyrikbände, den Preis der Landeshauptstadt in der Höhe von 1.500 Euro.

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Preis der Stadt Klagenfurt 2016: Gerard Kanduth (Laudatio von Katharina Herzmansky)
„Der Preis der Stadt Klagenfurt wird heuer an eine Persönlichkeit verliehen, die sich im literarischen Leben in Kärnten und darüber hinaus, im Alpen-Adria-Raum, in besonderer und vielfacher Weise verdient gemacht hat. Und das in ebenso eindrücklicher und nachdrücklicher wie bescheidener Form. Ihn einen großen Stillen zu nennen, wäre allein nicht zutreffend, dazu hat er sich zu prononciert geäußert, im Gedicht, in der Erzählung, im kultur- und gesellschaftspolitischen Kommentar hat er Stellung bezogen, aber eben nicht sozusagen serienmäßig und sich bei jeder Gelegenheit in den medialen Vordergrund drängend, sondern sparsam, wohl dosiert und daher umso wirkungsvoller.

Gleichwohl er, neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, fünf Bücher veröffentlicht hat – vier Lyriksammlungen und einen Prosaband – gilt es den Autor Gerard Kanduth vielfach erst zu entdecken, ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Richter und langjährige Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes stärker wahrnehmbar. Das mag nicht zuletzt mit der Verantwortung und dem Gewicht, die solche Ämter mit sich bringen, zu tun haben.

14 Jahre lang, von 2002 bis zum Anfang dieses Jahres war Gerard Kanduth Präsident des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes. Das ist eine lange Zeit, und Gerard Kanduth hat, wie es seiner Wesensart entspricht, seine Energien und Kräfte in die eigentliche, in die inhaltliche und auch mitunter mühevolle, aber notwendige „zwischenmenschliche“ Vereinsarbeit investiert, gute Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewonnen und den Verband nach innen und außen geöffnet. Nicht nur die Zahl der Mitglieder insgesamt ist deutlich angewachsen, der Verein wurde zunehmend weiblicher und jünger. Mit den alternierend veranstalteten Alpen-Adria-Literatursymposium in Gmünd und dem Preis des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes für neue Literatur wurden unter der Präsidentschaft Kanduths zudem zwei Veranstaltung ins Leben gerufen, die sich fest im literarischen Leben der Region verankert haben: das Symposium in Gmünd als mehrtägiger Austausch zwischen den Literaturen der Nachbarländer Österreich, Italien und Slowenien, und der Literaturpreis, übrigens erst letzte Woche vergeben, als jenes Seismogramm, das Texte aufstrebender, ästhetisch anspruchsvoll und ernsthaft arbeitender Autorinnen und Autoren ausfindig macht und nicht selten am Beginn einer literarischen Karriere steht. Auch hier gilt: Kontinuität, Beharrlichkeit, Qualität vor Quantität und öffentlich-medialer Inszenierung.
Durch den Alltag und die Arbeit hindurch, durch deren Dickicht und Absurditäten, führt der Weg zu Gerard Kanduths eigenem Schreiben. „im hafen: worte bilden / die kette / meines ankers // ich werfe ihn aus / weil ich / hierbleiben / möchte“ (Entsprechungen, 1999). Es geht auch darum, Ausgleich, Freiraum zu schaffen, für den Blick, die Seele, den Geist und die Gedanken, um so zum Wesentlichen vorzudringen. Dieser Prozess ist spürbar und nachvollziehbar in Gerard Kanduths Texten und nimmt uns Leserinnen und Leser mit zum Kern der Dinge. Führt uns Konzentrate von Wirklichkeit vor Augen, die uns zuweilen verstören, zuweilen gehörig zum Lachen und in jedem Fall zum Nachdenken bringen. „nichts / hilft mir mehr / beim schreiben / als eine graue / wolke / voller schnee“, heißt es in dem Gedicht optimal (Der Wal auf der Festplatte, 2000), und wir spüren förmlich das Durchatmen, das Leerwerden, das notwendig ist, um für neue Gedanken und eine neue Formen Platz zu schaffen.

Bis so reduzierte Gedichte wie das eben gehörte entstehen können, ist es meist ein weiterer Weg. Mit dem Verfassen von Gedichten hat Gerard Kanduth bereits eigentlich als Volksschüler in Kötschach begonnen, als Gymnasiast am Neusprachlichen Gymnasium in Lienz erstellt er mit den ersten erlernten Englischvokabeln bereits experimentelle Texte. Als Gerard Kanduth seine ersten Kurzgeschichten in der Kärntner Volkszeitung und – nota bene – in der Presse veröffentlicht, ist er gerade einmal vierzehn, fünfzehn Jahre alt.

Mitte der 1970er-Jahre schickt er 17-jährig einen surrealistischen Text über eine am Fenster vorbeifliegende Kuh an den Literarischen Arbeitskreis, einen Zirkel, den Alois Brandstetter an der damaligen Universität für Bildungswissenschaften in Klagenfurt ins Leben gerufen hat. Der junge Autor aus dem Oberen Gailtal wird nicht nur zu einer Lesung an die Universität eingeladen, sein Text wird auch in den Schreibarbeiten, der Zeitschrift des Kreises, veröffentlicht! Lektoriert wird er, wie die erhaltene Korrespondenz zeigt, vom damals 22-jährigen Josef Winkler. Man begegnet sich im Leben immer mindestens zweimal, heißt es, schön, dass sich hier Kreise schließen bzw. Wege in dieser Form wieder kreuzen, Alois Brandstetter und Gerard Kanduth heute gemeinsam geehrt werden.

Einer Geschichte über die Militärzeit in Villach, im Vorjahr in einer Anthologie der Reihe Europa erlesen im Wieser-Verlag erschienen, ist zu entnehmen, dass Gerard Kanduth als Präsenzdiener sprachlich-literarische Ambitionen hatte; während des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien tritt die Beschäftigung mit Literatur seiner eigenen Aussage zufolge in den Hintergrund. Vordergründig in den Hintergrund, muss man wohl ergänzen, denn die Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt und Sprache des Rechts sowie die Befassung mit Fragen der Gerechtigkeit sollen für die später wieder aufgenommene literarische Tätigkeit von großer Bedeutung sein.

Es war wiederum Alois Brandstetter, der in einer Besprechung von Gerard Kanduths erstem, 1999 erschienenen Lyrikband Entsprechungen auf den epigrammatischen Charakter der Gedichte hingewiesen hat, auf ihre Nähe zum Sinn- und Spruchgedicht, aber auch zum Haiku. Und Alois Brandstetter hat auch die soziale und humanistische Grundhaltung herausgestrichen. „lass ihn / liegen / sagte sie // vielleicht / hat er / aids“, heißt es in dem Gedicht passanten in Kanduths zweitem Gedichtband Der Wal auf der Festplatte (2000). Knapper und eindrücklicher kann man Stigmatisierung und Ausgrenzung kaum formulieren.

Es wäre schön, an dieser Stelle eine Reihe von Gedichten des Autors zu hören; ich hoffe, Sie haben auch anhand der wenigen Beispiele einen Eindruck gewonnen. Einen Eindruck von der Reduziertheit der Sprache, von der Verbindung von Natur und Geist, von Stadt und Land, wenn man auch will, auch von der eigentümlichen Balance von Schwere und Leichtigkeit, von Behutsamkeit, Sensibilität und Wucht, die diese Texte ausmachen.

Und von dem offenen Ausklang, der mich besonders für die Gedichte einnimmt. Obwohl, wie bereits ausgeführt wurde, die Nähe zum Epigramm, zum Aphorismus – Fabjan Hafner verweist in seinem Vorwort zum Band Vice Versa (2012) darauf – und auch zur Sentenz gegeben ist, bleibt das Urteil letztlich offen, wird die Entscheidung nicht gefällt, führt die Sprache Gerard Kanduths in jene Zwischenräume des menschlichen Lebens, die weder durch Paragraphen noch durch künstliche Intelligenz erfasst und reglementiert werden können.

computerfrage: „soll dieses / schöne gedicht / wirklich / in den papierkorb / verschoben / werden // ja“
word fragt nochmals: „soll dieser gelungene text wirklich / gelöscht werden // ich weiß nicht“

Lieber Gerard, diese Entscheidung sei dir abgenommen und sie lautet eindeutig: Nein! Nicht löschen! Herzliche Gratulation!“ (© Katharina Herzmansky)

Insgesamt wurden Preisgelder in der Höhe von über 12.000 Euro vergeben.
Für die beachtliche musikalische Begleitung sorgte der Klagenfurter Perkussionist und Klangkünstler Klaus Lippitsch.
www.klauslippitsch.com

STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer zeigte sich erfreut, dass auch
heuer wieder über 240 Autorinnen und Autoren in deutscher oder slowenischer Sprache
am Literaturwettbewerb teilgenommen hätten. STW-Vorstand Mag. Clemens
Aigner sprach von „gesellschaftlichen Verpflichtungen der Stadtwerke“, zu denen auch der
„Kärntner Lyrikpreis“ zählt.
Dieser gilt bereits als Fixstern im österreichischen Kulturgeschehen und wurde selbst schon dreimal ausgezeichnet – mit dem Maecenas in Wien und Ossiach. Nächstes Jahr feiert der Preis sein 10-Jahr-Jubiläum.

Die unabhängige Jury bestehend aus: Vorsitzender Dr. Günter Schmidauer, Büchnerpeisträger
Dr. h. c. Josef Winkler, Mag. Katharina Herzmansky, Ilse Gerhardt, Mag. Dr. Richard Götz und STW-Unternehmenssprecher Harald Raffer (ohne Stimmrecht).

Bildtexte:

Gruppenbild mit Siegern (v. l.): Moderator STW-Unternehmenssprecher Dr. Harald Raffer, STW-Vorständin Mag. Sabrina Schütz-Oberländer, Mag. Wolfgang Oertl (3. Platz), die glückliche Siegerin Monika Grill mit ihrer Glas-Trophäe, Barbara Juch (2. Platz) und STW-Vorstand Mag. Clemens Aigner. Der „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe“ wurde heuer bereits zum neunten Mal verliehen.

Bild 2: Ehrung für sein Lebenswerk: Der Landtagsabgeordnete Mag. Markus Malle (li) überreichte dem Schriftsteller Univ. Prof. Dr. Alois Brandstetter den Ehrenpreis des Landes.

Bild 3: Die Klagenfurter Stadträtin Ruth Feistritzer übergab dem Klagenfurter Dr. Gerard Kanduth (ehemaliger Präsident des Kärntner Schriftstellerverbandes) den Preis der Landeshauptstadt

Fotos © Konitsch/STW KLAGENFURT/ KK
Porträtfoto (c) Hannes Pacheiner/KK

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Mordfall Eisjüngling – ein „Heimatroman“ von A. W. Grill über die Abgründe der Kärntner Seele

Namengebend für diesen Kriminalroman des Kärntner Autors A. W. Grill (2015 erschienen im Malandro-Verlag) ist das wohl bekannteste Klavierwerk des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák. Die Humoreske Nr. 7 poco lento e grazioso in Ges-Dur 1894 wird zu den populärsten Klavierstücken überhaupt gezählt.
Der Roman ist bewusst als Humoreske – wie der Titel ausdrückt – angelegt. Ein Heimatroman, der bewusst den herkömmlichen Heimat-Roman dekonstruiert und aus der Masse des Klischeebehafteten angenehm hervortritt. Der in Wien lebende Autor schreibt selbst zur Erklärung in seiner Einleitung des 460 Seiten starken Druckwerks eine treffende Charakteristik:

„Es wurde eine Kriminalroman, weil er (der Verfasser) in einer kriminellen Gesellschaft lebte und lebt, die im Begehen der sieben Hauptsünden ihr Überleben sichert – wo wäre die moderne Marktwirtschaft ohne Habgier, Völlerei, Wollust, Neid, Hochmut, Zorn und Trägheit? Es wurde ein Horrorthriller, weil das eigentlich zum Fürchten ist. Eine Satire, weil der Humor das geistige Überleben sichert. Ein Lebensratgeber. Nicht weil er über das Wissen verfügt, einen Rat zu erteilen, aber weil er darum gebeten hat, dass dieser Roman dem einen oder anderen Leser einen Rat erteilen mag. Ein Katastrophenroman und nicht zuletzt ein Heimatroman.“ (Seite 9)

Die Handlung spielt in einem Dorf im tiefsten Gurktal. Eine kalte Woche im Februar. Ein unbekannter Toter im Wald. Revierinspektorin Ines Weiß von der Mordkommission Klagenfurt ermittelt vor Ort und wird dabei von dem alten Dorfpolizisten Hans Leitner unterstützt. Von „Montag“ bis „Sonntag“ ist das Werk in sieben Kapitel geteilt und diese wiederum durch Zeitangaben in Unterkapitel. Ein Glossar mit der Erklärung der Kärntner Dialektausdrücke hilft dem nicht so sattelfesten oder nicht ansässigen Leser in die nuancenreiche Sprache des südlichsten Bundeslandes von Österreich.
Verschiedene „urkärntner“ Charaktere werden detailgetreu und mit einer Hingabe zum Sarkasmus beschrieben. Die Handlungsebenen sind fein verflochten, die Figuren agieren nachvollziehbar, manchmal überraschend und unvorhersehbar. So wird es nie langweilig auf immerhin 460 Seiten. Zu den schillernden Persönlichkeiten in dieser Humoreske zählen Leitner, Debelak und auch ein mächtiger Landespolitiker, El Haraldo, den man (als Kärntenkenner) unschwer samt seinem parteipolitischen Umfeld entlarven kann.

„Dort traf er auf weitere Bürschchen, dünn wie die Flatscreens vor denen sie saßen, höchstwahrscheinlich außerstande mit Tschechows Kirschgarten irgendetwas anderes zu verbinden als einen Cherry Wodka in Rainers Bar am Monte Carlo Platz in Pörtschach. Dafür goldbraun, wie die in Schmalz herausgebackenen Mäuse seiner Schwiegermutter. Debelak ekelte sich. Das unverschämte Parfüm des Parteisekretärs stieg ihm zu Kopf.“ (Seite 164)

Unbarmherzig seziert A. W. Grill den Kärntner, die Kärntnerin schlechthin bis hin zur Lächerlichkeit. Lacher, Kopfnicken und zumindest Schmunzeln sind dem Autor sicher, sofern die Leserschaft mit Kärntner Gegebenheiten oder der Kärntner Bevölkerung vertraut ist. Große Teile des Buches sind im strengen mittelkärntner Dialekt geschrieben, ein ungewöhnliches Stilmittel, das die Lesbarkeit für Nichtkärntner erschwert, für „Nativspeaker“ aber zum Gaudium macht.
Ursprünglich wollte A. W. Grill den gesamten Roman in der Sprache der Region um Klein St. Veit, Weitensfeld, Gurk verfassen, um der Gegend seiner Kindheit, „dem wilden Gurktal“, ein Denkmal zu setzen. Einer allgemeinen Verständlichkeit geschuldet werden die Dialektdialoge sehr lebendig, aber nicht durchgehend eingesetzt.

„Klein St. Veit kam an diesem Tag groß raus. Die regionalen Medien brachten den Eisjüngling als Aufmacher und auch Restösterreich wurde ausführlich und inbrünstig über den rätselhaften Mord informiert. Die aufgrund fehlender Fakten schreiend inhaltsarmen Berichte schmückten dabei meist zwei Bilder. Eines, das den Wald zeigte, in dem das Opfer gefunden wurde und eines vom Ortskern mit der spätgotischen Kirche im Mittelpunkt. Dieses beschauliche, idyllische, friedliche, romantische Dorf wurde Schauplatz eines brutalen, furchtbaren, grausamen, blutrünstigen, bestialischen Verbrechens.“ (Seite 156)

Bald erkennen die Ermittler, dass ein Verbrechen aus der Vergangenheit aufgeklärt werden muss, um den Mordfall zu lösen. Allmählich verliert das idyllische Dorf die Maske einer Unschuld, die es in Wirklichkeit nie besaß. Alle Untiefen der Kärntner Seele werden von A. W. Grill aufgedeckt und sichtbargemacht, immer mit einer großen Portion Humor und einem Augenzwinkern der Heimat und Herkunft gegenüber.
Besonders Klagenfurt und seine Bevölkerung hat der Autor durchschaut und deckt alle Schwächen und Eitelkeiten auf. Empfehlenswert!

„In Klagenfurt wurde dieser Rausch zum Delirium. Ein Beispiel gefällig? Da baute man auf der Hundewiese nächst dem Strandbad eine Beachvolleyballarena, ließ den Pöbel gratis halbnackte Sandwürmer begaffen, die man aus allen Teilen der Welt einfliegen ließ und erklärte sich kurzerhand zum Mekka des Beachvolleyballs….Beachvolleyball, in der Skala der bekanntesten Sportarten irgendwo zwischen Tontaubenschießen und Fingerhakeln gereiht, wird als Top-Event verkauft, das aufgrund seiner vorgeblich immensen Wichtigkeit natürlich nur in Klagenfurt stattfinden kann. Und von Klagenfurt breitet sich das Virus über das ganze Land aus. In Weitensfeld feiert man ein Literaturfestival deutscher Klassiker, wenn die Karl-May Spiele anstehen und ein Türke in der Rolle des Winnetou durchs wilde Gurktal reitet, in Spittal (an der Drau) wird Hochkultur zelebriert, wenn die Komödienspiele Porcia dreihundertfünfzig Jahre alte Pointen aufwärmen. Von den wirtschaftlichen und politischen Erfolgen ganz zu schweigen. So glauben die Kärntner, insbesondere die Klagenfurter – und nur sie – dass sie die besten Liebhaber sind, den besten Schmäh führen, den meisten Alk vertragen (das könnte eventuell sogar stimmen), die wagemutigsten Politiker haben, den höchsten Lebensstandard genießen… Ist Kärnten – wie gerne von Kärntnern behauptet – die kleine Welt, in der die große Probe hält, kann man nur hoffen, dass möglichst viele Aufführungen abgesagt werden.“ (Seiten 178 – 179)

A. W. Grill

ist Kärntner und lebt derzeit mit seiner Familie in Wien. Grill schrieb Theaterstücke und Drehbücher. Zu seinen Freunden zählte der im Jahr 2000 früh verstorbene Schriftsteller Georg Timber-Trattnig. Seit 2009 schreibt Walter Grill Junior Bücher. Sein Erstlingswerk, das Doku-Drama yamamoto airlines Black Box: die großen Siege, 1996 – 2000 erschien als Sonderbeilage im Online Magazin Transporter.
„Humoreske“ ist sein erster Roman. Ein Heimatroman – wie es sich für einen selbsternannten Heimatdichter ziemt. Derzeit arbeitet er an einem weiteren Roman mit Kärntenbezug..
Da ihn die Kulturgremien der öffentlichen Stellen und privaten Stiftungen bislang nicht mit Subventionen und Preisen überschütteten, arbeitete er u. a. als Matrose, Erntehelfer, Bühnentechniker, Dramaturg, Nachtportier und – worauf er besonders stolz ist – als Eisenbahner bei den ÖBB.

http://www.heimatdichter.org/blank

http://pingeb.org/111-a-w-grill-humoreske-op-101-nr-7/

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A. W. Grill
HuMORESKE
Op. 101 Nr.7
Kriminalroman
Malandro Verlag Klagenfurt 2015
Taschenbuch
460 Seiten
Euro 18,00
ISBN: 978-3-902973-21-4

http://malandro.at/buch/humoreske-op101-nr7

https://www.youtube.com/watch?v=H3dhH5goUyE

© Foto Gabriele Russwurm-Biro

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„Wie eine Blumenwiese einwirken lassen“ – Preisverleihung des KSV-Literaturwettbewerbs 2016

Die Jury hat es immer schwer. Dieses Jahr wurden 35 Texte von Kärntner Autorinnen und Autoren zu den unterschiedlichsten Themen mit unterschiedlichen Stil- und Ausdrucksformen eingereicht. Es fällt auch Literaturexperten nicht leicht, aus dieser Menge sehr guter Texte eine Longlist von 15 Beiträgen und daraus eine Shortlist von fünf besten auszuwählen.
Die jedes Mal alternierende Jury setzte sich heuer aus den Vorstandsmitgliedern Prof. Engelbert Obernosterer (Vorsitz), Dr. Reinhard Kacianka, sowie Mag. Arnulf Ploder (Vizepräsident) zusammen.

„Gerne würde man die eingesandten Texte einfach wie eine Blumenwiese auf sich wirken lassen“, erklärt Juryvorsitzender Engelbert Obernosterer in seiner Rede am Abend der Preisverleihung des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes im Musil Literaturhaus in Klagenfurt.
„… und sich daran erfreuen, dass es noch so viel Eigenständiges, Ideenreiches im Lande gibt. Weil Buchhändler und Leser aber für eine Entscheidungshilfe dankbar sind, braucht es eine Reihung, braucht es eine Hervorhebung durch Preise.“

Seit 2002 schreibt der Kärntner SchriftstellerInnen- Verband jedes zweite Jahr einen Preis für neue Literatur aus. Heuer ist das bereits die achte Ausschreibung. Dieser Preis zählt damit nach dem Ingeborg –Bachmannpreis, der sich auf deutschsprachige internationale Beiträge spezialisiert hat, und dem Kärntner STW-Lyrik-Preis, der 2008 ins Leben gerufen wurde, zu den wichtigsten und beständigsten Wettbewerben für Gegenwartsliteratur in Kärnten.

Platz 1 (mit 2000,- Euro dotiert) erging an Greta Lauer mit ihrem Beitrag:
„Das Schicksal der Schwestern“.

Greta Lauer wurde 1990 in Klagenfurt geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Wien. Theatererfahrungen sammelte sie u. a. an der Schaubühne am Lehninger Platz, am Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien und am Staatsschauspiel Stuttgart. Sie schreibt Lyrik, szenische Texte und zurzeit vor allem Prosa. Sie erhielt Reise – und Arbeitsstipendien des Bundesministeriums für Kunst und Kultur 2015. Veröffentlichungen: JENNY, manuskripte, BELLA triste , fluchtraum und erostepost. Sie lebt und arbeitet in Wien.

KSV-Lauer-Porträt-4

Begründung aus der Laudatio von Engelbert Obernosterer:

„Ein Bericht aus einer Art Unterwelt, vorgetragen in einer ungeschönten knappen, immerzu vorwärts drängenden Sprache mit kraftvollen Bildern, die der Fantasie die nötige Freiheit gewähren und trotzdem den Leser nicht aus ihrem Bann entrinnen lassen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Autorin das Auftauchen an die Realität der Oberfläche verweigert und dass sie die Mächte der Unterwelt personalisiert, um sie überhaupt fassbar zu machen. Der Text zeichnet sich im Ganzen durch markante Eigenständigkeit und stilistische Sicherheit aus.“ (© Engelbert Obernosterer)

Platz 2 (dotiert mit 1000,- Euro) ging an Angelika Stallhofer für ihren Beitrag „Fünf Dinge“.
Angelika Stallhofer wurde 1983 in Villach geboren und ist in Seeboden aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Wien. Sie verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und Hamburg und absolvierte den Lehrgang Literarisches Schreiben am Institut für Narrative Kunst. Seit 2012 veröffentlicht sie Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie erhielt 2013 den dritten Platz des Kärntner Lyrikpreises und 2014 und 2016 Startstipendien für Literatur des Bundeskanzleramtes.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/angelika-stallhofer/

Bergündung aus der Laudatio von Arnulf Ploder:

„Es hat mich als Leser erstaunt zu sehen, wie anfangs zwar von den Dingen die Rede ist, der stoffliche Charakter der Leitmotive sich aber mehr und mehr auflöst im Sphärischen eines gemischten Glücks….Wie die Autorin darüber gebietet, beeindruckt. Es ist mehrmals vom Zufall die Rede, doch im sprachlichen Ausdruck selbst scheint nichts zufällig, auch nicht überkonstruiert. Nichts dergleichen. Die Geschichte ist sehr ausbalanciert, sie spricht das Kleine und das Große an, das Alltägliche und das Erhabene, das Nichtige und das Bedeutungsvolle und erzeugt dabei eine einprägsame zauberische Schwebe.“ (©Arnulf Ploder)

Platz 3 (dotiert mit 500,- Euro) bekam Paul Auer für seinen Text: „Krimschild“ zuerkannt.

Paul Auer ist in Kärnten geboren und aufgewachsen. Er studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Kärnten. Zur Preisverleihung war er gerade in Indien. Zahlreiche Veröffentlichungen seit 2010 in Anthologien.

http://www.kaerntner-schriftsteller.at/verband/mitglieder/paul-auer/

Begründung aus der Laudatio von Reinhard Kazianka:

„An der Schwelle zwischen Leben und Tod – so hofft der Ich-Erzähler von Paul Auer – offenbart sich Wahrheit. Dieser Wahrheit über die Weltkriegs-Vergangenheit des Großvaters nähert sich der Autor in erbarmungslos nüchterner Sprache – Prosa im wahrsten Sinn des Wortes.“ (© Reinhard Kazianka).

Der 4. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) erging an Miriam Auer (1983 geboren in Friesach, Studium der Anglistik und Germanistik in Klagenfurt; lebt in Stossau, Arnoldstein; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „Wegen Wes“.
http://www.meerauge.at/autor_inn_en/miriam-h-auer

Der 5. Platz (Anerkennungshonorar von 250,- Euro) wurde Elke Laznia (1974 in Klagenfurt geboren, aufgewachsen in Feistritz an der Drau, lebt seit 1974 in Salzburg; zahlreiche Preise und Veröffentlichungen) für ihren Beitrag: „bin mir schon selbst nicht mehr ähnlich“.
http://pingeb.org/91-elke-laznia-kindheitswald/

Die 15 besten von der Jury ausgewählten Beiträge, inklusive der 5 Siegertexte, werden erstmals gemeinsam mit der jeweiligen Laudatio der Jurymitglieder in einer Anthologie veröffentlicht.
Diese Anthologie wird 2017 unter dem Titel „Feinheiten“ – die besten Texte des Literaturwettbewerbs des Kärntner SchriftstellerInnen-Verbandes voraussichtlich im Johannes Heyn-Verlag, Klagenfurt erscheinen.

Diese Publikation soll der Beginn einer Buch-Reihe darstellen, die alle 2 Jahre die besten Texte der Wettbewerbe des KSV veröffentlicht. Damit soll sich ein Gesamtbild der Kärntner Literaturszene ergeben und dokumentiert werden und die Tätigkeit der Kärntner Schriftstellerinnen und Schriftsteller gefördert werden.

Die bisherigen Preisträger und Preisrägerinnen waren:

2002 (Barbara Grascher),
2004 (Simone Schönett),
2006 (Jürgen Lagger),
2008 (Hugo Ramnek),
2010 (Christoph W. Bauer),
2012 (Harald Schwinger)
2014 (Anna Baar, 2. Miriam Auer, 3. Ursula Wiegele)

Gruppenfoto © Marlies Karner-Taxer
Porträtfoto Greta Lauer © Jonida Laçi

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Die Meriten des Südens – zweisprachiger Literaturwettbewerb Bleiburg

In den letzten Jahren avancierte der Bleiburger Literaturpreis zu einer traditionsreichen Veranstaltung im zweisprachigen Gebiet Südkärntens. Diese ambitionierte Initiative der Kulturabteilung der Gemeinde Bleiburg/Pliberk , organisiert von Arthur Ottowitz und Eva Verhnjak-Pikalo, findet großen Anklang in der Region und bis über die Grenzen nach Slowenien hinaus.
Zum siebenten Mal wurde um Einreichung von Prosatexten und Lyrikbeiträgen gebeten und jedes Jahr nehmen mehr Literaturinteressierte daran teil. 2016 waren es insgesamt 57 Beiträge, die eine ausgewählte achtköpfige Jury in deutsch und slowenisch jeweils für Prosa und Lyrik anonym zu bewerten hatte. Ilse Gerhardt , Michael Stöckl, Andrea Urban, Gabriele Russwurm-Biro, Mateja Rihter, Irena Oder, Martin Kuchling und Greta Jukič waren für die Beurteilung und Auswahl verantwortlich.

Ende Oktober fand im Werner Berg Museum Bleiburg/ Pliberk die feierliche Preisverleihung und Lesung der Preisträger des Literaturwettbewerbs „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ statt. Unter großer Anteilnahme des Publikums wurden in den vier Kategorien (deutsch Lyrik/slowenisch Lyrik – slowenisch Prosa/ deutsch Prosa) jeweils der erste Platz ausgelobt und vorgelesen.

Jurorin Ilse Gerhardt hob den persönlichen Bezug der Lyrikpreisträgerin Anneliese Merkač-Hauser zu Bleiburg hervor und betonte „ihre poetische Kraft, die Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, was ganz essentiell für die Lyrik ist.“ Jurorin Mateja Rihter charakterisierte die Poesie in slowenischer Sprache von Verena Gotthardt so, dass sie mit einem Minimum an Wörtern das Maximum an Ausdruck erreiche und diesen „aufs Wesentliche reduziert“.

Gemeinsam mit Andrea Urban, wurden von mir die deutschen Prosatexte anonym gelesen und unabhängig von einander bewertet. Wir waren uns bei der Jurybesprechung sofort über den ersten Platz einig: Mirjam Malej (Bleiburg/Pliberk) mit ihrem Text „Auf einen Schlag … Stille“

Jurybeurteilung für den Siegertext von Mirjam Malej von Gabriele Russwurm-Biro:

„Der Text gibt auf sieben Seiten Einblick in das Leben von drei verschiedenen Personen in ihren jeweils verschiedenen Lebenssituationen. Als Leser kann man die Gedanken, Wünsche und Sorgen dieser drei Protagonisten, zweier Frauen und eines Mannes, nachverfolgen. Nach jedem Absatz wechselt die Perspektive, d.h. der Leser folgt jeweils einer anderen Person in ihrem Tun und Denken.
Allen gemeinsam ist eine belastende Situation: das Pflegeheim. Subtil, empathisch, aber nicht aufdringlich oder emotional überfrachtet charakterisiert dieser Text die Gefühlszustände der Einzelnen. Daraus entsteht ein berührendes Gesamtbild.

Kurze Sätze, prägnant, eindeutig formuliert, ziehen beim Lesen in die Geschichte hinein und lassen einen bis zum Ende nicht mehr los. Jedes Wort steht an der richtigen Stelle, keines könnte man weglassen. Nach und nach erschließt sich das Schicksal einer Frau, ihres Sohnes und einer Pflegerin und wiederum deren Lebensumstände und die ihres Sohnes. Unterschiedliche Lebenssituationen, unterschiedliche Hoffnungen, unterschiedliche Wünsche. Kleine Details, genau beobachtet und aufeinander abgestimmt, fixieren das Erzählte unaufdringlich aber wirklichkeitsnah in der Gegenwart des Pflegeheims.

In dieser Erzählung geschehen nicht die großen Wunder oder die herzzerreißenden Tragödien. Sie erzählt leise – fast wie nebenbei – von einer schwierigen Lebenssituation, von einem schweren Alltag, der selten beim Namen genannt wird. Das gewählte Thema zählt eher zu den Tabuthemen unserer Zeit. Umso mutiger, dass bei diesem Text Krankheit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit beschrieben werden.“

Nachdem bei diesem Wettbewerb nur die ersten Plätze der jeweiligen Kategorie verliehen werden, bekamen die von der Jury als zweit- oder drittbesten Gereihten eine Anerkennungsurkunde für ihre herausragenden Beiträge überreicht.

PreisträgerInnen:

• 1. Platz Lyrik Deutsch / prvo mesto lirike v nemškem jeziku:
Frau/Gospa Anneliese Merkač-Hauser
• 1. Platz Prosa Deutsch / prvo mesto proze v nemškem jeziku: Frau/Gospa Mirjam Malej
• 1. Platz Lyrik Slowenisch / prvo mesto lirike v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Verena Gotthardt
• 1. Platz Prosa Slowenisch / prvo mesto proze v slovenskem jeziku: Frau/Gospa Natalija Šimunović

Herausragender Beitrag / odlično delo:

• Lyrik Deutsch / lirika v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Christine Ullreich
o Frau/Gospa Isabella Krainer
o Frau/Gospa Vera Wutti-Incko, Mag.phil.
o Frau/Gospa Waltraud Merl
o Frau/Gospa Dagmar Cechak
o Herr/Gospod Mag. Gerald Eschenauer
o Frau/Gospod Annemarie Seidl

• Prosa Deutsch / proza v nemškem jeziku:
o Frau/Gospa Rebekka Scharf
o Frau/Gospa Manuela Gunne
o Herr/Gospod Gerhard Benigni
o Frau/Gospa Dagmar Cechak

• Lyrik Slowenisch / lirika v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Lidija Polak
o Frau/Gospa Klavdija KIA Zbičajnik
o Herr/Gospod Mag. Ivo Ban, Prof.

• Prosa Slowenisch / proza v slovenskem jeziku:
o Frau/Gospa Ivana Hauser
o Frau/Gospa Simona Jerčič Pšeničnik
o Frau/Gospa Bojana Hudrap
o Frau/Gospa Maja Črepinšek
o Frau/Gospa Mag. Milojka B. Komprej

http://www.bleiburg.gv.at/kulturundtourismus/literaturwettbewerb.html

alle Fotos © Katja Podgornik / Stadtgemeinde Bleiburg

Gruppenbild 2, von links nach rechts:
Eva Verhnjak-Pikalo, Bürgermeister Stefan Visotschnig, Mirjam Malej, Natalija Šimunović, Annelise Merkač-Hauser, Arthur Ottowitz, Verena Gotthardt, Stadtrat Markus Trampusch

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Das unberechenbare Leben anhand zehn Erzählungen: MIRÓS MÄDCHEN von Harald Schwinger

Harald Schwingers neuer Erzählband MIRÒS MÄDCHEN (Edition Meerauge, Klagenfurt 2016) gibt einen unkonventionellen Einblick in das nicht immer planmäßig verlaufende Leben von Menschen in unserem Umfeld. Wie du und ich? fragt man sich da. Die Figuren seiner Lebensgeschichten scheinen auf den ersten Blick unauffällig, wie aus dem Leben gegriffen: Pechvögel, Einzelgänger, Burnoutkandidaten, Drogenabhängige, Beziehungsgestörte… und dann eben auch ein bisschen darüber hinaus.
Eines ist allen zehn Geschichten gemeinsam: das Unvorhersehbare, die unerwarteten Wendungen, die bizarren Situationen, die spannenden Konstellationen der einzelnen Protagonisten untereinander. Alles ist mit allem verwoben. Untrennbar, unglaublich…
In diesem Band des Kärntner Schriftstellers und Journalisten wird schonungslos freigelegt, was sich hinter den Fassaden verbirgt, da fallen Masken und jede Form von Hüllen. Es brodelt in den fein gesponnenen Erzählungen nur so vor Beziehungsproblemen, Sehnsucht, Neid, Sex, Hass, Ohnmacht und Machtgelüsten….
Die Titel der einzelnen Erzählungen lassen tief in die Abgründe der menschlichen Existenz blicken und sind präzise gewählt:
Mirós Mädchen /Wenn ich Sex will, kriege ich den/ Nackt, auf dem Bauch liegend/ Und wer beschützt unsere Frauen?/ Diktatorische Landschaft/ Wer ist wo /Vorsicht mit Namen/ Ein Freund in der Stadt/ Helps/ Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging
Das Lesen eines Schwingertextes ist wie die Berührung mit einer Brennessel: Zurerst streift man ganz sanft seine schön gebauten fast lyrisch anmutenden Anfangssätze, dann wird man immer mehr hineingezogen ins turbulente und spannende Geschehen (über sensible Charakterisierungen und skurrile oder erschütternde Beschreibungen der Umstände und Gefühlslandschaften) und am Schluss fühlt man es doch: das gewisse Nachbrennen.
Schonungslos wird die Spezies Mensch freigelegt: abgründig, vielschichtig und aufregend. Jede dargestellte und feingemeißelte Existenz bleibt fragil und unergründbar. Was bleibt sind Fragen, Ahnungen… auf jeden Fall keinerlei Langeweile.
Leseprobe (aus „Diktatorische Landschaft“):

„Ich stehe am Hotelzimmer. Lehne mich nach vor, eiskalter Wind fährt mir ins Gesicht. Es riecht nach Achselschweiß. Oder nach Fußschweiß. Oder nach beidem. Und der Geruch geht nicht von mir aus. Er geht von der Landschaft aus. Es ist nicht meine, so viel ist sicher. Noch weiß ich nicht, wie oder ob ich wieder zurückfinde. Fünfter Stock. Immerhin. Das würde reichen, auf alle Fälle. Ich habe mich überschätzt. Vielleicht hat mich die Unzufriedenheit leichtsinnig gemacht, überheblich. War ich unzufrieden? Ich weiß nicht mehr. Was es auch war, es hat mich dazu verleitet, meine inneren Grenzen verschieben zu wollen. Überrascht mich das wirklich? Meine Selbstüberschätzung? Nein.“
(S 55)
Seine letzte Erzählung in diesem Prosaband „Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging“ (S 145) wurde im Jahr 2012 vom Kärntner SchriftstellerInnenverband mit dem 1. Platz beim KSV- Literaturwettbewerb für neue Literatur in Kärnten ausgezeichnet.
Der Juryvorsitzende Engelbert Obernosterer meinte dazu in seiner Laudatio:
„Seine (Schwingers) Kurzgeschichte besticht durch die Direktheit, mit der er den Leser ab dem ersten Satz packt und gnadenlos in eine tödliche Drift hinein zieht. Die Gegenkräfte, die gut gemeinten Worte, die da Brücken über das Abgründige hin zu bauen versuchen, tragen nicht recht. Hohl klingt es unter der Oberfläche der Worte und am Ende stirbt von zwei Freunden der zuerst, der gerade dabei war, eine Grabrede für seinen todkranken Freund zu konzipieren. Im Ganzen führt der Text vor, wie jäh das Unberechenbare in unsere durchgerechnete Welt einbrechen und den aus den Geleisen werfen kann, der meinte, das Steuer des Handelns fest in der Hand zu halten.“

Harald Schwinger wurde 1964 geboren, es folgte ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Medienkommunikation. Nun lebt er als freischaffender Journalist und Schriftsteller mit Frau und Tochter in Wernberg bei Villach und schreibt vorzugsweise Prosa, aber auch dramatische Texte und Lyrik sowie neuerdings auch Kinderliteratur (Der Schnarchesel / Osel smrčač, Drava 2016).
Schwinger ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) und Mitbegründer des Kunstkollektivs WORT-WERK, das den experimentellen Literaturwettbewerb Die Nacht der schlechten Texte veranstaltet und u. a. die Anthologie „Best of worst“ (Edition Meerauge 2010) herausgegeben hat.
Diverse Veröffentlichungen von Kurzprosa und Lyrik in Zeitschriften und Anthologien (u.a. in Territorien des Selbst, Anja Bohnhof/Johannes Puch, Heyn 2015, literatur trifft fokus sammlung 04: TIERE, Museum Moderner Kunst Kärnten 2013; Salz, Zeitschrift für Literatur Nr. 140, Salzburg 2010)
Prosa:
Mirós Mädchen. Erzählungen, Edition Meerauge 2016
Die Farbe des Schmerzes. Roman, Edition Meerauge 2013
Zuggeflüster. Erzählungen, Edition Meerauge 2011
Das dritte Moor. Roman, Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2006
Theaterstücke/Drehbücher (Auswahl):
ZALA, Drama in sieben Bildern / Drama v sedmih slikah, Edition Meerauge 2011 (gemeinsame Autorenschaft mit Simone Schönett, Auftragswerk für das zweisprachige teatr trotamora unter der Regie von Marjan Štikar)
Innere Liebe, Drehbuch (gemeinsame Autorenschaft mit Simone Schönett)
Auszeichnungen (Auswahl):
2016: Projektstipendium des Österreichischen Bundeskanzleramts Abteilung Kunst und Kultur
2014: Zweiter Platz beim Kärntner Lyrikpreis der STW Klagenfurt Gruppe
2012: Preis des Kärntner SchriftstellerInnenverbandes für die Erzählung „Der Tag, an dem ein Toter nachts spazieren ging“

Blog-Cover-Schwinger_Miros Maedchen_

Harald Schwinger
Mirós Mädchen
Erzählungen
152 Seiten,
bibliophiles Lesebändchen
Edition Meerauge,
Johannes Heyn-Verlag
Klagenfurt/Celovec 2016,
ISBN 978-3-7084-0577-3,
€ 21,90

www.meerauge.at

http://www.meerauge.at/assets/files/Leseproben%20PDF/Harald%20Schwinger_Miros%20Maedchen_Leseprobe.pdf

Ich danke der Edition Meerauge für das Rezensionsexemplar.

Foto © Gabriele Russwurm-Biro

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Trümmer und Kamillentee – Ein BUCH 13-Literaturmontag mit Ilse Gerhardt und Siegfried Paul Gelhausen in Klagenfurt

Die allseits bekannte und geschätzte Kulturjournalistin und scharfe Kritikerin der Kärntner Kulturpolitik, Ilse Gerhardt, ist auch als Autorin aus der heimischen Literaturlandschaft nicht wegzudenken. „Feinzüngig und mit klaren Worten Stellung beziehend“, beschreibt Buch 13 Obmann Gerald Eschenauer seinen Gast an diesem „Literaturmontag“-Abend im Klagenfurter Eboardmuseum. Nach ihrer Pensionierung beginnt ihre literarische Tätigkeit. 2013 erscheint der erste Roman „Mischling“ im Verlag „Styria Premium“. Im April 2015 folgt der Erzählband „ Aus Trümmern zusammengewürfelt“ im Hermagoras Verlag zusammen mit ihrer Freundin Edith Darnhofer-Demár.
Geboren wurde Ilse Gerhardt am 14. April 1944 in St. Veit a. d. Glan, machte 1963 Matura am Humanistischen Gymnasium Klagenfurt, studierte 5 Jahre Medizin in Wien und schloss 1968 an der Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt ihre Ausbildung ab. Danach folgten 5 Semester Lehrtätigkeit an Pflichtschulen, dann die Flucht nach Graz, wo sie 1971 bis 1975 Geschichte und Philosophie an der Grazer Universität studierte.
Seit 1974 ist sie Journalistin, angestellt bei Kärntner Tageszeitung (1975 bis 1978) und Volkszeitung (1979 bis 1990) als Leiterin der Kulturredaktion.
20 Jahre lang arbeitet sie als Kärnten-Korrespondentin der Austria Presseagentur ( Kultur), der Wiener Zeitung, der Zeitschrift Die Furche und anderen Printmedien. Beim ORF war sie als Redakteurin seit 1990 tätig und hat zahllose Radio- und Fernsehberichte auch für andere deutschsprachige Sender verfasst. Seit 1994 war sie auch parallel Ressortleiterin Kultur für die Kärntner Woche. 1994 bis 1997 war sie Jurysprecherin zum Frauenkulturpreis der SPÖ.Frauen, in den Jahren 1998 bis 1999 engagierte sie sich als Galeristin und Inhaberin einer Künstlervermittlung. 2007 bis 2009 trat sie als Präsidentin der Österr.-Israelischen Gesellschaft im Erscheinung. Sie gestaltet Kulturevents. Derzeit (seit 2012) arbeitet sie ehrenamtlich als Obfrau der IG AutorInnen Kärnten und im Vorstand des Naziopfervereins Memorial Kärnten/Koroska. Sie spricht sieben Sprachen und hat Freude daran, stets neue Sprachen zu erlernen.
Seit ihrer Pensionierung 2004 ist sie immer noch als freie Journalistin tätig (Kärntner Woche, DIE BRÜCKE), ab 2000 Organisation und Leitung von Kulturfahrten, tritt seit 20 Jahren als Interpretin von jiddischer Liedkultur auf. Seit 2008 Jurorin beim Lyrikpreis der Klagenfurter Stadtwerke.
http://www.mohorjeva.com/knjige_buecher/autor_detail/ilse-gerhardt

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Für Gerhardt ist der derzeitige Literaturbetrieb in Kärnten „das Gegenteil von befriedigend, es gibt viele talentierte heimische AutorInnen und anstatt sie zu fördern, lässt man sie einfach brach liegen“. Ein Roman ist seit zwei Jahren fertig und wartet auf einen guten Verlag. Derzeit arbeitet sie gerade an einem weiteren Roman zum Thema Mobbing an der Kärntner Tageszeitung.
Was könnte man im Literaturgeschehen ändern? Wird Ilse Gerhardt gefragt und ihre Antwort ist: „Viele Lesungen veranstalten und man sollte einen eigenen Verlag gründen, der ausschließlich Kärntner AutorInnen verlegt, aber ich bin schon 72 Jahre alt…“

Textprobe von Ilse Gerhardt aus dem Buch: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“- Eine Kärntner Nachkriegsmischkulanz (Kurzgeschichten und Jugenderinnerungen von den beiden Kärntner Autorinnen Ilse Gerhardt und Edith Darnhofer-Demár, Hermagoras-Verlag 2015)

KONTAKTOFEN und Co
„Die Achtundsechzigerrandalen hatten sich in Berlin, Paris und Wien bereits 1965 angekündigt. In Klagenfurt machten sie sich erst 1970/71 bemerkbar.
Erst einmal traten radikale Mütter in Erscheinung. Sie schworen auf antiautoritäre Erziehung und beseitigten – nach den sittenstrengen Fünfzigerjahren – alle vorhandenen Leinen, an denen die Kinder gegängelt wurden. Dieser Laissez-faire-Stil wurde bald zur Mode. Die fortschrittlichen Mütter zogen ein in das Abbruchhaus (heute Musikschule) zwischen Stadttheater und Theatercafé, nahmen den Theaterpark ein, heute Norbert-Artner-Park, ließen ihr Kinder toben, malen und schreien und einander mit Farbe beklecksen.
Junge Intellektuelle trafen sich hier, um die Probleme der Zeit zu analysieren. Natürlich wurde nicht nur Kaffee getrunken, natürlich wurden bei dieser Gelegenheit die Diskussionen heiß und heißer. Unterdessen beschmierten die befreiten Kinder die Wände und einander und ihre latzbehosten Mütter schwärmten von freier Liebe und vom Hängendgebären…. (S 129)

Weiters las Gerhardt ihre Kindheitserinnerung eines unliebsamen Frisörbesuchs „Schönheit muss leiden“ (S 41) und die humorvolle Kategorisierung des Typus „Dame“ als Kurzgeschichte verpackt: „Nur für Damen“ (S 95).
In diesem Buch erzählen beide Autorinnen ihre Kindheitserinnerungen aus der Trümmerzeit der Vierziger- und Fünfzigerjahre in Kärnten, die von der britischen Besatzungsmacht und strengen Moralbegriffen bestimmt waren (Nachkriegsmischkulanz), und der wilden Zeit der Sechziger- und Siebzigerjahre. Amüsant und nachdenklich werden gesellschaftliche Entwicklungen in Kärnten beschrieben, die bisher literarisch und historisch noch nicht genügend aufgearbeitet wurden.

http://www.mohorjeva.com/knjige_buecher/detail/aus-truemmern-zusammengewuerfelt

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Der zweite interessante Gast des Literaturabends von Buch 13 ist Siegfried Paul Gelhausen und ein Autor, der aus dem Kärntner Drautal stammt und völlig konträr zur kurzlebigen Autorenschaft agiert. Bei ihm darf sich sein literarischer Prozess entwickeln und wachsen.
Seit zwei Jahren arbeitet er an seinem autobiografischen Roman „DAS KAMILLENTEE-HAUS“, aus dem er auch eine unveröffentlichte Textstelle mit Erinnerungen an seinen Vater, der aus Deutschland stammte und in den Wirrnissen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zufällig in Irschen landete, vortrug. Sein literarischer Mentor, der ihm nahe steht, ist der aus dem Gailtal stammende Humbert-Fink-Preisträger 2016, Engelbert Obernosterer.
Wichtig als Vorbild ist für Gelhausen der Schriftsteller Bernhard C. Bünker. Der aus Kärnten stammende Autor hat sich vor allem in Dialekttexten kritisch mit seiner Heimat auseinandergesetzt. Peter Turini charakterisierte Gelhausens literarisches Werk: „Gelhausens Dorfbeschreibungen sind von düsterer Genauigkeit, von detaillierter Beobachtung scheinbar kleiner Vorkommnisse, aber daraus entsteht ein großes Bild“.

„Mit einem gewissen Alter rückt die Kindheit immer näher,“ erklärt Gelhausen seine Arbeit an seinem Roman. „Wenn aus meinen Aufzeichnungen ein Buch wird, dann würde es mich freuen, es ist mir wichtig, dass ich das ganze Erlebte niederschreiben kann, das ist meine Art von Psychotherapie. Mir ist dabei das Schreiben wichtig, damit verarbeite ich meine Kindheitserlebnisse. Wenn ich etwas schreibe, dann muss ich es selbst erlebt haben, kann nur schreiben, von was ich eine Ahnung habe. Mein Vater war für mich bis zu seinem Tod ein Fremder. Ich konnte erst nach dem Tod über den Vater schreiben, jetzt habe ich die richtige Distanz zu ihm. Außerdem habe ich immer das Gefühl, ich werde nicht fertig mit dem Text.“

Siegfried Paul Gelhausen wurde am 27. 5. 1950 geboren und wuchs im Wald und auf der Alm in Pflügen bei Irschen im Kärntner Drautal auf.
„Sechs Kilometer Schulweg zu Fuß täglich bei jeder Witterung haben mich die Natur erleben lassen wie sie heute kaum noch ein Kind kennt! Ich habe von früher Kindheit an die Arbeit und das Leben am Bauernhof in all seinen Facetten kennengelernt. Auf Grund der geografischen Lage des Heimatortes, hohe Berge im Norden und im Süden, entstand schon früh das Bedürfnis auszubrechen, einfach nur davon zu laufen…! Weil das aber nur schwer möglich war, suchte ich einen anderen Notausgang, begann zu malen und zu zeichnen,“ erzählt Gelhausen.

Als 18 Jähriger las er in der Zeitung von einer Ausstellung eines Prof. Theo BRAUN aus Wien in der Galerie zur Stadtmauer in Villach Es entstand eine tiefe Freundschaft . Monatelang durfte Gelhausen in seinem Atelier in Brunn am Gebirge mit ihm arbeiten und neue Techniken erlernen, unter anderem die der Eisenradierung. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in der Kellergalerie des Klagenfurter Stadthaues.
1980 begann er seine literarische Tätigkeit mit Dialekt-Texten:

1982 Erste Buchveröffentlichung mit; „WETTERLEUCHTN“ Verlag Welsermühl, Oberösterreich.
1985 „MEINE WÖRTA“ Dialekt-Lyrik im FIDIBUS.
1986 „WORTE ZU STEIN“ Künstler helfen Indien. Verlag Ueberreuter / Wien
1987 Reise nach Süd-Ostasien.
Sechsmonatiger Aufenthalt in einer Bambushütte auf der Thailändischen Insel Phuket.
1988 Reise nach Südamerika.
Dreijähriger Aufenthalt in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays als Betreiber eines Österreichischen Restaurants, einem Treffpunkt deutschsprachiger Einwanderer.
In der Zeit immer wieder Ausflüge in die Nachbarländer Argentinien und Brasilien.
1990 Rückkehr nach Kärnten.
1991 entstand die FIDIBUS Sonderausgabe; „ROTER STAUB IM LILAWOLKENLAND“. Erinnerungen an Südamerika.
1993 Literaturpreis für Dialekt-Lyrik verliehen von der
Freien Akademie Feldkirchen, Kärnten.

1994 Arbeitsstipendium vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst.
Der Dialekt-Lyrikband; „MEI LONGE WONDASCHOFT ZUR SUNN“ erscheint im Verlag Carinthia, Klagenfurt.

1996 Der Komponist Dr. Günther ANTESBERGER vertont meine Dialektlyrik-Texte. Diese werden beim „Carintischen Sommer“ in Stift Ossiach uraufgeführt.

2002 Erscheint bei FIDIBUS die Sonderausgabe; „IM SCHATTEN DES MANGOBAUMES“. Ein Tagebuch über die Suche und Rückholung meiner 6 jährigen Tochter aus Paraguay, Südamerika.

2003 Ein Lyrik-Text von mir in der Buchausgabe; „KÄRNTEN LITERARISCH“ Herausgeber Klaus Amann, Verlag Drava.

2007 Fünf neue Werke meiner Lyrik-Texte, vertont von Dr. Günther ANTESBERGER werden im Wappensaal Klagenfurt vom Kammerchor Klagenfurt-Wörthersee uraufgeführt.

2012 „DAS DORF“, hochsprachliche Lyrik-Texte mit einer Rezension von Peter TURRINI.

2014 Kulturpreis der Stadt Klagenfurt im Rahmen des STW Lyrikpreises.

http://gelhausen-siegfried.page4.com/

Danke Ilse Gerhardt für das persönlich gewidmete Rezensionsexemplar des Erzählbandes: „Aus Trümmern zusammengewürfelt“ (I. Gerhardt/ E. Darnhofer-Demár), Hermagoras 2015

Alle Fotos © BUCH13 I Eschenauer

Gruppenfoto: v.li.: Siegfried Paul Gelhausen, Buch 13-Obmann Gerald Eschenauer, GAV- Kärnten Obmann Josef K. Uhl, IG-Autorinnen Autoren-Obfrau Kärnten Ilse Gerhardt

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„Kino-Kultur bewegt Kärnten“ – Horst Dieter Sihler über das Kino im 20. Jahrhundert

„Eigentlich hätte dieses Kinobuch schon in den 90er-Jahren, gegen Ende des letzten Jahrhunderts erscheinen sollen, aber eine schwere Krankheit verhinderte das. Nach Jahren aufgetaucht aus dieser bewusstlosen Zeit, aus meinem ganz persönlichen schwarzen Loch, schrieb ich im ersten Hoch – zur Überraschung aller – mein Poesiebuch AM ANFANG WAR DIE POESIE (Meine Gedichte des 20. Jahrhunderts) – und konnte jetzt, fast zehn Jahre später, in meinem zweiten Hoch, endlich mein Kinobuch fertigstellen“, erklärt der Kärntner Autor, Filmkritiker und Gründer der DIAGONALE Horst Dieter Sihler die Umstände, die dieses Buch entstehen ließen, in seinem Nachwort.

Sihler bewertet seine 391 Seiten Kinoliteratur als eine „subjektive, aber ehrliche Rückschau“, er sieht sich selbst nicht als Filmhistoriker, auch nicht als Filmwissenschaftler, sondern nur als einen Filmjournalisten, „einen stets neugierigen Sucher nach dem Neuen und Humanen in der Filmkunst, wo immer es auftritt“ (S 391). Wie alles für den jungen Journalisten 1969 begann, kann man auf Seite 200 nachlesen: „Kino-Kultur bewegt Kärnten“.
70 Jahre Filmgeschichte im Überblick werden in 13 Kapiteln in fesselnden Berichten nachvollziehbar gemacht: Auszüge aus Essays, Filmkritiken und Festivalberichten, die in der Presse und im ORF erschienen sind, können nun nachgelesen werden. Zwischen den Analysen eingeflochten sind immer wieder autobiographische Splitter („Nachruf auf mich selbst – Vorzutragen beim Abschiedsfest nach meinem Ableben“ S 312), das Beste aus dem „Filmtagebuch von hds“, aufgelockert durch Gedichte Sihlers, Anekdoten aus einem erlebnisreichen Journalistenleben und einer historisch wertvollen Fotogalerie zur Dokumentation. Daher kann man diese Sammlung auch als enormes zeitgeschichtliches Dokument verstehen und nachlesen, wie die Kulturpolitik mit dem Medium Film umgegangen ist: Erlebte und genau dokumentierte Filmgeschichte. Man erfährt auch von den Förderern in Graz und jenen aus Klagenfurt (Humbert Fink/ Trude Polley/ Walter Novotny) (S 292) und Sihlers Begegnung mit Christine Lavant (S 293). Diesen Überblick über 70 Jahre Kino legt man nicht kurzerhand zur Seite, es interessiert den Leser vom Anfang bis zum Ende.

Von den ersten Filmerfahrungen bei der Nazi-Wochenschau, über jugoslawische Filmvisionen, der Kamera als Waffe bis zu den heimischen Film- und Kinokämpfen deckt Sihler ein breites Spektrum ab. „Wir sind alle kleine Mephistos“ schreibt Sihler zu István Szabós Erfolgsfilm:
„MEPHISTO markiert einen Neubeginn. Die Wahl des Themas – der unpolitische Künstler, der sich zum Aushängeschild einer politischen Macht machen läßt – sichert das Interesse im Westen. Aber jede Interpretation ist naiv, die nur das Thema Künstler im Dritten Reich sieht. Szabós Schlüsselfilm über das Verhältnis des Künstlers zur Macht geht weit über die Satire von Klaus Mann hinaus. Sein MEPHISTO zielt auch auf den Künstler unter Stalin und vor allem – und das macht seine eigentliche Bedeutung aus – auch auf alle Anpassungskünstler, Kompromissler und Opportunisten in unseren westlichen Demokratien. MEPHISTO trifft auch den Kulturbetrieb im Westen und die Alibifunktion bürgerlicher Fassadenkultur. Um es mit den Worten Szabós zu sagen: MEPHISTO ist ein Grundtyp, den jedes mangelhaft funktionierende politische System für sich nutzen kann. Wir sind alle kleine MEPHISTOS.“ (S 103)

Horst Dieter Sihler: Geboren 1938 in Klagenfurt. Sihler ist bekannt als Vater der alternativen Kinoszene in Österreich, als Programmkinoleiter und als Gründer der DIAGONALE.
Ursprünglich war er Maschinenbau-Ingenieur, gleichzeitig Kulturkritiker und auch Poet, Lehrbeauftragter und Kinomacher. Filmkritiker für die regionale und überregionale Presse („Neue Zeit“, „Kleine Zeitung“, ORF, FAZ usw.). Zahlreiche Reisen zu Filmfestivals in West- und Osteuropa seit 1966.
Organisator unzähliger Filmveranstaltungen. 1977 „1. Österreichische Filmtage“ (heute „Diagonale“) in Velden gegründet, 1982 „1. Österreichische Kino-Tagung“ in Tainach/Tinje. 1979 Gründer des Vereins Alternativkino. Programmkinoleiter (Neues Volkskino Klagenfurt). Medien-Kulturpreis des Landes Kärnten 2008, Kärntner Lyrikpreis. Veröffentlichungen: Gedichte in „manuskripte“, „Frage und Formel“, „Literatur und Kritik“. „Am Anfang war die Poesie“ (Meine Gedichte des 20. Jahrhunderts, Wieser-Verlag 2009).

Blog-Foto-Cover

Horst Dieter Sihler
Mein Kino des 20. Jahrhunderts
Erlebte Filmgeschichte
Wieser Verlag,
Klagenfurt 2016
ca. 400 Seiten, gebunden,
ISBN: 978-3-99029-181-8
29,95 €

https://www.wieser-verlag.com/buch/mein-kino-des-20-jahrhunderts/

Ich danke Horst Dieter Sihler und dem Wieser-Verlag Klagenfurt für das Rezensionsexemplar.

Alles Fotos © Gabriele Russwurm-Biro

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